Das Scheidungskind, das die Welt veränderte

Vor ein paar Tagen, jährte sich zum dritten Mal der Todestag dieser eigentlich ganz unscheinbaren Frau: Mutter Angelica verstarb in der Osternacht am 27. März 2016.

Sie hat in ihren letzten Lebensjahren viel gelitten. Der letzte Schlaganfall raubte ihr das wichtigste Instrument, das sie hatte: Ihre Stimme. Davor hatte sie bereits Fernsehgeschichte geschrieben.

Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, war als Scheidungskind gebrandmarkt und von ihrer schweren Krankheit gezeichnet. Doch sie verlor selbst dann nicht ihren Humor, als sie eines Tages gegen den Willen ihrer Mutter ins Kloster eintrat. Es war eine schwere Zeit, eine Mitschwester von damals berichtete, dass die junge Schwester Angelica von der Oberin wiederholt öffentlich für ihr Verhalten gerügt wurde. Als Angelica nach einer dieser Standpauken wortlos zu ihrem Platz zurückging und mit großem Appetit zu essen begann, fragte ihre Mitschwester mit Tränen in den Augen, wie sie denn jetzt noch essen könne. “Weil ich Hunger habe”, so die lapidare Antwort der jungen Novizin.

Mutter Angelica (rechts) und ich. Das Foto entstand auf dem Weltjugendtag 2016 in Krakau, als ich das Zelt von EWTN Deutschland “bewachte”.

Vielleicht war es diese Mischung aus Humor und Dickköpfigkeit, die die Nonne letztlich dazu veranlasste, mit einem Kapital von gerade einmal 200 Dollar das mittlerweile größte katholische Mediennetzwerk aus dem Boden zu stampfen: Das Eternal Word Television Network, kurz: EWTN.

Seit 2013 darf ich Teil dieser Geschichte sein als Mitarbeiter von EWTN Deutschland. Bei all den Auf und Abs ist mir besonders ein Satz von Mutter Angelica wichtig geworden:

“Wenn du nicht den Mut hast, etwas Lächerliches zu tun, kann Gott auch nichts Wunderbares daraus machen.”

Papst Franziskus hat kurz nach ihrem Tod gesagt, dass sie bestimmt im Himmel sei. Auch wenn Erzbischof Georg Gänswein vor wenigen Tagen noch augenzwinkernd nachschob: “Das war keine Heiligsprechung”: Wirklich wundern würde es mich nicht.

Ruhe in Frieden, Chefin!

Mein ausführliches Porträt der EWTN-Gründerin kann man gerne hier bei CNA Deutsch nachlesen.

Schreibe einen Kommentar