„…aber trotzdem gut drauf“

Ich habe diesen Satz schon hundertfach gehört und wahrscheinlich habe ich mich selber oft genug genau so verhalten:

„Hey, ich bin Christ, aber trotzdem (!) gut drauf!“

Wer betonen muss, etwas Besonderes besonders zu sein (in diesem Fall: gut drauf), ist oft genau das nicht, was er vorgibt zu sein (nämlich: gut drauf). Klar, in einem Umfeld, das meinem Glauben gegenüber nicht sehr aufgeschlossen ist, wo ich unter besonderer Beobachtung stehe und ich mich frage, ob ich überhaupt hierher gehöre, kann mich durchaus das Bedürfnis überkommen, allen zu beweisen, dass ich gerade nicht so bin, wie man sich einen praktizierenden Christen vorstellt.

Es kann gut sein, dass ich der einzige leibhafte Christ bin, dem meine Mitmenschen begegnen. Der Druck ist hoch. Wie soll ein einziger Mensch vielleicht sogar an einem einzigen Abend mit Vorurteilen aufräumen, die schon mehrere Jahrhunderte alt sind? Zumal nicht alles, was uns Christen betrifft, zwangsläufig Vorurteile sind? Wie groß ist da die Versuchung sich zu verstellen, um den anderen mit aller Gewalt zeigen zu können, wie witzig / intelligent / gutaussehend / charmant / unangepasst / rebellisch / selbstbewusst man ist, obwohl (!) man doch Christ ist…

Aber eigentlich ist das doch scheiße.

Sind wir nicht witzig / intelligent / gutaussehend / charmant / unangepasst / rebellisch / selbstbewusst, gerade WEIL (!) wir Christen sind?

Und falls nicht alles auf einen selbst zutreffen sollte, zumindest eines kann jeder sein:

Echt.

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