Das Ketz-Portal

In einem längeren Facebook-Beitrag hat “katholisch.de”, das “Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland” (Selbstbezeichnung), die Verhaltensregeln für die Online-Community noch einmal betont. Der Chef vom Dienst, Björn Odendahl, hat unter anderem angekündigt, dass Hasskommentare auf der Facebook-Seite rigoros gelöscht werden. Das war auch bisher schon gängige Praxis, doch offenbar sah sich die Führungsriege aufgrund der Zunahme solcher Kommentare dazu veranlasst, erneut eine Lösch-Androhung auszusprechen.

Was überrascht ist dagegen die Auflistung der verbotenen Kommentare. Das meiste davon ist zwar nicht der Rede wert, da es die üblichen Anstandsregeln sind, die mit dem gesunden Menschenverstand nachzuvollziehen sind und keiner weiteren Erläuterung bedürfen. Erstaunlich ist dagegen folgendes Tabu:

“Dafür machen wir von unserem ‘Hausrecht’ Gebrauch, Kommentare radikal zu löschen und User zu sperren, die eben dieses Klima vergiften. Wir tun das, wenn Nutzer (…) unsere Redaktion als häretisch betiteln.”

Hausrecht ist Hausrecht und wessen Kommentare das Lösch-Kommando unbeschadet überstehen werden, liegt einzig im Ermessen des Seitenbetreibers; diese Freiheit sollte einem jeden zugestanden werden, der eine Facebook-Seite betreut.

Interessant dagegen, dass man bei “katholisch.de” mittlerweile empfindlich auf den Vorwurf reagiert, man sei “häretisch”. Es scheint so, als sei diese Kritik schon öfter an die tapferen Mitstreiterinnen und -streiter von Björn Odendahl herangetragen worden, was als Reaktion auf die Texterzeugnisse von dort nicht zwangsläufig verwundern muss.

Den Vorwurf, man sei ein Geizhals, kann man entkräften, indem man sich bei nächster Gelegenheit etwas großzügiger zeigt. Der Vorwurf, man sei Häretiker, kann dagegen widerlegt werden, indem man sich klar zur Kirche, ihrem Lehramt und der Botschaft Christi bekennt, die Angriffe tapfer erträgt und froh das Evangelium verkündet, sei es gelegen oder ungelegen.

Oder man “verbietet” öffentliche Kritik von vornherein.

Wie dem auch sei; einige, die es sich immer wieder einen Spaß daraus gemacht haben die Online-Redaktion des “Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland” (Selbstbezeichnung) durch schmissige Kommentare auf Trab zu halten, werden sich künftig das Wort “häretisch” verkneifen müssen, wenn sie nicht komplett gesperrt werden wollen.

Ob das auch für das Wort “Ketzer” gilt?

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