Das vielleicht beste Ostern – mit Abstand!

Es war nur ein kleines Kuvert, das ich am Gründonnerstag an der Klosterpforte abgeben musste. Darin befand sich ein kleiner Zettel, der eng beschrieben war. Der Inhalt jedoch war hochbrisant. Ich legte das Kuvert an der Tür ab, nachdem ich es ausreichend desinfiziert hatte. Die Nonne hinter der Glaswand nickte mir vielsagend zu. Dann verschwand ich. Sie würde das Kuvert nun holen und weiterreichen an den Mann, der hundert Meter weiter am Fenster auf mich wartete. Nachdem er meinen Zettel gelesen hatte, öffnete er das Fenster, sprach mir aufmunternde Worte zu und erteilte mir im sicheren Abstand von zwei Metern die Lossprechung.

Mit Sicherheit war das die außergewöhnlichste Osterbeichte, die ich bisher abgelegt hatte. Und sie war auch nur eine von vielen kreativen Möglichkeiten, die sich Seelsorger momentan einfallen lassen, um den Gläubigen gerade jetzt irgendwie die Sakramente zugänglich zu machen.

Doch es gibt auch Katholiken, die einen ganz anderen Weg wählen. Zum Beispiel: Den Rechtsweg. 

Mittlerweile sollen offenbar gleich drei Eilanträge dem Bundesverfassungsgericht vorliegen. Wie CNA Deutsch bereits am Donnerstag berichtete, möchte unter anderem das Berliner Institut Sankt Phillipp Neri in die nächste Instanz gehen, nachdem die Klage gegen das Verbot öffentlicher Gottesdienste am Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg abgewiesen wurde. Wie wir am Karfreitag erfahren haben, sollen demnach zwei weitere Personen einen Eilantrag gestellt haben.

Ein Mann aus Hessen, der in erster Instanz noch am Hessischen Verwaltungsgerichtshof mit seiner Klage gescheitert war, soll nun offenbar ebenfalls einen Eilantrag am Verfassungsgericht eingereicht haben. Auch eine Anwältin aus Heidelberg hat sich an das Gericht gewandt. Sie wirft dem Staat Verletzung der Grundrechte vor, die aus den Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie resultieren. Dadurch werde auch das Recht auf ungestörte Religionsausübung verletzt, argumentiert die Klägerin. Ein weiterer Eilantrag wurde bereits am Gründonnerstag vom bayerischen Verwaltungsgerichtshof abgelehnt.

Gerald Goesche, der Probst des Instituts Sankt Philipp Neri, hatte gegenüber CNA Deutsch seine Klage damit begründet, dass es der Regierung nicht zustehe, durch das Verbot die Art und Weise der Religionsausübung zu bestimmen. “Aktuell wird vom Staat ganz schön in die Kirche hineinregiert”, sagte uns Probst Goesche am Telefon.

Ob die Klagen Erfolg haben werden, ist eher unwahrscheinlich. In den bisherigen Gerichtsurteilen wurde eine Lockerung der momentanen Regelung unter anderem deswegen abgelehnt, da die Einschränkung der Religionsfreiheit zum einen nur vorübergehend sei und zum anderen der Schutz des menschlichen Lebens oberste Priorität habe.

Ohne Anwalt, doch mit viel Kreativität versuchen derweil das Kolpingwerk und Kirchenzeitung des Bistums Hildesheim das Beste aus der Situation zu machen. Wie gestern bekannt gegeben wurde, soll am Ostersonntag auf dem Hildesheimer Volksfestplatz ein katholischer „Drive-in“-Gottesdienst mit Eucharistischer Anbetung stattfinden. Nach dem Vorbild eines Autokinos sollen die Teilnehmer der Messe mit dem Pkw anreisen und im Auto sitzen bleiben. Auf einer Bühne soll der Altar aufgebaut werden, den Ton können die Gläubigen über das Autoradio empfangen. Zwar kann aufgrund der Infektionsgefahr keine Eucharistie ausgeteilt werden, doch die Veranstalter laden alle Teilnehmer dazu ein, das Gotteslob mitzubringen und die Kirchenlieder im Auto kräftig mitzusingen.

Positiver Nebeneffekt: Laut einer Studie aus dem Jahr 2016, die die University of Gothenburg in Schweden in Auftrag gegeben hatte, leben diejenigen Menschen gesünder und glücklicher, die hin und wieder laut im Auto mitsingen…

Wenn Sie keine Möglichkeiten haben an einem solchen Gottesdienst teilzunehmen, schauen Sie gerne mal bei den Kollegen des katholischen Fernsehsenders EWTN vorbei. Unter www.ewtn.tv finden Sie zahlreiche Möglichkeiten zur Mitfeier am Fernseher und über den Internet-Livestream.

Wie auch immer Sie die Kar- und Ostertrage verbringen müssen, vergessen Sie eines nicht:

Ostern ist immer noch das wichtigste Ereignis der Menschheitsgeschichte.

Auch in diesem Jahr.

Und zwar: Mit Abstand.

Dieser Text war die Vorlage für meinen Beitrag zum aktuellen CNA-Deutsch-Podcast. Wenn Sie lesefaul sind, können Sie ihn sich dort nochmal vortragen lassen.