“Synodaler Weg”: Paukenschlag aus Köln, Durchhalte-Parolen aus Limburg

Wie verbindlich ist eigentlich das Lehramt der Katholischen Kirche? Gerade in Hinblick auf die Sexualität wird diese Frage in Deutschland erneut diskutiert. Einmal mehr macht der sogenannte „Synodale Weg“ als möglicher Gegner der bisherigen Kirchenlehre auf sich aufmerksam. Und das, obwohl bereits von Anfang festgelegt war, dass zumindest der „Synodale Weg“ kirchenrechtlich unverbindlich bleibt.

Am gestrigen Donnerstag überraschte der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp mit einem Paukenschlag: In einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung „DIE TAGESPOST“ teilte er mit, dass er seine Arbeit im Synodalforum beenden wird. Dieses Forum, das unter dem Titel „Leben in gelingenden Beziehungen“ steht, beschäftigt sich vor allem mit der Sexualmoral der Kirche.

“Wenn das Fundament eines Hauses in Treibsand gesetzt ist, vermag ich nicht daran mitzubauen”, so begründete der Weihbischof gegenüber in der “TAGESPOST” seine Entscheidung.

Was war passiert?

Im Synodalforum sei ein Arbeitspapier verabschiedet worden, das ganz offen eine Änderung der bisherigen, verbindlichen Auffassung der Kirche forderte, unter dem Stichwort: „Weiterentwicklung der katholischen Sexuallehre“. Darin wurde unter anderem behauptet, dass die Sexualität des Menschen „polyvalent“ sei.

Unter diesen Voraussetzungen könnten schließlich empfängnisverhütende Maßnahmen ebenso gerechtfertigt werden wie Masturbation oder homosexueller Geschlechtsverkehr. Auch das “Nein” der Kirche zur Praxis der künstlichen Befruchtung sollte auf Grundlage des Arbeitspapiers “neu bewertet” werden – dies alles waren jedoch Schritte, die der Kölner Weihbischof nicht mitgehen wollte.

Im Gespräch mit CNA Deutsch wies Schwaderlapp noch einmal die Schätze und die Schönheit der kirchlichen Sexuallehre hin. Sexualität, so seine Überzeugung, ist in seiner ganzen Fülle ein „Gottesgeschenk“. Liebe und Fruchtbarkeit dürfen nicht getrennt werden.

Da allerdings im Synodalforum eine Grundsatzdebatte über das vorgelegte Arbeitspapier mit großer Mehrheit abgelehnt wurde, sah sich Schwaderlapp schließlich gezwungen, die Mitarbeit zu beenden. Gegenüber uns sagte der Kölner Weihbischof wörtlich:

“Die wachsende Distanz zwischen Lehre der Kirche und Leben der Gläubigen offenbart aber nach meiner Meinung auch: Gerade die Verkündigung der Sexualität als Gottesgeschenk, das herausfordert, haben wir – zumindest in Deutschland – in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt. Das muss sich dringend ändern.”

Dass sich etwas ändern muss, davon ist auch der aktuelle Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, überzeugt. Der Limburger Bischof hat sich einmal mehr dafür ausgesprochen, die Lehre der Kirche auch in grundlegenden Punkten „weiterzuentwickeln“, wie er es formuliert. Faktisch jedoch verfolgt er damit eine bestimmte Ausrichtung des „Synodalen Weges“, die dasselbe Ziel im Visier hat wie die Arbeitsgruppe, die Weihbischof Schwaderlapp nun unter Protest verlassen hat: Nämlich eine Außerkraftsetzung bisheriger verbindlicher Kirchendokumente.

Bischof Bätzing erklärte in einem Interview mit “Publik Forum”:

“Mehrere Päpste haben betont, die Frage der Zulassung von Frauen zum Priesteramt sei eine geschlossene Frage“.

Da mache auch Papst Franziskus keine Ausnahme. Dennoch müsse man weiter im Gespräch bleiben und die Situation „neu bewerten“. Auch bei der Möglichkeit, homosexuellen Paaren einen kirchlichen Segen zu erteilen, sieht der DBK-Vorsitzende Spielraum. 

Noch eindeutiger wird Bätzing allerdings bei der Frage zur Interkommunion. Wörtlich:

“Christinnen und Christen können mit guten Argumenten und nach eigenem Gewissen entscheiden, an der Eucharistie- oder Abendmahlsfeier der je anderen Konfession teilzunehmen, weil es im Sinngehalt dessen, was wir glauben und feiern, doch mittlerweile so viel Übereinstimmung gibt.”

Ausländische Beobachter hatten mehrfach die Befürchtung geäußert, dass die Initiatoren des „Synodalen Weges“ – inklusive eines Großteils der deutschen Bischofskonferenz – einen deutschen Sonderweg anstreben.

Nach jetzigem Stand scheinen sich diese Prognosen zu bestätigen. Dass Teile der Kirchenleitung aus Treue zur Lehre der Kirche und aus Gewissensgründen vorzeitig aussteigen wie im Fall des Kölner Weihbischofs Dominikus Schwaderlapp, bleibt bis jetzt noch eine Ausnahme. 

Inwieweit sich die Situation noch zuspitzt und ob oder wann ein päpstliches Machtwort aus Rom vorzeitig die Notbremse ziehen wird, dürfte noch unklar sein. Die Initiatoren selbst rechnen jedoch mit einem langen Atem: Am Freitag gaben sie bekannt, dass sie den „Synodalen Weg“ aufgrund der Corona-Krise nicht schon im Oktober 2021, sondern erst im Februar 2022 beenden werden.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.