Skandal um die Präsidentin des katholischen Frauenbundes

Gibt es eigentlich ein Recht auf Abtreibung? Nun, die Lehre der Katholischen Kirche ist in diesem Punkt mehr als eindeutig. Bereits in der Antike sorgte der Einsatz der Urchristen für den uneingeschränkten Schutz des menschlichen Lebens für Aufsehen. Diesen Einsatz zum Schutz des Lebens – von der Empfängnis bis zum Totenbett – zeigt die Kirche bis heute. 

Nicht zuletzt in der Enzyklika “Humanae Vitae” von Papst Paul VI. wird die Abtreibung, aber auch aktive Sterbehilfe verurteilt. Auch Papst Franziskus hat immer wieder die unveräußerliche Würde des ungeborenen Lebens betont. 

Umso mehr überrascht die Auffassung der Präsidentin des katholischen Frauenbundes KDFB, Maria Flachsbart. Die Bundestagsabgeorndete der CDU engagiert sich auch bei der Initiative „SheDecides“, welche sich dezidiert für das angebliche „Recht auf Abtreibung“ einsetzt. „SheDecides“ pflegt außerdem enge Verbindungen zur Organisation “International Planned Parenthood Federation” (IPPF). Das Engagement von Flachsbarth steht deshalb in der Kritik.

In einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung “Die Tagespost” wirft der ehemalige Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe Flachsbarth vor, eine “Protagonistin für die Abtreibungslobby” zu sein. Hüppe war vier Jahre lang Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen und engagiert sich als Stellvertretender Bundesvorsitzender der “Christdemokraten für das Leben” Im Gespräch mit der “Tagespost” zeigt er sich fassungslos: Zitat:

“Wer hält schon für möglich, dass die Präsidentin des Katholischen Frauenbundes, also gewissermaßen die oberste katholische Frau in Deutschland, das deutsche Gesicht einer Organisation ist, die die Freigabe der Abtreibung bis zur Geburt ganz oben auf ihrer Agenda stehen hat?”

“SheDecides” wurde 2017 von der niederländischen Politikerin Lilianne Ploumen gegründet. Nach eigenen Angaben möchte die Organisation den Frauen eine Stimme geben, die unterdrückt werden, und ihnen dabei helfen, “ihre Träume zu verwirklichen”.

Die Organisation setzt sich jedoch nicht nur gegen Zwangsheirat und Genitalverstümmelung ein, sondern hat auch einen besonderen Fokus auf das angebliche “Recht auf Abtreibung”. In der Selbstauskunft auf der Homepage heißt es:

“Wir sehen eine Welt, in der jedes Mädchen und jede Frau ihr Recht auf Privatsphäre, geschlechtliche Identität, Partnerwahl, Vergnügen, Ehe, Kinder ausüben kann – ebenso integrierte Dienstleistungen, die die Bereiche Empfängnisverhütung, Schwangerschaft, Abtreibung, Unfruchtbarkeit, Geschlechtskrankheiten, HIV, Krebs und Gewalt abdecken.”

Für Hubert Hüppe ist “SheDecides” lediglich eine “Tarnorganisation der IPPF”, da beide Stellen nicht nur die gleiche Adresse hätten, sondern auch gleiche Ziele verfolgten. Hauptziel sei die Förderung “sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechte”. Hüppe wörtlich:

“Das ist der Kampfbegriff, wie ihn insbesondere IPFF verwendet sehen möchte, denn ‘sexuelle Rechte’ umfasst für IPPF – anders als auf der Weltbevölkerungskonferenz in Kairo beschlossen – auch die freie Verfügung der Frau über das ungeborene Kind, einschließlich seiner Tötung. Und das völlig unabhängig von Fristen und/oder Indikationen – bis zur Geburt.”

CNA Deutsch hat die Abgeordnete mit den Vorwürfen konfrontiert und nach der Vereinbarkeit ihres Engagements als Präsidentin des katholischen Frauenbundes mit ihrer Befürwortung von Abtreibung befragt.

Maria Flachsbart, die selbst Mutter von zwei Söhnen ist, hat am Freitag über eine Sprecherin ausrichten lassen, dass sie sich als Mitglied des Deutschen Bundestages auch im Ehrenamt als Präsidentin des Frauenbundes „immer für den Schutz des Lebens, insbesondere in den besonders sensiblen Phasen ganz am Anfang und ganz am Ende eingesetzt“ habe. Eine Abtreibung ist sei „nie ein Mittel der Familienplanung“. Flachsbarth wörtlich: „Sie kann im Einzelfall ein letzter schrecklicher Ausweg sein.“

Über die Sprecherin des Ministeriums begründete sie ihren Einsatz für die Umstrittene Organisation „She Decides“ zudem so:

„Eine Schwangerschaft verwehrt den Mädchen meist den Zugang zu Bildung und raubt ihnen so die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. Sie kämpfen mit sozialer Ausgrenzung und wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit. Häufig sehen diese Mädchen keinen anderen Ausweg als den Weg in die Prostitution oder einen unsicheren Schwangerschaftsabbruch.“

„International Planned Parenthood“ setzt sich ihrer Meinung nach deshalb lediglich für den Zitat „Gesundheitsschutz von Mädchen und Frauen ein“, indem sie sich um „sichere Abtreibungen“ kümmern. 

Dass dies jedoch kaum mit dem Amt einer Präsidentin vereinbar sein kann, die einem katholischen Gremium vorsteht, sollte jedoch spätestens dann deutlich werden, wenn man sich die Aussagen von Papst Franziskus noch einmal vor Augen führt.

Sowohl der Glaube als auch die reine Menschlichkeit verbieten jede Form der Abtreibung, sagte Papst Franziskus erst im Mai 2019. Dort redete er den Menschen wie folgt ins Gewissen:

“Nur zwei Sätze werden uns helfen, dies gut zu verstehen: zwei Fragen. Erste Frage: Ist es erlaubt, ein Menschenleben zu töten, um ein Problem zu lösen? Zweite Frage: Ist es erlaubt, einen Killer zu mieten, um ein Problem zu lösen? Ihr könnt selber darauf antworten. Das ist der Punkt.”

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.