Wochenrückblick: Die Zahlen der Krise

Die Katholische Kirche in Deutschland steckt in der Krise – nicht nur dem regelmäßigen Hörer unseres CNA-Deutsch-Podcasts dürfte dieser Umstand aufgefallen sein. Es ist nicht nur die hohe Zahl der Kirchenaustritte, die das belegen. Nein, auch die besonders niedrige Zahl der Priesteramtsanwärter gibt Anlass zur Besorgnis.

Deutschlandweit gab und gibt es im Jahr 2020 insgesamt gerade einmal 57 Priesterweihen – und das verteilt auf insgesamt 27 Bistümer. Immerhin: Dies ist lediglich der zweitniedrigste Wert in der Geschichte. Allerdings: Den niedrigsten Wert gab es 2019, da waren es nur 55 Weihen im Vorjahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 wurden in Deutschland noch 154 Männer zu Priestern geweiht. Insgesamt ist die Zahl der Weihen innerhalb von nur 20 Jahren um 60 Prozent gesunken!

Dafür steigen, wie Anfangs erwähnt, die Kirchenaustrittszahlen. Die katholische Wochenzeitung „Die Tagespost“ hatte deshalb eine Umfrage in Auftrag gegeben, und die kam zu einem erstaunlichen Ergebnis: Fast ein Drittel der Katholiken in Deutschland denkt ernsthaft darüber nach, aus der Kirche auszutreten. Lediglich 54 Prozent der Katholiken wollen auch in der Statistik Kirchenmitglied bleiben.

Um der Krise entgegenzutreten, versuchen sich verschiedene Gruppierungen und Gemeinschaften an unterschiedlichen Lösungskonzepten. Während das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und Teile des deutschen Episkopats große Hoffnungen auf den sogenannten „Synodalen Weg“ setzen, betonen andere – darunter Papst Franziskus – die dringende Notwendigkeit der Neuevangelisierung. Das Gebet, die Sakramente, die Katechese – all das wartet nur darauf, wiederentdeckt zu werden.

Die Nonnen-Rebellion

Wieder andere möchten gar zentrale Punkte der Kirchenlehre ändern. Dazu gehört auch eine Gruppe von zehn Nonnen, die unter dem Titel „Ordensfrauen für Menschenwürde“ einen Aufruf gestartet hat. Die Kirche müsse endlich Frauen zur Priesterweihe zulassen, so eine der Forderungen. Zudem hätten viele Ordensleute gerade während der Corona-Pandemie festgestellt, dass sie die tägliche Messfeier – wie sie in vielen Orden vorgeschrieben ist, nicht einmal mehr „vermissen“ würden.

Im Forderungskatalog der Ordensfrauen steht auch eine – so wörtlich – “Verheutigung der liturgischen Sprache”. Schwestern, die mit der Vorbereitung der liturgischen Feiern betraut waren, hätten Texte oft umformuliert, damit sie – so wörtlich – “selbst ehrlich beten” konnten. 

“Manche Orationen sind so formuliert, dass viele von uns diese Texte kaum ertragen können”, heißt es in dem Papier. Es sei daher nötig, eine “alltagstaugliche Begegnung mit Gott” zu ermöglichen, in dem die Texte überarbeitet werden.

Trotz der vielen Forderungen nach einer massiven Änderung der Kirchenlehre wollen die Ordensfrauen dennoch „römisch-katholisch“ bleiben – das zumindest diktierte ein Mitglied der Initiative einem Journalisten der KNA in den Notizblock. 

Neues im Fall Kentenich

Wie wir bereits letzte Woche berichtet haben, wird Pater Josef Kentenich, dem Gründer der Schönstatt-Bewegung, Missbrauch vorgeworfen. Nachdem Schönstatt diesen und weitere Vorwürfe zunächst kategorisch abgewiesen hatte, hat das Bistum Trier, das 1975 sogar einen Seligsprechungsprozess für Kentenich einleitete, eine Historiker-Kommission angekündigt, die die Vorwürfe untersuchen soll. Wer Mitglied dieser Kommission sein wird, ist noch unklar. Das Bistum teilte mit:

“Am Ende ihrer Arbeit wird die Kommission – unter Einbeziehung des Ergebnisses der vorausgegangenen Kommission – einen Bericht erstellen, in dem auch eine Aussage gemacht wird über die Persönlichkeit und die Spiritualität von P. Josef Kentenich, so wie sie sich in den gesammelten Dokumenten darstellen“.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.