Wochenrückblick: Noch immer Beschwerden über “Pfarrei-Instruktion”, Warnung vor Instrumentalisierung des Missbrauchs beim “Synodalen Weg”

Es ist nun über eine Woche her, als der Vatikan seine Pfarrei-Instruktion veröffentlicht hat. Zur Erinnerung: Sie richtet sich an alle Pfarreien der Weltkirche und ruft dazu auf, die Missionierung, die Neuevangelisierung zur obersten Priorität der Pfarreienarbeit zu machen. Doch nicht nur das: Die Instruktion erinnert auch daran, dass die Leitung einer Pfarrei immer einem geweihten Priester vorbehalten sein muss. Dies ist bereits im Kirchenrecht so festgelegt.

Doch gerade dieser Punkt sorgt vor allem im deutschsprachigen Raum für Protest. Bereits vergangene Woche trudelten fast täglich neue bischöfliche Verlautbarungen ein, in denen beispielsweise die Bischöfe aus Trier, Mainz, Osnabrück oder Würzburg ihre Verägerung über die Anweisung aus Rom zum Ausdruck brachten, während unter anderem aus Köln und Eichstätt Zustimmung zu hören war.

Wie CNA Deutsch nun berichtet hat, soll der Vatikan nun aber Gespräche angeboten haben. Wenn die deutschen Bischöfe es wünschten, könnten sie „zu gegebener Zeit“ nach Rom kommen, um dort in einem Gesprach die – so wörtlich – “Zweifel und Verblüffung zu beseitigen”.

Als erster Schweizer Bischof hat sich nun auch der Baseler Bischof Felix Gmür zur Instruktion geäußert.  “Dass die Pfarrei so sehr auf den Pfarrer zentriert gesehen wird, entspricht nicht unserer Wirklichkeit”, schreibt der Bischof in einem Brief an alle Mitarbeiter, das sei vielmehr “theologisch defizitär und klerikalistisch verengt”. Er deutet in seinem Schreiben bereits an, die Vorgaben nicht umsetzen zu wollen. “Für uns”, so Gmür, seien stattdessen “diözesane Normen sowie staatliche und staatskirchenrechtliche Vorgaben wichtig”.

Instrumentalisierung des Missbrauchs bei “Synodalem Weg”?

Intensiv auseinandergesetzt hat sich jetzt auch die Theologin Katharina Westerhorstmann mit der Grundausrichtung des sogenannten „Synodalen Wegs“ in Deutschland. Wie Sie wahrscheinlich wissen, wurde von Anfang an betont, dass dieser sogenannte „Reformprozess“ als Reaktion auf den Missbrauchsskandal der Kirche in Deutschland ins Leben gerufen wurde.

In einem Beitrag für die “Herder-Korrespondenz” hat die Theologin nun kritisiert, dass die Missbrauchsfälle teilweise instrumentalisiert würden, um eine Aufweichung der katholischen Sexualmoral zu erreichen. Dies sei, wie Westerhorstmann darlegt, jedoch unredlich.

In der Diskussion werde “immer wieder (…) zu allgemein auf ‘wissenschaftliche Erkenntnisse’ oder die Humanwissenschaften” verwiesen, so die Theologin.

Dass auch die Sexualwissenschaft und die Sexualmedizin häufig als Referenzquelle herangezogen werden, sieht sie äußerst kritisch, da diese – Zitat – “wegen ihrer ambivalenten Geschichte gerade nicht zu den verlässlichen Partnern im Einsatz gegen Pädokriminalität und Missbrauch” gehörten.

Katharina Westerhorstmann nimmt übrigens selbst am “Synodalen Weg” teil. Dort ist sie unter anderem Teil des Synodalforums zur Sexualmoral, das den Titel trägt “Leben in gelingenden Beziehungen” .

In ihrem Beitrag mahnt sie an, dass der innerkirchliche Diskurs beim “Synodalen Weg” an Aufrichtigkeit gewinnen würde, wenn die Missbrauchsfälle nicht zum Vorwand der Liberalisierung instrumentalisiert würden. Westerhorstmann dazu wörtlich:

“Anstatt sich auf die Anerkennung von außerehelichen Geschlechtsbeziehungen, Selbstbefriedigung, homosexuellen Handlungen, künstlicher Empfängnisverhütung und die Kommunionszulassung zivil verheirateter Geschiedener zu konzentrieren, sollte man verstärkt Missbrauchsfälle mit Missbrauchsfällen vergleichen, wie es etwa die Unabhängige Kommission der Bundesregierung tut.“

Insgesamt sei bei der Beurteilung der Sexualmoral der Kirche “ein Ansatz der Kontinuität und nicht des Bruchs” gefragt. Eine gesund gelebte Sexualität nach kirchlichen Vorgaben oder der Verzicht auf “das Ausleben derselben” sei daher keineswegs “toxisch, sondern möglich”, so Westerhorstmann. 

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.