Wochenrückblick: Pater Kentenich doch nicht rehabilitiert | Krise der Theologie in Deutschland

Es gibt eine neue Wende im Fall um den unter Missbrauchsverdacht stehenden Gründer der Schönstatt-Bewegung, Pater Josef Kentenich. Wie am letzten Montag bekannt wurde, wurde der frühere Pallottiner-Priester nicht wie bisher behauptet nach seinem Exil in den USA vom Vatikan rehabilitiert. Im Gegenteil: Ein  nun aufgetauchter Brief aus dem Jahr 1982 belegt, dass “keine der früheren Entscheidungen des Heiligen Offiziums, die die Lehre, Tätigkeit und Person P. Kentenichs betreffen, annulliert” worden seien.

Der Autor dieses Dokuments ist kein Geringerer als der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI. 

Ratzinger schreibt, dass Kentenich “ohne Erlaubnis der Kongregation, sondern auf Grund eines fehlinterpretierten Telegrammes” sein Exil unterbrochen habe und nach Rom gekommen sei. Weiter sei man “nicht der Meinung” (…), dass die Beanstandungen, die der Apostolische Visitator seinerzeit an Lehre und Tätigkeit P. Kentenichs machte, ein bedauerlicher Irrtum gewesen seien und auf falschen Informationen beruhten”.

Im Schreiben heißt es auch, dass die Glaubenskongregation zwar ihre Zustimmung gab, dass der Schönstatt-Gründer als Priester im Bistum Münster inkardiniert wird, nachdem er den Pallottiner-Orden verlassen hatte. Gleichzeitig sei jedoch die Bedingung gewesen, „dass P. Kentenich nicht in das Säkularinstitut der Schönstattpriester eintreten und nicht die Leitung des Schönstattwerkes übernehmen dürfe.”

Theologen-Mangel in Deutschland?

Neben dem Priestermangel herrscht in Deutschland auch ein Theologen-Mangel. Das zumindest behauptet ein Artikel der KNA, der Anfang dieser Woche erschienen ist. Demnach studierten 2018/19 insgesamt 18.251 Studenten Theologie. Gerade mal ein Zehntel davon im Vollstudium, bei den Übrigen ist die theologische Ausbildung lediglich Teil eines Lehramtsstudiums.

Dass sich die Theologie in Deutschland in einer Krise befindet, diese These vertritt der deutsche Universitätsprofessor Ulrich Lehner, der in den USA an der Universität von Notre Dame im Bundesstaat Indiana lehrt.

“Ich habe viele Berufungen in Deutschland verfolgt und kann nur sagen: Akademisches Mittelmaß wird immer Mittelmaß berufen”, so Lehner. Eine “Handvoll Professoren” platziere seiner Ansicht nach ihre Schüler in den entsprechenden Posten, “gleich welche Schwächen sie haben”. Dabei falle auf, dass “vor allem diejenigen, die kirchentreu sind, nie zum Zuge kommen, weil man sie vorher aussortiert”.

Die deutsche Theologie sei nicht mehr das, was sie vor 25 Jahren war, beklagt Lehner. Anders als damals habe sie heute keine weltweite Ausstrahlung mehr.

Als Beleg dafür führt der Professor an, dass es kaum noch Übersetzungen von deutschsprachigen theologischen Arbeiten ins Englische, Französische oder Spanische gebe. Umgekehrt werde die weltweite Forschung in Deutschland “erstaunlich wenig wahrgenommen”. Dadurch sei man von der internationalen Forschung weitgehend abgeschnitten, so der Wissenschaftler. Innerhalb der deutschen Forschung zitiere man hingegen überwiegend deutschsprachige Veröffentlichungen. 

Unabhängig der verhältnismäßig geringen Anzahl an “Volltheologen” gibt es in Deutschland immer noch viele Orte, an denen Theologie gelehrt wird. Insgesamt 19 Katholisch-Theologische Fakultäten und Hochschulen, mehr als 30 Institute und Lehrstühle für Katholische Theologie/Religion, verschiedene Forschungs- und Studieneinrichtungen, drei Hochschulen mit dem Fachhochschulstudiengang “Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit” sowie die Kirchliche Arbeitsstelle für Fernstudien “Theologie im Fernkurs” zählt das Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz auf.

Allerdings: Der “Output” bleibt gering. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wurden 2019 gerade einmal acht Personen in katholischer Theologie habilitiert. Ulrich Lehner sagte gegenüber CNA Deutsch wörtlich:

“Die inzwischen leider festzustellende wissenschaftliche Mittelmäßigkeit deutscher Theologie – mit Ausnahmen – rechtfertigt ebensowenig die Anzahl der Fakultäten wie die geringe Anzahl von Diplomstudenten. Sie aufrecht zu erhalten, gleicht einer Verharrung auf anno dazumal erkämpften Privilegien.”

Heute erschien bei CNA Deutsch auch mein Interview mit dem Pastoraltheologen Andreas Wollbold aus München, der für uns die Lage der Theologie in Deutschland analysierte. Das komplette Interview finden Sie hier.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.