Kölner Missbrauchsgutachten: Kardinal Woelki entlastet, zwei weitere Bischöfe lassen Amt ruhen

Am heutigen Donnerstag wurde in Köln das lange erwartete Missbrauchsgutachten vorgestellt. Dem unabhängigen Untersuchungsbericht zufolge hat sich Kardinal Rainer Woelki selbst – der seit 2014 Erzbischof von Köln ist – keiner Pflichtverletzung schuldig gemacht. 

In einem ersten Schritt hat Woelki jedoch den Kölner Weihbischof und ehemaligen Generalvikar Dominikus Schwaderlapp sowie Günter Assenmacher von ihren Pflichten entbunden.

Am Donnerstagabend verkündete schließlich auch der Erzbischof von Hamburg, Stefan Heße, dass er dem Papst nun seinen Rücktritt anbieten wird. Heße werden insgesamt elf Pflichtverletzungen in neun Aktenvorgängen zur Last gelegt. Der ehemaligen Personalchef und Generalvikar in Köln hat laut Untersuchung insgesamt sechs Mal bei der Aufklärung und zwei Mal bei der Opferfürsorge sowie drei Mal bei der Meldung nicht korrekt gehandelt. Keine der Pflichtverletzungen habe zu einer Strafvereitelung geführt, so Professor Björn Gercke.

Die Pressekonferenz: Vorstellung des Gutachtens, erste Konsequenzen

Die Pressekonferenz begann um 10.00 Uhr im Maternushaus. Der katholische Fernsehsender EWTN.TV übertrug die Pressekonferenz in Kooperation mit dem Kölner “Domradio” komplett und hat mich eingeladen, gemeinsam mit dem Berliner Rechtsanwalt und Krisenkommunikationsberater Richard Schütze in der anschließenden Gesprächsrunde eine erste Einordnung der Geschehnisse zu versuchen.

Die Aufzeichnung der Sendung finden Sie hier.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Pressekonferenz selbst habe ich mit meinem Kollegen Anian Christoph Wimmer in diesem Artikel für CNA Deutsch zusammengefasst.

Weihbischof Schwaderlapp bietet Amtsverzicht an

Noch gegen Ende der Pressekonferenz hat Kardinal Rainer Maria Woelki bereits zwei wichtige Personal-Entscheidungen verkündet. Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und Offizial Günter Assenmacher werden mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres von ihren Aufgaben entbunden.

Offizial Günter Assenmacher ist dabei besonders in den Fokus geraten. Assenmacher sah “seine Rolle als eher reaktiv an”, heißt es in der Begründung. In 24 Aktenvorgängen sei “mindestens ein eindeutiger Pflichtverstoß festzustellen”. Es sei jedoch nicht immer eindeutig gewesen, ob das Fehlverhalten aufgrund eines Irrtums zustande gekommen sei, oder bewusst.

Wie Schwaderlapp in seiner Stellungnahme schreibt, habe er in seiner Zeit als Generalvikar des Erzbistums von 2004 bis 2012 auch Fehler gemacht. Schwaderlapp wörtlich:

“Das betrifft zum einen meine Pflicht, zu kontrollieren und Aufsicht auszuüben. So fiel es auch in meine Verantwortung zu überprüfen, ob Missbrauchsfälle der Ordnung entsprechend nach Rom gemeldet wurden. Tiefer noch beschämt mich, zu wenig beachtet zu haben, wie verletzte Menschen empfinden, was sie brauchen und wie ihnen die Kirche begegnen muss. Das ist ein Versagen als Seelsorger und als Mensch.”

Gleichzeit räumt das Gutachten auf den Seiten 716 und 717 dem damaligen Generalvikar auch entlastende Momente ein. Dort heißt es:

“Zugute zu halten ist Generalvikar Dr. Schwaderlapp, dass die Rechtslage, insbesondere hinsichtlich der Meldepflicht an die Glaubenskongregation in Rom, teilweise unklar war und eine Stelle, die verlässlich Rechtsauskunft in den einschlägigen kirchenrechtlichen Fragen erteilt oder sonst auf die sich aus den kanonischen Vorschriften ergebenden Pflichten hingewiesen hätte, nicht existierte. In diesem Zusammenhang ist positiv zu erwähnen, dass Herr Dr. Schwaderlapp um eine korrekte Fallbehandlung bemüht war und aus diesem Grunde ein „informelles Gremium“ ins Leben rief, um dort verschiedene Beteiligte zur bestmöglichen Fallbearbeitung an einen Tisch zu bringen. Hier verließ er sich auf den teilweise unzureichenden Rechtsrat des Offizials Dr. Assenmacher und der Justitiarin. Darüber hinaus war er zwar als Generalvikar wie auch der Diözesanbischof Ordinarius, hatte jedoch innerhalb des Verhältnisses zum Erzbischof eine klar untergeordnete Position inne und hätte Dekrete nur im Einvernehmen mit dem Erzbischof hätte erlassen können.Schließlich ist als entlastendes Moment zu berücksichtigen, dass in die Amtszeit von Herrn Dr. Schwaderlapp jenes Jahr 2010 fiel, als schlagartig eine regelrechte „Flut“ an Missbrauchsmeldungen über das Erzbistum Köln hereinbrach und die Verantwortungsträger mit einer neuen Dimension des Problems konfrontierte.”

Die genauen Hintergründe und auch die Verlinkung zum Original-Statement von Weihbischof Schwaderlapp finden Sie hier.

Kardinal Woelki im Interview mit CNA Deutsch

“Wir hatten leider keine Alternative zu der Entscheidung, ein zweites Gutachten in Auftrag zu geben, denn wir benötigen eine methodisch saubere und tragfähige Grundlage” – dies sagte heute Kardinal Woelki in einem Exklusiv-Interview, das er unserer Nachrichtenagentur CNA Deutsch gegeben hat.

Das komplette Interview finden Sie hier.

Hamburgs Erzbischof Stefan Heße bietet seinen Amtsverzicht an

Den vorerst letzten Paukenschlag gab es schließlich am Abend dieses denkwürdigen Donnerstags. Um 17.15 Uhr trat der Hamburger Erzbischof Stefan Heße vor die Kameras und kündigte an, sein Amt zur Verfügung zu stellen.

“Ich habe mich nie an Vertuschung beteiligt”, so Heße. “Ich bin dennoch bereit, meinen Teil der Verantwortung für das Versagen des Systems zu tragen.”

Und weiter:

“Um Schaden vom Amt des Erzbischofs sowie vom Erzbistum Hamburg abzuwenden biete ich Papst Franziskus meinen Amtsverzicht an und bitte ihn um die sofortige Entbindung von meinen Aufgaben.”

Den vollständigen Bericht dazu finden Sie hier.

Die weiteren Entwicklungen werden wir von CNA Deutsch selbstverständlich im Blick behalten. Vielleicht lohnt es sich daher auch für Sie, regelmäßige unsere Nachrichtenseite www.CNAdeutsch.de im Auge zu behalten…