Der Marsch fürs Leben 2019 – Live bei EWTN

Am morgigen Samstag, dem 21. September, ist es wieder soweit: Der alljährliche „Marsch fürs Leben“ zieht wieder tausende engagierte Menschen nach Berlin, um vor dem Reichstag für das Lebensrecht eines JEDEN unserer Mitmenschen auf die Straße zu gehen – ob jung, alt, krank, behindert oder ungeboren.

Gemeinsam mit Angelika Doose werde ich am Samstag, dem 21. September 2019, ab 12.30 Uhr live auf EWTN.TV berichten. Auch die Kundgebung werden wir ab 13.00 Uhr komplett übertragen. Anschließend werden wir ab 15.00 Uhr für eine weitere halbe Stunde live vom Marsch berichten. Bischof Stefan Oster (Passau), Bischof Rudolf Voderholzer (Regensburg) und der Augsburger Weihbischof Florian Wörner werden ebenfalls in Berlin erwartet und dann hoffentlich auch bei uns im Programm zu sehen sein.

Wer Zeit hat, ist herzlich eingeladen in Berlin dabei zu sein. Wer verhindert ist, hat ja noch uns (und eine hoffentlich stabile Internetleitung).

Auf folgenden Kanälen ist die Übertragung zu sehen:

Die Sendetermine sind alle hier in der Übersicht.

Viel Freude!

NEUER ARTIKEL: Streitet euch!

“Ich bin immer wieder fasziniert davon, wenn ich Zeuge werde, wie sich beim gemütlichen Plausch nach der Messe zwei Leute plötzlich gegenseitig an den Kragen gehen, nachdem sie sich vor wenigen Minuten noch die Hand zum Friedensgruß reichten. Ja, Streit kann manchmal sehr kleingeistig sein. Dass das Christentum nach all den Jahrhunderten des Streits noch immer existiert und nach wie vor die größte Glaubensgemeinschaft bildet, ist ein Wunder. Auf der anderen Seite ist gerade der Streit einer der Grundsteine für die erfolgreichste Weltreligion der Menschheitsgeschichte.

Lauscht man am Sonntag dem Evangelium, wird man feststellen, dass sich Jesus erstaunlich oft mit seinem Umfeld in die Wolle bekam. Und auch, dass dieser Umstand erstaunlich selten Erwähnung in der Predigt findet. Stattdessen wird Christus heutzutage häufig zum Posterboy der konfliktscheuen Weicheier karikiert.”

Dass ausgerechnet Christen “Friede, Freude, Eierkuchen” am lautesten zu trällern haben, ist eines der größten Missverständnisse in der jüngeren Zeitgeschichte. Warum das in Wirklichkeit jedoch ganz anders ist, darüber habe ich in meinem letzten Beitrag für die katholische Wochenzeitung “Die Tagespost” geschrieben.

Letzten Donnerstag erschien der Artikel “Streitet euch!” in der Printausgabe. Jetzt gibt es ihn hier auch online.

NEUER BEITRAG: Interview mit Katrin Schwegele von “Maria 1.0 – Maria braucht kein Update”

Anfang Mai hat sich die Initiative “Maria 1.0 – Maria braucht kein Update” zusammengetan, um auch jenen Frauen in der Kirche eine Stimme zu geben, die am Lehramt festhalten wollen. Die Initiatorin, die junge Mathematiklehrerin Johanna Stöhr aus Schongau, hat mir dazu damals ein Interview gegeben.

Seitdem hat sich viel getan. “Maria 1.0” wird von der Presse und auch von den Kirchenvertretern als ein Gesprächspartner wahrgenommen, mit dem man reden muss. So haben kürzlich auch “Katholisch-de” und “Vatican News” darüber berichtet, dass die Frauen-Initiative die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) wegen des sogenannten “synodalen Wegs” kritisiert und ein “Forum Neuevangelisierung” einfordert.

Ich habe mich dazu mit der Mit-Initiatorin Katrin Schwegele (21) unterhalten. Das komplette Interview lesen Sie hier bei CNA Deutsch.

Rudolf will’s wissen: Geistiger Kampf

Noch bis November läuft im regulären Programm von EWTN Deutschland meine Serie “Rudolf will’s wissen – Geistiger Kampf”. Darin spreche ich mit dem Schweizer Weihbischof Marian Eleganti (Bistum Chur) über Schwierigkeiten im Gebet und in der Gottesbeziehung. Wie kann ich Gottes Willen von meinen eigenen Hirngespinsten unterscheiden? Wie gehe ich mit meiner inneren Unruhe um? Was ist, wenn ich nicht mehr beten kann/will?

Mit Weihbischof Marian Eleganti im Gespräch. Foto: EWTN

Gedreht haben wir die Serie im Herbst 2016. Der Drehort war traumhaft, wir nutzen dabei die Räumlichkeiten des Bistums in Chur. Für die verschiedenen Intros der Serienteile haben wir nicht nur in der wunderschönen Innenstadt von Chur gedreht, sondern auch im bekannten Ski-Gebiet Arosa. Über kurvige Abenteuerstraßen sind wir bis zum Berggipfel gefahren, damit ich nachdenklich durch den Schnee stapfen kann.

Eine weitere Besonderheit war außerdem die Mitwirkung von Bernarda. Die junge Katholikin ist eine Bekannte von Weihbischof Eleganti und mit einem Gesangstalent ausgestattet worden, das Gott mir selbst vorenthalten hat. Gemeinsam mit dem Weihbischof hat sie vor jeder Sendung ein neues Lied eingesungen.

Die gesamte Serie läuft noch bis Ende November bei EWTN (zum Wochenprogramm geht’s hier). Doch Menschen mit Internetzugang haben bereits jetzt die Möglichkeit, diese und weitere Serien in der EWTN-Mediathek abzurufen. Zur Serie “Rudolf will’s wissen – Geistiger Kampf” geht’s hier lang!

Viel Freude damit!

Auf dem Gipfel. Foto: EWTN

Das Sex-Interview

“Moin! Ich checks nicht: Hast du jetzt Sex oder nicht?”

Diese Frage erreichte mich am letzten Freitag per Facebook. Ich hatte gerade meinen jüngsten Artikel für die Tagespost gepostet und darin unter anderem meine Faszination für die Theologie des Leibes nach Johannes Paul II. geschildert. Die Frage bezüglich meiner sexuellen Aktivitäten kam von Susanne Will aus Münnerstadt. Ihr Job: Leitende Redakteurin im Lokalen beim Medienriesen infranken.de.

Sie kam schnell zur Sache. Wir hätten gerade das 50-jährige Jubiläum von Woodstock und freier Liebe Jahre Woodstock, ob ich nicht Lust hätte der Zeitung mal meine Sicht der Dinge zu schildern, gewissermaßen als strammer Spießer-Katholik, der bewusst der lustvollen Lenden-Labsal entsagt. Wir haben erst ein bisschen herumgeblödelt, doch dann kamen die Interview-Fragen.

Vorneweg: Ich war überrascht, wie direkt und treffsicher die Fragen waren. Als Katholik ist man eigentlich blöde Sprüche und Vorurteile gewohnt. Doch Susanne Will hat sich nicht damit aufgehalten alte Kamellen nochmal aufzuwärmen, sondern tatsächlich die Dinge zu fragen, die den Kern der Sache betreffen:

“Wenn Gott uns doch mit all unseren Sehnsüchten, Gefühlen und Verlangen erschaffen hat, wie kann es dann schlecht sein, auch vor der Ehe dem nachzugehen?”

Oder:

“Warum ist Sex vor der Ehe eine Sünde und danach keine mehr? Es wird weder vor noch nach der Ehe etwas anderes sein als der Akt, im Idealfall mit Liebe gemacht.

Außerdem ging es noch um Selbstbefriedigung, Penisvergleiche im Fußballverein oder Probefahrten im Bett.

Das ganze Interview finden Sie hier unter diesem Link.

Berufskrankheit: Eitelkeit

Journalisten, so hat mir einmal ein alter Zeitungshase mal verraten, leiden unter einer Berufskrankheit: Es ist die Eitelkeit. Journalisten möchten gerne gehätschelt und bewundert werden, von den einen gefürchtet, von den anderen für ihre Furchtlosigkeit geliebt werden. Einen ehrfurchtsvoller Blick und die Bestätigung, dass sie einen wichtigen Job machen. Sie wollen anders sein, etwas Besonderes.

Da jeder Mensch etwas Besonderes ist, ist das an und für sich kein Problem. Doch warum ist das so? Haben Journalisten, Redakteure, Reporter, Fernsehleute, Radiosprecher und sonstige Medienmacher ein höheres Geltungsbedürfnis als andere Berufsgruppen? In unserer EWTN-Serie „Rudolf will’s wissen – Wie erkenne ich Gottes Plan für mein Leben“ habe ich den Passauer Bischof Stefan Oster SDB gefragt, was ihn eigentlich dazu gebracht hat, in seinem früheren Leben als Radiomoderator jeden Morgen so früh aufzustehen – nur für eine Radiosendung? Ein bisschen, das gab er zu, hatte das durchaus mit Eitelkeit zu tun. Aber: Sind alle Journalisten so?

Da bei mir selbst „Redakteur“ auf meinem Visitenkärtchen steht (oh ja, ich habe ein Visitenkärtchen, seht her, wie wichtig ich bin!), muss ich diese Frage natürlich erst einmal verneinen. Gerade in der katholischen Medienarbeit ist die Demut ein wichtiges Gut. Sich immer wieder klar zu machen, dass ich nur ein kleines Zahnrad im Weinbergstraktor des Herrn bin, der für das Reich Gottes arbeiten soll und nicht für das eigene Ego, gehört unbedingt dazu! Trotzdem: Oft genug gelingt mir das nicht. Haben Sie beispielsweise mal gezählt, wie oft in diesen drei Absätzen schon das kleine Wörtchen „ich“ vorkam?

Wie weit es mit der Demut her ist, habe ich gemerkt, als wir im Januar beim Weltjugendtag in Panama unsere Presseakkreditierungen für die kommenden Tage im Pressezentrum von Panama City abholen sollten. Mit einer solchen Akkreditierung bekommt man als Journalist besondere Zugänge und Privilegien, manchmal sogar kostenlose Verpflegung. Außerdem hat man dann ein cooles Presse-Schild mit dem eigenen Namen und einem Foto um den Hals hängen und die Security muss dich bei eigentlich geschlossenen Veranstaltungen durchlassen. Oder du kommst wie beim Weltjugendtag in Krakau bis ganz vorne an die VIP-Plätze ran und kannst Fotos vom Papst aus nächster Nähe schießen.

Dass sich Eitelkeit nicht mit dem Berufsbild eines katholischen Journalisten verträgt, ist klar. Ganz davor gefeit ist man jedoch nicht immer.

Doch dieses Mal sah es so aus, als müsste ich dem Papst – wenn überhaupt – vom Fernseher aus zusehen, denn: Mein Presseausweis war noch nicht da. Meinen Kollegen ging es genauso. Lediglich zwei Kollegen erhielten ihren Ausweis. Der Rest guckte in die Röhre. Wir sollten am nächsten Tag noch einmal kommen, doch da waren sie – Überraschung! – immer noch nicht da. Das nagte natürlich am Ego. Wir hatten am ersten Tag ausnahmsweise mal ohne Ausweis hinter die Absperrung in das Pressezentrum hineingedurft, konnten schon einmal den süßen Duft der Wichtigkeit kosten und die Fressmeile begutachten. Doch jetzt standen wir draußen und drückten uns an der Fensterscheibe die Nasen platt.

Schließlich wurde mein Name aufgerufen. Da war das Ding. Einlaminiert. Erhaben. Ehrfurchtgebietend. Und: Leider fehlerhaft. Zwei zusätzliche Ziffern an der Stelle, wo meine ansonsten korrekte Passnummer steht, sorgten dafür, dass mein Presseausweis in der Hand der freundlichen Dame blieb. Ich hatte ihn noch nicht einmal berühren dürfen.

Die Dame fragte eine andere Dame. Hielt meinen Reisepass an mein rechtes Ohr, meinen fehlerhaften Presseausweis an mein anderes, zeigte auf mein Gesicht in der Mitte und signalisierte, dass sie persönlich der Überzeugung sei, dass ich mit der Person identisch bin, die auf dem Presseausweis zu sehen ist. Die andere Dame holte eine weitere Dame dazu. Diese ging zu einem Polizisten. Der wiederum rief einen anderen Polizisten herbei. Dieser hatte ein Funkgerät, sodass ich wenige Minuten später von noch mehr Polizisten umringt war.

Dann kam der große Auftritt des Polizeichefs. Auch er wurde angefunkt. Sein Blick war grimmig, in seinem Gesicht konnte man die Warnung lesen: „Hoffentlich ist es wichtig!“ Wieder der direkte Gesichtsvergleich. Kurze Diskussion. Dann ein paar Worte auf Spanisch von ihm. Ein erlösendes Nicken. Bevor er wieder ging, gab er mir noch kurz die Hand und knurrte ein kurzes „God bless you and welcome to Panama!“

Die ältere Dame, die mich während meines Marsches durch die Institutionen begleitet hatte, jubelte und überreichte mir nun fast schon feierlich meinen Ausweis. Ich hatte es geschafft. Ich war erleichtert und erschöpft. Nun würde ich also alle Sperren und Mauern überwinden können, wichtigen Leuten wichtige Fragen stellen und an der Fressmeile das ein oder andere Sandwich abstauben.

Auf der anderen Seite bedeutet dies auch: Ich „muss“ nun doch arbeiten. Das war es also mit: „Sorry, Chef, mein Ausweis ist nicht korrekt. Ich werde mich in den kommenden Tagen leider an den Strand legen müssen, aber wir sehen uns dann wieder auf dem Rückflug.“

Jedoch: Ein paar Tage später kam die Nachricht, dass wir eventuell erneut zum Pressezentrum müssen, um uns neue Ausweise zu holen. Es gab wohl einen Systemfehler – eventuell durch den zwischenzeitlichen landesweiten (!) Stromausfall. Unsere Ausweise waren also wieder ungültig. Und dies alles einen Tag vor unserer ersten Live-Übertragung. Ist noch jemand der Meinung, katholisches Fernsehen sei langweilig?

Doch letztlich ging alles gut. Wir bekamen neue Ausweise, fanden meist einen Weg zu unserem Kameraset und hatten trotz der ganzen Schwierigkeiten eine eindrucksvolle Zeit in Panama mit vielen Live-Sendungen. Es war eine wichtige Erfahrung, dass nicht alles von uns abhängt. Besonders dann, als einem unserer Kameramänner der Rucksack mit seiner kompletten Ausrüstung gestohlen wurde. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hinweis: Dies ist die leicht überarbeitete Version eines Beitrags, der zuerst auf dem EWTN-Weltjugendtagsblog unter Panama19.de erschien.

NEUER ARTIKEL: Lehrer mit Augenmaß

Bewusst wahrgenommen habe ich Johannes Paul II. erst, als er schon in den letzten Jahren seines Pontifikats mit schwer mit seiner Krankheit kämpfen musste. Und doch hat mich vor allem seine Idee von der “Theologie des Leibes” sehr geprägt.

Umso betroffener haben mich die Nachrichten aus Rom gemacht, als es hieß, dass sein Institut umstrukturiert werden soll. Die ganze Sache hat “Geschmäckle”, da nicht wenige Beobachter dies als einen Vorstoß jenes Flügels innerhalb der Katholischen Kirche betrachten, der die bestehende Kirchenlehre in Bezug auf Sexualität, Ehe und Familie untergraben oder gar ändern will.

In der gestrigen Ausgabe der katholischen Wochenzeitung “Die Tagespost” habe ich auf Seite 11 dazu einen Kommentar verfasst. Nachlesen kann man ihn auch hier.

P.S.: Für dieselbe Ausgabe habe ich auch einen Artikel zum Hochfest Mariä Himmelfahrt verfasst. Nachzulesen ist er hier.

NEUER ARTIKEL: Dogma 1508 – Warum feiern wir eigentlich Mariä Himmelfahrt?

Haben Sie sich eigentlich schon einmal gefragt, warum wir Katholiken eigentlich immer so peinliche Feste feiern müssen? Mariä Himmelfahrt ist so ein Fest, das zwar – wenn man in Bayern oder im Saarland wohnt und deshalb einen freien Tag geschenkt bekommt – gerne genutzt wird, bei genauerem Nachdenken aber doch auch sehr seltsam wirken kann.

In der heutigen Ausgabe der “Tagespost” sind zwei Artikel von mir abgedruckt. Einmal auf Seite 11 ein Kommentar zur Umstrukturierung des Instituts von Johannes Paul II. in Rom und Verteidigung der “Theologie des Leibes”. Der andere Artikel auf Seite 18 beschäftigt sich mit dem Hochfest Mariä Himmelfahrt.

Warum hat die Kirche dieses Fest eingeführt, obwohl es eigentlich ganz “unbiblisch” ist? Hat es für uns heute überhaupt noch eine Bedeutung? Und generell: Warum feiern wir Katholiken immer so peinliche Feste? Ich frage mich:

Warum aber fällt es uns oft so schwer, zu unserem Glaubensgut zu stehen? Es gibt Menschen, die erzählen ganz selbstbewusst, dass sie daran glauben, dass die Erde eine Scheibe ist, die Pyramiden von Aliens errichtet wurden und dass die GEZ-Gebühren in ihrer Höhe und Art der Verwendung sinnvoll sind. Warum haben nicht wir dieses Selbst- und Sendungsbewusstsein, wo wir doch wissen, dass sich „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ uns offenbart hat?

Den ganzen Artikel finden Sie auch hier online auf der Homepage der “Tagespost”.

NEUER ARTIKEL: Die Nonne im Biergarten

Neulich habe ich auf diesem Blog bereits von meiner Wette erzählt, bei der ich fünf Euro an eine Ordensfrau verloren habe.

Archivfoto mit Schwester Sina-Marie Hartert aus dem Jahr 2015.

Bereits Ende Juli hat auch die katholische Wochenzeitung “Die Tagespost” diese Geschichte gedruckt.

Natürlich ist der Text auch online bei den Kollegen zu finden. Und zwar hier.

Falls es Sie interessiert und Sie die erwähnte Nonne besser kennenlernen möchten, lege ich Ihnen unser Interview von 2015 ans Herz (lassen Sie sich vom Intro nicht abschrecken).

Teil 1/2:

Teil 2/2:

Warum glaube ich?

Viele Menschen sagen mir, dass sie glauben möchten. Was sie aber wirklich wollen, ist eine schnelle Hilfe gegen alles, was sie plagt.“ Dieser Satz stammt von Mutter Angelica, der Gründerin des weltweit größten katholischen Mediennetzwerkes EWTN. Als ich vor drei Wochen wegen meiner Weisheitszähne darniederlag und mich beim Herrn bitterlich über mein schweres Kreuz beklagte, stellte ich fest, das an diesem Satz mehr dran ist, als ich mir eingestehen wollte.

Sobald der Glaube nur zweckorientiert bleibt, verliert er viel von der Wertigkeit dessen, was er eigentlich sein will: Liebe. Sicher, Glaube heißt auch Vertrauen, Hoffen, Gehorsam, Disziplin. Doch in seiner vollendeten, perfekten Form ist er nichts als reine Liebe. Aber: Auch wenn Sie sich erst dann an Gott wenden, weil es wirklich nicht mehr anders geht und Sie Gott aber wieder vergessen haben, sobald Ihre Probleme erledigt sind und es Ihnen wieder gut geht, dann ist auch das Glaube. Es ist zwar ein Glaube, der momentan noch vom Defizit der Zweckmäßigkeit geprägt ist, aber es ist Glaube.

Die Sehnsucht nach Gott und der heimliche Neid auf gläubige Menschen rührt manchmal genau daher, dass der Eindruck entsteht, dass diese Gläubigen einen “Joker” in der Hinterhand haben, wenn es mal nicht läuft. Gott wird als eine Art Heinzelmännchen betrachtet, der nachts den Müll aufräumt, sich dann aber wieder still und heimlich verzieht. Gott ist der Butler, der weitestgehend unsichtbar seinen Dienst am Kunden verrichtet, sich aber nicht weiter einmischt und stattdessen zu jedem Scheiß ein “Gute Wahl, Sir!” von sich gibt. Klar: Gott ist viel mehr als das. Doch bei manchen ist vielleicht genau diese Vorstellung der zarte Anfang einer echten Gottesbeziehung.

Natürlich muss der Glaube über die Vorstellung eines sich im Hintergrund haltenden Erfüllungsgehilfen, eines Deus ex machina hinaus wachsen. Doch vielleicht machen wir es uns manchmal zu einfach, wenn wir Leute verurteilen, die Gott noch aus diesem Blickwinkel betrachten. Auch unser eigener Glaube ist nicht aus dem Nichts gewachsen. Jedem sollte die Chance zugestanden werden, im Glauben zu wachsen.

Als der Zahnarzt sich neulich über mich beugte und wie wild mit seinen Instrumenten in meinem Rachen herumfräste und verzweifelt versuchte meine vier Weisheitszähne herauszubrechen, habe ich so intensiv zu Gott gebetet wie lange nicht mehr und Ihn darum angefleht meine Qualen abzukürzen. Hinterher musste ich dann doch auch ein wenig über mich selbst lachen und ich mich ernsthaft fragen, warum ich erst dann wieder ein so tiefes Verhältnis zu Gott bekomme, wenn ich von (scheinbar) unerträglichen Schmerzen gepeinigt werde. Die Aufforderung im Glauben zu wachsen und die Gottesbeziehung in wirklich jeder Lebenslage frisch zu halten, geht deshalb auch an mich, um nicht selbst dauerhaft auf der Entwicklungsstufe hängen zu bleiben, die laut Mutter Angelica den Glauben lediglich als “eine schnelle Hilfe gegen alles, was sie plagt“ betrachtet.

Übrigens: Falls Ihnen bei Zahnarzt-Terminen ebenfalls ganz bange ist, lege ich Ihnen gerne einen anderen Spruch der bekannten EWTN-Gründerin ans Herz:

“Gott liebt Sie so sehr, dass Er jede Träne kennt, die Sie jemals geweint haben.”

In diesem Sinne: Machen Sie sich nicht so viele Sorgen und fühlen Sie Ihrer eigenen Gottesbeziehung ruhig mal wieder auf den Zahn!

NEUER ARTIKEL: Die “Öko-Stasi” und der Balken

Man stelle sich einen Katholiken vor, der seinen Kumpel besucht, der bereits vorehelich mit seiner Freundin zusammenlebt. Was kann er erreichen, wenn er ihm jedes Mal unter die Nase reibt: ‘Du weißt aber schon, dass du durch dieses Konkubinat den Stand der heiligmachenden Gnade längst verlassen hast und dich des schweren Verstoßes gegen das Sechste Gebot einmal verantworten musst?’ Haben Sie schon einmal einen Raucher kennengelernt, den Sie naserümpfend mit ‘Rauchen kann tödlich sein’ angeblafft haben und der dann betroffen seine Zigarette austrat und antwortete: ‘Hm, stimmt. Jetzt, da Sie es sagen…'”

Momentan herrscht eine erhitzte (man beachte das Wortspiel) Debatte zum Thema “Klimawandel”. Die berechtigte Sorge um die Zukunft unseres Planeten führt teilweise zu interessanten Diskussionsbeiträgen. Einer davon ist die Aussage eines Professors, der die Deutschen dazu auffordert, den Nachbarn wegen etwaiger Umweltvergehen zu bespitzeln.

Für die katholische Wochenzeitung “Die Tagespost” habe ich dazu einen Kommentar verfasst.

Bischof Oster: “Haben wir genug Glauben?”

“Was muss man eigentlich alles tun? Zunächst einmal: Glauben. Es hilft ja auch nicht in Aktionismus zu verfallen und alle möglichen Dinge zu tun.“ Als ich den Passauer Bischof Stefan Oster Anfang des Jahres am Rande des Weltjugendtags in Panama für EWTN interviewt habe, war natürlich auch die aktuelle Glaubens- und Berufungskrise in Deutschland Thema unseres Gesprächs. Von übereilten “Reformen” hält der Passauer Oberhirte offensichtlich wenig.

Stattdessen gehe es um das “persönliche Ringen um Heiligkeit, auch die Dimension des Opfers, die Dimension des aufrichtigen persönlichen Gebetes und die Bereitschaft mit jungen Menschen zu gehen“. In Hinblick auf die immer häufig leer bleibenden Priesterseminare sei die entscheidende Frage:

“Haben wir genug Glauben, dass der Herr jeden Menschen beruft?“

Das Interview wurde Mitte Januar auf einer sonnigen Terrasse über den Dächern Panama Citys aufgezeichnet und ist hier abrufbar. Eine kurze Zusammenfassung gibt es hier bei CNA Deutsch.

Foto: EWTN.TV, Screenshot von der Serie “Rudolf will’s wissen – Wie erkenne ich Gottes Plan für mein Leben?”

Kardinal Koch: “Ohne das Christentum wird Europa nicht mehr Europa sein”

Im Oktober letzten Jahres fand in Rom die Jugendsynode statt. Große Umwälzungen wurden erwartet, die – Stand jetzt – aber eher ausgeblieben sind. Am Rande dieses weltkirchlichen Großereignis hatte ich die Gelegenheit für EWTN mit dem Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch zu sprechen.

Auch jetzt noch, viele Monate nach der Synode, sind die Aussagen des Kardinals bemerkenswert:

Geht ‘ne Nonne in den Biergarten…

Gestern Abend war ich mit drei Freunden nach der Arbeit im Biergarten. Die drei hatten eben einen Test-Dreh in unserem EWTN-Studio in der Hansestraße hinter sich. Eine von ihnen zog direkt die Blicke aller Anwesenden auf sich, denn: Sie ist Nonne.

Sie: „Guck mal, der da drüben hat eine Muttergottes auf seinem Arm tätowiert! Soll ich ihn mal ansprechen?“

Ich, die Augen verdrehend: „Ich wette nen Fünfer, dass er in Erklärungsnot kommt.“

Sie spricht ihn an.

Er wird rot. Ich wusste es.

Doch dann, er: „Die Maria habe ich mir drauf tätowiert, weil ich vor zwei Jahren einen schweren Unfall hatte und ein Versprechen abgegeben habe. Sie soll mich beschützen.”

Sie: “Das wird sie mit Sicherheit!”

Er nickt lächelnd und streicht vorsichtig über die durchsichtige Plastikfolie, die das frische Tattoo schützen soll.

Sie: “Hat bestimmt lang gedauert, bis das Tattoo fertig war, oder?”

Er: “Ja, fünf Stunden. Nach vier Stunden hat es keinen Spaß mehr gemacht.”

Sie lacht.

Er: “Ich habe davor deshalb auch eine Kerze in der Kirche angezündet.”

Sie lächelt und nickt ihm zu. Dann hebt sie immer noch lächelnd den Zeigefinger: “Jetzt müssen sie aber auch ab und zu mal zu ihr beten, gell?”

Er nickt eifrig.

Ich: Zutiefst beschämt ob meiner Vorurteile, meines Zynismus und fünf Euro ärmer.

Foto: Screenshot aus der EWTN-Serie “Rudolf will’s wissen – Wie erkenne ich Gottes Plan für mein Leben?”.

Kilian, der Frankenapostel

Auch – oder gerade besonders – als Exilfranke bleibe ich meiner Heimat sehr verbunden. Wann immer ich ein fränkisches Kennzeichen auf der Straße sehe, irgendwo ein verdächtig rrrrrollendes “R” oder weiches “D” wie “Dürstobber” höre oder im Getränkeladen einen Bocksbeutel entdecke, erlebe ich einen Gefühlscocktail aus Freude, Überraschung, Wehmut und auch ein kleines bisschen Heimweh. Klar, Köln ist sehr nett, ich lebe gerne hier, auf der anderen Seite: Hach, Franken!

Deshalb ist der 8. Juli immer ein besonderer Tag für mich. Es ist der Gedenktag des heiligen Kilian. Er ist nicht nur der Pfarrpatron meiner Heimatkirche in Seubrigshausen. Er ist gleichzeitig auch der Bistumspatron der Diözese Würzburg und “Apostel der Franken”. Um das Jahr 686 kam er mit seinen Gefährten Kolonat und Totnan aus Irland nach Würzburg und machte aus den heidnischen Franken gläubige Christen. Sicher keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass die Franken zwar sehr höfliche und gemütliche Menschen sind, sie sich aber aus diesem Grund ungern aus ihren alten Gepflogenheiten herausreißen lassen. Kann sein, dass die Leute damals noch anders drauf waren, ich kann mir aber gut vorstellen, dass es auch damals schon hieß:

“Ach, dangge, hast es fei guud gemeent, aber des brauch mer wallich net, kannst dei Gelumbb widder mitnemm.”

Heute, knapp 1.300 Jahre später, ist die Region vor allem in Mittel- und Oberfranken zwar größtenteils protestantisch. In meiner Heimat Unterfranken ist man dagegen noch größtenteils “gut katholisch”. Vor sieben Jahren waren hier von 1,3 Millionen Einwohner knapp zwei Drittel katholisch und 18 Prozent protestantisch (sorry, eine aktuellere Statistik habe ich leider nicht gefunden). Der heilige Kilian wird bei uns sehr verehrt, vor allem in Würzburg, wo in diesen Tagen auch wieder die “Kiliani”-Festwoche stattfindet. Seine Gebeine sind in der Neumünster-Kirche ausgestellt.

Interessant ist auch, dass der heilige Kilian und seine Gefährten der Legende nach ermordet wurden, weil sie den herrschenden Fürsten an die Heiligkeit des Ehesakramentes erinnern mussten. Damit wären die “Franken-Apostel” ähnlich wie der heilige Thomas Morus und Johannes der Täufer für die Bewahrung eines Sakramentes gestorben, das auch heute nach wie vor verschiedenen Angriffen ausgesetzt ist. Angriffen, die aber nicht mehr nur von außerhalb der Kirche kommen.

In diesem Sinne lohnt es sich den Heiligen Kilian und seine Gefährten nicht nur heute als Fürsprecher anzurufen. Da ich heute aber leider in Köln sitze, kann ich mir nur ausmalen, wie bei der Abendmesse in Seubrigshausen unsere Organistin wieder alles Herzblut in die Tasten haut und die versammelte Gemeinde das Kilianslied schmettert:

Wir rufen an den teuern Mann, Sankt Kilian!

Sankt Kolonat  und Sankt Totnan!

Dich loben, dir danken deine Kinder in Franken, Sankt Kilian! 

So viel Pathos muss sein. In diesem Sinne werde ich mich heute Abend auf den Weg in den nächsten Getränkeladen und höflich nachfragen: “Ham´Se vielleicht grood noch enn Boggsbeudl da?”

Und dann trinke ich auf den Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan. Und auf Franken.

Kurz nachgedacht: Der Penis und das beste Stück

Der Penis (hihi, darf man das eigentlich einfach so schreiben?) hat im Laufe seiner langen und bewegten Geschichte viele Bezeichnungen und Synonyme erhalten. Ich werde sie vermutlich nicht alle wiederholen müssen, auch wenn sich einige Umschreibungen so lesen lassen wie Zutaten für den perfekten Nudelsalat: Nudel, Wurst und Gurke. (Denn Mais und Erbsen braucht im Nudelsalat nun wirklich keiner! Höchstens vielleicht noch Eier, aber das tut nichts zur Sache.)

Über eine Bezeichnung aber wundere ich mich besonders: Das “beste Stück”. Ist es nicht wahnsinnig dämlich, wenn ich mich hauptsächlich über meinen Lullumann definiere? Soll dieser Teil meines Körpers das Herausragendste sein, das ich zu bieten habe, das, was bei meiner Persönlichkeit am meisten hervorsticht?

Für mich ist der Fall klar: Wenn ein Mann seinen Penis als sein „bestes Stück“ bezeichnet, sagt das mehr über ihn selbst aus als über die tatsächliche Beschaffenheit seines Geschlechtsorgans.

“Selig, die nicht sehen und doch glauben”

Die Kirche feiert heute den Gedenktag des “ungläubigen Thomas”. Dabei war Thomas gar nicht ungläubig – er wollte es nur genau wissen. Während die übrigen Apostel dem auferstandenem Herrn bereits begegnet sind und voller Begeisterung davon schwärmten, war Thomas noch skeptisch:

“Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.”

Gesagt, getan. Als ihm acht Tage später Jesus wahrhaftig gegenüberstand, durfte sich Thomas selbst überzeugen. Erschüttert und voller Ehrfurcht entfuhr ihm ein: “Mein Herr und mein Gott!”

Jesus: “Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.”

Kleiner Insider-Tipp am Rande: Wer glauben UND sehen will, dem sei der katholische Fernsehsender EWTN.TV ans Herz gelegt. Grins.

Nachzulesen: Johannes 20,24-29.

Heute vor sechs Jahren: Mein erster “YOUCAT – Update! Beichten!”

Vor sechs Jahren, es war der 28. Juni 2013, wurde ich morgens in das Pfarrbüro der Gemeinde “St. Josef der Arbeiter” in Senden/Iller gerufen. Die Post hatte soeben ein großes Paket angeliefert und es stand mein Name drauf. Als ich den Absender las, schlug mein Herz gleich ein paar Takte schneller, doch erst, als ich das Paket aufriss hatte ich die Gewissheit: Ich hatte zum allerersten Mal ein Buch in der Hand, bei dessen Entstehung ich maßgeblich beteiligt gewesen bin. Ein kleines, lila (oder sagt man da: “violett”?) Büchlein mit dem Titel: “YOUCAT – Update! Beichten!”

Der YOUCAT war zu diesem Zeitpunkt bereits der heißeste Scheiß unter der Sonne der Neuevangelisierung. Das berühmte gelbe Buch, den Ur-YOUCAT, einen leicht lesbaren und sehr tiefgründigen Jugendkatechismus, hatte ich auch bei mir zuhause stehen. Er sollte die Jugendlichen wieder dabei helfen den Glauben zu verstehen, ohne fromme Floskeln und Klischees. Ein weiteres Buch aus der Reihe ist dort ebenfalls schon erschienen, ein Buch zur Firmvorbereitung. Doch dann, es war im Herbst 2012, wollten die YOUCAT-Macher eines zum Thema “Beichte”.

Dass ich zu der Ehre kam bei diesem Projekt mitzuwirken, habe ich zum Großteil Pfarrer Stephan Spiegel aus Senden zu verdanken, bei dem ich damals ein Jahr lang in der Pfarrei mitarbeitete (eine Art “Orientierungsjahr auf katholisch”). Er hatte den YOUCAT-Gründer Bernhard Meuser zu einem Einkehrtag eingeladen, den er für den Pfarrgemeinderat veranstaltete. Dort erzählte Meuser von den neuen Aufbrüchen in der Evangelisierung und wie der YOUCAT dabei helfen kann, diesen Glauben auch den jungen Leuten wieder verständlich zu machen. Es klingt jetzt etwas klischeehaft, aber ich weiß noch, wie mitreißend Bernhard Meuser über seine Vision gesprochen hat, sodass ich ganz aufgeregt seinen Worten lauschte und diese bestimmte, innere Unruhe verspürte, die einem anzeigt: “Boah, ich hätte so Bock, da mitzumachen!”

Aus dem ersten Interview mit Weihbischof Dick wurde eine lange Freundschaft: Seit 2013 gehe ich regelmäßig bei ihm beichten und noch heute berät er mich bei wichtigen Lebensentscheidungen.

Nach dem Einkehrtag sprachen wir persönlich miteinander. “Wir wollen ein Buch über die Beichte machen und möchten, dass du dabei bist.” Ich war überrascht. Ich ging damals schon regelmäßig beichten, etwa einmal im Monat. Aber macht mich das schon zu einem Experten für das Bußsakrament?

“Du musst kein Experte sein”, beruhigte mich Meuser. Der Gründer der Nightfever-Initiative, Andreas Süß, werde ein Vorwort schreiben und außerdem sei da noch immer Weihbischof Klaus Dick. Der Name sagte mir gar nichts. “Das ist ein emeritierter Weihbischof in Köln, du wirst dich mit ihm treffen und ein Interview führen, das wir dann mit ins Buch packen werden.”

Und so nahm die Sache ihren Lauf.

Zum ersten Mal einen Bischof umarmt

Bewaffnet mit einem elektronischen Diktiergerät, Ersatzbatterien und zur Sicherheit auch noch mit einem Kassetten-Rekorder mit Aufnahmefunktion (ich hatte wirklich Angst, dass etwas schief gehen könnte und ich direkt meinen ersten Buchauftrag in den Sand setze), kam ich mit einer frommen fränkischen Freundin in Köln an und wurde herzlich vom Weihbischof begrüßt. Ich war nervös und wusste nicht, wie ich dem hohen Herrn begegnen sollte. Er empfing uns mit offenen Armen und umarmte uns sehr herzlich. Die nächsten zwei Stunden waren spannend und aufschlussreich, ich war fasziniert davon, dass Weihbischof Dick jede Frage meines dicken Fragenkatalogs beantwortete, sogar die fiesen…

Ist die Beichte nicht ein Unterdrückungsinstrument der Kirche? Wenn ein Mörder bei Ihnen beichtet, warum gehen Sie dann nicht zur Polizei? Glauben Sie, dass Hitler in der Hölle sitzt?

So glücklich ich im ersten Moment auch damit war, dass der Weihbischof aus ausführlich und unterhaltsam antwortete, desto mehr jammerte ich, als ich noch Wochen später damit beschäftigt war, seine Antworten für das Buch mühselig abzutippen. Noch heute stehe ich tief in der Schuld der Ministrantin Anna aus Senden, die irgendwann Erbarmen zeigte und mir dabei half.

Dann nahm das Buch langsam Gestalt an. Ich schrieb eine Einleitung, diskutierte mit Bernhard Meuser einen Beichtspiegel, wir sammelten Fotos, besprachen uns mit dem Lektor Peter Bornhausen, telefonierten Andreas Süß wegen des Vorwortes hinterher und hörten uns die kritischen, aber hilfreichen Kommentare von Nils Baer an (der übrigens das Firmbuch der YOUCAT-Reihe verfasst hat). Dazu machte Alexander von Lengerke seine mittlerweile berühmt gewordenen Strichmännchen. Fast ein dreiviertel Jahr später war es endlich so weit: Das Buch ging in den Druck.

Blick auf den kleinen Tisch bei Weihbischof Dr. Klaus Dick. Hier nimmt er mir seit 2013 regelmäßig die Beichte ab.

Der große Tag

Mein aufregendes Jahr in Senden/Iller ging langsam zu Ende. Ein Jahr lang habe ich bei Pfarrer Stephan Spiegel im Pfarrhaus gewohnt, habe in der Gemeinde mitgearbeitet, im Kinderzentrum, bei den Ministranten und Firmlingen und quasi nebenbei versucht herauszufinden, was denn nun meine eigentliche Berufung ist. Erwartet Gott von mir, dass ich Priester werde? Soll ich einem Orden beitreten? Oder kann ich eine eigene Familie gründen? Und was ist mit der Schreiberei: Wird das für mich immer nur ein Hobby bleiben müssen oder kann ich das in irgendeiner Form beruflich machen?

Wie ich diese für mich quälenden Berufungsfragen beantwortet habe oder teilweise noch beantworten muss, ist eine andere Geschichte. Jedenfalls weiß ich nicht mehr genau, ob ich schon vor dem Zeitpunkt, als der YOUCAT Beichte erschien, bereits die Einladung zum Vorstellungsgespräch bei EWTN hatte. Es war klar, dass mein Jahr bei Pfarrer Spiegel bald zu Ende gehen wird und ich wusste noch nicht, wie es weitergehen sollte. Doch als die Pfarrsekretärin meinen Namen in das Pfarrhaus rief, um das große Paket entgegen zu nehmen, war das alles erst einmal egal. Ich hatte mein erstes, eigenes Werk in der Hand. Natürlich, es war nicht “mein” Werk, aber dennoch war es eine der sichtbarsten Früchte, die aus diesem Jahr hervorgegangen sind, indem ich mich fragte, wie es mit mir weitergehen soll.

Ich musste meine Freude irgendwie rauslassen. Voller Stolz nahm ich die Bücher, ging damit zurück in mein Zimmer, platzierte meine Kamera mit Selbstauslöser auf dem Schreibtisch und machte dieses Foto für Facebook:

Die Freude ist unübersehbar, ebenso die jugendliche Unbedarftheit in Bezug auf Kleidungsstil und Frisur.

Ein paar Monate später war schließlich klar, dass ich nach Köln ziehen werde, um für EWTN zu arbeiten. Dort bin ich in diesem Jahr seit sechs Jahren. Die Mitarbeit an diesem Buch hat dazu geführt, dass mein Chef die Idee hatte, eine ganze Sendung zum Thema Beichte zu machen – gemeinsam mit Weihbischof Klaus Dick.

Ausschnitt aus der Serie “Rudolf will’s wissen – Warum beichten?”

Mit diesem wiederum verbindet mich mittlerweile fast schon eine Vater-Sohn-Beziehung. Alle drei bis vier Wochen gehe ich bei ihm beichten, erzähle ihm aus meinem Leben, bitte ihn um Rat. Er ist für mich zu einem wichtigen Begleiter geworden.

Dass sich das alles mal aus der Arbeit an einem so kleinen Büchlein entwickeln würde, konnte ich damals nicht ahnen. Dass meine Frisur nur unwesentlich besser werden würde, auch nicht.

Bestellen kann man das Ding übrigens immer noch für schlanke fünf Euro hier.

Als Papst Franziskus gleich zweimal unsere Live-Übertragung crashte

Vor etwa fünf Monaten war ich schon einmal ganz ähnlich warmen Temperaturen ausgesetzt. Ende Januar fand am anderen Ende der Welt in Panama der Weltjugendtag statt und ich bin mit dem katholischen Fernsehsender EWTN vor Ort gewesen. Dabei haben sich immer wieder unvorhergesehene Dinge ereignet. Ein Beispiel war unsere Live-Übertragung am 24. Januar 2019. Es war die Willkommenszeremonie für Papst Franziskus an der Cinta Costera. Wir sind eine halbe Stunde eher auf Sendung gegangen, um die bisherigen Ereignisse des Weltjugendtags zusammenzufassen. Dafür haben wir zwei Studiogäste eingeladen, den Augsburger Jugendseelsorger Johannes Prestele sowie den Weltjugendtagspilger Mathias Blum. Doch wie so oft: Es kam ganz anders.

Fast eine halbe Stunde früher (!) als geplant traf Papst Franziskus ein. Wir hatten uns gerade die Stöpsel ins Ohr gesteckt, als hinter uns die ersten Wagen mit Blaulicht eintrafen und kurz darauf das Papamobil angerauscht kam. Verwirrt versuchte ich gegen den ohrenbetäubenden Applaus meinen ersten Gast noch anständig zu begrüßen, bevor ich ihn schon wieder aus der Sendung schmeißen musste, weil der Papst die Altarinsel erreichte und von da an unsere Kommentatoren Martin Rothweiler und Robert Rauhut übernehmen sollten.

Es folgte eine sehr stimmungsvolle Willkommenszeremonie für den Heiligen Vater, bei der wieder viel getanzt und gesungen wurde. Auch unsere Studiogäste waren beeindruckt, da sie direkt bei uns auf der Pressetribüne geblieben sind und so einen unvergleichlich schöne Aussicht auf die gesamte Szenerie hatten.

Letztlich kamen Johannes und Mathias doch noch zum Zug: Da der Papst früher ankam als gedacht, war die Willkommenszeremonie auch früher wieder zu Ende. So konnte Kaplan Johannes Prestele noch von seinen Eindrücken bei den Tagen der Begegnung sprechen, an denen er mit seiner Pilgergruppe teilgenommen hatte. Er berichtete davon, wie er beispielsweise von den Gastgebern gebeten wurde, die Heilige Messe im Dorf zu feiern – und zwar auf Spanisch. Und das, obwohl sein Spanisch gar nicht so gut sei, erzählte Johannes. Doch offenbar reichten seine Kenntnisse aus, um die Predigt des Papstes bei der Willkommenszeremonie zu verstehen:

„Mich hat es persönlich sehr beeindruckt, dass er gesagt hat, es muss konkret weitergehen und dass das Gebet ganz entscheidend ist.“

Anschließend kam noch Mathias Blum in die Sendung. Er stammt aus der beschaulichen Ortschaft Oberried im bayerischen Schwabenland und berichtete von seinem Alltag als Katholik, der versucht, möglichst jeden Tag eine Heilige Messe zu besuchen. Ich kenne ihn schon länger, doch dass der Papst seinem verstorbenen Opa ähnlich sähe, erfuhr ich an diesem Abend auch zum ersten Mal…

Mathias erzählte auch, dass er ursprünglich gar nicht vorhatte, zum Weltjugendtag nach Panama zu fahren. Am Ende hatte er sich dann doch umentschieden und seine euphorischen Schilderungen des bisher Erlebten zeigten, dass er diese Entscheidung auf keinen Fall bereut. Zumal er neben der Stärkung im Glauben und der Gemeinschaft ein weiteres Argument für den Weltjugendtag parat hat:

„Hier sollen die Mädels ja auch ganz nett sein“

Die komplette Sendung gibt es hier:

Hinweis: Dies ist die leicht überarbeitete Version eines Beitrags, der zuerst auf dem EWTN-Weltjugendtagsblog unter Panama19.de erschien.

Der Brief von Papst Franziskus: Traue niemals einer Zusammenfassung!

„In seinem 5700 Worte langen Brief betont der Papst wiederholt mit großer Deutlichkeit, dass die Kirche dazu da ist, den Glauben zu verkünden“, meldete CNA Deutsch am Samstagmittag des 29. Juni 2019. Wie bereits am Mittwoch bekannt wurde, hat Papst Franziskus einen Brief an die Gläubigen in Deutschland geschrieben. Zuerst wurde angenommen, der Text sei nur für die Bischöfe bestimmt. Dann wurden die Meldungen korrigiert mit dem Hinweis, der Brief sei an alle Katholiken in Deutschland gerichtet. Trotzdem wollte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) erst drei Tage später – am heutigen Samstag – das Schreiben dem übrigen Kirchenvolk vorstellen.

Dies ist nun geschehen. Obwohl der sehr umfangreiche Papst-Brief von der weltlichen Öffentlichkeit weitgehend nicht einmal mit einem Achselzucken bedacht wird, wird in einschlägigen katholischen Foren bereits heiß über den Inhalt diskutiert.

Bei “katholisch-de”, dem “Internetportal der Katholischen Kirche in Deutschland” (Selbstbezeichnung), liest es sich so: “Papst Franziskus unterstützt deutsche Katholiken beim ‘synodalen Weg’.” Unterstützung hat der Heilige Vater tatsächlich zugesagt, er schreibt: “Die Sachlagen und Fragestellungen, die ich mit Euren Hirten anlässlich des letzten Ad-Limina-Besuches besprechen konnte, finden sicherlich weiterhin Resonanz in Euren Gemeinden. Wie bei jener Gelegenheit möchte ich Euch meine Unterstützung anbieten, meine Nähe auf dem gemeinsamen Weg kundtun und zur Suche nach einer freimütigen Antwort auf die gegenwärtige Situation ermuntern.”

Die klaren Worte von Franziskus zu jener “gegenwärtigen Situation” der Kirche fanden auch beim Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki Beifall:

“Dass Papst Franziskus sogar von ‘Erosion und Verfall des Glaubens’ in Deutschland spricht, zeigt, dass er wirklich nichts beschönigt und auch uns ermuntert, die Augen vor der Realität nicht zu verschließen. Die Krise der Kirche, da hat der Papst, so schmerzlich es ist, doch recht, ist in erster Linie eine Glaubenskrise.”

Was den sogenannten “synodalen Weg” betrifft, für den die Deutsche Bischofskonferenz seit einiger Zeit wirbt, findet der Heilige Vater jedoch deutliche Worte der Warnung. Der Begriff “synodaler Weg” stammt von der letzten Frühjahrsvollversammlung, er soll einen Weg beschreiben, bei dem es um Machtfragen innerhalb der Kirche geht und eine eventuelle Neuausrichtung der bisherigen Kirchenlehre in Bezug auf die Sexualmoral und den Zugang zu den Weiheämtern.

Dazu schreibt Franziskus, dass “eine der ersten und größten Versuchungen im kirchlichen Bereich darin bestehe zu glauben, dass die Lösungen der derzeitigen und zukünftigen Probleme ausschließlich auf dem Wege der Reform von Strukturen, Organisationen und Verwaltung zu erreichen sei, dass diese aber schlussendlich in keiner Weise die vitalen Punkte berühren, die eigentlich der Aufmerksamkeit bedürfen.” Er erinnert an sein Schreiben Evangelii Gaudium, bei dem er bereits warnte: “Es handelt sich um eine Art neuen Pelagianismus, der dazu führt, unser Vertrauen auf die Verwaltung zu setzen, auf den perfekten Apparat. Eine übertriebene Zentralisierung kompliziert aber das Leben der Kirche und ihre missionarische Dynamik, anstatt ihr zu helfen”.

Viel Text, viel Kirchendeutsch

In den ersten Reaktionen auf den Brief kritisieren viele Leser den großen Umfang des Papst-Schreibens. Mehrfach wird außerdem angemerkt, dass die Wortwahl “zu kirchisch” sei und teilweise über die Köpfe und das Verstehen des gläubigen “Fußvolkes” hinweggehe. Möglicherweise lag in dieser pastoralen Rücksichtnahme die Motivation der Pressestelle der Bischofskonferenz, den wichtigen Brief des Oberhirten an seine deutschen Schäfchen erst nach einem dreitägigen Wirkungs- und Verstehensprozess zu veröffentlichen. Umso interessanter ist die Feststellung, dass der Vorsitzende der DBK, Reinhard Kardinal Marx, wie auch der Vorsitzende des “Zentralkomitees der deutschen Katholiken” (ZdK), Thomas Sternberg, nach drei Tagen der Meditation trotzdem zu dem Schluss kommen, der Brief lade sie ein, “den angestoßenen Prozess in diesem Sinn weiterzugehen”. Dabei erhebt Franziskus noch einmal mahnend den Zeigefinger:

“Die derzeitige Situation anzunehmen und sie zu ertragen impliziert nicht Passivität oder Resignation und noch weniger Fahrlässigkeit; sie ist im Gegenteil eine Einladung, sich dem zu stellen, was in uns und in unseren Gemeinden abgestorben ist, was der Evangelisieren und der Heimsuchung durch den Herrn bedarf. Das aber verlangt Mut, denn, wessen wir bedürfen, ist viel mehr als ein struktureller, organisatorischer oder funktionaler Wandel.”

Vielleicht sind es die vielen irreführenden Zusammenfassungen, die zu den unterschiedlichen Deutungen geführt haben. Ein derart langes Schreiben lädt sicherlich dazu ein Rosinenpickerjournalismus zu betreiben und jene Sätze herauszustreichen, die der eigenen kirchenpolitischen Einstellung widerstreben. Auch der Verfasser dieser Zeilen kann sich dieser Versuchung nicht komplett erwehren.

Aus diesem Grund mein persönlicher Sommer-Tipp für diesen warmen, bundesliga-freien Samstagnachmittag:

Nehmen Sie sich einen kühlen Drink, setzen Sie sich auf die Terrasse (Sonnencreme nicht vergessen) und meditieren Sie in Ruhe über den Text des Heiligen Vaters. Lassen Sie sich nicht davon abschrecken, dass einige dem Kirchenvolk die Fähigkeit absprechen wollen, den Original-Text zu verstehen und Ihnen deshalb Deutungen aufnötigen. Bei Rückfragen und Anmerkungen wird Ihnen Ihr Heimatpfarrer nach der morgigen Sonntagsmesse sicher zur Verfügung stehen.

Trauen Sie niemals einer Zusammenfassung! Lesen Sie hier das Original im Wortlaut.

Foto: Daniel Ibanez / Catholic News Agency