Wochenrückblick: Pater Kentenich doch nicht rehabilitiert | Krise der Theologie in Deutschland

Es gibt eine neue Wende im Fall um den unter Missbrauchsverdacht stehenden Gründer der Schönstatt-Bewegung, Pater Josef Kentenich. Wie am letzten Montag bekannt wurde, wurde der frühere Pallottiner-Priester nicht wie bisher behauptet nach seinem Exil in den USA vom Vatikan rehabilitiert. Im Gegenteil: Ein  nun aufgetauchter Brief aus dem Jahr 1982 belegt, dass “keine der früheren Entscheidungen des Heiligen Offiziums, die die Lehre, Tätigkeit und Person P. Kentenichs betreffen, annulliert” worden seien.

Der Autor dieses Dokuments ist kein Geringerer als der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI. 

Ratzinger schreibt, dass Kentenich “ohne Erlaubnis der Kongregation, sondern auf Grund eines fehlinterpretierten Telegrammes” sein Exil unterbrochen habe und nach Rom gekommen sei. Weiter sei man “nicht der Meinung” (…), dass die Beanstandungen, die der Apostolische Visitator seinerzeit an Lehre und Tätigkeit P. Kentenichs machte, ein bedauerlicher Irrtum gewesen seien und auf falschen Informationen beruhten”.

Im Schreiben heißt es auch, dass die Glaubenskongregation zwar ihre Zustimmung gab, dass der Schönstatt-Gründer als Priester im Bistum Münster inkardiniert wird, nachdem er den Pallottiner-Orden verlassen hatte. Gleichzeitig sei jedoch die Bedingung gewesen, „dass P. Kentenich nicht in das Säkularinstitut der Schönstattpriester eintreten und nicht die Leitung des Schönstattwerkes übernehmen dürfe.”

Theologen-Mangel in Deutschland?

Neben dem Priestermangel herrscht in Deutschland auch ein Theologen-Mangel. Das zumindest behauptet ein Artikel der KNA, der Anfang dieser Woche erschienen ist. Demnach studierten 2018/19 insgesamt 18.251 Studenten Theologie. Gerade mal ein Zehntel davon im Vollstudium, bei den Übrigen ist die theologische Ausbildung lediglich Teil eines Lehramtsstudiums.

Dass sich die Theologie in Deutschland in einer Krise befindet, diese These vertritt der deutsche Universitätsprofessor Ulrich Lehner, der in den USA an der Universität von Notre Dame im Bundesstaat Indiana lehrt.

“Ich habe viele Berufungen in Deutschland verfolgt und kann nur sagen: Akademisches Mittelmaß wird immer Mittelmaß berufen”, so Lehner. Eine “Handvoll Professoren” platziere seiner Ansicht nach ihre Schüler in den entsprechenden Posten, “gleich welche Schwächen sie haben”. Dabei falle auf, dass “vor allem diejenigen, die kirchentreu sind, nie zum Zuge kommen, weil man sie vorher aussortiert”.

Die deutsche Theologie sei nicht mehr das, was sie vor 25 Jahren war, beklagt Lehner. Anders als damals habe sie heute keine weltweite Ausstrahlung mehr.

Als Beleg dafür führt der Professor an, dass es kaum noch Übersetzungen von deutschsprachigen theologischen Arbeiten ins Englische, Französische oder Spanische gebe. Umgekehrt werde die weltweite Forschung in Deutschland “erstaunlich wenig wahrgenommen”. Dadurch sei man von der internationalen Forschung weitgehend abgeschnitten, so der Wissenschaftler. Innerhalb der deutschen Forschung zitiere man hingegen überwiegend deutschsprachige Veröffentlichungen. 

Unabhängig der verhältnismäßig geringen Anzahl an “Volltheologen” gibt es in Deutschland immer noch viele Orte, an denen Theologie gelehrt wird. Insgesamt 19 Katholisch-Theologische Fakultäten und Hochschulen, mehr als 30 Institute und Lehrstühle für Katholische Theologie/Religion, verschiedene Forschungs- und Studieneinrichtungen, drei Hochschulen mit dem Fachhochschulstudiengang “Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit” sowie die Kirchliche Arbeitsstelle für Fernstudien “Theologie im Fernkurs” zählt das Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz auf.

Allerdings: Der “Output” bleibt gering. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wurden 2019 gerade einmal acht Personen in katholischer Theologie habilitiert. Ulrich Lehner sagte gegenüber CNA Deutsch wörtlich:

“Die inzwischen leider festzustellende wissenschaftliche Mittelmäßigkeit deutscher Theologie – mit Ausnahmen – rechtfertigt ebensowenig die Anzahl der Fakultäten wie die geringe Anzahl von Diplomstudenten. Sie aufrecht zu erhalten, gleicht einer Verharrung auf anno dazumal erkämpften Privilegien.”

Heute erschien bei CNA Deutsch auch mein Interview mit dem Pastoraltheologen Andreas Wollbold aus München, der für uns die Lage der Theologie in Deutschland analysierte. Das komplette Interview finden Sie hier.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

Wochenrückblick: Noch immer Beschwerden über “Pfarrei-Instruktion”, Warnung vor Instrumentalisierung des Missbrauchs beim “Synodalen Weg”

Es ist nun über eine Woche her, als der Vatikan seine Pfarrei-Instruktion veröffentlicht hat. Zur Erinnerung: Sie richtet sich an alle Pfarreien der Weltkirche und ruft dazu auf, die Missionierung, die Neuevangelisierung zur obersten Priorität der Pfarreienarbeit zu machen. Doch nicht nur das: Die Instruktion erinnert auch daran, dass die Leitung einer Pfarrei immer einem geweihten Priester vorbehalten sein muss. Dies ist bereits im Kirchenrecht so festgelegt.

Doch gerade dieser Punkt sorgt vor allem im deutschsprachigen Raum für Protest. Bereits vergangene Woche trudelten fast täglich neue bischöfliche Verlautbarungen ein, in denen beispielsweise die Bischöfe aus Trier, Mainz, Osnabrück oder Würzburg ihre Verägerung über die Anweisung aus Rom zum Ausdruck brachten, während unter anderem aus Köln und Eichstätt Zustimmung zu hören war.

Wie CNA Deutsch nun berichtet hat, soll der Vatikan nun aber Gespräche angeboten haben. Wenn die deutschen Bischöfe es wünschten, könnten sie „zu gegebener Zeit“ nach Rom kommen, um dort in einem Gesprach die – so wörtlich – “Zweifel und Verblüffung zu beseitigen”.

Als erster Schweizer Bischof hat sich nun auch der Baseler Bischof Felix Gmür zur Instruktion geäußert.  “Dass die Pfarrei so sehr auf den Pfarrer zentriert gesehen wird, entspricht nicht unserer Wirklichkeit”, schreibt der Bischof in einem Brief an alle Mitarbeiter, das sei vielmehr “theologisch defizitär und klerikalistisch verengt”. Er deutet in seinem Schreiben bereits an, die Vorgaben nicht umsetzen zu wollen. “Für uns”, so Gmür, seien stattdessen “diözesane Normen sowie staatliche und staatskirchenrechtliche Vorgaben wichtig”.

Instrumentalisierung des Missbrauchs bei “Synodalem Weg”?

Intensiv auseinandergesetzt hat sich jetzt auch die Theologin Katharina Westerhorstmann mit der Grundausrichtung des sogenannten „Synodalen Wegs“ in Deutschland. Wie Sie wahrscheinlich wissen, wurde von Anfang an betont, dass dieser sogenannte „Reformprozess“ als Reaktion auf den Missbrauchsskandal der Kirche in Deutschland ins Leben gerufen wurde.

In einem Beitrag für die “Herder-Korrespondenz” hat die Theologin nun kritisiert, dass die Missbrauchsfälle teilweise instrumentalisiert würden, um eine Aufweichung der katholischen Sexualmoral zu erreichen. Dies sei, wie Westerhorstmann darlegt, jedoch unredlich.

In der Diskussion werde “immer wieder (…) zu allgemein auf ‘wissenschaftliche Erkenntnisse’ oder die Humanwissenschaften” verwiesen, so die Theologin.

Dass auch die Sexualwissenschaft und die Sexualmedizin häufig als Referenzquelle herangezogen werden, sieht sie äußerst kritisch, da diese – Zitat – “wegen ihrer ambivalenten Geschichte gerade nicht zu den verlässlichen Partnern im Einsatz gegen Pädokriminalität und Missbrauch” gehörten.

Katharina Westerhorstmann nimmt übrigens selbst am “Synodalen Weg” teil. Dort ist sie unter anderem Teil des Synodalforums zur Sexualmoral, das den Titel trägt “Leben in gelingenden Beziehungen” .

In ihrem Beitrag mahnt sie an, dass der innerkirchliche Diskurs beim “Synodalen Weg” an Aufrichtigkeit gewinnen würde, wenn die Missbrauchsfälle nicht zum Vorwand der Liberalisierung instrumentalisiert würden. Westerhorstmann dazu wörtlich:

“Anstatt sich auf die Anerkennung von außerehelichen Geschlechtsbeziehungen, Selbstbefriedigung, homosexuellen Handlungen, künstlicher Empfängnisverhütung und die Kommunionszulassung zivil verheirateter Geschiedener zu konzentrieren, sollte man verstärkt Missbrauchsfälle mit Missbrauchsfällen vergleichen, wie es etwa die Unabhängige Kommission der Bundesregierung tut.“

Insgesamt sei bei der Beurteilung der Sexualmoral der Kirche “ein Ansatz der Kontinuität und nicht des Bruchs” gefragt. Eine gesund gelebte Sexualität nach kirchlichen Vorgaben oder der Verzicht auf “das Ausleben derselben” sei daher keineswegs “toxisch, sondern möglich”, so Westerhorstmann. 

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

Was soll die neue “Pfarrei-Instruktion” eigentlich?

In der jüngeren Vergangenheit hat der Papst seinen Blick immer wieder nach Deutschland gerichtet. Erst im letzten Jahr hat Papst Franziskus mit seinem Brief „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ die deutschen Katholiken aufgefordert, missionarischer zu werden und sich nicht in Strukturdebatten zu verzetteln. Während die Reaktionen auf diesen Brief noch relativ verhalten ausfielen, ist das beim neuen Schreiben aus dem Vatikan ganz anders.

Am Montag hat die Kleruskongregation Instruktionen vorgestellt, die alle Pfarreien in der gesamten Weltkirche betreffen (und nicht nur die deutschen Diözesen). Ein Großteil der deutschen Bischöfe hat darauf mit scharfer Kritik reagiert.

Doch worum geht es eigentlich in dem Schreiben, das den Titel trägt: „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche”

Mein Kollege Anian Christoph Wimmer, Chefredakteur von CNA Deutsch, hat die wichtigsten Punkte einmal zusammengefasst. Seine Übersicht finden sie hier.

Wochenrückblick: Kirchenaustritt als Ausdruck der Religionsfreiheit

Was unterscheidet die Katholische Kirche eigentlich von einer Sekte? Nun, zum einen hat die Kirche durch ihren Gründer – Jesus Christus – die Gewissheit, dass sie niemals untergehen wird, egal, wie hart die Zeiten sind oder noch werden, weil sie der Wahrheit dient. 

Zum anderen kann jeder Mensch Teil der Kirche werden, ohne besondere Leistungen vollbringen zu müssen. Genauso gut kann man die amtliche Mitgliedschaft jederzeit beenden. Das nennt man Religionsfreiheit.

Diesen Punkt hat auch der ehemalige Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, noch einmal in Erinnerung gerufen. In einem Interview beklagte der Erzbischof von Wien die gestiegenen Austrittszahlen in Österreich. Dort nämlich ist die Zahl der Kirchenaustritte im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um 14,9 Prozent angestiegen. Insgesamt 67.583 Personen traten letztes Jahr aus der Katholischen Kirche aus.

Schönborn bedauert die hohen Zahlen, sagte jedoch auch:

“Das ist ein Teil der Religionsfreiheit. Wir sind keine Zwangsgemeinschaft. Das ist die Freiheit, die Gott uns gegeben hat.”

Keine Priesterweihe: Keine Katastrophe?

Die Krise zeigt sich im deutschsprachigen Raum jedoch nicht nur anhand der Kirchenaustritte. Auch die Zahl der Priesterweihen geht zurück. Der Bischof von Augsburg, Bertram Meier, hat kürzlich in einem Interview gesagt, dass er „natürlich sehr enttäuscht” sei, wenn es irgendwann mal ein Jahr lang mal keine Priesterweihe in seinem Bistum geben sollte, jedoch sei dies “keine Katastrophe”.

„Es gab in der Kirchengeschichte immer schon Phasen, in denen die Kirche angezählt wurde“, sagte er wörtlich. „Doch Totgesagte leben am längsten.”

Risikobehaftet sieht Meier jedoch die Umstrukturierungen, die derzeit in vielen Bistümern angedacht werden. Auch Augsburg ist davon betroffen. Die vielen kleinen Pfarreien sollen vermehrt zu XXL-Pfarreien zusammengeschlossen werden.

XXL-Pfarreien in Freiburg beschlossene Sache

Für Aufsehen hat über viele Monate hinweg der Vorstoß des Trierer Bischofs Stephan Ackermann gesorgt. Die insgesamt fast 900 Pfarreien der Diözese Trier sollten zu 35 Großraumpfarreien zusammengeschmolzen werden und Leitungsteams unterstellt werden, in denen der Priester nur eine nebengeordnete Rolle spielt.

Dies hat natürlich nicht nur innerhalb des Bistums Widerstand gesorgt. Rom selbst hat sich eingeschaltet und nach einer längeren Überprüfung schließlich festgestellt, dass die Pläne von Bischof Ackermann in der Form nicht umgesetzt werden dürfen.

Ein ähnliches Schicksal könnte auch den Reformplänen des Freiburger Erzbischofs Stephan Burger blühen. Auch er plant sein Bistum radikal umzustrukturieren. Gleich 1.000 Pfarreien möchte er auf lediglich 40 XXL-Pfarreien zusammenschrumpfen, die sich dann über das gesamte Bistumsgebiet verteilen (hier der ausführliche Bericht bei CNA Deutsch). 

Die Leitung dieser Pfarreien soll jedoch weiterhin von Priestern ausgeübt werden.

Auch wenn Laien künftig mehr in “pastorale Aufgabenfelder” eingebunden werden sollen, ist eine Übertragung der “Hirtensorge” auf Laien kirchenrechtlich nicht gegeben. Dazu hält das Erzbistum wörtlich fest:

“Aufgrund des Kirchenrechts kann eine Pfarrei nur durch einen Priester geleitet werden. Weitere Formen der Leitung, die das Kirchenrecht vorsieht, sind letztlich keine Formen der Gemeindeleitung, sondern pastorale Notstandsregelungen. In konsequenter Anwendung des Kirchenrechts bestimmt die Zahl der zur Verfügung stehenden Pfarrer die Zahl der Pfarreien, sofern man keine ‘Mitverwaltung’ möchte. Dies hat der Erzbischof ausgeschlossen.”

Die XXL-Pfarreien sind jedoch nach Aussage von Erzbischof Burger längst beschlossene Sache. “Am Faktum der Bildung von etwa 40 Pfarreien wird kein Weg vorbeiführen“, schreibt das Erzbistum wörtlich.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

NEUER ARTIKEL: Der Standhafte

Joachim Kardinal Meisner war bekannt für seine Frömmigkeit, seine Geradlinigkeit und für seine kernigen Sprüche. All dies kommt noch einmal zusammen, wenn man die kürzlich erschienenen Memoiren des verstorbenen Kardinals liest. “Wer sich anpasst, kann gleich einpacken”, so lautet der Titel seiner Lebenserinnerungen und kaum ein Satz hätte die Lebenseinstellung des geborenen Schlesiers wohl besser auf den Punkt gebracht.

Für die katholische Wochenzeitung “DIE TAGESPOST” habe ich eine Rezension verfasst, die in der letzten Ausgabe erschienen ist und nun hier auch online veröffentlicht wurde.

Die Journalistin Gudrun Schmidt hat sich vor dem Tod Meisners mehrfach mit dem Kardinal getroffen, um dessen Erinnerungen aufzuschreiben. Er habe anschließend noch einmal drüber gelesen und seine Anmerkungen gemacht, bis er den finalen Text für gut befunden habe, so Schmidt. Nach seinem Tod sollte das Buch dann erst erscheinen, nicht zu früh, aber auch nicht zu spät – so hatte es der Kardinal verfügt.

Auch wenn seine Zeit als Erzbischof von Köln im Vergleich zur Jugend Meisners oder seine Amtszeit als Bischof von Berlin eher kurz abgehandelt wird, lässt sich das Buch gut lesen. Auch der Ton des Kardinals ist erstaunlich gut getroffen. Bei so mancher Anekdote sieht man ihn direkt vor sich, ob es die Begegnung mit Angela Merkel in Köln oder mit Erich Honecker in Berlin ist.

In einem Interview, das ich kürzlich für EWTN.TV mit dem Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp führte, sprach dieser immer wieder vom Humor Meisners. Auch dieser Charakterzug kommt bei aller Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit – teils ohne Rücksicht auf Verluste – bei den Memoiren immer wieder durch.

Letztendlich kann ich das Buch trotz kleiner Schwächen empfehlen. Wer mehr wissen will, lese jedoch zunächst mal meine Rezension bei der “TAGSPOST”

Als Weihbischof Schwaderlapp die Klappe hielt

Kennen Sie ‘Papa Ante Portas’? Nicht? Wie, nur vom Namen her? Das geht ja gar nicht! Sie müssen den Film unbedingt mal sehen!” – Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp war ob meiner kulturellen Wissenslücke einigermaßen entsetzt. Meine Kollegen waren gerade dabei, sein Wohnzimmer in ein kleines Fernsehstudio umzuwandeln. Drei Tage lang sollten wir für den katholischen Fernsehsender EWTN.TV dort eine neue Serie aufnehmen. Und jetzt kannte dieser Typ, der ihn interviewen sollte, nicht einmal diesen Film-Klassiker von Loriot?

Schwaderlapp war Wochen zuvor von sich aus auf uns zugekommen. Eine Art “Grundkurs des Glaubens” wolle er auf die Beine stellen, eine Serie, die die grundsätzlichen Fragen des katholischen Glaubens behandle. Es war für uns die Gelegenheit, drei Jahre nach der letzten Staffel mit dem Passauer Bischof Stefan Oster eine neue Staffel von “Rudolf will’s wissen” zu drehen.

Sieht aus wie “Der Pate”, war aber ausgesprochen liebenswürdig, offenherzig und humorvoll: Weihbischof Dominikus Schwaderlapp hat sich für uns viel Zeit genommen und als Drehort sogar drei Tage lang sein Wohnzimmer zur Verfügung gestellt.

Der Weihbischof und ich hatten beschlossen, uns am Glaubensbekenntnis zu orientieren. Schließlich ist darin ja alles enthalten, was die Katholische Kirche glaubt. Satz für Satz wollten wir das Credo besprechen.

“Ich glaube an Gott, den Vater…” – so beginnt das Glaubensbekenntnis. Woher will man eigentlich wissen, dass es nur einen Gott gibt? Dass unser Gott der richtige ist? Warum ist Gott “Vater”? Warum “Vater” und nicht “Mutter”?

Diese und weitere Fragen haben wir besprochen und im Nu war die erste Folge schon im Kasten.

Am Ende haben wir vom 6. bis zum 8. Juli innerhalb von drei Tagen 14 Folgen mit jeweils 25 Minuten gedreht. Ich selbst habe die Gespräche mit Weihbischof Schwaderlapp als sehr kurzweilig, aufschlussreich und spannend empfunden. Ich bin als Kind wie selbstverständlich mit dem Glauben aufgewachsen und doch gab es noch Fragen, die ich immer mal stellen wollte. Viele Fragen, mit denen ich außerdem von Freunden und Bekannten im Alltag konfrontiert werde, sind ebenfalls in unsere Serie mit eingeflossen. Es war erstaunlich, wie gut vorbereitet und verständlich Schwaderlapp auf jede einzelne eingegangen ist. Letztlich war diese TV-Produktion für mich wie ein Crashkurs der Theologie und eine Art von geistlichen Exerzitien.

Jetzt steht jedoch erst einmal die Postproduktion an. Ich beneide meinen Kollegen nicht, der die ganzen Folgen nun schneiden und “fernsehfertig” machen darf. Anfang November 2020 soll die komplette Staffel dann bei EWTN.TV anlaufen – sowohl im regulären TV-Programm, als auch über den Internet-Livestream. Ich bin mir sicher, dass die einzelnen Folgen dann auch in der Mediathek abrufbar sein werden. All das wird EWTN noch rechtzeitig über die verschiedenen Kanäle bekanntgeben.

Bis dahin steht bei mir noch Loriot auf dem Programm. “Sie müssen sich unbedingt noch ‘Papa Ante Portas’ ansehen”, hatte Weihbischof Schwaderlapp nach dem Ende des Drehs noch einmal eindringlich gesagt. Auch dort sei die Wohnung mit Kamera-Equipment vollgestellt worden, er habe sofort diese Assoziation gehabt, als er gesehen hatte, wie wir sein Wohnzimmer zu einem improvisierten Studio gemacht haben.

Doch nachdem die letzte Klappe gefallen war, haben auch wir schließlich die Klappe gehalten. Aber sehen Sie selbst:

Wochenrückblick: Die Zahlen der Krise

Die Katholische Kirche in Deutschland steckt in der Krise – nicht nur dem regelmäßigen Hörer unseres CNA-Deutsch-Podcasts dürfte dieser Umstand aufgefallen sein. Es ist nicht nur die hohe Zahl der Kirchenaustritte, die das belegen. Nein, auch die besonders niedrige Zahl der Priesteramtsanwärter gibt Anlass zur Besorgnis.

Deutschlandweit gab und gibt es im Jahr 2020 insgesamt gerade einmal 57 Priesterweihen – und das verteilt auf insgesamt 27 Bistümer. Immerhin: Dies ist lediglich der zweitniedrigste Wert in der Geschichte. Allerdings: Den niedrigsten Wert gab es 2019, da waren es nur 55 Weihen im Vorjahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 wurden in Deutschland noch 154 Männer zu Priestern geweiht. Insgesamt ist die Zahl der Weihen innerhalb von nur 20 Jahren um 60 Prozent gesunken!

Dafür steigen, wie Anfangs erwähnt, die Kirchenaustrittszahlen. Die katholische Wochenzeitung „Die Tagespost“ hatte deshalb eine Umfrage in Auftrag gegeben, und die kam zu einem erstaunlichen Ergebnis: Fast ein Drittel der Katholiken in Deutschland denkt ernsthaft darüber nach, aus der Kirche auszutreten. Lediglich 54 Prozent der Katholiken wollen auch in der Statistik Kirchenmitglied bleiben.

Um der Krise entgegenzutreten, versuchen sich verschiedene Gruppierungen und Gemeinschaften an unterschiedlichen Lösungskonzepten. Während das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und Teile des deutschen Episkopats große Hoffnungen auf den sogenannten „Synodalen Weg“ setzen, betonen andere – darunter Papst Franziskus – die dringende Notwendigkeit der Neuevangelisierung. Das Gebet, die Sakramente, die Katechese – all das wartet nur darauf, wiederentdeckt zu werden.

Die Nonnen-Rebellion

Wieder andere möchten gar zentrale Punkte der Kirchenlehre ändern. Dazu gehört auch eine Gruppe von zehn Nonnen, die unter dem Titel „Ordensfrauen für Menschenwürde“ einen Aufruf gestartet hat. Die Kirche müsse endlich Frauen zur Priesterweihe zulassen, so eine der Forderungen. Zudem hätten viele Ordensleute gerade während der Corona-Pandemie festgestellt, dass sie die tägliche Messfeier – wie sie in vielen Orden vorgeschrieben ist, nicht einmal mehr „vermissen“ würden.

Im Forderungskatalog der Ordensfrauen steht auch eine – so wörtlich – “Verheutigung der liturgischen Sprache”. Schwestern, die mit der Vorbereitung der liturgischen Feiern betraut waren, hätten Texte oft umformuliert, damit sie – so wörtlich – “selbst ehrlich beten” konnten. 

“Manche Orationen sind so formuliert, dass viele von uns diese Texte kaum ertragen können”, heißt es in dem Papier. Es sei daher nötig, eine “alltagstaugliche Begegnung mit Gott” zu ermöglichen, in dem die Texte überarbeitet werden.

Trotz der vielen Forderungen nach einer massiven Änderung der Kirchenlehre wollen die Ordensfrauen dennoch „römisch-katholisch“ bleiben – das zumindest diktierte ein Mitglied der Initiative einem Journalisten der KNA in den Notizblock. 

Neues im Fall Kentenich

Wie wir bereits letzte Woche berichtet haben, wird Pater Josef Kentenich, dem Gründer der Schönstatt-Bewegung, Missbrauch vorgeworfen. Nachdem Schönstatt diesen und weitere Vorwürfe zunächst kategorisch abgewiesen hatte, hat das Bistum Trier, das 1975 sogar einen Seligsprechungsprozess für Kentenich einleitete, eine Historiker-Kommission angekündigt, die die Vorwürfe untersuchen soll. Wer Mitglied dieser Kommission sein wird, ist noch unklar. Das Bistum teilte mit:

“Am Ende ihrer Arbeit wird die Kommission – unter Einbeziehung des Ergebnisses der vorausgegangenen Kommission – einen Bericht erstellen, in dem auch eine Aussage gemacht wird über die Persönlichkeit und die Spiritualität von P. Josef Kentenich, so wie sie sich in den gesammelten Dokumenten darstellen“.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

NEUES INTERVIEW: “Sein Gewissen war ihm wichtiger als sein Ansehen”

Über was hat Kardinal Meisner eigentlich am liebsten gelacht?” Die Antwort auf meine Frage kam ziemlich schnell, fast wie aus der Pistole geschossen, und sie war ganz anders, als ich sie erwartet hatte: “Über andere!” Es ist nun drei Jahre her, als der frühere Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, heimgegangen ist. Über meine letzte Begegnung mit diesem starken, streitbaren und eindrucksvollen Menschen habe ich mal einen Beitrag für CNA Deutsch geschrieben.

Am 16. Juni 2020 hatte ich nun die Gelegenheit, mit einem Wegbegleiter des verstorbenen Kardinals zu sprechen. Weihbischof Dominikus Schwaderlapp wurde 1993 von Meisner zum Priester geweiht, diente ihm viele Jahre als Sekretär und Generalvikar im Erzbistum Köln, bis er schließlich 2012 die Bischofsweihe empfing – natürlich wieder von Kardinal Meisner.

Fast eine halbe Stunde lang habe ich mit Weihbischof Schwaderlapp über das Leben und Wirken dieses einzigartigen Menschen gesprochen. Dabei hat Weihbischof Schwaderlapp auch von den Kämpfen gesprochen, die Meisner auszufechten hatte, von seinen Schwächen und den Stunden der Einsamkeit. Aber auch über den Humor des Kardinals und die Frage, worüber der gebürtige Schlesier am liebsten lachte:

“Manchmal über andere!”

Das Interview wird am kommenden Sonntag, dem Todestag Meisners, im regulären Programm des katholischen Fernsehsenders EWTN.TV ausgestrahlt. Doch bereits ab heute ist das komplette Interview schon hier auf Youtube zu sehen. Viel Freude damit!

NEUER ARTIKEL: “Er war ein fränkisches Urgewächs”

Wie ich in in einem früheren Beitrag bereits berichtet habe (was für eine herrliche Alliteration!), bin ich bei der Beisetzung des früheren Bischofs von Speyer, Anton Schlembach, als Berichterstatter für EWTN.TV und die katholische Nachrichtenagentur CNA Deutsch vor Ort gewesen. Dadurch, dass die Teilnehmerzahl aufgrund der Hygiene-Vorschriften ohnehin begrenzt war, war ich gewissermaßen in einer privilegierten Position. Deshalb hat es mich umso mehr gefreut, dass ich für die Medien aus meiner fränkischen Heimat (konkret: inFranken / MAINPOST) ebenfalls einen Artikel über den berühmtesten Sohn unserer Gegend schreiben durfte.

Mit dem Münnerstädter Bürgermeister Michael Kastl und dem Stadtrat Arno Schlembach, der wie Bischof Schlembach ebenfalls ein gebürtiger Großwenkheimer ist, war die Heimat gut vertreten. Auch Pater Thomas Reis, Stadtpfarrer von Münnerstadt, und unser Heimatpfarrer Benno von Bundtschuh hatten sich auf den Weg nach Speyer gemacht.

Der neue Bürgermeister von Münnerstadt, Michael Kastl (CSU), am Grab des verstorbenen Alt-Bischofs Anton Schlembach. (Foto: Rudolf Gehrig / CNA Deutsch)

Besonders witzig fand ich im Zusammenhang der Beisetzung die Unterhaltung mit einem anderen Journalisten. “Wie groß ist eigentlich dieses Großwenkheim”, fragte er mich. Dank Google-Maps konnte ich ihm jedoch diese Wissenslücke schließen – und hatte damit auch die Einleitung zu meinem Artikel für die Regionalzeitung.

Als gebürtiger Serwichhäuser war es mir eine Ehre, bei der Bestattung unseres berühmten Dorfnachbarn dabei zu sein. Er möge nun in Frieden ruhen!

Und es ist mir eine Ehre, dass die Großwenkheimer meinen Artikel nun auch auf ihrer Homepage unter www.grosswenkheim.de verlinkt haben.

Abschied von einem “fränkischen Urgewächs”

Ein bewegender Tag als rasender Reporter für CNA Deutsch und EWTN.TV ist mal wieder zu Ende gegangen. Heute fand im Dom zu Speyer die Beisetzung des verstorbenen Bischofs Anton Schlembach statt. Mit Anzug und Krawatte war es eine sehr schwitzige, aber auch sehr würdevolle Angelegenheit. Besonders gefreut habe ich mich über die kleine Abordnung aus meiner unterfränkischen Heimat – immerhin ist mit Anton Schlembach der wohl berühmteste Sohn unserer Gegend von uns gegangen.

Dennoch war ich froh, als ich mich nach der Heiligen Messe auf dem Autobahn-Rastplatz erstmal meines Anzugs entledigen konnte. Bei aller Liebe zu meinem Opel Astra: Eine Klimaanlage würde den Wert dieses Autos nicht gerade mindern…

Meinen Bericht zur Beisetzung von Bischof Anton Schlembach finden Sie übrigens hier.

Skandal um die Präsidentin des katholischen Frauenbundes

Gibt es eigentlich ein Recht auf Abtreibung? Nun, die Lehre der Katholischen Kirche ist in diesem Punkt mehr als eindeutig. Bereits in der Antike sorgte der Einsatz der Urchristen für den uneingeschränkten Schutz des menschlichen Lebens für Aufsehen. Diesen Einsatz zum Schutz des Lebens – von der Empfängnis bis zum Totenbett – zeigt die Kirche bis heute. 

Nicht zuletzt in der Enzyklika “Humanae Vitae” von Papst Paul VI. wird die Abtreibung, aber auch aktive Sterbehilfe verurteilt. Auch Papst Franziskus hat immer wieder die unveräußerliche Würde des ungeborenen Lebens betont. 

Umso mehr überrascht die Auffassung der Präsidentin des katholischen Frauenbundes KDFB, Maria Flachsbart. Die Bundestagsabgeorndete der CDU engagiert sich auch bei der Initiative „SheDecides“, welche sich dezidiert für das angebliche „Recht auf Abtreibung“ einsetzt. „SheDecides“ pflegt außerdem enge Verbindungen zur Organisation “International Planned Parenthood Federation” (IPPF). Das Engagement von Flachsbarth steht deshalb in der Kritik.

In einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung “Die Tagespost” wirft der ehemalige Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe Flachsbarth vor, eine “Protagonistin für die Abtreibungslobby” zu sein. Hüppe war vier Jahre lang Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen und engagiert sich als Stellvertretender Bundesvorsitzender der “Christdemokraten für das Leben” Im Gespräch mit der “Tagespost” zeigt er sich fassungslos: Zitat:

“Wer hält schon für möglich, dass die Präsidentin des Katholischen Frauenbundes, also gewissermaßen die oberste katholische Frau in Deutschland, das deutsche Gesicht einer Organisation ist, die die Freigabe der Abtreibung bis zur Geburt ganz oben auf ihrer Agenda stehen hat?”

“SheDecides” wurde 2017 von der niederländischen Politikerin Lilianne Ploumen gegründet. Nach eigenen Angaben möchte die Organisation den Frauen eine Stimme geben, die unterdrückt werden, und ihnen dabei helfen, “ihre Träume zu verwirklichen”.

Die Organisation setzt sich jedoch nicht nur gegen Zwangsheirat und Genitalverstümmelung ein, sondern hat auch einen besonderen Fokus auf das angebliche “Recht auf Abtreibung”. In der Selbstauskunft auf der Homepage heißt es:

“Wir sehen eine Welt, in der jedes Mädchen und jede Frau ihr Recht auf Privatsphäre, geschlechtliche Identität, Partnerwahl, Vergnügen, Ehe, Kinder ausüben kann – ebenso integrierte Dienstleistungen, die die Bereiche Empfängnisverhütung, Schwangerschaft, Abtreibung, Unfruchtbarkeit, Geschlechtskrankheiten, HIV, Krebs und Gewalt abdecken.”

Für Hubert Hüppe ist “SheDecides” lediglich eine “Tarnorganisation der IPPF”, da beide Stellen nicht nur die gleiche Adresse hätten, sondern auch gleiche Ziele verfolgten. Hauptziel sei die Förderung “sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechte”. Hüppe wörtlich:

“Das ist der Kampfbegriff, wie ihn insbesondere IPFF verwendet sehen möchte, denn ‘sexuelle Rechte’ umfasst für IPPF – anders als auf der Weltbevölkerungskonferenz in Kairo beschlossen – auch die freie Verfügung der Frau über das ungeborene Kind, einschließlich seiner Tötung. Und das völlig unabhängig von Fristen und/oder Indikationen – bis zur Geburt.”

CNA Deutsch hat die Abgeordnete mit den Vorwürfen konfrontiert und nach der Vereinbarkeit ihres Engagements als Präsidentin des katholischen Frauenbundes mit ihrer Befürwortung von Abtreibung befragt.

Maria Flachsbart, die selbst Mutter von zwei Söhnen ist, hat am Freitag über eine Sprecherin ausrichten lassen, dass sie sich als Mitglied des Deutschen Bundestages auch im Ehrenamt als Präsidentin des Frauenbundes „immer für den Schutz des Lebens, insbesondere in den besonders sensiblen Phasen ganz am Anfang und ganz am Ende eingesetzt“ habe. Eine Abtreibung ist sei „nie ein Mittel der Familienplanung“. Flachsbarth wörtlich: „Sie kann im Einzelfall ein letzter schrecklicher Ausweg sein.“

Über die Sprecherin des Ministeriums begründete sie ihren Einsatz für die Umstrittene Organisation „She Decides“ zudem so:

„Eine Schwangerschaft verwehrt den Mädchen meist den Zugang zu Bildung und raubt ihnen so die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. Sie kämpfen mit sozialer Ausgrenzung und wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit. Häufig sehen diese Mädchen keinen anderen Ausweg als den Weg in die Prostitution oder einen unsicheren Schwangerschaftsabbruch.“

„International Planned Parenthood“ setzt sich ihrer Meinung nach deshalb lediglich für den Zitat „Gesundheitsschutz von Mädchen und Frauen ein“, indem sie sich um „sichere Abtreibungen“ kümmern. 

Dass dies jedoch kaum mit dem Amt einer Präsidentin vereinbar sein kann, die einem katholischen Gremium vorsteht, sollte jedoch spätestens dann deutlich werden, wenn man sich die Aussagen von Papst Franziskus noch einmal vor Augen führt.

Sowohl der Glaube als auch die reine Menschlichkeit verbieten jede Form der Abtreibung, sagte Papst Franziskus erst im Mai 2019. Dort redete er den Menschen wie folgt ins Gewissen:

“Nur zwei Sätze werden uns helfen, dies gut zu verstehen: zwei Fragen. Erste Frage: Ist es erlaubt, ein Menschenleben zu töten, um ein Problem zu lösen? Zweite Frage: Ist es erlaubt, einen Killer zu mieten, um ein Problem zu lösen? Ihr könnt selber darauf antworten. Das ist der Punkt.”

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

Der “Synodale Weg”: Eine Glaubensfrage? | Stoppschild aus Rom für Trierer “Bistumsreform”

In Deutschland gehen die Diskussionen um den „Synodalen Weg“ weiter. Nachdem der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp vor zwei Wochen seinen Rückzug aus einem der vier Synodalforen angekündigt hat, hat der Leiter dieses Synodalforums den Synodalen Weg nun zu einer Glaubensfrage erklärt.

Der Aachener Bischof Helmut Dieser ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Leben in gelingenden Beziehungen“. Dort hatte man festgelegt, dass die grundsätzliche Ausrichtung der Arbeit auf eine Veränderung der katholischen Sexualmoral abzielt – ein Schritt, den Schwaderlapp nicht mitgehen wollte.

Nun äußerte sich Bischof Helmut Dieser sehr deutlich während einer Online-Gesprächsveranstaltung des BDKJ.

„Wenn wir da keinen Erfolg im Synodalen Weg haben“, so Dieser wörltich, „dann fürchte ich, werden wir zunächst einmal zu einer Sekte.”

Beim “Synodalen Weg” gehe es um “dramatische Weichenstellungen“, die angeblich darüber entscheiden, ob die Kirche in die Zitat „vielschichtige, verweltlichte Gesellschaft hinein aufbrechen und mit den Menschen auf Augenhöhe sprechen” könne.

“Unser Forum und der ‘Synodale Weg’ müssen ein Erfolg werden”, betonte Dieser. Allerdings gebe es kaum Spielraum bei der Frage nach Segnungen für homosexuelle Partnerschaften. Er sei jedoch zufrieden, wenn zumindest die Beziehungen, die nicht in der Ehe münden, nicht mehr generell “als Sünde” gesehen würden.

Außerdem möchte Bischof Dieser erreichen, dass innerhalb der Kirche mehr über Sexualität gesprochen wird. Viele Seelsorger hätten da einen “inneren Loyalitätskonflikt”, dies sei ein – so wörtlich – “Zeichen für eine Störung”.

Der Passauer Bischof Stefan Oster, der in der Vergangenheit immer wieder ganz ähnliche Positionen wie Weihbischof Schwaderlapp aus Köln vertreten hat, möchte übrigens weiterhin im Synodalforum mitwirken.  Am vergangenen Montag berichtete Oster von einem Treffen mit Bischof Dieser. Das Gespräch sei “intensiv und sehr persönlich” gewesen. 

Oster schreibt dazu auf Facebook:

“Vieles verbindet uns in den Anliegen des Glaubens und der Kirche. In manchem unterscheiden wir uns – auch in manchen Punkten der herausfordernden Themen des Synodalforums”

Oster hatte nach eigenen Angaben einige “ausführliche interne schriftliche Stellungnahmen zu den besprochenen Themen” abgegeben, woraufhin Dieser zu einem persönlichen Gespräch eigens aus Aachen nach Passau gekommen sei.

Eine mögliche ganz konkrete Veränderung wurde unter der Woche im Bistum Trier gestoppt. Wie wir von CNA Deutsch bereits mehrfach berichtet hatten, möchte der dortige Bischof Stephan Ackermann seine Diözese radikal umgestalten. Aus insgesamt 900 Pfarreien sollen 35 Großraum-Pfarreien werden. Diese XXL-Pfarreien sollen von „Leitungsteams“ geführt werden, in denen der Priester nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Im Oktober letzten Jahres hatte Ackermann schließlich ein Gesetz auf den Weg gebrahct, dass seine Vorstellungen umsetzen sollte. Dieses Gesetz wurde bereits im November vom Vatikan einkassiert und der Priesterkongregation, sowie dem Päpstlichen Rat für Gesetzestexte zur Prüfung vorgelegt.

Am vergangenen Dienstag hat das Bistum Trier bekanntgegeben, dass die geplanten Änderungen in der vorliegenden Form nicht umgesetzt werden dürfen. Dies sei das Ergebnis eines Gesprächs mit den Vertretern der entscheidenden Dikasterien in Rom

Der Vatikan bestätigte damit die – wörtlich – “Bedenken” gegenüber den Plänen Ackermanns.

Um nun zu einer konstruktiven Lösung zu kommen, die den genannten Bedenken Rechnung trägt, will sich Ackermann mit seinen Mitarbeitern und den Mitgliedern der diözesanen Räte treffen und das vorliegende Gesetz „im Licht des gemeinsamen Gesprächs überarbeiten”.

Es bleibt also spannend. Und wir bleiben dran.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

NEUER ARTIKEL: Hier gehe ich, ich kann nicht anders

Der sogenannte “Synodale Weg” hat seit seinem Beginn am 1. Advent 2019 für viel Aufsehen und Kritik gesorgt. Auch während der Corona-Zeit scheinen die Fronten verhärtet. Erst jüngst hatte der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp seinen Ausstieg aus dem Synodalforum “Leben in gelingenden Beziehungen” verkündet, weil er die Lehre der Kirche in Gefahr sah (lesen Sie hier meinen Artikel über den Vorfall). Auf der anderen Seite hat der Aachener Bischof Helmut Dieser, Vorsitzende dieser Arbeitsgruppe, die Schwaderlapp nun verlassen hat, die fast schon wie eine Drohung wirkende Aussage formuliert:

“Wenn wir da keinen Erfolg im Synodalen Weg haben, dann fürchte ich, werden wir zunächst einmal zu einer Sekte.

In der katholischen Wochenzeitung “DIE TAGESPOST” erschienen letzte Woche (4. Juni) nun zwei Diskussionsbeiträge unter dem Titel: “Pro & Contra zum Synodalen Weg: Gehen oder bleiben?”. Dabei habe ich die “Pro”-Seite vertreten.

Warum es meiner Meinung nach besser wäre lieber heute als morgen aus dem “Synodalen Weg” auszusteigen, habe ich in meinem Artikel “Hier gehe ich, ich kann nicht anders” zusammengefasst.

Den ganzen Artikel kann man hier nachlesen.

“Synodaler Weg”: Paukenschlag aus Köln, Durchhalte-Parolen aus Limburg

Wie verbindlich ist eigentlich das Lehramt der Katholischen Kirche? Gerade in Hinblick auf die Sexualität wird diese Frage in Deutschland erneut diskutiert. Einmal mehr macht der sogenannte „Synodale Weg“ als möglicher Gegner der bisherigen Kirchenlehre auf sich aufmerksam. Und das, obwohl bereits von Anfang festgelegt war, dass zumindest der „Synodale Weg“ kirchenrechtlich unverbindlich bleibt.

Am gestrigen Donnerstag überraschte der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp mit einem Paukenschlag: In einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung „DIE TAGESPOST“ teilte er mit, dass er seine Arbeit im Synodalforum beenden wird. Dieses Forum, das unter dem Titel „Leben in gelingenden Beziehungen“ steht, beschäftigt sich vor allem mit der Sexualmoral der Kirche.

“Wenn das Fundament eines Hauses in Treibsand gesetzt ist, vermag ich nicht daran mitzubauen”, so begründete der Weihbischof gegenüber in der “TAGESPOST” seine Entscheidung.

Was war passiert?

Im Synodalforum sei ein Arbeitspapier verabschiedet worden, das ganz offen eine Änderung der bisherigen, verbindlichen Auffassung der Kirche forderte, unter dem Stichwort: „Weiterentwicklung der katholischen Sexuallehre“. Darin wurde unter anderem behauptet, dass die Sexualität des Menschen „polyvalent“ sei.

Unter diesen Voraussetzungen könnten schließlich empfängnisverhütende Maßnahmen ebenso gerechtfertigt werden wie Masturbation oder homosexueller Geschlechtsverkehr. Auch das “Nein” der Kirche zur Praxis der künstlichen Befruchtung sollte auf Grundlage des Arbeitspapiers “neu bewertet” werden – dies alles waren jedoch Schritte, die der Kölner Weihbischof nicht mitgehen wollte.

Im Gespräch mit CNA Deutsch wies Schwaderlapp noch einmal die Schätze und die Schönheit der kirchlichen Sexuallehre hin. Sexualität, so seine Überzeugung, ist in seiner ganzen Fülle ein „Gottesgeschenk“. Liebe und Fruchtbarkeit dürfen nicht getrennt werden.

Da allerdings im Synodalforum eine Grundsatzdebatte über das vorgelegte Arbeitspapier mit großer Mehrheit abgelehnt wurde, sah sich Schwaderlapp schließlich gezwungen, die Mitarbeit zu beenden. Gegenüber uns sagte der Kölner Weihbischof wörtlich:

“Die wachsende Distanz zwischen Lehre der Kirche und Leben der Gläubigen offenbart aber nach meiner Meinung auch: Gerade die Verkündigung der Sexualität als Gottesgeschenk, das herausfordert, haben wir – zumindest in Deutschland – in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt. Das muss sich dringend ändern.”

Dass sich etwas ändern muss, davon ist auch der aktuelle Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, überzeugt. Der Limburger Bischof hat sich einmal mehr dafür ausgesprochen, die Lehre der Kirche auch in grundlegenden Punkten „weiterzuentwickeln“, wie er es formuliert. Faktisch jedoch verfolgt er damit eine bestimmte Ausrichtung des „Synodalen Weges“, die dasselbe Ziel im Visier hat wie die Arbeitsgruppe, die Weihbischof Schwaderlapp nun unter Protest verlassen hat: Nämlich eine Außerkraftsetzung bisheriger verbindlicher Kirchendokumente.

Bischof Bätzing erklärte in einem Interview mit “Publik Forum”:

“Mehrere Päpste haben betont, die Frage der Zulassung von Frauen zum Priesteramt sei eine geschlossene Frage“.

Da mache auch Papst Franziskus keine Ausnahme. Dennoch müsse man weiter im Gespräch bleiben und die Situation „neu bewerten“. Auch bei der Möglichkeit, homosexuellen Paaren einen kirchlichen Segen zu erteilen, sieht der DBK-Vorsitzende Spielraum. 

Noch eindeutiger wird Bätzing allerdings bei der Frage zur Interkommunion. Wörtlich:

“Christinnen und Christen können mit guten Argumenten und nach eigenem Gewissen entscheiden, an der Eucharistie- oder Abendmahlsfeier der je anderen Konfession teilzunehmen, weil es im Sinngehalt dessen, was wir glauben und feiern, doch mittlerweile so viel Übereinstimmung gibt.”

Ausländische Beobachter hatten mehrfach die Befürchtung geäußert, dass die Initiatoren des „Synodalen Weges“ – inklusive eines Großteils der deutschen Bischofskonferenz – einen deutschen Sonderweg anstreben.

Nach jetzigem Stand scheinen sich diese Prognosen zu bestätigen. Dass Teile der Kirchenleitung aus Treue zur Lehre der Kirche und aus Gewissensgründen vorzeitig aussteigen wie im Fall des Kölner Weihbischofs Dominikus Schwaderlapp, bleibt bis jetzt noch eine Ausnahme. 

Inwieweit sich die Situation noch zuspitzt und ob oder wann ein päpstliches Machtwort aus Rom vorzeitig die Notbremse ziehen wird, dürfte noch unklar sein. Die Initiatoren selbst rechnen jedoch mit einem langen Atem: Am Freitag gaben sie bekannt, dass sie den „Synodalen Weg“ aufgrund der Corona-Krise nicht schon im Oktober 2021, sondern erst im Februar 2022 beenden werden.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

Das vielleicht beste Ostern – mit Abstand!

Es war nur ein kleines Kuvert, das ich am Gründonnerstag an der Klosterpforte abgeben musste. Darin befand sich ein kleiner Zettel, der eng beschrieben war. Der Inhalt jedoch war hochbrisant. Ich legte das Kuvert an der Tür ab, nachdem ich es ausreichend desinfiziert hatte. Die Nonne hinter der Glaswand nickte mir vielsagend zu. Dann verschwand ich. Sie würde das Kuvert nun holen und weiterreichen an den Mann, der hundert Meter weiter am Fenster auf mich wartete. Nachdem er meinen Zettel gelesen hatte, öffnete er das Fenster, sprach mir aufmunternde Worte zu und erteilte mir im sicheren Abstand von zwei Metern die Lossprechung.

Mit Sicherheit war das die außergewöhnlichste Osterbeichte, die ich bisher abgelegt hatte. Und sie war auch nur eine von vielen kreativen Möglichkeiten, die sich Seelsorger momentan einfallen lassen, um den Gläubigen gerade jetzt irgendwie die Sakramente zugänglich zu machen.

Doch es gibt auch Katholiken, die einen ganz anderen Weg wählen. Zum Beispiel: Den Rechtsweg. 

Mittlerweile sollen offenbar gleich drei Eilanträge dem Bundesverfassungsgericht vorliegen. Wie CNA Deutsch bereits am Donnerstag berichtete, möchte unter anderem das Berliner Institut Sankt Phillipp Neri in die nächste Instanz gehen, nachdem die Klage gegen das Verbot öffentlicher Gottesdienste am Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg abgewiesen wurde. Wie wir am Karfreitag erfahren haben, sollen demnach zwei weitere Personen einen Eilantrag gestellt haben.

Ein Mann aus Hessen, der in erster Instanz noch am Hessischen Verwaltungsgerichtshof mit seiner Klage gescheitert war, soll nun offenbar ebenfalls einen Eilantrag am Verfassungsgericht eingereicht haben. Auch eine Anwältin aus Heidelberg hat sich an das Gericht gewandt. Sie wirft dem Staat Verletzung der Grundrechte vor, die aus den Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie resultieren. Dadurch werde auch das Recht auf ungestörte Religionsausübung verletzt, argumentiert die Klägerin. Ein weiterer Eilantrag wurde bereits am Gründonnerstag vom bayerischen Verwaltungsgerichtshof abgelehnt.

Gerald Goesche, der Probst des Instituts Sankt Philipp Neri, hatte gegenüber CNA Deutsch seine Klage damit begründet, dass es der Regierung nicht zustehe, durch das Verbot die Art und Weise der Religionsausübung zu bestimmen. “Aktuell wird vom Staat ganz schön in die Kirche hineinregiert”, sagte uns Probst Goesche am Telefon.

Ob die Klagen Erfolg haben werden, ist eher unwahrscheinlich. In den bisherigen Gerichtsurteilen wurde eine Lockerung der momentanen Regelung unter anderem deswegen abgelehnt, da die Einschränkung der Religionsfreiheit zum einen nur vorübergehend sei und zum anderen der Schutz des menschlichen Lebens oberste Priorität habe.

Ohne Anwalt, doch mit viel Kreativität versuchen derweil das Kolpingwerk und Kirchenzeitung des Bistums Hildesheim das Beste aus der Situation zu machen. Wie gestern bekannt gegeben wurde, soll am Ostersonntag auf dem Hildesheimer Volksfestplatz ein katholischer „Drive-in“-Gottesdienst mit Eucharistischer Anbetung stattfinden. Nach dem Vorbild eines Autokinos sollen die Teilnehmer der Messe mit dem Pkw anreisen und im Auto sitzen bleiben. Auf einer Bühne soll der Altar aufgebaut werden, den Ton können die Gläubigen über das Autoradio empfangen. Zwar kann aufgrund der Infektionsgefahr keine Eucharistie ausgeteilt werden, doch die Veranstalter laden alle Teilnehmer dazu ein, das Gotteslob mitzubringen und die Kirchenlieder im Auto kräftig mitzusingen.

Positiver Nebeneffekt: Laut einer Studie aus dem Jahr 2016, die die University of Gothenburg in Schweden in Auftrag gegeben hatte, leben diejenigen Menschen gesünder und glücklicher, die hin und wieder laut im Auto mitsingen…

Wenn Sie keine Möglichkeiten haben an einem solchen Gottesdienst teilzunehmen, schauen Sie gerne mal bei den Kollegen des katholischen Fernsehsenders EWTN vorbei. Unter www.ewtn.tv finden Sie zahlreiche Möglichkeiten zur Mitfeier am Fernseher und über den Internet-Livestream.

Wie auch immer Sie die Kar- und Ostertrage verbringen müssen, vergessen Sie eines nicht:

Ostern ist immer noch das wichtigste Ereignis der Menschheitsgeschichte.

Auch in diesem Jahr.

Und zwar: Mit Abstand.

Dieser Text war die Vorlage für meinen Beitrag zum aktuellen CNA-Deutsch-Podcast. Wenn Sie lesefaul sind, können Sie ihn sich dort nochmal vortragen lassen.

Ihr könnt nachhause fahr‘n!

Keiner weiß, wie lange und wie schlimm diese Corona-Krise noch sein wird. Klar ist auch, dass alles eines Tages wieder vorüber sein wird.

Doch wir wissen noch nicht wie und wir wissen noch nicht wann. Bis dahin gilt:

Bleiben Sie zuhause. Bleiben Sie ruhig. Und – bleiben (oder werden) Sie katholisch!

Erkenntnisse aus der Corona-Krise

Es sind Aktionen wie diese, die in der jetzigen verwirrenden, beängstigenden Zeit deutlich machen, was der wahre Schatz der Kirche ist. Nicht Hochglanzbroschüren, Flashmobs, Gremien und Verbände, die zwar auch ihre Berechtigung und Anteil haben.

Nein. Was, was wirklich zählt, ist der direkte und unmittelbare Kontakt zu Gott.

Während – berechtigterweise – angeraten wird, soziale Kontakte vorerst einzuschränken, bleibt Gott berührbar und nahe.

Dies wird auch der viel gescholtenen “Amtskirche” neu bewusst. Plötzlich sprießen Live-Übertragungen von Heiligen Messen allerorts aus dem Boden, auch dort, wo man einst noch große Skepsis gegenüber Sendern wie EWTN hatte, die seit nun 20 Jahren mindestens zwei Heilige Messen pro Tage live übertragen. Bisher haben vor allem Alte und Kranke davon profitiert, die sonntags nicht mehr den Weg in die Kirche schafften.

Jetzt profitieren wir alle davon.

Und dann ist da noch der plötzlich wieder aufgeflammte Hunger nach Jesus Christus in der Eucharistie. Anbetungsstunden werden live übertragen und – so scheint es zumindest – öfter angeboten als sonst. Ich zitiere aus der Pressemitteilung des Bistums Paderborn:

“Im Paderborner Dom können Gläubige jetzt jeden Tag vor dem Allerheiligsten beten, zur Ruhe kommen und Kraft finden in der Corona-Krise, die sich auf alle Gesellschaftsbereiche ausdehnt. Das Allerheiligste wird täglich von 17 bis 18 Uhr im Altarraum des Paderborner Domes zur eucharistischen Anbetung ausgesetzt. Das Angebot wurde heute bereits von einigen Gläubigen genutzt, die – mit dem nötigen Sicherheitsabstand – in den Bänken der Paderborner Bischofskirche beteten.”

Keiner von uns weiß, wie sich diese Krise weiter entwickeln wird. Die einzige Gewissheit, die wir momentan haben, ist dennoch hoffnungsvoller, als sie zunächst scheint:

Gott ist mit uns. Egal, was kommt.

Ich hoffe nur, wir können uns an diese Zusage auch dann noch erinnern, wenn diese Krise überstanden ist und wir in die Normalität zurückkehren können.

Weitere Infos:

Live-Übertragungen

…von Heiligen Messen, dem Rosenkranz und Anbetungsstunden: Hier bei EWTN.TV via Satellit und Internet-Livestream. Die Sendezeiten gibt es hier in der Wochenübersicht (PDF-Dokument zum Herunterladen, Ausdrucken, Weiterleiten…)

Alle Neuigkeiten zur Corona-Pandemie

Die katholische Nachrichtenagentur CNA Deutsch informiert regelmäßig über die neuesten Entwicklungen und die Auswirkungen auf das kirchliche Leben. Der Newsticker wird laufend aktualisiert.

Habemus neuen DBK-Vorsitzenden!

Heute ist in Mainz am Rande der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) der neue Vorsitzende gewählt worden. Es ist der Limburger Bischof Georg Bätzing.

Die Pressekonferenz um 13.00 Uhr war bemerkenswert. Aber lesen Sie selbst.

Der letzte Arbeitstag von Kardinal Marx – und nun?

Etwa eine Stunde – so viel oder so wenig Zeit wollen sich Deutschlands Bischöfe am morgigen Dienstag nehmen, um den neuen Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz zu wählen. Dieses Amt hatte bisher der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx inne. 2014 wurde er von der Vollversammlung in dieses Amt gewählt und war damit in den letzten sechs Jahren DAS Gesicht der Bischofskonferenz. Auf der Frühjahrsvollversammlung der DBK, die von Montag bis Donnerstag in Mainz stattfinden wird, müssen die Bischöfe nun einen neuen Vorsitzenden wählen. Kardinal Marx hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass er für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung stehe.

Diesen Schritt begründete er so:

„Meine Überlegung ist, dass ich am Ende einer möglichen zweiten Amtszeit 72 Jahre alt wäre, und dann auch das Ende meiner Aufgabe als Erzbischof von München und Freising nahe sein wird. Ich finde, es sollte die jüngere Generation an die Reihe kommen. Und vielleicht ist es auch gut, wenn es häufiger einen Wechsel in dieser Aufgabe gibt. Ich habe das Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz sehr gerne ausgeübt, aber ‚alles hat seine Zeit‘“

Einen „häufigeren Wechsel“ hat auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer ins Gespräch gebracht. Im Interview mit der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ regte er ein paar Änderungen an. Ihm schwebe ein Modell vor, wonach alle Erzbischöfe in alphabetischer Reihenfolge das Amt übernähmen, allerdings nur für drei statt der bisher vorgesehenen sechs Jahre. Demnach wäre erst der Erzbischof von Bamberg, dann nach jeweils drei Jahren Berlin, Freiburg, Hamburg, Köln, München und Paderborn an der Reihe.

Diese Modell, so Voderholzer, passe “recht gut zum katholischen Verständnis von Kirche und auch zu den Überlegungen von Papst Franziskus”. Dadurch würde auch die Personaldebatte entfallen, ebenso “ein wie auch immer gearteter Wahlkampf, und eben deshalb auch die damit verbundene Politisierung”. Voderholzer sagte der Tagespost, er möchte, dass die Bischöfe “in Ruhe” über diesen Vorschlag reden, “auch wenn wir dann erst in der Herbstvollversammlung zu einer Entscheidung gelangen”.

Wie wird aber bisher der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz gewählt? Auch damit habe ich mich intensiv auseinandergesetzt und dafür die Statuten der DBK gewälzt. Alle Hintergründe zum wohl wichtigsten Kleriker-Gremium in Deutschland, sowie Antworten auf die entscheidenden Fragen (“Kann ein Vorsitzender die Lehre der Kirche verändern?” oder “Darf man den Vorsitzenden unter Umständen vorzeitig abwählen?”) finden Sie hier in meinem Artikel für CNA Deutsch.

Mit Spannung wird ebenfalls erwartet, welche Impulse der neue DBK-Vorsitzende dem sogenannten „Synodalen Weg“ geben wird. Dieser Prozess läuft seit dem ersten Adventssonntag und wurde bislang von Kardinal Marx entscheidend mitgeprägt. Doch selbst innerhalb des Bischofkollegiums ist der „Synodale Weg“ nicht unumstritten. Nach der ersten Synodalversammlung Ende Januar in Frankfurt sprach beispielsweise der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, davon, dass all seine Befürchtungen eingetroffen seien. Er bezeichnete die Versammlung sogar als „quasi protestantisches Kirchenparlament“. 

Diese Aussage ist bei einigen auf massive Kritik gestoßen und hatte unter anderem zufolge, dass ein ehemaliger Mitarbeiter des Westdeutschen Rundfunks eine Online-Petition gegen Woelki startete. Am letzten Montag zog schließlich eine Gruppe von Befürwortern des Kölner Erzbischofs nach und startete eine Gegenpetition. Bislang hatte sich der Kardinal nicht zu den Geschehnissen geäußert.

Bislang! Am letzten Freitag schließlich sprach Kardinal Woelki erstmals über die Online-Petitionen und ging im Interview mit CNA Deutsch dabei auch auf seine Kritiker ein. Wir haben außerdem mit ihm über den „Synodalen Weg“ gesprochen, für den er weiterhin Optimierungsbedarf sieht.

Das komplette Exklusiv-Interview mit Kardinal Woelki gibt es hier zum Nachlesen!

P.S.: Große Teile dieses Artikels (also eigentlich fast alle) habe ich fast 1:1 übernommen aus meinem Beitrag für den letzten CNA-Podcast. Wer meine Stimme nicht ertragen kann, darf deshalb gerne öfter hier auf dieser Seite vorbeischauen…

Titelbild: (c) Rudolf Gehrig / CNA Deutsch

NEUER ARTIKEL: Was hat Johannes Hartl mit Campino von den Toten Hosen gemeinsam?

Es lässt sich nicht abstreiten, dass er ein gewisses Charisma ausstrahlt, wie er so da vorne steht, das Mikrofon in die Hand nimmt und feierlich in die Menge schaut. Die Arena ist ein Tollhaus, der frenetische Applaus hinterlässt eine sichtbare Wirkung auf den Mann da vorne. Als er zu sprechen beginnt, ebben die Jubelchöre nach und nach ab. Er erzählt etwas von Liebe und Schmerz und wie eng beides oft miteinander verwoben ist. Dann sagt er, dass er mit seinen Freunden ein Lied darüber geschrieben hat, das sie gleich spielen werden.

„Ich will eure Hände sehen“, ruft der Mann. Er hat die Menge voll im Griff. Sie ist sein Geschäft, seine Einnahmequelle. Wenn er auf der Bühne steht, philosophiert er über Gott und die Welt, die Menschen hängen ihm gebannt an den Lippen. Und Musik macht er auch noch.

Heute sind sie wieder alle da, Katholiken und Protestanten, überzeugte Atheisten und Heiden. Und während der Gitarrist den ersten Riff anschlägt, wird die Stimme des Mannes fast zum Brüllen, als er das nächste Lied ankündigt: „Dieses Stück heißt: ‚Alles aus Liebe‘!“

Nein, auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick so klingen mag: Es geht in meiner Einleitung nicht um den Prediger und Theologen Johannes Hartl. Die Rede ist zunächst von Campino, dem Frontmann der (ehemaligen) Punkband “Die Toten Hosen”.

Was die beiden gemeinsam haben und warum mich die letzte MEHR-Konferenz an mein letztes Hosen-Konzert erinnert hat – darüber habe ich in meiner neuen Kolumne für das VATICAN-Magazin geschrieben.

Die Februar-Ausgabe des VATICAN-Magazins, schlecht abfotografiert (man beachte den Schatten meines Armes…).

Den kompletten Beitrag gibt es hier online. Abo lohnt sich!