Kilian, der Frankenapostel

Auch – oder gerade besonders – als Exilfranke bleibe ich meiner Heimat sehr verbunden. Wann immer ich ein fränkisches Kennzeichen auf der Straße sehe, irgendwo ein verdächtig rrrrrollendes “R” oder weiches “D” wie “Dürstobber” höre oder im Getränkeladen einen Bocksbeutel entdecke, erlebe ich einen Gefühlscocktail aus Freude, Überraschung, Wehmut und auch ein kleines bisschen Heimweh. Klar, Köln ist sehr nett, ich lebe gerne hier, auf der anderen Seite: Hach, Franken!

Deshalb ist der 8. Juli immer ein besonderer Tag für mich. Es ist der Gedenktag des heiligen Kilian. Er ist nicht nur der Pfarrpatron meiner Heimatkirche in Seubrigshausen. Er ist gleichzeitig auch der Bistumspatron der Diözese Würzburg und “Apostel der Franken”. Um das Jahr 686 kam er mit seinen Gefährten Kolonat und Totnan aus Irland nach Würzburg und machte aus den heidnischen Franken gläubige Christen. Sicher keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass die Franken zwar sehr höfliche und gemütliche Menschen sind, sie sich aber aus diesem Grund ungern aus ihren alten Gepflogenheiten herausreißen lassen. Kann sein, dass die Leute damals noch anders drauf waren, ich kann mir aber gut vorstellen, dass es auch damals schon hieß:

“Ach, dangge, hast es fei guud gemeent, aber des brauch mer wallich net, kannst dei Gelumbb widder mitnemm.”

Heute, knapp 1.300 Jahre später, ist die Region vor allem in Mittel- und Oberfranken zwar größtenteils protestantisch. In meiner Heimat Unterfranken ist man dagegen noch größtenteils “gut katholisch”. Vor sieben Jahren waren hier von 1,3 Millionen Einwohner knapp zwei Drittel katholisch und 18 Prozent protestantisch (sorry, eine aktuellere Statistik habe ich leider nicht gefunden). Der heilige Kilian wird bei uns sehr verehrt, vor allem in Würzburg, wo in diesen Tagen auch wieder die “Kiliani”-Festwoche stattfindet. Seine Gebeine sind in der Neumünster-Kirche ausgestellt.

Interessant ist auch, dass der heilige Kilian und seine Gefährten der Legende nach ermordet wurden, weil sie den herrschenden Fürsten an die Heiligkeit des Ehesakramentes erinnern mussten. Damit wären die “Franken-Apostel” ähnlich wie der heilige Thomas Morus und Johannes der Täufer für die Bewahrung eines Sakramentes gestorben, das auch heute nach wie vor verschiedenen Angriffen ausgesetzt ist. Angriffen, die aber nicht mehr nur von außerhalb der Kirche kommen.

In diesem Sinne lohnt es sich den Heiligen Kilian und seine Gefährten nicht nur heute als Fürsprecher anzurufen. Da ich heute aber leider in Köln sitze, kann ich mir nur ausmalen, wie bei der Abendmesse in Seubrigshausen unsere Organistin wieder alles Herzblut in die Tasten haut und die versammelte Gemeinde das Kilianslied schmettert:

Wir rufen an den teuern Mann, Sankt Kilian!

Sankt Kolonat  und Sankt Totnan!

Dich loben, dir danken deine Kinder in Franken, Sankt Kilian! 

So viel Pathos muss sein. In diesem Sinne werde ich mich heute Abend auf den Weg in den nächsten Getränkeladen und höflich nachfragen: “Ham´Se vielleicht grood noch enn Boggsbeudl da?”

Und dann trinke ich auf den Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan. Und auf Franken.

Kurz nachgedacht: Der Penis und das beste Stück

Der Penis (hihi, darf man das eigentlich einfach so schreiben?) hat im Laufe seiner langen und bewegten Geschichte viele Bezeichnungen und Synonyme erhalten. Ich werde sie vermutlich nicht alle wiederholen müssen, auch wenn sich einige Umschreibungen so lesen lassen wie Zutaten für den perfekten Nudelsalat: Nudel, Wurst und Gurke. (Denn Mais und Erbsen braucht im Nudelsalat nun wirklich keiner! Höchstens vielleicht noch Eier, aber das tut nichts zur Sache.)

Über eine Bezeichnung aber wundere ich mich besonders: Das “beste Stück”. Ist es nicht wahnsinnig dämlich, wenn ich mich hauptsächlich über meinen Lullumann definiere? Soll dieser Teil meines Körpers das Herausragendste sein, das ich zu bieten habe, das, was bei meiner Persönlichkeit am meisten hervorsticht?

Für mich ist der Fall klar: Wenn ein Mann seinen Penis als sein „bestes Stück“ bezeichnet, sagt das mehr über ihn selbst aus als über die tatsächliche Beschaffenheit seines Geschlechtsorgans.

“Selig, die nicht sehen und doch glauben”

Die Kirche feiert heute den Gedenktag des “ungläubigen Thomas”. Dabei war Thomas gar nicht ungläubig – er wollte es nur genau wissen. Während die übrigen Apostel dem auferstandenem Herrn bereits begegnet sind und voller Begeisterung davon schwärmten, war Thomas noch skeptisch:

“Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.”

Gesagt, getan. Als ihm acht Tage später Jesus wahrhaftig gegenüberstand, durfte sich Thomas selbst überzeugen. Erschüttert und voller Ehrfurcht entfuhr ihm ein: “Mein Herr und mein Gott!”

Jesus: “Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.”

Kleiner Insider-Tipp am Rande: Wer glauben UND sehen will, dem sei der katholische Fernsehsender EWTN.TV ans Herz gelegt. Grins.

Nachzulesen: Johannes 20,24-29.

Heute vor sechs Jahren: Mein erster “YOUCAT – Update! Beichten!”

Vor sechs Jahren, es war der 28. Juni 2013, wurde ich morgens in das Pfarrbüro der Gemeinde “St. Josef der Arbeiter” in Senden/Iller gerufen. Die Post hatte soeben ein großes Paket angeliefert und es stand mein Name drauf. Als ich den Absender las, schlug mein Herz gleich ein paar Takte schneller, doch erst, als ich das Paket aufriss hatte ich die Gewissheit: Ich hatte zum allerersten Mal ein Buch in der Hand, bei dessen Entstehung ich maßgeblich beteiligt gewesen bin. Ein kleines, lila (oder sagt man da: “violett”?) Büchlein mit dem Titel: “YOUCAT – Update! Beichten!”

Der YOUCAT war zu diesem Zeitpunkt bereits der heißeste Scheiß unter der Sonne der Neuevangelisierung. Das berühmte gelbe Buch, den Ur-YOUCAT, einen leicht lesbaren und sehr tiefgründigen Jugendkatechismus, hatte ich auch bei mir zuhause stehen. Er sollte die Jugendlichen wieder dabei helfen den Glauben zu verstehen, ohne fromme Floskeln und Klischees. Ein weiteres Buch aus der Reihe ist dort ebenfalls schon erschienen, ein Buch zur Firmvorbereitung. Doch dann, es war im Herbst 2012, wollten die YOUCAT-Macher eines zum Thema “Beichte”.

Dass ich zu der Ehre kam bei diesem Projekt mitzuwirken, habe ich zum Großteil Pfarrer Stephan Spiegel aus Senden zu verdanken, bei dem ich damals ein Jahr lang in der Pfarrei mitarbeitete (eine Art “Orientierungsjahr auf katholisch”). Er hatte den YOUCAT-Gründer Bernhard Meuser zu einem Einkehrtag eingeladen, den er für den Pfarrgemeinderat veranstaltete. Dort erzählte Meuser von den neuen Aufbrüchen in der Evangelisierung und wie der YOUCAT dabei helfen kann, diesen Glauben auch den jungen Leuten wieder verständlich zu machen. Es klingt jetzt etwas klischeehaft, aber ich weiß noch, wie mitreißend Bernhard Meuser über seine Vision gesprochen hat, sodass ich ganz aufgeregt seinen Worten lauschte und diese bestimmte, innere Unruhe verspürte, die einem anzeigt: “Boah, ich hätte so Bock, da mitzumachen!”

Aus dem ersten Interview mit Weihbischof Dick wurde eine lange Freundschaft: Seit 2013 gehe ich regelmäßig bei ihm beichten und noch heute berät er mich bei wichtigen Lebensentscheidungen.

Nach dem Einkehrtag sprachen wir persönlich miteinander. “Wir wollen ein Buch über die Beichte machen und möchten, dass du dabei bist.” Ich war überrascht. Ich ging damals schon regelmäßig beichten, etwa einmal im Monat. Aber macht mich das schon zu einem Experten für das Bußsakrament?

“Du musst kein Experte sein”, beruhigte mich Meuser. Der Gründer der Nightfever-Initiative, Andreas Süß, werde ein Vorwort schreiben und außerdem sei da noch immer Weihbischof Klaus Dick. Der Name sagte mir gar nichts. “Das ist ein emeritierter Weihbischof in Köln, du wirst dich mit ihm treffen und ein Interview führen, das wir dann mit ins Buch packen werden.”

Und so nahm die Sache ihren Lauf.

Zum ersten Mal einen Bischof umarmt

Bewaffnet mit einem elektronischen Diktiergerät, Ersatzbatterien und zur Sicherheit auch noch mit einem Kassetten-Rekorder mit Aufnahmefunktion (ich hatte wirklich Angst, dass etwas schief gehen könnte und ich direkt meinen ersten Buchauftrag in den Sand setze), kam ich mit einer frommen fränkischen Freundin in Köln an und wurde herzlich vom Weihbischof begrüßt. Ich war nervös und wusste nicht, wie ich dem hohen Herrn begegnen sollte. Er empfing uns mit offenen Armen und umarmte uns sehr herzlich. Die nächsten zwei Stunden waren spannend und aufschlussreich, ich war fasziniert davon, dass Weihbischof Dick jede Frage meines dicken Fragenkatalogs beantwortete, sogar die fiesen…

Ist die Beichte nicht ein Unterdrückungsinstrument der Kirche? Wenn ein Mörder bei Ihnen beichtet, warum gehen Sie dann nicht zur Polizei? Glauben Sie, dass Hitler in der Hölle sitzt?

So glücklich ich im ersten Moment auch damit war, dass der Weihbischof aus ausführlich und unterhaltsam antwortete, desto mehr jammerte ich, als ich noch Wochen später damit beschäftigt war, seine Antworten für das Buch mühselig abzutippen. Noch heute stehe ich tief in der Schuld der Ministrantin Anna aus Senden, die irgendwann Erbarmen zeigte und mir dabei half.

Dann nahm das Buch langsam Gestalt an. Ich schrieb eine Einleitung, diskutierte mit Bernhard Meuser einen Beichtspiegel, wir sammelten Fotos, besprachen uns mit dem Lektor Peter Bornhausen, telefonierten Andreas Süß wegen des Vorwortes hinterher und hörten uns die kritischen, aber hilfreichen Kommentare von Nils Baer an (der übrigens das Firmbuch der YOUCAT-Reihe verfasst hat). Dazu machte Alexander von Lengerke seine mittlerweile berühmt gewordenen Strichmännchen. Fast ein dreiviertel Jahr später war es endlich so weit: Das Buch ging in den Druck.

Blick auf den kleinen Tisch bei Weihbischof Dr. Klaus Dick. Hier nimmt er mir seit 2013 regelmäßig die Beichte ab.

Der große Tag

Mein aufregendes Jahr in Senden/Iller ging langsam zu Ende. Ein Jahr lang habe ich bei Pfarrer Stephan Spiegel im Pfarrhaus gewohnt, habe in der Gemeinde mitgearbeitet, im Kinderzentrum, bei den Ministranten und Firmlingen und quasi nebenbei versucht herauszufinden, was denn nun meine eigentliche Berufung ist. Erwartet Gott von mir, dass ich Priester werde? Soll ich einem Orden beitreten? Oder kann ich eine eigene Familie gründen? Und was ist mit der Schreiberei: Wird das für mich immer nur ein Hobby bleiben müssen oder kann ich das in irgendeiner Form beruflich machen?

Wie ich diese für mich quälenden Berufungsfragen beantwortet habe oder teilweise noch beantworten muss, ist eine andere Geschichte. Jedenfalls weiß ich nicht mehr genau, ob ich schon vor dem Zeitpunkt, als der YOUCAT Beichte erschien, bereits die Einladung zum Vorstellungsgespräch bei EWTN hatte. Es war klar, dass mein Jahr bei Pfarrer Spiegel bald zu Ende gehen wird und ich wusste noch nicht, wie es weitergehen sollte. Doch als die Pfarrsekretärin meinen Namen in das Pfarrhaus rief, um das große Paket entgegen zu nehmen, war das alles erst einmal egal. Ich hatte mein erstes, eigenes Werk in der Hand. Natürlich, es war nicht “mein” Werk, aber dennoch war es eine der sichtbarsten Früchte, die aus diesem Jahr hervorgegangen sind, indem ich mich fragte, wie es mit mir weitergehen soll.

Ich musste meine Freude irgendwie rauslassen. Voller Stolz nahm ich die Bücher, ging damit zurück in mein Zimmer, platzierte meine Kamera mit Selbstauslöser auf dem Schreibtisch und machte dieses Foto für Facebook:

Die Freude ist unübersehbar, ebenso die jugendliche Unbedarftheit in Bezug auf Kleidungsstil und Frisur.

Ein paar Monate später war schließlich klar, dass ich nach Köln ziehen werde, um für EWTN zu arbeiten. Dort bin ich in diesem Jahr seit sechs Jahren. Die Mitarbeit an diesem Buch hat dazu geführt, dass mein Chef die Idee hatte, eine ganze Sendung zum Thema Beichte zu machen – gemeinsam mit Weihbischof Klaus Dick.

Ausschnitt aus der Serie “Rudolf will’s wissen – Warum beichten?”

Mit diesem wiederum verbindet mich mittlerweile fast schon eine Vater-Sohn-Beziehung. Alle drei bis vier Wochen gehe ich bei ihm beichten, erzähle ihm aus meinem Leben, bitte ihn um Rat. Er ist für mich zu einem wichtigen Begleiter geworden.

Dass sich das alles mal aus der Arbeit an einem so kleinen Büchlein entwickeln würde, konnte ich damals nicht ahnen. Dass meine Frisur nur unwesentlich besser werden würde, auch nicht.

Bestellen kann man das Ding übrigens immer noch für schlanke fünf Euro hier.

Als Papst Franziskus gleich zweimal unsere Live-Übertragung crashte

Vor etwa fünf Monaten war ich schon einmal ganz ähnlich warmen Temperaturen ausgesetzt. Ende Januar fand am anderen Ende der Welt in Panama der Weltjugendtag statt und ich bin mit dem katholischen Fernsehsender EWTN vor Ort gewesen. Dabei haben sich immer wieder unvorhergesehene Dinge ereignet. Ein Beispiel war unsere Live-Übertragung am 24. Januar 2019. Es war die Willkommenszeremonie für Papst Franziskus an der Cinta Costera. Wir sind eine halbe Stunde eher auf Sendung gegangen, um die bisherigen Ereignisse des Weltjugendtags zusammenzufassen. Dafür haben wir zwei Studiogäste eingeladen, den Augsburger Jugendseelsorger Johannes Prestele sowie den Weltjugendtagspilger Mathias Blum. Doch wie so oft: Es kam ganz anders.

Fast eine halbe Stunde früher (!) als geplant traf Papst Franziskus ein. Wir hatten uns gerade die Stöpsel ins Ohr gesteckt, als hinter uns die ersten Wagen mit Blaulicht eintrafen und kurz darauf das Papamobil angerauscht kam. Verwirrt versuchte ich gegen den ohrenbetäubenden Applaus meinen ersten Gast noch anständig zu begrüßen, bevor ich ihn schon wieder aus der Sendung schmeißen musste, weil der Papst die Altarinsel erreichte und von da an unsere Kommentatoren Martin Rothweiler und Robert Rauhut übernehmen sollten.

Es folgte eine sehr stimmungsvolle Willkommenszeremonie für den Heiligen Vater, bei der wieder viel getanzt und gesungen wurde. Auch unsere Studiogäste waren beeindruckt, da sie direkt bei uns auf der Pressetribüne geblieben sind und so einen unvergleichlich schöne Aussicht auf die gesamte Szenerie hatten.

Letztlich kamen Johannes und Mathias doch noch zum Zug: Da der Papst früher ankam als gedacht, war die Willkommenszeremonie auch früher wieder zu Ende. So konnte Kaplan Johannes Prestele noch von seinen Eindrücken bei den Tagen der Begegnung sprechen, an denen er mit seiner Pilgergruppe teilgenommen hatte. Er berichtete davon, wie er beispielsweise von den Gastgebern gebeten wurde, die Heilige Messe im Dorf zu feiern – und zwar auf Spanisch. Und das, obwohl sein Spanisch gar nicht so gut sei, erzählte Johannes. Doch offenbar reichten seine Kenntnisse aus, um die Predigt des Papstes bei der Willkommenszeremonie zu verstehen:

„Mich hat es persönlich sehr beeindruckt, dass er gesagt hat, es muss konkret weitergehen und dass das Gebet ganz entscheidend ist.“

Anschließend kam noch Mathias Blum in die Sendung. Er stammt aus der beschaulichen Ortschaft Oberried im bayerischen Schwabenland und berichtete von seinem Alltag als Katholik, der versucht, möglichst jeden Tag eine Heilige Messe zu besuchen. Ich kenne ihn schon länger, doch dass der Papst seinem verstorbenen Opa ähnlich sähe, erfuhr ich an diesem Abend auch zum ersten Mal…

Mathias erzählte auch, dass er ursprünglich gar nicht vorhatte, zum Weltjugendtag nach Panama zu fahren. Am Ende hatte er sich dann doch umentschieden und seine euphorischen Schilderungen des bisher Erlebten zeigten, dass er diese Entscheidung auf keinen Fall bereut. Zumal er neben der Stärkung im Glauben und der Gemeinschaft ein weiteres Argument für den Weltjugendtag parat hat:

„Hier sollen die Mädels ja auch ganz nett sein“

Die komplette Sendung gibt es hier:

Hinweis: Dies ist die leicht überarbeitete Version eines Beitrags, der zuerst auf dem EWTN-Weltjugendtagsblog unter Panama19.de erschien.

Der Brief von Papst Franziskus: Traue niemals einer Zusammenfassung!

„In seinem 5700 Worte langen Brief betont der Papst wiederholt mit großer Deutlichkeit, dass die Kirche dazu da ist, den Glauben zu verkünden“, meldete CNA Deutsch am Samstagmittag des 29. Juni 2019. Wie bereits am Mittwoch bekannt wurde, hat Papst Franziskus einen Brief an die Gläubigen in Deutschland geschrieben. Zuerst wurde angenommen, der Text sei nur für die Bischöfe bestimmt. Dann wurden die Meldungen korrigiert mit dem Hinweis, der Brief sei an alle Katholiken in Deutschland gerichtet. Trotzdem wollte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) erst drei Tage später – am heutigen Samstag – das Schreiben dem übrigen Kirchenvolk vorstellen.

Dies ist nun geschehen. Obwohl der sehr umfangreiche Papst-Brief von der weltlichen Öffentlichkeit weitgehend nicht einmal mit einem Achselzucken bedacht wird, wird in einschlägigen katholischen Foren bereits heiß über den Inhalt diskutiert.

Bei “katholisch-de”, dem “Internetportal der Katholischen Kirche in Deutschland” (Selbstbezeichnung), liest es sich so: “Papst Franziskus unterstützt deutsche Katholiken beim ‘synodalen Weg’.” Unterstützung hat der Heilige Vater tatsächlich zugesagt, er schreibt: “Die Sachlagen und Fragestellungen, die ich mit Euren Hirten anlässlich des letzten Ad-Limina-Besuches besprechen konnte, finden sicherlich weiterhin Resonanz in Euren Gemeinden. Wie bei jener Gelegenheit möchte ich Euch meine Unterstützung anbieten, meine Nähe auf dem gemeinsamen Weg kundtun und zur Suche nach einer freimütigen Antwort auf die gegenwärtige Situation ermuntern.”

Die klaren Worte von Franziskus zu jener “gegenwärtigen Situation” der Kirche fanden auch beim Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki Beifall:

“Dass Papst Franziskus sogar von ‘Erosion und Verfall des Glaubens’ in Deutschland spricht, zeigt, dass er wirklich nichts beschönigt und auch uns ermuntert, die Augen vor der Realität nicht zu verschließen. Die Krise der Kirche, da hat der Papst, so schmerzlich es ist, doch recht, ist in erster Linie eine Glaubenskrise.”

Was den sogenannten “synodalen Weg” betrifft, für den die Deutsche Bischofskonferenz seit einiger Zeit wirbt, findet der Heilige Vater jedoch deutliche Worte der Warnung. Der Begriff “synodaler Weg” stammt von der letzten Frühjahrsvollversammlung, er soll einen Weg beschreiben, bei dem es um Machtfragen innerhalb der Kirche geht und eine eventuelle Neuausrichtung der bisherigen Kirchenlehre in Bezug auf die Sexualmoral und den Zugang zu den Weiheämtern.

Dazu schreibt Franziskus, dass “eine der ersten und größten Versuchungen im kirchlichen Bereich darin bestehe zu glauben, dass die Lösungen der derzeitigen und zukünftigen Probleme ausschließlich auf dem Wege der Reform von Strukturen, Organisationen und Verwaltung zu erreichen sei, dass diese aber schlussendlich in keiner Weise die vitalen Punkte berühren, die eigentlich der Aufmerksamkeit bedürfen.” Er erinnert an sein Schreiben Evangelii Gaudium, bei dem er bereits warnte: “Es handelt sich um eine Art neuen Pelagianismus, der dazu führt, unser Vertrauen auf die Verwaltung zu setzen, auf den perfekten Apparat. Eine übertriebene Zentralisierung kompliziert aber das Leben der Kirche und ihre missionarische Dynamik, anstatt ihr zu helfen”.

Viel Text, viel Kirchendeutsch

In den ersten Reaktionen auf den Brief kritisieren viele Leser den großen Umfang des Papst-Schreibens. Mehrfach wird außerdem angemerkt, dass die Wortwahl “zu kirchisch” sei und teilweise über die Köpfe und das Verstehen des gläubigen “Fußvolkes” hinweggehe. Möglicherweise lag in dieser pastoralen Rücksichtnahme die Motivation der Pressestelle der Bischofskonferenz, den wichtigen Brief des Oberhirten an seine deutschen Schäfchen erst nach einem dreitägigen Wirkungs- und Verstehensprozess zu veröffentlichen. Umso interessanter ist die Feststellung, dass der Vorsitzende der DBK, Reinhard Kardinal Marx, wie auch der Vorsitzende des “Zentralkomitees der deutschen Katholiken” (ZdK), Thomas Sternberg, nach drei Tagen der Meditation trotzdem zu dem Schluss kommen, der Brief lade sie ein, “den angestoßenen Prozess in diesem Sinn weiterzugehen”. Dabei erhebt Franziskus noch einmal mahnend den Zeigefinger:

“Die derzeitige Situation anzunehmen und sie zu ertragen impliziert nicht Passivität oder Resignation und noch weniger Fahrlässigkeit; sie ist im Gegenteil eine Einladung, sich dem zu stellen, was in uns und in unseren Gemeinden abgestorben ist, was der Evangelisieren und der Heimsuchung durch den Herrn bedarf. Das aber verlangt Mut, denn, wessen wir bedürfen, ist viel mehr als ein struktureller, organisatorischer oder funktionaler Wandel.”

Vielleicht sind es die vielen irreführenden Zusammenfassungen, die zu den unterschiedlichen Deutungen geführt haben. Ein derart langes Schreiben lädt sicherlich dazu ein Rosinenpickerjournalismus zu betreiben und jene Sätze herauszustreichen, die der eigenen kirchenpolitischen Einstellung widerstreben. Auch der Verfasser dieser Zeilen kann sich dieser Versuchung nicht komplett erwehren.

Aus diesem Grund mein persönlicher Sommer-Tipp für diesen warmen, bundesliga-freien Samstagnachmittag:

Nehmen Sie sich einen kühlen Drink, setzen Sie sich auf die Terrasse (Sonnencreme nicht vergessen) und meditieren Sie in Ruhe über den Text des Heiligen Vaters. Lassen Sie sich nicht davon abschrecken, dass einige dem Kirchenvolk die Fähigkeit absprechen wollen, den Original-Text zu verstehen und Ihnen deshalb Deutungen aufnötigen. Bei Rückfragen und Anmerkungen wird Ihnen Ihr Heimatpfarrer nach der morgigen Sonntagsmesse sicher zur Verfügung stehen.

Trauen Sie niemals einer Zusammenfassung! Lesen Sie hier das Original im Wortlaut.

Foto: Daniel Ibanez / Catholic News Agency

Das Ketz-Portal

In einem längeren Facebook-Beitrag hat “katholisch.de”, das “Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland” (Selbstbezeichnung), die Verhaltensregeln für die Online-Community noch einmal betont. Der Chef vom Dienst, Björn Odendahl, hat unter anderem angekündigt, dass Hasskommentare auf der Facebook-Seite rigoros gelöscht werden. Das war auch bisher schon gängige Praxis, doch offenbar sah sich die Führungsriege aufgrund der Zunahme solcher Kommentare dazu veranlasst, erneut eine Lösch-Androhung auszusprechen.

Was überrascht ist dagegen die Auflistung der verbotenen Kommentare. Das meiste davon ist zwar nicht der Rede wert, da es die üblichen Anstandsregeln sind, die mit dem gesunden Menschenverstand nachzuvollziehen sind und keiner weiteren Erläuterung bedürfen. Erstaunlich ist dagegen folgendes Tabu:

“Dafür machen wir von unserem ‘Hausrecht’ Gebrauch, Kommentare radikal zu löschen und User zu sperren, die eben dieses Klima vergiften. Wir tun das, wenn Nutzer (…) unsere Redaktion als häretisch betiteln.”

Hausrecht ist Hausrecht und wessen Kommentare das Lösch-Kommando unbeschadet überstehen werden, liegt einzig im Ermessen des Seitenbetreibers; diese Freiheit sollte einem jeden zugestanden werden, der eine Facebook-Seite betreut.

Interessant dagegen, dass man bei “katholisch.de” mittlerweile empfindlich auf den Vorwurf reagiert, man sei “häretisch”. Es scheint so, als sei diese Kritik schon öfter an die tapferen Mitstreiterinnen und -streiter von Björn Odendahl herangetragen worden, was als Reaktion auf die Texterzeugnisse von dort nicht zwangsläufig verwundern muss.

Den Vorwurf, man sei ein Geizhals, kann man entkräften, indem man sich bei nächster Gelegenheit etwas großzügiger zeigt. Der Vorwurf, man sei Häretiker, kann dagegen widerlegt werden, indem man sich klar zur Kirche, ihrem Lehramt und der Botschaft Christi bekennt, die Angriffe tapfer erträgt und froh das Evangelium verkündet, sei es gelegen oder ungelegen.

Oder man “verbietet” öffentliche Kritik von vornherein.

Wie dem auch sei; einige, die es sich immer wieder einen Spaß daraus gemacht haben die Online-Redaktion des “Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland” (Selbstbezeichnung) durch schmissige Kommentare auf Trab zu halten, werden sich künftig das Wort “häretisch” verkneifen müssen, wenn sie nicht komplett gesperrt werden wollen.

Ob das auch für das Wort “Ketzer” gilt?

NEUER ARTIKEL: Das alte Liebespaar

Wären die Kölsch-Gläser so groß wie die Meinung, die die Kölner von sich selbst haben, wäre es wahrscheinlich nicht passiert, dass ich an jenem Abend den Überblick über die von mir konsumierte Menge Alkohol verloren hätte. Doch dann führte der Abend zu einer schönen Begegnung.

Zum Artikel geht’s hier.

NEUE Artikel: Ritter für das Heilige Land

Am 25. Mai 2019 fand in Frankfurt die Investitur der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem statt. Wir von EWTN haben die Feierlichkeiten live übertragen. Der Großprior des Ritterordens, Reinhard Kardinal Marx, nahm 22 neue Mitglieder auf.

Bereits am Vortag hatte ich die Gelegenheit den deutschen Statthalter der Grabesritter, Dr. Michael Schnieders, zu interviewen. Für CNA Deutsch habe ich das Interview zusammengefasst.

Die Aufzeichnung der Investitur am Samstag kann bei EWTN.TV auch als DVD bestellt werden. Dafür genügt eine Email an info@ewtn.de.

In seiner Predigt sprach Kardinal Marx vor allem über sein aktuelles Lieblingsthema: Die “Synodalität”. Die Zusammenfassung gibt es hier bei CNA Deutsch.

Die feierliche Investitur mit Reinhard Kardinal Marx am 25. Mai 2019.
Die Abschlussmesse am 26. Mai 2019 mit dem Limburger Bischof Georg Bätzing.

NEUE ARTIKEL: “Maria braucht kein Update”

Was wurde die letzte Woche nicht alles geschrieben: Eine Privatinitiative von Frauen aus dem Bistum Münster lehnen sich gegen die schier übermächtige, böse Katholische Kirche auf, die das weibliche Geschlecht seit jeher unterdrücken, in dem sie ihm die Priesterweihe verweigern. Nicht genug, dass das Priesteramt kein Machtinstrument darstellt, sondern eine Weihe, die sich ganz bewusst in den Dienst der Menschen stellt. Auch nicht genug, dass hauptsächlich Frauen das Gesicht von Mutter Kirche repräsentieren und Maria, die Mutter Jesu, nach wie vor den höchsten Rang unter allen Heiligen hat.

Nein, nicht einmal Maria reicht noch aus. Es musste ein Update geben, eine “Maria 2.0”. Offenbar war die Mutter des Herrn in der Gedankenwelt dieser zum “Kirchenstreik” aufrufenden Frauen nicht mehr die “mächtige Kirchenfürstin”, die “der Schlange den Kopf zertritt”, sondern lediglich eine einfache, aber stumme Magd, die sich brav und gottergeben von den Mannsbildern dieser Welt unterdrücken lässt.

Dieses seltsame Marienbild gepaart mit der Vorstellung, feststehende Kirchenlehre durch als “Streik” deklariertes Fernbleiben von den Sakramenten ändern zu können, brachte viele Katholiken in Deutschland auf die Palme.

Eine von ihnen ist Johanna Stöhr. Die Mathematiklehrerin aus dem bayerischen Schongau hat deshalb die Initiative “Maria 1.0 – Maria braucht kein Update” ins Leben gerufen.

Die junge Mathematik-Lehrerin Johanna Stöhr aus Schongau ist der Kopf hinter “Maria 1.0 – Maria braucht kein Update!”. (Foto: privat)

Ich habe sie am 13. Mai 2019 – der Fatimatag, übrigens – für die katholische Wochenzeitung “DIE TAGESPOST” interviewt. Das Gespräch erschien einen Tag später in der Onlineausgabe und ist hier nachzulesen.

Eine kurze Zusammenfassung des Interviews gibt es hier bei CNA Deutsch.

Als mündiger Laie…

Auch als Laie hat man in der Katholischen Kirche einen gewaltigen Raum an Entfaltungsmöglichkeiten. Dazu gehört auch, nicht gewählte, aber durch die Kirchensteuer finanzierte Gremien wie das “Zentralkomitee der deutschen Katholiken” einfach zu ignorieren.

“Ein Aufruf zur Mission” – Jetzt erst?!

Das Wort “Kirchenaustritt” ist für viele Katholiken längst kein Tabu mehr. Dabei geht es nicht nur um die Taufschein-Christen, denen erst bei gestiegenem Verdienst plötzlich bewusst wird, wie viel sie monatlich an Kirchensteuer an eine Institution abführen müssen, mit der sie nicht mehr verbindet als der Besuch der Christmette und die Erstkommunion des Kindes. Nein, auch viele praktizierende Katholiken spielen mit dem Gedanken, die “Rechtsgemeinschaft Kirche” zu verlassen.

Das hat jedoch weniger Glaubens- als viel mehr Gewissensgründe. Das “Zentralkomitee der deutschen Katholiken” (ZdK), der “Bund der deutschen katholischen Jugend” (BDKJ) sowie diverse katholische Medienportale geben dem “normalen” Gläubigen immer wieder Anlass zur Verärgerung. Nicht zuletzt der Katholikentag in Münster hat gezeigt, dass die Kluft zwischen dem einfachen Kirchenvolk und dem Gremienkatholizismus immer weiter auseinander klafft. Es könnte einem egal sein, wenn einem nicht immer wieder unter die Nase gerieben würde, dass jene Gremien und Portale üppig mit Kirchensteuermitteln finanziert werden. Monat für Monat wird das Geld abgebucht im Namen der Kirche. An sich kein Problem für jemanden, der die Kirche liebt. Aber wird es auch im Namen der Kirche eingesetzt? Ist das (viele) Geld ein Werkzeug für die Botschaft Christi, das Evangelium, die gelebte Nächstenliebe, für die Glaubensweitergabe?

Immer mehr Katholiken haben da ihre Zweifel. Und auf einmal stellen sich viele die Frage: Kann ich es verantworten, dass ich durch das Bezahlen der Kirchensteuer Gremien finanziere, die gegen das arbeiten, was die überlieferte Lehre Christi ist? Nicht nur im Zuge des Missbrauchsskandals zeigten sich teilweise große Defizite bei der Amtsauffassung einiger Amtsträger. Ein Freund sagte kürzlich: “Es ist im hohen Maße irritierend, dass sich der Herrgott so ein Personal leistet.“ Das mag hochmütig klingen, da ein jeder von uns in einem gewissen Rahmen das Ansehen von Mutter Kirche durch die eigene Sündhaftigkeit beschmutzt. Und dennoch ist es doppelt tragisch, wenn die großen theologischen Fauxpas nicht von dahergelaufenen Hobby-Reformatoren geäußert werden, sondern von Menschen, die durch die Weihe in der direkten Nachfolge der Apostel stehen.

Das Gekuschel mit dem Zeitgeist und der Politik kann man im bestimmten Rahmen noch damit rechtfertigen, dass die Kirche auch in der heutigen Zeit “dahin geht, wo es wehtut”. Dennoch scheint diese Taktik nicht aufzugehen. Glaubt man der neuesten Prognose, wird sich die Anzahl der Christen bis spätestens 2060 halbiert haben. Auf einmal wird man sogar in München hellhörig. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, kommentiert die Prognose folgendermaßen:

“In der Kirche geht es immer darum, das Evangelium weiter zu sagen, auch unter veränderten Bedingungen. Für mich ist die Studie auch ein Aufruf zur Mission”.

Papst Benedikt hatte eine “Entweltlichung” der Kirche gefordert und wiederholt zur “Neuevangelisierung” aufgerufen. Papst Franziskus hat immer wieder seinen Traum von einer “armen Kirche” geäußert. Wenn die Studie stimmt, wird bis 2060 die Hälfte der (zahlungskräftigen) Christen in Deutschland weggebrochen sein. Der Traum einer “armen Kirche” könnte also auch in Deutschland wahr werden. Doch auf einmal geht die Angst um und man spricht wieder von “Mission”.

Warum waren wir nicht besorgt, als sich immer weniger mit den Inhalten identifizieren wollten und die Kirche eher als eine politische Institution mit Mitleidsfaktor und Aufruf zum Nett-Sein betrachtet haben? Warum waren wir nicht besorgt, als immer mehr Menschen die Kirche nur noch als “Sakramenten-Lieferanten” bei Erstkommunion, Firmung, Hochzeit und Beerdigungen wahrgenommen haben? Warum haben wir so wenig für “die Mission” getan, als die Leute nach Gott gefragt haben und wir ihnen hätten Antworten geben können? Warum wollen wir erst jetzt aktiv werden? Ist der Einbruch an Kirchensteuereinnahmen die einzige Sprache, die “da oben” noch verstanden wird?

Möchte der Münchener Erzbischof in Zukunft allerdings nicht wieder in einem kleinen Pfarrhaus wohnen und auf die Naturalienspenden der anderen Ortsbewohner angewiesen sein müssen, sollte er nicht vergessen, dass es bei der Mission nicht nur um die potentiellen “Neukunden” geht, sondern die Kirche aktuell auch sehr viele “Stammkunden” zu verlieren droht. Ein formeller Kirchenaustritt bedeutet aktuell noch immer die automatische Exkommunikation. Diese Regelung wird zwar auch von Kirchenrechtlern angefochten, doch sie sorgt dafür, dass momentan noch viele Gläubigen lieber weiterhin zähneknirschend die Kirchensteuer zahlen, als der Institution Kirche den Rücken zu kehren.

Doch selbst die Leidensfähigkeit von deutschen Katholiken ist begrenzt.

Foto: Rudolf Gehrig. Aufgenommen beim Weltfamilientreffen mit Papst Franziskus 2018 in Dublin / Irland.

Halleluja, ihr Heiden!

“Wer glaubt denn sowas”, fragt DER SPIEGEL in seiner Osterausgabe auf seinem Titelblatt. Zu sehen ist Jesus Christus, der zwischen den Wolken schwebt und selig-entrückt gen Himmel schaut. Das Bild soll nach Meinung des SPIEGELs vermutlich die Auferstehung zeigen, auch wenn es eher nach Himmelfahrt aussieht. Auch seltsam: Jesus trägt keine sichtbaren Wunden.

Aber egal. Interessanter ist der Untertitel: “Warum selbst Christen keinen Gott mehr brauchen”. Was “Dinner for One” für die jährlichen Silvesterabende ist, sind derartige Storys, die mit verlässlicher Konstanz zu den kirchlichen Hochfesten Weihnachten und Ostern jährlich im SPIEGEL auftauchen. Ebenso verlässlich ist die reflexhafte Empörung vieler Glaubensgeschwister, die sich Jahr für Jahr am antichristlichen Spott des Blattes abarbeitet. Doch: Ist es das wert?

Für jeden, der versucht die Botschaft Christi in seinem Alltag lebendig werden zu lassen (ich weiß, das ist eine Floskel aus dem Kirchensprech, die dennoch den Nagel auf den Kopf trifft) sind diese Provokationen teilweise schmerzhaft. Wir glauben nicht an “Etwas”, wir glauben an Ihn. Gott hat Seinen Sohn geschickt, Er starb für unsere Sünden und ist auferstanden. Mit der Auferstehung des Gottessohns steht und fällt unser Glaube, es ist die Corporate Identity, das Alleinstellungsmerkmal, die Marktlücke, die Überzeugung, für die viele Christen in den Tod gingen. Nicht umsonst schreibt Paulus:

“Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in euren Sünden.” (1 Korinther 15,17)

Deshalb tut es weh, wenn Andere diesen Glauben nicht teilen können oder ihn – und damit etwas, das uns ausmacht – in den Dreck ziehen. Es nutzt nichts: Wir müssen es ertragen.

Wenn jedoch findige SPIEGEL-Redakteure Argumente sammeln, die mir beweisen sollen, dass ich Gott nicht brauche, ruft das bei mir nicht einmal mehr ein Achselzucken hervor. Ich denke, dass bei jedem gläubigen Christen eine fundamentale Begegnung mit Gott stattgefunden hat, die bei ihm dazu führte, dass er an so “lächerliche” Dinge wie die Auferstehung glaubt. Das ist bei mir nicht anders. Dank dieser Gottesbegegnung weiß ich, dass ich Gott brauche. Niemand wird mir etwas anderes erzählen können. Es ist die Begegnung mit einer geliebten Person: Wenn mir Andere von außen diese wahrhafte Begegnung in Abrede stellen möchten, meine Gefühle für unecht erklären oder gar die Behauptung aufstellen, diese Person würde nicht existieren, dann wäre ich mit Sicherheit verärgert. Doch es würde nichts daran ändern, dass ich dieser Person tatsächlich begegnet bin und ihr auch heute noch immer wieder begegne.

Warum also soll ich mir vom Spott der anderen die Osterfreude verderben lassen? Es ist unser Fest. Natürlich ist es ärgerlich, wenn viele, die mit unserem Glauben nichts am Hut haben, Ostern für sich instrumentalisieren, einerseits den freien Tag am Karfreitag genießen wollen und andererseits dennoch demonstrativ auf den Discobesuch beharren. Aber: Es ist auch eine der wenigen Gelegenheiten, in der alle Welt sich zumindest für den Bruchteil einer Sekunde beim Wort “Ostern” mit der christlichen Botschaft auseinandersetzen muss.

Wollen wir diesen kleinen Moment wirklich dafür nutzen, unser Selbstmitleid zur Schau zu stellen wegen ein paar fieser Zeitungsphrasen? Oder laden wir die Spötter ein Teil zu haben an unserer Freude über den Auferstandenen? Klar ist: Gerade als Christen müssen wir uns nicht alles bieten lassen. Aber: Wir selbst haben viel zu bieten, weitaus mehr als nur Selbstmitleid und Pessimismus.

Jesus Christus ist auferstanden! Wenn das kein Grund zur Freude ist, weiß ich auch nicht. In diesem Sinne:

Halleluja, ihr Heiden!

P.S.: Jesus ist für uns und unsere Sünden gestorben. Jedoch nicht für meine Rechtschreibfehler…

NEUER ARTIKEL: “Männerchor und Tod”

Vor zwei Jahren hat mich am Karsamstag bereits um halb fünf der Wecker aus dem Schlaf gerissen. Vielleicht war es auch um vier Uhr und ich habe es bereits wieder verdrängt. Jedenfalls: Ich habe es nicht bereut.

Mein Vater und zwei meiner Brüder sind Teil der Männergesangsgruppe der DJK Seubrigshausen. Es ist eine alte Tradition, dass sie an Karsamstag frühmorgens mit den Klapperbuben durch das Dorf laufen und geistliche Lieder singen. Für die katholische Wochenzeitung “DIE TAGESPOST” habe ich darüber nun einen kleinen Beitrag geschrieben: “Männerchor und Tod”.


Vor zwei Jahren hatte ich übrigens auch meine Kamera dabei. Das Licht war ungünstig, die Tonqualität ist mangelhaft und über meinen Videoschnitt brauchen wir erst gar nicht reden.

Dennoch bekomme ich hin und wieder Gänsehaut, wenn ich mir die Aufnahmen ansehe, wie die tapferen und rührigen Männer aus Seubrigshausen eines der berührendsten Lieder der Karwoche singen (im Übrigen tun sie das meist auch während der Karliturgie am Karfreitag in der Pfarrkirche von Seubrigshausen).

Sie singen vielleicht nicht perfekt, aber mit Herz. Und darauf kommt es an.

“…aber trotzdem gut drauf”

Ich habe diesen Satz schon hundertfach gehört und wahrscheinlich habe ich mich selber oft genug genau so verhalten:

“Hey, ich bin Christ, aber trotzdem (!) gut drauf!”

Wer betonen muss, etwas Besonderes besonders zu sein (in diesem Fall: gut drauf), ist oft genau das nicht, was er vorgibt zu sein (nämlich: gut drauf). Klar, in einem Umfeld, das meinem Glauben gegenüber nicht sehr aufgeschlossen ist, wo ich unter besonderer Beobachtung stehe und ich mich frage, ob ich überhaupt hierher gehöre, kann mich durchaus das Bedürfnis überkommen, allen zu beweisen, dass ich gerade nicht so bin, wie man sich einen praktizierenden Christen vorstellt.

Es kann gut sein, dass ich der einzige leibhafte Christ bin, dem meine Mitmenschen begegnen. Der Druck ist hoch. Wie soll ein einziger Mensch vielleicht sogar an einem einzigen Abend mit Vorurteilen aufräumen, die schon mehrere Jahrhunderte alt sind? Zumal nicht alles, was uns Christen betrifft, zwangsläufig Vorurteile sind? Wie groß ist da die Versuchung sich zu verstellen, um den anderen mit aller Gewalt zeigen zu können, wie witzig / intelligent / gutaussehend / charmant / unangepasst / rebellisch / selbstbewusst man ist, obwohl (!) man doch Christ ist…

Aber eigentlich ist das doch scheiße.

Sind wir nicht witzig / intelligent / gutaussehend / charmant / unangepasst / rebellisch / selbstbewusst, gerade WEIL (!) wir Christen sind?

Und falls nicht alles auf einen selbst zutreffen sollte, zumindest eines kann jeder sein:

Echt.

Das Scheidungskind, das die Welt veränderte

Vor ein paar Tagen, jährte sich zum dritten Mal der Todestag dieser eigentlich ganz unscheinbaren Frau: Mutter Angelica verstarb in der Osternacht am 27. März 2016.

Sie hat in ihren letzten Lebensjahren viel gelitten. Der letzte Schlaganfall raubte ihr das wichtigste Instrument, das sie hatte: Ihre Stimme. Davor hatte sie bereits Fernsehgeschichte geschrieben.

Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, war als Scheidungskind gebrandmarkt und von ihrer schweren Krankheit gezeichnet. Doch sie verlor selbst dann nicht ihren Humor, als sie eines Tages gegen den Willen ihrer Mutter ins Kloster eintrat. Es war eine schwere Zeit, eine Mitschwester von damals berichtete, dass die junge Schwester Angelica von der Oberin wiederholt öffentlich für ihr Verhalten gerügt wurde. Als Angelica nach einer dieser Standpauken wortlos zu ihrem Platz zurückging und mit großem Appetit zu essen begann, fragte ihre Mitschwester mit Tränen in den Augen, wie sie denn jetzt noch essen könne. “Weil ich Hunger habe”, so die lapidare Antwort der jungen Novizin.

Mutter Angelica (rechts) und ich. Das Foto entstand auf dem Weltjugendtag 2016 in Krakau, als ich das Zelt von EWTN Deutschland “bewachte”.

Vielleicht war es diese Mischung aus Humor und Dickköpfigkeit, die die Nonne letztlich dazu veranlasste, mit einem Kapital von gerade einmal 200 Dollar das mittlerweile größte katholische Mediennetzwerk aus dem Boden zu stampfen: Das Eternal Word Television Network, kurz: EWTN.

Seit 2013 darf ich Teil dieser Geschichte sein als Mitarbeiter von EWTN Deutschland. Bei all den Auf und Abs ist mir besonders ein Satz von Mutter Angelica wichtig geworden:

“Wenn du nicht den Mut hast, etwas Lächerliches zu tun, kann Gott auch nichts Wunderbares daraus machen.”

Papst Franziskus hat kurz nach ihrem Tod gesagt, dass sie bestimmt im Himmel sei. Auch wenn Erzbischof Georg Gänswein vor wenigen Tagen noch augenzwinkernd nachschob: “Das war keine Heiligsprechung”: Wirklich wundern würde es mich nicht.

Ruhe in Frieden, Chefin!

Mein ausführliches Porträt der EWTN-Gründerin kann man gerne hier bei CNA Deutsch nachlesen.

Die Fastenzeit kann ätzend sein…

Klar, die alljährliche österliche Bußzeit – so heißt die “Fastenzeit” korrekterweise – hat seinen Sinn. Es ist die Vorbereitung auf Ostern, dem höchsten Fest im Kirchenjahr. Die Fastenzeit ist wichtig, spirituell sehr erfrischend und zudem höchst hilfreich, um die eigene innere Mitte (und wie man das alles nennt) zu finden.

Aber: Sie kann auch sehr nervenaufreibend sein. Ich habe meine Gedanken dazu hier in einem Beitrag für CNA Deutsch aufgeschrieben.


Zurück aus Panama!

Nach einem sehr eindrucksvollen Weltjugendtag in Panama bin ich letzte Woche wieder in Deutschland angekommen. Jetzt, da ich ein wenig Zeit hatte, um all die Eindrücke zu verarbeiten, habe ich ein kurzes Resümee geschrieben.

Von Herzen bedanke ich mich bei allen, die unsere Übertragungen so interessiert mitverfolgt haben! Danke besonders für die ehrliche Kritik. Wer immer alles gut findet, was wir machen, hat unsere Sendungen wahrscheinlich nicht gesehen… (An dieser Stelle könnte ein Zwinkersmiley stehen.)

Luft nach oben ist immer, deswegen hoffe ich, dass wir uns auch durch die Mithilfe unserer Zuschauer stetig weiterentwickeln. Wenn Sie das Bedürfnis haben Ihre Anregungen, Ihre Kritik oder gar Ihr Lob loswerden zu müssen, erreichen Sie uns im EWTN-Büro telefonisch unter 0221 / 300 619 10 oder per Email an info@ewtn.de. Vergelts´s Gott!

Auf nach Panama!

Heute fliege ich mit meinen Kollegen von EWTN nach Panama, um dort bis live von den wichtigsten Ereignissen des Weltjugendtags zu berichten. Für mich persönlich ist es nach Köln (2005), Madrid (2011) und Krakau (2016) bereits der vierte. Da ich mit jedem Jahr so langsam aus dem typischen Weltjugendtagsalter herauswachse, ist es daher nicht verkehrt, diese Chance noch einmal zu nutzen…

Ich werde versuchen neben der Arbeit vor der Kamera auch unseren Weltjugendtagsblog regelmäßig zu füttern. Auf www.panama19.de werde ich Sie auf dem Laufenden halten!

Die Sendezeiten für unsere Live-Übertragungen aus Panama finden Sie übrigens hier.