Halleluja, ihr Heiden!

„Wer glaubt denn sowas“, fragt DER SPIEGEL in seiner Osterausgabe auf seinem Titelblatt. Zu sehen ist Jesus Christus, der zwischen den Wolken schwebt und selig-entrückt gen Himmel schaut. Das Bild soll nach Meinung des SPIEGELs vermutlich die Auferstehung zeigen, auch wenn es eher nach Himmelfahrt aussieht. Auch seltsam: Jesus trägt keine sichtbaren Wunden.

Aber egal. Interessanter ist der Untertitel: „Warum selbst Christen keinen Gott mehr brauchen“. Was „Dinner for One“ für die jährlichen Silvesterabende ist, sind derartige Storys, die mit verlässlicher Konstanz zu den kirchlichen Hochfesten Weihnachten und Ostern jährlich im SPIEGEL auftauchen. Ebenso verlässlich ist die reflexhafte Empörung vieler Glaubensgeschwister, die sich Jahr für Jahr am antichristlichen Spott des Blattes abarbeitet. Doch: Ist es das wert?

Für jeden, der versucht die Botschaft Christi in seinem Alltag lebendig werden zu lassen (ich weiß, das ist eine Floskel aus dem Kirchensprech, die dennoch den Nagel auf den Kopf trifft) sind diese Provokationen teilweise schmerzhaft. Wir glauben nicht an „Etwas“, wir glauben an Ihn. Gott hat Seinen Sohn geschickt, Er starb für unsere Sünden und ist auferstanden. Mit der Auferstehung des Gottessohns steht und fällt unser Glaube, es ist die Corporate Identity, das Alleinstellungsmerkmal, die Marktlücke, die Überzeugung, für die viele Christen in den Tod gingen. Nicht umsonst schreibt Paulus:

„Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in euren Sünden.“ (1 Korinther 15,17)

Deshalb tut es weh, wenn Andere diesen Glauben nicht teilen können oder ihn – und damit etwas, das uns ausmacht – in den Dreck ziehen. Es nutzt nichts: Wir müssen es ertragen.

Wenn jedoch findige SPIEGEL-Redakteure Argumente sammeln, die mir beweisen sollen, dass ich Gott nicht brauche, ruft das bei mir nicht einmal mehr ein Achselzucken hervor. Ich denke, dass bei jedem gläubigen Christen eine fundamentale Begegnung mit Gott stattgefunden hat, die bei ihm dazu führte, dass er an so „lächerliche“ Dinge wie die Auferstehung glaubt. Das ist bei mir nicht anders. Dank dieser Gottesbegegnung weiß ich, dass ich Gott brauche. Niemand wird mir etwas anderes erzählen können. Es ist die Begegnung mit einer geliebten Person: Wenn mir Andere von außen diese wahrhafte Begegnung in Abrede stellen möchten, meine Gefühle für unecht erklären oder gar die Behauptung aufstellen, diese Person würde nicht existieren, dann wäre ich mit Sicherheit verärgert. Doch es würde nichts daran ändern, dass ich dieser Person tatsächlich begegnet bin und ihr auch heute noch immer wieder begegne.

Warum also soll ich mir vom Spott der anderen die Osterfreude verderben lassen? Es ist unser Fest. Natürlich ist es ärgerlich, wenn viele, die mit unserem Glauben nichts am Hut haben, Ostern für sich instrumentalisieren, einerseits den freien Tag am Karfreitag genießen wollen und andererseits dennoch demonstrativ auf den Discobesuch beharren. Aber: Es ist auch eine der wenigen Gelegenheiten, in der alle Welt sich zumindest für den Bruchteil einer Sekunde beim Wort „Ostern“ mit der christlichen Botschaft auseinandersetzen muss.

Wollen wir diesen kleinen Moment wirklich dafür nutzen, unser Selbstmitleid zur Schau zu stellen wegen ein paar fieser Zeitungsphrasen? Oder laden wir die Spötter ein Teil zu haben an unserer Freude über den Auferstandenen? Klar ist: Gerade als Christen müssen wir uns nicht alles bieten lassen. Aber: Wir selbst haben viel zu bieten, weitaus mehr als nur Selbstmitleid und Pessimismus.

Jesus Christus ist auferstanden! Wenn das kein Grund zur Freude ist, weiß ich auch nicht. In diesem Sinne:

Halleluja, ihr Heiden!

P.S.: Jesus ist für uns und unsere Sünden gestorben. Jedoch nicht für meine Rechtschreibfehler…

NEUER ARTIKEL: „Männerchor und Tod“

Vor zwei Jahren hat mich am Karsamstag bereits um halb fünf der Wecker aus dem Schlaf gerissen. Vielleicht war es auch um vier Uhr und ich habe es bereits wieder verdrängt. Jedenfalls: Ich habe es nicht bereut.

Mein Vater und zwei meiner Brüder sind Teil der Männergesangsgruppe der DJK Seubrigshausen. Es ist eine alte Tradition, dass sie an Karsamstag frühmorgens mit den Klapperbuben durch das Dorf laufen und geistliche Lieder singen. Für die katholische Wochenzeitung „DIE TAGESPOST“ habe ich darüber nun einen kleinen Beitrag geschrieben: „Männerchor und Tod“.


Vor zwei Jahren hatte ich übrigens auch meine Kamera dabei. Das Licht war ungünstig, die Tonqualität ist mangelhaft und über meinen Videoschnitt brauchen wir erst gar nicht reden.

Dennoch bekomme ich hin und wieder Gänsehaut, wenn ich mir die Aufnahmen ansehe, wie die tapferen und rührigen Männer aus Seubrigshausen eines der berührendsten Lieder der Karwoche singen (im Übrigen tun sie das meist auch während der Karliturgie am Karfreitag in der Pfarrkirche von Seubrigshausen).

Sie singen vielleicht nicht perfekt, aber mit Herz. Und darauf kommt es an.

„…aber trotzdem gut drauf“

Ich habe diesen Satz schon hundertfach gehört und wahrscheinlich habe ich mich selber oft genug genau so verhalten:

„Hey, ich bin Christ, aber trotzdem (!) gut drauf!“

Wer betonen muss, etwas Besonderes besonders zu sein (in diesem Fall: gut drauf), ist oft genau das nicht, was er vorgibt zu sein (nämlich: gut drauf). Klar, in einem Umfeld, das meinem Glauben gegenüber nicht sehr aufgeschlossen ist, wo ich unter besonderer Beobachtung stehe und ich mich frage, ob ich überhaupt hierher gehöre, kann mich durchaus das Bedürfnis überkommen, allen zu beweisen, dass ich gerade nicht so bin, wie man sich einen praktizierenden Christen vorstellt.

Es kann gut sein, dass ich der einzige leibhafte Christ bin, dem meine Mitmenschen begegnen. Der Druck ist hoch. Wie soll ein einziger Mensch vielleicht sogar an einem einzigen Abend mit Vorurteilen aufräumen, die schon mehrere Jahrhunderte alt sind? Zumal nicht alles, was uns Christen betrifft, zwangsläufig Vorurteile sind? Wie groß ist da die Versuchung sich zu verstellen, um den anderen mit aller Gewalt zeigen zu können, wie witzig / intelligent / gutaussehend / charmant / unangepasst / rebellisch / selbstbewusst man ist, obwohl (!) man doch Christ ist…

Aber eigentlich ist das doch scheiße.

Sind wir nicht witzig / intelligent / gutaussehend / charmant / unangepasst / rebellisch / selbstbewusst, gerade WEIL (!) wir Christen sind?

Und falls nicht alles auf einen selbst zutreffen sollte, zumindest eines kann jeder sein:

Echt.

Das Scheidungskind, das die Welt veränderte

Vor ein paar Tagen, jährte sich zum dritten Mal der Todestag dieser eigentlich ganz unscheinbaren Frau: Mutter Angelica verstarb in der Osternacht am 27. März 2016.

Sie hat in ihren letzten Lebensjahren viel gelitten. Der letzte Schlaganfall raubte ihr das wichtigste Instrument, das sie hatte: Ihre Stimme. Davor hatte sie bereits Fernsehgeschichte geschrieben.

Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, war als Scheidungskind gebrandmarkt und von ihrer schweren Krankheit gezeichnet. Doch sie verlor selbst dann nicht ihren Humor, als sie eines Tages gegen den Willen ihrer Mutter ins Kloster eintrat. Es war eine schwere Zeit, eine Mitschwester von damals berichtete, dass die junge Schwester Angelica von der Oberin wiederholt öffentlich für ihr Verhalten gerügt wurde. Als Angelica nach einer dieser Standpauken wortlos zu ihrem Platz zurückging und mit großem Appetit zu essen begann, fragte ihre Mitschwester mit Tränen in den Augen, wie sie denn jetzt noch essen könne. „Weil ich Hunger habe“, so die lapidare Antwort der jungen Novizin.

Mutter Angelica (rechts) und ich. Das Foto entstand auf dem Weltjugendtag 2016 in Krakau, als ich das Zelt von EWTN Deutschland „bewachte“.

Vielleicht war es diese Mischung aus Humor und Dickköpfigkeit, die die Nonne letztlich dazu veranlasste, mit einem Kapital von gerade einmal 200 Dollar das mittlerweile größte katholische Mediennetzwerk aus dem Boden zu stampfen: Das Eternal Word Television Network, kurz: EWTN.

Seit 2013 darf ich Teil dieser Geschichte sein als Mitarbeiter von EWTN Deutschland. Bei all den Auf und Abs ist mir besonders ein Satz von Mutter Angelica wichtig geworden:

„Wenn du nicht den Mut hast, etwas Lächerliches zu tun, kann Gott auch nichts Wunderbares daraus machen.“

Papst Franziskus hat kurz nach ihrem Tod gesagt, dass sie bestimmt im Himmel sei. Auch wenn Erzbischof Georg Gänswein vor wenigen Tagen noch augenzwinkernd nachschob: „Das war keine Heiligsprechung“: Wirklich wundern würde es mich nicht.

Ruhe in Frieden, Chefin!

Mein ausführliches Porträt der EWTN-Gründerin kann man gerne hier bei CNA Deutsch nachlesen.

Die Fastenzeit kann ätzend sein…

Klar, die alljährliche österliche Bußzeit – so heißt die „Fastenzeit“ korrekterweise – hat seinen Sinn. Es ist die Vorbereitung auf Ostern, dem höchsten Fest im Kirchenjahr. Die Fastenzeit ist wichtig, spirituell sehr erfrischend und zudem höchst hilfreich, um die eigene innere Mitte (und wie man das alles nennt) zu finden.

Aber: Sie kann auch sehr nervenaufreibend sein. Ich habe meine Gedanken dazu hier in einem Beitrag für CNA Deutsch aufgeschrieben.


Zurück aus Panama!

Nach einem sehr eindrucksvollen Weltjugendtag in Panama bin ich letzte Woche wieder in Deutschland angekommen. Jetzt, da ich ein wenig Zeit hatte, um all die Eindrücke zu verarbeiten, habe ich ein kurzes Resümee geschrieben.

Von Herzen bedanke ich mich bei allen, die unsere Übertragungen so interessiert mitverfolgt haben! Danke besonders für die ehrliche Kritik. Wer immer alles gut findet, was wir machen, hat unsere Sendungen wahrscheinlich nicht gesehen… (An dieser Stelle könnte ein Zwinkersmiley stehen.)

Luft nach oben ist immer, deswegen hoffe ich, dass wir uns auch durch die Mithilfe unserer Zuschauer stetig weiterentwickeln. Wenn Sie das Bedürfnis haben Ihre Anregungen, Ihre Kritik oder gar Ihr Lob loswerden zu müssen, erreichen Sie uns im EWTN-Büro telefonisch unter 0221 / 300 619 10 oder per Email an info@ewtn.de. Vergelts´s Gott!

Auf nach Panama!

Heute fliege ich mit meinen Kollegen von EWTN nach Panama, um dort bis live von den wichtigsten Ereignissen des Weltjugendtags zu berichten. Für mich persönlich ist es nach Köln (2005), Madrid (2011) und Krakau (2016) bereits der vierte. Da ich mit jedem Jahr so langsam aus dem typischen Weltjugendtagsalter herauswachse, ist es daher nicht verkehrt, diese Chance noch einmal zu nutzen…

Ich werde versuchen neben der Arbeit vor der Kamera auch unseren Weltjugendtagsblog regelmäßig zu füttern. Auf www.panama19.de werde ich Sie auf dem Laufenden halten!

Die Sendezeiten für unsere Live-Übertragungen aus Panama finden Sie übrigens hier.

Ruhe in Frieden, Kardinal Meisner!

Am 5. Juli 2017 verstarb Joachim Kardinal Meisner. Der frühere Erzbischof von Köln hat sein Bistum geprägt wie nur wenige. Ich habe ihn – trotz aller Fehler und Schwächen – immer bewundert für seine Aufrichtigkeit. Er ist damit oft angeeckt und hat manche Menschen damit verletzt.

Hatte er sich erst mal in seinen „heiligen Zorn“ hineingesteigert, war kaum jemand vor ihm sicher. Auch ich nicht.

Ein Jahr ist nun seit seinem Tod vergangen. Kurz vor dem Weltjugendtag 2016 in Krakau hatten wir von EWTN die Möglichkeit mit ihm zu sprechen. Es war ein denkwürdiges Interview, das er mit den Worten beendete:

„Gut, und jetzt hau ich ab!“

Kardinal Meisner wird uns auch weiterhin fehlen. Ruhe in Frieden!

Hier zum Beitrag: „Gut, und jetzt hau ich ab“ – Meine letzte Begegnung mit Kardinal Meisner.

Alle Interviews mit den Trauergästen am Tag des Requiems von Kardinal Meisner gibt es hier.

 

Die gefrorene Bierdose – Eine Kunstanalyse

In Zeiten wie diesen ist es wichtig, genau die Themen wieder in den Mittelpunkt zu rücken, die die Menschen wirklich bewegen. Es muss Schluss sein mit banalem Alltagsgeplänkel und oberflächlicher Pöbelbelustigung, die lediglich auf möglichst viele Klicks und Likes aus ist.

Als seriöser Journalist nehme ich diese Aufgabe sehr ernst. Und habe deshalb etwas geschrieben.

Über eine gefrorene Bierdose.

Zu meinem Artikel bei f1rstlife.de geht es hier lang! Viel Freude damit!