Ist es uns wirklich so egal, dass Gott uns liebt?

Am Ende wollen wir doch alle nur geliebt werden. Es war ein kirchlicher Mitarbeiter, der diesen Satz sagte, während wir gemütlich beim Bier saßen. Wir sprachen über die Kirche in Deutschland, die feindselige Stimmung in den Medien, die Hexenjagd auf den ein oder anderen Kirchenvertreter. Die Zeiten sind hart und wir alle wollen nur geliebt werden, sagte mein Bekannter. „Aber wir sind doch schon geliebt“, begann ich meine Entgegnung, doch ich sprach den Satz nicht zu Ende. Zu billig wäre diese Pointe. Und überhaupt: Viel zu fromm! Oder sollte ich es doch sagen?

„Jaja“, nahm mir der bezahlte Kirchenmann schließlich die Worte aus dem Mund und lachte etwas bitter, „Jesus liebt uns alle.“ Dann schwiegen wir uns eine Weile an und schauten weiter stumm ins Glas.

Doch irgendwie war mir der Ton seiner Antwort auf den Magen geschlagen. Es fühlte sich nicht gut an, wie er das gesagt hatte. Das Gott selbst uns liebt ist eine Überzeugung, die mich schon seit langer Zeit durchs Leben trägt. Doch so, wie mein Trinkkumpane an jenem Abend diesen Satz aussprach, klang er wie eine leere Vertröstungsphrase, eine Formel, die man nur für offizielle Verlautbarungen und Hirtenbriefe verwendet, damit die frommen Schafe in den Kirchenbänken mit einem wohligen Gefühl der Glücksseligkeit hinwegdösen und weiter von der Volkskirche träumen können. Als würde er sagen: „Aber jetzt sind wir doch unter uns und sei doch mal ehrlich, hilft dir das wirklich weiter?“

Ich bin an jenem Abend nicht weiter darauf eingegangen und als ich später längst im Bett lag, ärgerte ich mich immer noch darüber. Jesus liebt uns – warum ist es so schwer geworden, einen solchen Satz auszusprechen, ohne direkt das Bedürfnis zu haben sich entschuldigen zu müssen, weil man der Welt eine solche „Lappalie“ zumutet? Wer denkt beim Satz „Jesus liebt dich“ nicht direkt an Akustik-Gitarren, Rollkragen-Pullover, Sandalen, Vanille-Duftkerzen, Spuren im Sand, geblümte Motto-Schals und „gestaltete Mitten“? Das ist zwar nur ein Cliché, aber haben wir Katholiken uns das nicht selbst eingebrockt?

Noch trauriger sind die Presseveranstaltungen der Kirche in Deutschland. Es brennt an allen Ecken, die Leute laufen davon, während Bischofsversammlungen und Zentralkomitees unverdrossen weiterverkünden:  “Von Deutschland aus werden weiter wichtige Impulse für die Weltkirche ausgehen”.

Es ist vom “Aufbruch” die Rede, den man nun endlich einmal “wagen” wolle, von einer “Weiterentwicklung der Lehre”, die, wenn man hinter die glänzende Fassade guckt, letztlich nur bedeutet, dass die Gruppierungen, die diese Formulierung wählen, schon längst kapituliert haben und selbst nicht mehr daran glauben, dass das, was Christus seiner Kirche mit auf dem Weg gab, heute überhaupt noch von Bedeutung ist. Es macht mich immer wieder fassungslos welche Arroganz und Verzweiflung darin zum Vorschein kommt, wenn Menschen die Lehre Christi für überholt halten (“heute wissen wir es besser”), und dennoch nicht ins Gewissensnöte kommen, dabei weiterhin auf der Gehaltsliste der Kirche zu stehen.

Es wird schnell zu einer Glaubensfrage. Glaube ich, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist? Glaube ich, dass er mit göttlicher Vollmacht gelebt und gepredigt hat? Glaube ich wirklich (!), dass er auferstanden ist und uns erlösen will?

Wenn ich all dies glaube: Warum sollte Gott, der die Liebe ist, uns also belügen?

Stattdessen erlebe ich kirchliche Mitarbeiter und auch Kleriker, die sich im Voraus dafür entschuldigen, überhaupt katholisch zu sein. Für sie gleicht jeder Kontakt mit den säkularen Mitmenschen einem Gang nach Canossa, einem Schrei nach (weltlicher) Liebe. Ich bin Priestern begegnet, die mich anfangs für einen coolen Jugendlichen hielten (weil ich eine Jogginghose trug) und mir direkt klar machten:

“Hey, klar bin ich katholisch, aber nicht so einer, wie du vielleicht denkst. Es gibt viele böse Menschen bei der Kirche, die in der Vergangenheit viel Böses getan haben und auch viel von dem, was die Kirche jetzt so von sich gibt, finde ich ziemlich scheiße, aber hey, sieh mich an, ich bin keiner von denen! Ich bin wie du! Lass mich doch auch cool sein!”

Bis diese Priester dann enttäuscht bemerkten, dass ich doch kein so cooler Jugendlicher bin, sondern nur selbst ein Katholik (und einfach sehr gerne Jogginghosen trage).

Und dann begann die Fastenzeit. Bischöfliche Hirtenbrief fluteten das Journalisten-Postfach mit dem Vermerk: „Mit der Bitte um Beachtung“. In salbungsvollen, weltschmerzdurchtränkten Worten wird dann ein „Klima-Fasten“ angeregt, das Abstandhalten in Corona-Zeiten als die wohl höchste Form der christlichen Nächstenliebe angepriesen oder sinngemäß versichert: „Wir sind zwar katholisch, aber trotzdem (!) gut drauf!“

Sicher – all das mag auch seine Berechtigung haben. Doch ich verstehe nicht, dass dieselben Köpfe, die diese Fasten-Hirtenbriefe ersinnen, immer noch dieselben sind, die in der Karwoche die grausame Passion Christi für die Liturgie verlesen, in der der Sohn Gottes bestialisch zu Tode gemartert wird – und das alles nur aus Liebe zu uns. Ist uns das vielleicht irgendwie peinlich?

“Selig, wer an mir keinen Anstoß nimmt.” (Matthäus 11,6)

Mich persönlich packt jedes Mal die Erschütterung, wenn die Stelle kommt, an der der aufschneiderische Petrus am Wachfeuer einknickt und behauptet, er kenne „diesen Mann“ nicht und im selben Augenblick der Hahn zu krähen beginnt. Wie oft hat sich Petrus schon in die Nesseln gesetzt! Er war einer der ersten Jünger, ist Jesus überall nachgefolgt, sogar beim Gang auf das Wasser und hat dem Sohn Gottes sogar seine Schwiegermutter vorgestellt.

Ich liebe es, mit welchem manchmal unsensiblen, aber immer aufrichtigen Talent Petrus es schafft, die großen, majestätischen Momente kaputt zu machen. “Jesus läuft über den stürmischen See? Cool, ich gehe ihm auf dem Wasser entgegen, weil ich ja sein Jünger bin und versinke dann aber, sodass der Chef mich erst einmal retten muss! Jesus wird auf dem Berg Tabor verklärt und die ganz Großen des Alten Testaments (Mose und Elija) sind dabei? Super, da muss ich doch direkt mal dazwischenrufen und den Vorschlag machen, ob wir für die hohen Herren hier oben nicht direkt einmal ein paar Immobilien hinstellen sollen!” (So läuft Petrus’ Gedankenwelt zumindest in meiner Gedankenwelt ab.)

Der Höhepunkt kommt aber erst kurz vor der schicksalshaften Nacht in Jerusalem, als der designierte Stellvertreter Christi auf Erden groß ankündigt, er wolle es nicht zulassen, dass dem Herrn ein Haar gekrümmt werde und dass er notfalls für ihn in den Tod gehen würde. Und dann das. Als es darauf ankommt, endlich einmal Farbe zu bekennen, knickt Petrus jämmerlich ein und behauptet wiederholt, er kenne Jesus nicht.

Als Petrus den Herrn zum dritten Mal verleugnete, krähte der Hahn.

Allerdings: Nicht das Großmaul wurde letztendlich zum ersten Papst und Felsen der Kirche, sondern jener Mann, der zunächst weinend davonrannte, weil er erkannt hatte, wie beschämend es ist, aus Menschenfurcht die Liebe Christi zu vergessen. Erst dann konnte Petrus dem Herrn wieder fest in die Augen sehen und aufrichtig sagen:

„Herr, du weißt, dass ich dich liebe.“

Gleich dreimal sagte er dies, fast so, als wolle er sichergehen, dass er dies niemals wieder vergisst.

Ob als Bistumsangestellter, ob als Mesner, Lektorin, als Ministrant, Bischof oder einfacher Gläubiger: Wir alle sind vergessliche Menschen. Wie ein Kind in seiner Angst oder Wut einmal vergessen kann, dass es von seinen Eltern geliebt wird, so sei es auch uns unbenommen, für einen Augenblick zu vergessen, dass es da „jemanden“ gibt, der uns bedingungslos liebt und sich dafür sogar hinrichten ließ. 

Eine aufrichtige Beichte kann in dieser Karwoche unserem Erinnerungsvermögen vielleicht wieder in die Spur helfen.

(Dieser Text erschien in leicht abgeänderter Form in der vorletzten Ausgabe des VATICAN-Magazin. Hier abonnieren!)

Kölner Missbrauchsgutachten: Kardinal Woelki entlastet, zwei weitere Bischöfe lassen Amt ruhen

Am heutigen Donnerstag wurde in Köln das lange erwartete Missbrauchsgutachten vorgestellt. Dem unabhängigen Untersuchungsbericht zufolge hat sich Kardinal Rainer Woelki selbst – der seit 2014 Erzbischof von Köln ist – keiner Pflichtverletzung schuldig gemacht. 

In einem ersten Schritt hat Woelki jedoch den Kölner Weihbischof und ehemaligen Generalvikar Dominikus Schwaderlapp sowie Günter Assenmacher von ihren Pflichten entbunden.

Am Donnerstagabend verkündete schließlich auch der Erzbischof von Hamburg, Stefan Heße, dass er dem Papst nun seinen Rücktritt anbieten wird. Heße werden insgesamt elf Pflichtverletzungen in neun Aktenvorgängen zur Last gelegt. Der ehemaligen Personalchef und Generalvikar in Köln hat laut Untersuchung insgesamt sechs Mal bei der Aufklärung und zwei Mal bei der Opferfürsorge sowie drei Mal bei der Meldung nicht korrekt gehandelt. Keine der Pflichtverletzungen habe zu einer Strafvereitelung geführt, so Professor Björn Gercke.

Die Pressekonferenz: Vorstellung des Gutachtens, erste Konsequenzen

Die Pressekonferenz begann um 10.00 Uhr im Maternushaus. Der katholische Fernsehsender EWTN.TV übertrug die Pressekonferenz in Kooperation mit dem Kölner “Domradio” komplett und hat mich eingeladen, gemeinsam mit dem Berliner Rechtsanwalt und Krisenkommunikationsberater Richard Schütze in der anschließenden Gesprächsrunde eine erste Einordnung der Geschehnisse zu versuchen.

Die Aufzeichnung der Sendung finden Sie hier.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Pressekonferenz selbst habe ich mit meinem Kollegen Anian Christoph Wimmer in diesem Artikel für CNA Deutsch zusammengefasst.

Weihbischof Schwaderlapp bietet Amtsverzicht an

Noch gegen Ende der Pressekonferenz hat Kardinal Rainer Maria Woelki bereits zwei wichtige Personal-Entscheidungen verkündet. Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und Offizial Günter Assenmacher werden mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres von ihren Aufgaben entbunden.

Offizial Günter Assenmacher ist dabei besonders in den Fokus geraten. Assenmacher sah “seine Rolle als eher reaktiv an”, heißt es in der Begründung. In 24 Aktenvorgängen sei “mindestens ein eindeutiger Pflichtverstoß festzustellen”. Es sei jedoch nicht immer eindeutig gewesen, ob das Fehlverhalten aufgrund eines Irrtums zustande gekommen sei, oder bewusst.

Wie Schwaderlapp in seiner Stellungnahme schreibt, habe er in seiner Zeit als Generalvikar des Erzbistums von 2004 bis 2012 auch Fehler gemacht. Schwaderlapp wörtlich:

“Das betrifft zum einen meine Pflicht, zu kontrollieren und Aufsicht auszuüben. So fiel es auch in meine Verantwortung zu überprüfen, ob Missbrauchsfälle der Ordnung entsprechend nach Rom gemeldet wurden. Tiefer noch beschämt mich, zu wenig beachtet zu haben, wie verletzte Menschen empfinden, was sie brauchen und wie ihnen die Kirche begegnen muss. Das ist ein Versagen als Seelsorger und als Mensch.”

Gleichzeit räumt das Gutachten auf den Seiten 716 und 717 dem damaligen Generalvikar auch entlastende Momente ein. Dort heißt es:

“Zugute zu halten ist Generalvikar Dr. Schwaderlapp, dass die Rechtslage, insbesondere hinsichtlich der Meldepflicht an die Glaubenskongregation in Rom, teilweise unklar war und eine Stelle, die verlässlich Rechtsauskunft in den einschlägigen kirchenrechtlichen Fragen erteilt oder sonst auf die sich aus den kanonischen Vorschriften ergebenden Pflichten hingewiesen hätte, nicht existierte. In diesem Zusammenhang ist positiv zu erwähnen, dass Herr Dr. Schwaderlapp um eine korrekte Fallbehandlung bemüht war und aus diesem Grunde ein „informelles Gremium“ ins Leben rief, um dort verschiedene Beteiligte zur bestmöglichen Fallbearbeitung an einen Tisch zu bringen. Hier verließ er sich auf den teilweise unzureichenden Rechtsrat des Offizials Dr. Assenmacher und der Justitiarin. Darüber hinaus war er zwar als Generalvikar wie auch der Diözesanbischof Ordinarius, hatte jedoch innerhalb des Verhältnisses zum Erzbischof eine klar untergeordnete Position inne und hätte Dekrete nur im Einvernehmen mit dem Erzbischof hätte erlassen können.Schließlich ist als entlastendes Moment zu berücksichtigen, dass in die Amtszeit von Herrn Dr. Schwaderlapp jenes Jahr 2010 fiel, als schlagartig eine regelrechte „Flut“ an Missbrauchsmeldungen über das Erzbistum Köln hereinbrach und die Verantwortungsträger mit einer neuen Dimension des Problems konfrontierte.”

Die genauen Hintergründe und auch die Verlinkung zum Original-Statement von Weihbischof Schwaderlapp finden Sie hier.

Kardinal Woelki im Interview mit CNA Deutsch

“Wir hatten leider keine Alternative zu der Entscheidung, ein zweites Gutachten in Auftrag zu geben, denn wir benötigen eine methodisch saubere und tragfähige Grundlage” – dies sagte heute Kardinal Woelki in einem Exklusiv-Interview, das er unserer Nachrichtenagentur CNA Deutsch gegeben hat.

Das komplette Interview finden Sie hier.

Hamburgs Erzbischof Stefan Heße bietet seinen Amtsverzicht an

Den vorerst letzten Paukenschlag gab es schließlich am Abend dieses denkwürdigen Donnerstags. Um 17.15 Uhr trat der Hamburger Erzbischof Stefan Heße vor die Kameras und kündigte an, sein Amt zur Verfügung zu stellen.

“Ich habe mich nie an Vertuschung beteiligt”, so Heße. “Ich bin dennoch bereit, meinen Teil der Verantwortung für das Versagen des Systems zu tragen.”

Und weiter:

“Um Schaden vom Amt des Erzbischofs sowie vom Erzbistum Hamburg abzuwenden biete ich Papst Franziskus meinen Amtsverzicht an und bitte ihn um die sofortige Entbindung von meinen Aufgaben.”

Den vollständigen Bericht dazu finden Sie hier.

Die weiteren Entwicklungen werden wir von CNA Deutsch selbstverständlich im Blick behalten. Vielleicht lohnt es sich daher auch für Sie, regelmäßige unsere Nachrichtenseite www.CNAdeutsch.de im Auge zu behalten…

Der “synodale Weg” – Mein Zwischenfazit

Seit einem Jahr beschäftigt der sogenannte “synodale Weg” die Berichterstatter – zumindest hauptsächlich jene, die für katholische Medien arbeiten. Vieles wurde geschrieben (auch von mir für CNA Deutsch), viele Erwartungen wurden geweckt und enttäuscht. Wie hat sich dieses fast schon einzigartige Projekt entwickelt? Welche Streitpunkte stehen noch immer im Raum? Was ist das Ziel des “synodalen Weges”?

Mit Silvio, der den Blog “CatholicaGermanica” betreibt, habe ich ein Zwischenfazit gezogen. Den Podcast-Beitrag finden Sie hier auf Spotify.

Eine Windschutzscheibe für die Apokalypse

Als ich in der Silvesternacht des Jahres 2019 in Köln am Rheinufer stand und Schwarzpulverrauch einatmete, dachte ich an alles Mögliche, doch keineswegs daran, dass eine chinesische Fledermaus im kommenden Jahr den halben Erdball lahmlegen sollte. Zu diesem Zeitpunkt war meine größte Sorge, dass es mit dem Klassenerhalt für Werder Bremen noch einmal richtig eng werden könnte (was sich ja auch bewahrheitet hat). Ansonsten schien 2020 ein gutes Jahr zu werden, schließlich hatte ich große Pläne.

Zwei wichtige Lebensentscheidungen standen an. Zum einen war da die Sache mit meinem Auto. Ich fahre immer noch mein erstes, eigenes Auto, einen alten Opel Astra. Die Roststellen haben im Lauf der Jahre zugenommen, kleinere und größere Macken haben sich dazugesellt. Die Klimaanlage geht schon seit drei Jahren nicht mehr, mein Bruder, der im Hauptberuf Kfz-Mechaniker ist, meinte damals, eine Reparatur würde sich nicht lohnen, weil die Kiste eh nicht mehr lange durchhalten würde. Dann bekam meine Windschutzscheibe einige Steinschläge ab und schließlich zeigte sich auch ein erster, größerer Riss. Wochenlang fuhr ich damit weiter durch die Gegend, bei jedem Schlagloch, bei jeder Gehsteigkante hatte ich Angst, die Scheibe würde endgültig reißen. Lange würde das nicht gutgehen, eine neue Scheibe musste her.

Aber lohnte sich das überhaupt?

Währenddessen breitete sich das Corona-Virus weiter aus und schränkte mein Leben mehr ein, als ich zuerst erwartet hatte. Ich erlebte, wie sich um mich herum das Gefühl breitmachte, das Ende aller Zeiten stünde unmittelbar bevor.

Auch der Glaube, der Dreh- und Angelpunkt meines Lebens, veränderte sich. Ich konnte nicht mehr so ohne Weiteres in die Kirche gehen, teilweise hatten diese Orte des Rückzugs, der Einkehr und der Gottesbegegnung komplett geschlossen. Wenn ich durch die Straßen ging, sah ich verrammelte Ladentüren, kahle Bäume im Nebelkleid, Menschen, die ihre Gesichter hinter Masken verbargen und aus Angst den Kontakt zu ihren Artgenossen mieden. In den Medien häuften sich die Katastrophenmeldungen, und die Kirche, das einst so mächtige Schlachtschiff in den Stürmen dieser Zeit, hatte durch die verheerenden Missbrauchsenthüllungen schwere Schlagseite bekommen.

All das konnte nur eines bedeuten: Die Apokalypse kommt. Das Ende aller Zeiten, der Beginn der Ewigkeit. Warum nicht, dachte ich, wird höchste Zeit für die Wiederkunft Christi. Bei allem Respekt, aber hat Gott sich diesen Schlamassel nicht schon lange genug angesehen? Jetzt nur noch irgendwie durchhalten, bis es vorbei ist. Doch das Ende kam nicht.

Und so traf ich in diesem Jahr gleich zwei wichtige Entscheidungen. Zuerst überredete ich meinen Bruder, mir eine neue Frontscheibe zu besorgen. Mein alter Opel wird es wohl noch eine Weile tun müssen. Falls übermorgen dann doch die apokalyptischen Reiter über diesen Erdball hinwegfegen und es Feuer und Schwefel regnen wird, so hätte ich vom Fahrersitz aus wenigstens eine klare Sicht.

Meine zweite Lebensentscheidung im Jahr 2020 war noch gravierender. Anfang Mai, mitten im ersten Höhepunkt der Pandemie, stand ich vor dem Traualtar und gab der Liebe meines Lebens das Ja-Wort.

Die Umstände hatten all unsere detaillieren Planungen über den Haufen geworfen, die große Feier musste ausfallen und die Flitterwochen fanden nur auf dem heimischen Balkon statt. Doch als wir uns vor Gottes Angesicht die Ringe ansteckten und uns gegenseitig versprachen, gemeinsam bis ans Ende unserer Tage füreinander da zu sein, war das alles egal. Ich musste auch an die mahnenden Worte von Paulus denken, der den Korinthern einst den Rat gab:

„Jeder soll vor Gott in dem Stand bleiben, in dem ihn der Ruf Gottes getroffen hat.“ Wer unverheiratet ist, soll besser unverheiratet bleiben „wegen der bevorstehenden Not“. Wer dennoch heiratet, der sündige zwar nicht, wird jedoch auch „Bedrängnis erfahren“ in seinem irdischen Dasein (1. Korinther 7,24 ff.).

Der Ehering an meinem Finger und auch die nagelneue Windschutzscheibe in meinem Opel Astra erinnern mich allerdings jeden Morgen daran, dass das Ende noch nicht gekommen ist. Für das kommende Jahr überlege ich sogar, nun auch die Klimaanlage in meinem Auto reparieren zu lassen.

Selbst für den Fall, dass bis dahin doch noch die Apokalypse kommt. Dann könnte es ganz schön heiß werden. Besser, man ist darauf vorbereitet.

(Dieser Text erschien so oder in ähnlicher Form in der Weihnachtsausgabe des VATICAN-Magazin. Hier abonnieren!)

Wie man sich Weihnachten ordentlich versauen kann

Wie jedes Jahr kommt das Weihnachtsfest immer total überraschend um die Ecke. Durch das Corona-Virus (ja, ich kann es auch nicht mehr hören) wird in diesem Jahr vermutlich Vieles anders ablaufen als sonst. Trotzdem bleiben einige Abläufe und Rituale unverändert.

Wie Sie sich das Weihnachtsfest ordentlich versauen können, habe ich vor zwei Jahren mal für die katholische Wochenzeitung “Die Tagespost” aufgeschrieben. Sie können es hier gerne nachlesen.

Und frohe Festtage, übrigens!

“Jesus hätte…”

Weihnachten ist die Zeit, in der viele Menschen, die sich das ganze Jahr über kaum um Jesus Christus kümmern, auf einmal mit krassen “Jesus hätte…”-Hypothesen um die Ecke kommen.

Hier eine Auswahl an Behauptungen, die ich dieser Tage gehört habe:

Jesus hätte… 

  • …seine Oma nicht besucht
  • …die Grünen gewählt
  • …die Grünen nicht *mehr* gewählt
  • …eine Maske getragen
  • …niemals eine Maske getragen
  • …sich sein Geschlecht ausgesucht, wenn es *damals* möglich gewesen wäre
  • …sich impfen lassen.

Wirklich sicher wissen wir nur:

Jesus hat…

  • …Sünden vergeben
  • …Kranke geheilt
  • …Pharisäern die Leviten gelesen
  • …die Armen und Schwachen nicht im Stich gelassen
  • …Heuchlern Konsequenzen angedroht
  • …sich für uns hingegeben, damit auch du erlöst wirst.

Alles andere ist im Zweifelsfall Bullshit.

Der “Marsch für das Leben” 2020: Ein Zeichen für den Lebensschutz unter Corona-Bedingungen

In diesem Jahr war alles anders. Das kleine Corona-Virus hat Großveranstaltungen aller Art durcheinander gewirbelt und so auch den jährlich stattfindenden “Marsch für das Leben” erwischt. Waren es im letzten Jahr noch 8.000 Teilnehmer, konnten 2020 aufgrund der Hygienebestimmungen deutlich weniger daran teilnehmen. Etwa 3.500 Lebensschützer aus dem deutschsprachigen Raum fanden sich schließlich in Berlin ein.

Doch immerhin: Weil der Veranstalter – der Bundesverband Lebensrecht – und seine Ordner darauf achteten, dass die Maßnahmen eingehalten wurden, konnte der Marsch für das Leben trotzdem stattfinden.

Gemeinsam mit Angelika Doose, die bereits im letzten Jahr als Co-Moderatorin dabei war, berichteten wir für den katholischen Fernsehsender EWTN.TV direkt von der Veranstaltung vor dem Brandenburger Tor. Wir waren bereits eine halbe Stunde lang vor der Kundgebung live auf Sendung und besprachen dabei unter anderem den Film “Unplanned”, der bereits vor seiner Deutschlandpremiere für Furore gesorgt hat.

Besonders schön: Weihbischof Florian Wörner aus Augsburg war ebenfalls nach Berlin gereist und erreichte unser Set etwa zehn Minuten vor Beginn der Kundgebung, während wir gerade noch unseren Vorbericht machten. Wir holten ihn in die Sendung dazu und der engagierte Weihbischof erzählte uns von seinem Traum, dass beim Marsch für das Leben irgendwann einmal die komplette Bischofskonferenz präsent ist.

Nach der Kundgebung begann der Marsch durch die Innenstadt Berlins. Gegen 15.00 Uhr sendeten wir noch einmal eine halbe Stunde lang live aus Berlin. Mit Angelika sprach ich dabei über die aktuelle Abtreibungsstatistik und den Herausforderungen in der Schwangerschaftskonfliktberatung. Zu guter Letzt hielt auch der Programmdirektor von EWTN Deutschland, Martin Rothweiler, ein flammendes Statement für den Lebensschutz.

Meinen Bericht über den Marsch für das Leben finden Sie hier.

Die Aufzeichnung unserer Live-Übertragung gibt es hier.

Der Live-Mitschnitt von EWTN.TV vom diesjährigen Marsch für das Leben in Berlin.

NEUER ARTIKEL: Kein Personenkult

Vor zwei Wochen hat Mama mir dieses Foto geschickt: Die aktuelle Ausgabe der katholischen Wochenzeitung, aufgeschlagen auf Seite 19, wo mein jüngster Artikel abgedruckt ist. Ich bin sehr stolz auf Mama, immerhin hat sie das Foto a) eigenhändig geschossen und b) selbstständig per Email verschicken können. Zwar war das Foto ursprünglich auf dem Kopf, aber immerhin hat sie geniale Instagram-Influencer-Skills bewiesen, indem sie geschickt ihre Kaffeetasse und im Anschnitt die Kaffeekanne am Rand des Bildes platziert hat. Respekt!

Das Thema meines neuen Artikels ist allerdings ziemlich ernst. Ich habe mich mit dem ungesunden Personenkult innerhalb der Kirche beschäftigt. Gerade im Zuge der Missbrauchskrise wurde noch einmal deutlich, dass viele Verbrechen erst dann möglich waren, weil um manche Führungspersönlichkeiten ein geradezu aberwitziger Kult entstanden ist, der letztlich zu einer folgenschweren Betriebsblindheit führte.

Ich selbst habe gewisse Ausprägungen dieses Mechanismus kennengelernt, als ich in meiner Teenie-Zeit Teil einer Jugendgruppe der Legionäre Christi gewesen bin. Diese Priesterkongregation, aus der auch die Laienbewegung des Regnum Christi entstanden ist, steckt in einer schweren Krise, seit bekannt geworden ist, dass ihr Gründer ein mehrfacher Missbrauchstäter gewesen ist.

In meinem Artikel habe ich über diese Erfahrungen geschrieben und über die Lehren, die ich persönlich daraus gezogen habe. Den Text gibt es mittlerweile auch hier online.

Wochenrückblick: Pater Kentenich doch nicht rehabilitiert | Krise der Theologie in Deutschland

Es gibt eine neue Wende im Fall um den unter Missbrauchsverdacht stehenden Gründer der Schönstatt-Bewegung, Pater Josef Kentenich. Wie am letzten Montag bekannt wurde, wurde der frühere Pallottiner-Priester nicht wie bisher behauptet nach seinem Exil in den USA vom Vatikan rehabilitiert. Im Gegenteil: Ein  nun aufgetauchter Brief aus dem Jahr 1982 belegt, dass “keine der früheren Entscheidungen des Heiligen Offiziums, die die Lehre, Tätigkeit und Person P. Kentenichs betreffen, annulliert” worden seien.

Der Autor dieses Dokuments ist kein Geringerer als der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI. 

Ratzinger schreibt, dass Kentenich “ohne Erlaubnis der Kongregation, sondern auf Grund eines fehlinterpretierten Telegrammes” sein Exil unterbrochen habe und nach Rom gekommen sei. Weiter sei man “nicht der Meinung” (…), dass die Beanstandungen, die der Apostolische Visitator seinerzeit an Lehre und Tätigkeit P. Kentenichs machte, ein bedauerlicher Irrtum gewesen seien und auf falschen Informationen beruhten”.

Im Schreiben heißt es auch, dass die Glaubenskongregation zwar ihre Zustimmung gab, dass der Schönstatt-Gründer als Priester im Bistum Münster inkardiniert wird, nachdem er den Pallottiner-Orden verlassen hatte. Gleichzeitig sei jedoch die Bedingung gewesen, „dass P. Kentenich nicht in das Säkularinstitut der Schönstattpriester eintreten und nicht die Leitung des Schönstattwerkes übernehmen dürfe.”

Theologen-Mangel in Deutschland?

Neben dem Priestermangel herrscht in Deutschland auch ein Theologen-Mangel. Das zumindest behauptet ein Artikel der KNA, der Anfang dieser Woche erschienen ist. Demnach studierten 2018/19 insgesamt 18.251 Studenten Theologie. Gerade mal ein Zehntel davon im Vollstudium, bei den Übrigen ist die theologische Ausbildung lediglich Teil eines Lehramtsstudiums.

Dass sich die Theologie in Deutschland in einer Krise befindet, diese These vertritt der deutsche Universitätsprofessor Ulrich Lehner, der in den USA an der Universität von Notre Dame im Bundesstaat Indiana lehrt.

“Ich habe viele Berufungen in Deutschland verfolgt und kann nur sagen: Akademisches Mittelmaß wird immer Mittelmaß berufen”, so Lehner. Eine “Handvoll Professoren” platziere seiner Ansicht nach ihre Schüler in den entsprechenden Posten, “gleich welche Schwächen sie haben”. Dabei falle auf, dass “vor allem diejenigen, die kirchentreu sind, nie zum Zuge kommen, weil man sie vorher aussortiert”.

Die deutsche Theologie sei nicht mehr das, was sie vor 25 Jahren war, beklagt Lehner. Anders als damals habe sie heute keine weltweite Ausstrahlung mehr.

Als Beleg dafür führt der Professor an, dass es kaum noch Übersetzungen von deutschsprachigen theologischen Arbeiten ins Englische, Französische oder Spanische gebe. Umgekehrt werde die weltweite Forschung in Deutschland “erstaunlich wenig wahrgenommen”. Dadurch sei man von der internationalen Forschung weitgehend abgeschnitten, so der Wissenschaftler. Innerhalb der deutschen Forschung zitiere man hingegen überwiegend deutschsprachige Veröffentlichungen. 

Unabhängig der verhältnismäßig geringen Anzahl an “Volltheologen” gibt es in Deutschland immer noch viele Orte, an denen Theologie gelehrt wird. Insgesamt 19 Katholisch-Theologische Fakultäten und Hochschulen, mehr als 30 Institute und Lehrstühle für Katholische Theologie/Religion, verschiedene Forschungs- und Studieneinrichtungen, drei Hochschulen mit dem Fachhochschulstudiengang “Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit” sowie die Kirchliche Arbeitsstelle für Fernstudien “Theologie im Fernkurs” zählt das Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz auf.

Allerdings: Der “Output” bleibt gering. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wurden 2019 gerade einmal acht Personen in katholischer Theologie habilitiert. Ulrich Lehner sagte gegenüber CNA Deutsch wörtlich:

“Die inzwischen leider festzustellende wissenschaftliche Mittelmäßigkeit deutscher Theologie – mit Ausnahmen – rechtfertigt ebensowenig die Anzahl der Fakultäten wie die geringe Anzahl von Diplomstudenten. Sie aufrecht zu erhalten, gleicht einer Verharrung auf anno dazumal erkämpften Privilegien.”

Heute erschien bei CNA Deutsch auch mein Interview mit dem Pastoraltheologen Andreas Wollbold aus München, der für uns die Lage der Theologie in Deutschland analysierte. Das komplette Interview finden Sie hier.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

Wochenrückblick: Noch immer Beschwerden über “Pfarrei-Instruktion”, Warnung vor Instrumentalisierung des Missbrauchs beim “Synodalen Weg”

Es ist nun über eine Woche her, als der Vatikan seine Pfarrei-Instruktion veröffentlicht hat. Zur Erinnerung: Sie richtet sich an alle Pfarreien der Weltkirche und ruft dazu auf, die Missionierung, die Neuevangelisierung zur obersten Priorität der Pfarreienarbeit zu machen. Doch nicht nur das: Die Instruktion erinnert auch daran, dass die Leitung einer Pfarrei immer einem geweihten Priester vorbehalten sein muss. Dies ist bereits im Kirchenrecht so festgelegt.

Doch gerade dieser Punkt sorgt vor allem im deutschsprachigen Raum für Protest. Bereits vergangene Woche trudelten fast täglich neue bischöfliche Verlautbarungen ein, in denen beispielsweise die Bischöfe aus Trier, Mainz, Osnabrück oder Würzburg ihre Verägerung über die Anweisung aus Rom zum Ausdruck brachten, während unter anderem aus Köln und Eichstätt Zustimmung zu hören war.

Wie CNA Deutsch nun berichtet hat, soll der Vatikan nun aber Gespräche angeboten haben. Wenn die deutschen Bischöfe es wünschten, könnten sie „zu gegebener Zeit“ nach Rom kommen, um dort in einem Gesprach die – so wörtlich – “Zweifel und Verblüffung zu beseitigen”.

Als erster Schweizer Bischof hat sich nun auch der Baseler Bischof Felix Gmür zur Instruktion geäußert.  “Dass die Pfarrei so sehr auf den Pfarrer zentriert gesehen wird, entspricht nicht unserer Wirklichkeit”, schreibt der Bischof in einem Brief an alle Mitarbeiter, das sei vielmehr “theologisch defizitär und klerikalistisch verengt”. Er deutet in seinem Schreiben bereits an, die Vorgaben nicht umsetzen zu wollen. “Für uns”, so Gmür, seien stattdessen “diözesane Normen sowie staatliche und staatskirchenrechtliche Vorgaben wichtig”.

Instrumentalisierung des Missbrauchs bei “Synodalem Weg”?

Intensiv auseinandergesetzt hat sich jetzt auch die Theologin Katharina Westerhorstmann mit der Grundausrichtung des sogenannten „Synodalen Wegs“ in Deutschland. Wie Sie wahrscheinlich wissen, wurde von Anfang an betont, dass dieser sogenannte „Reformprozess“ als Reaktion auf den Missbrauchsskandal der Kirche in Deutschland ins Leben gerufen wurde.

In einem Beitrag für die “Herder-Korrespondenz” hat die Theologin nun kritisiert, dass die Missbrauchsfälle teilweise instrumentalisiert würden, um eine Aufweichung der katholischen Sexualmoral zu erreichen. Dies sei, wie Westerhorstmann darlegt, jedoch unredlich.

In der Diskussion werde “immer wieder (…) zu allgemein auf ‘wissenschaftliche Erkenntnisse’ oder die Humanwissenschaften” verwiesen, so die Theologin.

Dass auch die Sexualwissenschaft und die Sexualmedizin häufig als Referenzquelle herangezogen werden, sieht sie äußerst kritisch, da diese – Zitat – “wegen ihrer ambivalenten Geschichte gerade nicht zu den verlässlichen Partnern im Einsatz gegen Pädokriminalität und Missbrauch” gehörten.

Katharina Westerhorstmann nimmt übrigens selbst am “Synodalen Weg” teil. Dort ist sie unter anderem Teil des Synodalforums zur Sexualmoral, das den Titel trägt “Leben in gelingenden Beziehungen” .

In ihrem Beitrag mahnt sie an, dass der innerkirchliche Diskurs beim “Synodalen Weg” an Aufrichtigkeit gewinnen würde, wenn die Missbrauchsfälle nicht zum Vorwand der Liberalisierung instrumentalisiert würden. Westerhorstmann dazu wörtlich:

“Anstatt sich auf die Anerkennung von außerehelichen Geschlechtsbeziehungen, Selbstbefriedigung, homosexuellen Handlungen, künstlicher Empfängnisverhütung und die Kommunionszulassung zivil verheirateter Geschiedener zu konzentrieren, sollte man verstärkt Missbrauchsfälle mit Missbrauchsfällen vergleichen, wie es etwa die Unabhängige Kommission der Bundesregierung tut.“

Insgesamt sei bei der Beurteilung der Sexualmoral der Kirche “ein Ansatz der Kontinuität und nicht des Bruchs” gefragt. Eine gesund gelebte Sexualität nach kirchlichen Vorgaben oder der Verzicht auf “das Ausleben derselben” sei daher keineswegs “toxisch, sondern möglich”, so Westerhorstmann. 

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

Was soll die neue “Pfarrei-Instruktion” eigentlich?

In der jüngeren Vergangenheit hat der Papst seinen Blick immer wieder nach Deutschland gerichtet. Erst im letzten Jahr hat Papst Franziskus mit seinem Brief „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ die deutschen Katholiken aufgefordert, missionarischer zu werden und sich nicht in Strukturdebatten zu verzetteln. Während die Reaktionen auf diesen Brief noch relativ verhalten ausfielen, ist das beim neuen Schreiben aus dem Vatikan ganz anders.

Am Montag hat die Kleruskongregation Instruktionen vorgestellt, die alle Pfarreien in der gesamten Weltkirche betreffen (und nicht nur die deutschen Diözesen). Ein Großteil der deutschen Bischöfe hat darauf mit scharfer Kritik reagiert.

Doch worum geht es eigentlich in dem Schreiben, das den Titel trägt: „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche”

Mein Kollege Anian Christoph Wimmer, Chefredakteur von CNA Deutsch, hat die wichtigsten Punkte einmal zusammengefasst. Seine Übersicht finden sie hier.

Wochenrückblick: Kirchenaustritt als Ausdruck der Religionsfreiheit

Was unterscheidet die Katholische Kirche eigentlich von einer Sekte? Nun, zum einen hat die Kirche durch ihren Gründer – Jesus Christus – die Gewissheit, dass sie niemals untergehen wird, egal, wie hart die Zeiten sind oder noch werden, weil sie der Wahrheit dient. 

Zum anderen kann jeder Mensch Teil der Kirche werden, ohne besondere Leistungen vollbringen zu müssen. Genauso gut kann man die amtliche Mitgliedschaft jederzeit beenden. Das nennt man Religionsfreiheit.

Diesen Punkt hat auch der ehemalige Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, noch einmal in Erinnerung gerufen. In einem Interview beklagte der Erzbischof von Wien die gestiegenen Austrittszahlen in Österreich. Dort nämlich ist die Zahl der Kirchenaustritte im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um 14,9 Prozent angestiegen. Insgesamt 67.583 Personen traten letztes Jahr aus der Katholischen Kirche aus.

Schönborn bedauert die hohen Zahlen, sagte jedoch auch:

“Das ist ein Teil der Religionsfreiheit. Wir sind keine Zwangsgemeinschaft. Das ist die Freiheit, die Gott uns gegeben hat.”

Keine Priesterweihe: Keine Katastrophe?

Die Krise zeigt sich im deutschsprachigen Raum jedoch nicht nur anhand der Kirchenaustritte. Auch die Zahl der Priesterweihen geht zurück. Der Bischof von Augsburg, Bertram Meier, hat kürzlich in einem Interview gesagt, dass er „natürlich sehr enttäuscht” sei, wenn es irgendwann mal ein Jahr lang mal keine Priesterweihe in seinem Bistum geben sollte, jedoch sei dies “keine Katastrophe”.

„Es gab in der Kirchengeschichte immer schon Phasen, in denen die Kirche angezählt wurde“, sagte er wörtlich. „Doch Totgesagte leben am längsten.”

Risikobehaftet sieht Meier jedoch die Umstrukturierungen, die derzeit in vielen Bistümern angedacht werden. Auch Augsburg ist davon betroffen. Die vielen kleinen Pfarreien sollen vermehrt zu XXL-Pfarreien zusammengeschlossen werden.

XXL-Pfarreien in Freiburg beschlossene Sache

Für Aufsehen hat über viele Monate hinweg der Vorstoß des Trierer Bischofs Stephan Ackermann gesorgt. Die insgesamt fast 900 Pfarreien der Diözese Trier sollten zu 35 Großraumpfarreien zusammengeschmolzen werden und Leitungsteams unterstellt werden, in denen der Priester nur eine nebengeordnete Rolle spielt.

Dies hat natürlich nicht nur innerhalb des Bistums Widerstand gesorgt. Rom selbst hat sich eingeschaltet und nach einer längeren Überprüfung schließlich festgestellt, dass die Pläne von Bischof Ackermann in der Form nicht umgesetzt werden dürfen.

Ein ähnliches Schicksal könnte auch den Reformplänen des Freiburger Erzbischofs Stephan Burger blühen. Auch er plant sein Bistum radikal umzustrukturieren. Gleich 1.000 Pfarreien möchte er auf lediglich 40 XXL-Pfarreien zusammenschrumpfen, die sich dann über das gesamte Bistumsgebiet verteilen (hier der ausführliche Bericht bei CNA Deutsch). 

Die Leitung dieser Pfarreien soll jedoch weiterhin von Priestern ausgeübt werden.

Auch wenn Laien künftig mehr in “pastorale Aufgabenfelder” eingebunden werden sollen, ist eine Übertragung der “Hirtensorge” auf Laien kirchenrechtlich nicht gegeben. Dazu hält das Erzbistum wörtlich fest:

“Aufgrund des Kirchenrechts kann eine Pfarrei nur durch einen Priester geleitet werden. Weitere Formen der Leitung, die das Kirchenrecht vorsieht, sind letztlich keine Formen der Gemeindeleitung, sondern pastorale Notstandsregelungen. In konsequenter Anwendung des Kirchenrechts bestimmt die Zahl der zur Verfügung stehenden Pfarrer die Zahl der Pfarreien, sofern man keine ‘Mitverwaltung’ möchte. Dies hat der Erzbischof ausgeschlossen.”

Die XXL-Pfarreien sind jedoch nach Aussage von Erzbischof Burger längst beschlossene Sache. “Am Faktum der Bildung von etwa 40 Pfarreien wird kein Weg vorbeiführen“, schreibt das Erzbistum wörtlich.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

NEUER ARTIKEL: Der Standhafte

Joachim Kardinal Meisner war bekannt für seine Frömmigkeit, seine Geradlinigkeit und für seine kernigen Sprüche. All dies kommt noch einmal zusammen, wenn man die kürzlich erschienenen Memoiren des verstorbenen Kardinals liest. “Wer sich anpasst, kann gleich einpacken”, so lautet der Titel seiner Lebenserinnerungen und kaum ein Satz hätte die Lebenseinstellung des geborenen Schlesiers wohl besser auf den Punkt gebracht.

Für die katholische Wochenzeitung “DIE TAGESPOST” habe ich eine Rezension verfasst, die in der letzten Ausgabe erschienen ist und nun hier auch online veröffentlicht wurde.

Die Journalistin Gudrun Schmidt hat sich vor dem Tod Meisners mehrfach mit dem Kardinal getroffen, um dessen Erinnerungen aufzuschreiben. Er habe anschließend noch einmal drüber gelesen und seine Anmerkungen gemacht, bis er den finalen Text für gut befunden habe, so Schmidt. Nach seinem Tod sollte das Buch dann erst erscheinen, nicht zu früh, aber auch nicht zu spät – so hatte es der Kardinal verfügt.

Auch wenn seine Zeit als Erzbischof von Köln im Vergleich zur Jugend Meisners oder seine Amtszeit als Bischof von Berlin eher kurz abgehandelt wird, lässt sich das Buch gut lesen. Auch der Ton des Kardinals ist erstaunlich gut getroffen. Bei so mancher Anekdote sieht man ihn direkt vor sich, ob es die Begegnung mit Angela Merkel in Köln oder mit Erich Honecker in Berlin ist.

In einem Interview, das ich kürzlich für EWTN.TV mit dem Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp führte, sprach dieser immer wieder vom Humor Meisners. Auch dieser Charakterzug kommt bei aller Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit – teils ohne Rücksicht auf Verluste – bei den Memoiren immer wieder durch.

Letztendlich kann ich das Buch trotz kleiner Schwächen empfehlen. Wer mehr wissen will, lese jedoch zunächst mal meine Rezension bei der “TAGSPOST”

Als Weihbischof Schwaderlapp die Klappe hielt

Kennen Sie ‘Papa Ante Portas’? Nicht? Wie, nur vom Namen her? Das geht ja gar nicht! Sie müssen den Film unbedingt mal sehen!” – Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp war ob meiner kulturellen Wissenslücke einigermaßen entsetzt. Meine Kollegen waren gerade dabei, sein Wohnzimmer in ein kleines Fernsehstudio umzuwandeln. Drei Tage lang sollten wir für den katholischen Fernsehsender EWTN.TV dort eine neue Serie aufnehmen. Und jetzt kannte dieser Typ, der ihn interviewen sollte, nicht einmal diesen Film-Klassiker von Loriot?

Schwaderlapp war Wochen zuvor von sich aus auf uns zugekommen. Eine Art “Grundkurs des Glaubens” wolle er auf die Beine stellen, eine Serie, die die grundsätzlichen Fragen des katholischen Glaubens behandle. Es war für uns die Gelegenheit, drei Jahre nach der letzten Staffel mit dem Passauer Bischof Stefan Oster eine neue Staffel von “Rudolf will’s wissen” zu drehen.

Sieht aus wie “Der Pate”, war aber ausgesprochen liebenswürdig, offenherzig und humorvoll: Weihbischof Dominikus Schwaderlapp hat sich für uns viel Zeit genommen und als Drehort sogar drei Tage lang sein Wohnzimmer zur Verfügung gestellt.

Der Weihbischof und ich hatten beschlossen, uns am Glaubensbekenntnis zu orientieren. Schließlich ist darin ja alles enthalten, was die Katholische Kirche glaubt. Satz für Satz wollten wir das Credo besprechen.

“Ich glaube an Gott, den Vater…” – so beginnt das Glaubensbekenntnis. Woher will man eigentlich wissen, dass es nur einen Gott gibt? Dass unser Gott der richtige ist? Warum ist Gott “Vater”? Warum “Vater” und nicht “Mutter”?

Diese und weitere Fragen haben wir besprochen und im Nu war die erste Folge schon im Kasten.

Am Ende haben wir vom 6. bis zum 8. Juli innerhalb von drei Tagen 14 Folgen mit jeweils 25 Minuten gedreht. Ich selbst habe die Gespräche mit Weihbischof Schwaderlapp als sehr kurzweilig, aufschlussreich und spannend empfunden. Ich bin als Kind wie selbstverständlich mit dem Glauben aufgewachsen und doch gab es noch Fragen, die ich immer mal stellen wollte. Viele Fragen, mit denen ich außerdem von Freunden und Bekannten im Alltag konfrontiert werde, sind ebenfalls in unsere Serie mit eingeflossen. Es war erstaunlich, wie gut vorbereitet und verständlich Schwaderlapp auf jede einzelne eingegangen ist. Letztlich war diese TV-Produktion für mich wie ein Crashkurs der Theologie und eine Art von geistlichen Exerzitien.

Jetzt steht jedoch erst einmal die Postproduktion an. Ich beneide meinen Kollegen nicht, der die ganzen Folgen nun schneiden und “fernsehfertig” machen darf. Anfang November 2020 soll die komplette Staffel dann bei EWTN.TV anlaufen – sowohl im regulären TV-Programm, als auch über den Internet-Livestream. Ich bin mir sicher, dass die einzelnen Folgen dann auch in der Mediathek abrufbar sein werden. All das wird EWTN noch rechtzeitig über die verschiedenen Kanäle bekanntgeben.

Bis dahin steht bei mir noch Loriot auf dem Programm. “Sie müssen sich unbedingt noch ‘Papa Ante Portas’ ansehen”, hatte Weihbischof Schwaderlapp nach dem Ende des Drehs noch einmal eindringlich gesagt. Auch dort sei die Wohnung mit Kamera-Equipment vollgestellt worden, er habe sofort diese Assoziation gehabt, als er gesehen hatte, wie wir sein Wohnzimmer zu einem improvisierten Studio gemacht haben.

Doch nachdem die letzte Klappe gefallen war, haben auch wir schließlich die Klappe gehalten. Aber sehen Sie selbst:

Wochenrückblick: Die Zahlen der Krise

Die Katholische Kirche in Deutschland steckt in der Krise – nicht nur dem regelmäßigen Hörer unseres CNA-Deutsch-Podcasts dürfte dieser Umstand aufgefallen sein. Es ist nicht nur die hohe Zahl der Kirchenaustritte, die das belegen. Nein, auch die besonders niedrige Zahl der Priesteramtsanwärter gibt Anlass zur Besorgnis.

Deutschlandweit gab und gibt es im Jahr 2020 insgesamt gerade einmal 57 Priesterweihen – und das verteilt auf insgesamt 27 Bistümer. Immerhin: Dies ist lediglich der zweitniedrigste Wert in der Geschichte. Allerdings: Den niedrigsten Wert gab es 2019, da waren es nur 55 Weihen im Vorjahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 wurden in Deutschland noch 154 Männer zu Priestern geweiht. Insgesamt ist die Zahl der Weihen innerhalb von nur 20 Jahren um 60 Prozent gesunken!

Dafür steigen, wie Anfangs erwähnt, die Kirchenaustrittszahlen. Die katholische Wochenzeitung „Die Tagespost“ hatte deshalb eine Umfrage in Auftrag gegeben, und die kam zu einem erstaunlichen Ergebnis: Fast ein Drittel der Katholiken in Deutschland denkt ernsthaft darüber nach, aus der Kirche auszutreten. Lediglich 54 Prozent der Katholiken wollen auch in der Statistik Kirchenmitglied bleiben.

Um der Krise entgegenzutreten, versuchen sich verschiedene Gruppierungen und Gemeinschaften an unterschiedlichen Lösungskonzepten. Während das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und Teile des deutschen Episkopats große Hoffnungen auf den sogenannten „Synodalen Weg“ setzen, betonen andere – darunter Papst Franziskus – die dringende Notwendigkeit der Neuevangelisierung. Das Gebet, die Sakramente, die Katechese – all das wartet nur darauf, wiederentdeckt zu werden.

Die Nonnen-Rebellion

Wieder andere möchten gar zentrale Punkte der Kirchenlehre ändern. Dazu gehört auch eine Gruppe von zehn Nonnen, die unter dem Titel „Ordensfrauen für Menschenwürde“ einen Aufruf gestartet hat. Die Kirche müsse endlich Frauen zur Priesterweihe zulassen, so eine der Forderungen. Zudem hätten viele Ordensleute gerade während der Corona-Pandemie festgestellt, dass sie die tägliche Messfeier – wie sie in vielen Orden vorgeschrieben ist, nicht einmal mehr „vermissen“ würden.

Im Forderungskatalog der Ordensfrauen steht auch eine – so wörtlich – “Verheutigung der liturgischen Sprache”. Schwestern, die mit der Vorbereitung der liturgischen Feiern betraut waren, hätten Texte oft umformuliert, damit sie – so wörtlich – “selbst ehrlich beten” konnten. 

“Manche Orationen sind so formuliert, dass viele von uns diese Texte kaum ertragen können”, heißt es in dem Papier. Es sei daher nötig, eine “alltagstaugliche Begegnung mit Gott” zu ermöglichen, in dem die Texte überarbeitet werden.

Trotz der vielen Forderungen nach einer massiven Änderung der Kirchenlehre wollen die Ordensfrauen dennoch „römisch-katholisch“ bleiben – das zumindest diktierte ein Mitglied der Initiative einem Journalisten der KNA in den Notizblock. 

Neues im Fall Kentenich

Wie wir bereits letzte Woche berichtet haben, wird Pater Josef Kentenich, dem Gründer der Schönstatt-Bewegung, Missbrauch vorgeworfen. Nachdem Schönstatt diesen und weitere Vorwürfe zunächst kategorisch abgewiesen hatte, hat das Bistum Trier, das 1975 sogar einen Seligsprechungsprozess für Kentenich einleitete, eine Historiker-Kommission angekündigt, die die Vorwürfe untersuchen soll. Wer Mitglied dieser Kommission sein wird, ist noch unklar. Das Bistum teilte mit:

“Am Ende ihrer Arbeit wird die Kommission – unter Einbeziehung des Ergebnisses der vorausgegangenen Kommission – einen Bericht erstellen, in dem auch eine Aussage gemacht wird über die Persönlichkeit und die Spiritualität von P. Josef Kentenich, so wie sie sich in den gesammelten Dokumenten darstellen“.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

NEUES INTERVIEW: “Sein Gewissen war ihm wichtiger als sein Ansehen”

Über was hat Kardinal Meisner eigentlich am liebsten gelacht?” Die Antwort auf meine Frage kam ziemlich schnell, fast wie aus der Pistole geschossen, und sie war ganz anders, als ich sie erwartet hatte: “Über andere!” Es ist nun drei Jahre her, als der frühere Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, heimgegangen ist. Über meine letzte Begegnung mit diesem starken, streitbaren und eindrucksvollen Menschen habe ich mal einen Beitrag für CNA Deutsch geschrieben.

Am 16. Juni 2020 hatte ich nun die Gelegenheit, mit einem Wegbegleiter des verstorbenen Kardinals zu sprechen. Weihbischof Dominikus Schwaderlapp wurde 1993 von Meisner zum Priester geweiht, diente ihm viele Jahre als Sekretär und Generalvikar im Erzbistum Köln, bis er schließlich 2012 die Bischofsweihe empfing – natürlich wieder von Kardinal Meisner.

Fast eine halbe Stunde lang habe ich mit Weihbischof Schwaderlapp über das Leben und Wirken dieses einzigartigen Menschen gesprochen. Dabei hat Weihbischof Schwaderlapp auch von den Kämpfen gesprochen, die Meisner auszufechten hatte, von seinen Schwächen und den Stunden der Einsamkeit. Aber auch über den Humor des Kardinals und die Frage, worüber der gebürtige Schlesier am liebsten lachte:

“Manchmal über andere!”

Das Interview wird am kommenden Sonntag, dem Todestag Meisners, im regulären Programm des katholischen Fernsehsenders EWTN.TV ausgestrahlt. Doch bereits ab heute ist das komplette Interview schon hier auf Youtube zu sehen. Viel Freude damit!

NEUER ARTIKEL: “Er war ein fränkisches Urgewächs”

Wie ich in in einem früheren Beitrag bereits berichtet habe (was für eine herrliche Alliteration!), bin ich bei der Beisetzung des früheren Bischofs von Speyer, Anton Schlembach, als Berichterstatter für EWTN.TV und die katholische Nachrichtenagentur CNA Deutsch vor Ort gewesen. Dadurch, dass die Teilnehmerzahl aufgrund der Hygiene-Vorschriften ohnehin begrenzt war, war ich gewissermaßen in einer privilegierten Position. Deshalb hat es mich umso mehr gefreut, dass ich für die Medien aus meiner fränkischen Heimat (konkret: inFranken / MAINPOST) ebenfalls einen Artikel über den berühmtesten Sohn unserer Gegend schreiben durfte.

Mit dem Münnerstädter Bürgermeister Michael Kastl und dem Stadtrat Arno Schlembach, der wie Bischof Schlembach ebenfalls ein gebürtiger Großwenkheimer ist, war die Heimat gut vertreten. Auch Pater Thomas Reis, Stadtpfarrer von Münnerstadt, und unser Heimatpfarrer Benno von Bundtschuh hatten sich auf den Weg nach Speyer gemacht.

Der neue Bürgermeister von Münnerstadt, Michael Kastl (CSU), am Grab des verstorbenen Alt-Bischofs Anton Schlembach. (Foto: Rudolf Gehrig / CNA Deutsch)

Besonders witzig fand ich im Zusammenhang der Beisetzung die Unterhaltung mit einem anderen Journalisten. “Wie groß ist eigentlich dieses Großwenkheim”, fragte er mich. Dank Google-Maps konnte ich ihm jedoch diese Wissenslücke schließen – und hatte damit auch die Einleitung zu meinem Artikel für die Regionalzeitung.

Als gebürtiger Serwichhäuser war es mir eine Ehre, bei der Bestattung unseres berühmten Dorfnachbarn dabei zu sein. Er möge nun in Frieden ruhen!

Und es ist mir eine Ehre, dass die Großwenkheimer meinen Artikel nun auch auf ihrer Homepage unter www.grosswenkheim.de verlinkt haben.

Abschied von einem “fränkischen Urgewächs”

Ein bewegender Tag als rasender Reporter für CNA Deutsch und EWTN.TV ist mal wieder zu Ende gegangen. Heute fand im Dom zu Speyer die Beisetzung des verstorbenen Bischofs Anton Schlembach statt. Mit Anzug und Krawatte war es eine sehr schwitzige, aber auch sehr würdevolle Angelegenheit. Besonders gefreut habe ich mich über die kleine Abordnung aus meiner unterfränkischen Heimat – immerhin ist mit Anton Schlembach der wohl berühmteste Sohn unserer Gegend von uns gegangen.

Dennoch war ich froh, als ich mich nach der Heiligen Messe auf dem Autobahn-Rastplatz erstmal meines Anzugs entledigen konnte. Bei aller Liebe zu meinem Opel Astra: Eine Klimaanlage würde den Wert dieses Autos nicht gerade mindern…

Meinen Bericht zur Beisetzung von Bischof Anton Schlembach finden Sie übrigens hier.

Skandal um die Präsidentin des katholischen Frauenbundes

Gibt es eigentlich ein Recht auf Abtreibung? Nun, die Lehre der Katholischen Kirche ist in diesem Punkt mehr als eindeutig. Bereits in der Antike sorgte der Einsatz der Urchristen für den uneingeschränkten Schutz des menschlichen Lebens für Aufsehen. Diesen Einsatz zum Schutz des Lebens – von der Empfängnis bis zum Totenbett – zeigt die Kirche bis heute. 

Nicht zuletzt in der Enzyklika “Humanae Vitae” von Papst Paul VI. wird die Abtreibung, aber auch aktive Sterbehilfe verurteilt. Auch Papst Franziskus hat immer wieder die unveräußerliche Würde des ungeborenen Lebens betont. 

Umso mehr überrascht die Auffassung der Präsidentin des katholischen Frauenbundes KDFB, Maria Flachsbart. Die Bundestagsabgeorndete der CDU engagiert sich auch bei der Initiative „SheDecides“, welche sich dezidiert für das angebliche „Recht auf Abtreibung“ einsetzt. „SheDecides“ pflegt außerdem enge Verbindungen zur Organisation “International Planned Parenthood Federation” (IPPF). Das Engagement von Flachsbarth steht deshalb in der Kritik.

In einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung “Die Tagespost” wirft der ehemalige Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe Flachsbarth vor, eine “Protagonistin für die Abtreibungslobby” zu sein. Hüppe war vier Jahre lang Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen und engagiert sich als Stellvertretender Bundesvorsitzender der “Christdemokraten für das Leben” Im Gespräch mit der “Tagespost” zeigt er sich fassungslos: Zitat:

“Wer hält schon für möglich, dass die Präsidentin des Katholischen Frauenbundes, also gewissermaßen die oberste katholische Frau in Deutschland, das deutsche Gesicht einer Organisation ist, die die Freigabe der Abtreibung bis zur Geburt ganz oben auf ihrer Agenda stehen hat?”

“SheDecides” wurde 2017 von der niederländischen Politikerin Lilianne Ploumen gegründet. Nach eigenen Angaben möchte die Organisation den Frauen eine Stimme geben, die unterdrückt werden, und ihnen dabei helfen, “ihre Träume zu verwirklichen”.

Die Organisation setzt sich jedoch nicht nur gegen Zwangsheirat und Genitalverstümmelung ein, sondern hat auch einen besonderen Fokus auf das angebliche “Recht auf Abtreibung”. In der Selbstauskunft auf der Homepage heißt es:

“Wir sehen eine Welt, in der jedes Mädchen und jede Frau ihr Recht auf Privatsphäre, geschlechtliche Identität, Partnerwahl, Vergnügen, Ehe, Kinder ausüben kann – ebenso integrierte Dienstleistungen, die die Bereiche Empfängnisverhütung, Schwangerschaft, Abtreibung, Unfruchtbarkeit, Geschlechtskrankheiten, HIV, Krebs und Gewalt abdecken.”

Für Hubert Hüppe ist “SheDecides” lediglich eine “Tarnorganisation der IPPF”, da beide Stellen nicht nur die gleiche Adresse hätten, sondern auch gleiche Ziele verfolgten. Hauptziel sei die Förderung “sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechte”. Hüppe wörtlich:

“Das ist der Kampfbegriff, wie ihn insbesondere IPFF verwendet sehen möchte, denn ‘sexuelle Rechte’ umfasst für IPPF – anders als auf der Weltbevölkerungskonferenz in Kairo beschlossen – auch die freie Verfügung der Frau über das ungeborene Kind, einschließlich seiner Tötung. Und das völlig unabhängig von Fristen und/oder Indikationen – bis zur Geburt.”

CNA Deutsch hat die Abgeordnete mit den Vorwürfen konfrontiert und nach der Vereinbarkeit ihres Engagements als Präsidentin des katholischen Frauenbundes mit ihrer Befürwortung von Abtreibung befragt.

Maria Flachsbart, die selbst Mutter von zwei Söhnen ist, hat am Freitag über eine Sprecherin ausrichten lassen, dass sie sich als Mitglied des Deutschen Bundestages auch im Ehrenamt als Präsidentin des Frauenbundes „immer für den Schutz des Lebens, insbesondere in den besonders sensiblen Phasen ganz am Anfang und ganz am Ende eingesetzt“ habe. Eine Abtreibung ist sei „nie ein Mittel der Familienplanung“. Flachsbarth wörtlich: „Sie kann im Einzelfall ein letzter schrecklicher Ausweg sein.“

Über die Sprecherin des Ministeriums begründete sie ihren Einsatz für die Umstrittene Organisation „She Decides“ zudem so:

„Eine Schwangerschaft verwehrt den Mädchen meist den Zugang zu Bildung und raubt ihnen so die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. Sie kämpfen mit sozialer Ausgrenzung und wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit. Häufig sehen diese Mädchen keinen anderen Ausweg als den Weg in die Prostitution oder einen unsicheren Schwangerschaftsabbruch.“

„International Planned Parenthood“ setzt sich ihrer Meinung nach deshalb lediglich für den Zitat „Gesundheitsschutz von Mädchen und Frauen ein“, indem sie sich um „sichere Abtreibungen“ kümmern. 

Dass dies jedoch kaum mit dem Amt einer Präsidentin vereinbar sein kann, die einem katholischen Gremium vorsteht, sollte jedoch spätestens dann deutlich werden, wenn man sich die Aussagen von Papst Franziskus noch einmal vor Augen führt.

Sowohl der Glaube als auch die reine Menschlichkeit verbieten jede Form der Abtreibung, sagte Papst Franziskus erst im Mai 2019. Dort redete er den Menschen wie folgt ins Gewissen:

“Nur zwei Sätze werden uns helfen, dies gut zu verstehen: zwei Fragen. Erste Frage: Ist es erlaubt, ein Menschenleben zu töten, um ein Problem zu lösen? Zweite Frage: Ist es erlaubt, einen Killer zu mieten, um ein Problem zu lösen? Ihr könnt selber darauf antworten. Das ist der Punkt.”

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

Der “Synodale Weg”: Eine Glaubensfrage? | Stoppschild aus Rom für Trierer “Bistumsreform”

In Deutschland gehen die Diskussionen um den „Synodalen Weg“ weiter. Nachdem der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp vor zwei Wochen seinen Rückzug aus einem der vier Synodalforen angekündigt hat, hat der Leiter dieses Synodalforums den Synodalen Weg nun zu einer Glaubensfrage erklärt.

Der Aachener Bischof Helmut Dieser ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Leben in gelingenden Beziehungen“. Dort hatte man festgelegt, dass die grundsätzliche Ausrichtung der Arbeit auf eine Veränderung der katholischen Sexualmoral abzielt – ein Schritt, den Schwaderlapp nicht mitgehen wollte.

Nun äußerte sich Bischof Helmut Dieser sehr deutlich während einer Online-Gesprächsveranstaltung des BDKJ.

„Wenn wir da keinen Erfolg im Synodalen Weg haben“, so Dieser wörltich, „dann fürchte ich, werden wir zunächst einmal zu einer Sekte.”

Beim “Synodalen Weg” gehe es um “dramatische Weichenstellungen“, die angeblich darüber entscheiden, ob die Kirche in die Zitat „vielschichtige, verweltlichte Gesellschaft hinein aufbrechen und mit den Menschen auf Augenhöhe sprechen” könne.

“Unser Forum und der ‘Synodale Weg’ müssen ein Erfolg werden”, betonte Dieser. Allerdings gebe es kaum Spielraum bei der Frage nach Segnungen für homosexuelle Partnerschaften. Er sei jedoch zufrieden, wenn zumindest die Beziehungen, die nicht in der Ehe münden, nicht mehr generell “als Sünde” gesehen würden.

Außerdem möchte Bischof Dieser erreichen, dass innerhalb der Kirche mehr über Sexualität gesprochen wird. Viele Seelsorger hätten da einen “inneren Loyalitätskonflikt”, dies sei ein – so wörtlich – “Zeichen für eine Störung”.

Der Passauer Bischof Stefan Oster, der in der Vergangenheit immer wieder ganz ähnliche Positionen wie Weihbischof Schwaderlapp aus Köln vertreten hat, möchte übrigens weiterhin im Synodalforum mitwirken.  Am vergangenen Montag berichtete Oster von einem Treffen mit Bischof Dieser. Das Gespräch sei “intensiv und sehr persönlich” gewesen. 

Oster schreibt dazu auf Facebook:

“Vieles verbindet uns in den Anliegen des Glaubens und der Kirche. In manchem unterscheiden wir uns – auch in manchen Punkten der herausfordernden Themen des Synodalforums”

Oster hatte nach eigenen Angaben einige “ausführliche interne schriftliche Stellungnahmen zu den besprochenen Themen” abgegeben, woraufhin Dieser zu einem persönlichen Gespräch eigens aus Aachen nach Passau gekommen sei.

Eine mögliche ganz konkrete Veränderung wurde unter der Woche im Bistum Trier gestoppt. Wie wir von CNA Deutsch bereits mehrfach berichtet hatten, möchte der dortige Bischof Stephan Ackermann seine Diözese radikal umgestalten. Aus insgesamt 900 Pfarreien sollen 35 Großraum-Pfarreien werden. Diese XXL-Pfarreien sollen von „Leitungsteams“ geführt werden, in denen der Priester nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Im Oktober letzten Jahres hatte Ackermann schließlich ein Gesetz auf den Weg gebrahct, dass seine Vorstellungen umsetzen sollte. Dieses Gesetz wurde bereits im November vom Vatikan einkassiert und der Priesterkongregation, sowie dem Päpstlichen Rat für Gesetzestexte zur Prüfung vorgelegt.

Am vergangenen Dienstag hat das Bistum Trier bekanntgegeben, dass die geplanten Änderungen in der vorliegenden Form nicht umgesetzt werden dürfen. Dies sei das Ergebnis eines Gesprächs mit den Vertretern der entscheidenden Dikasterien in Rom

Der Vatikan bestätigte damit die – wörtlich – “Bedenken” gegenüber den Plänen Ackermanns.

Um nun zu einer konstruktiven Lösung zu kommen, die den genannten Bedenken Rechnung trägt, will sich Ackermann mit seinen Mitarbeitern und den Mitgliedern der diözesanen Räte treffen und das vorliegende Gesetz „im Licht des gemeinsamen Gesprächs überarbeiten”.

Es bleibt also spannend. Und wir bleiben dran.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.