Was soll die neue “Pfarrei-Instruktion” eigentlich?

In der jüngeren Vergangenheit hat der Papst seinen Blick immer wieder nach Deutschland gerichtet. Erst im letzten Jahr hat Papst Franziskus mit seinem Brief „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ die deutschen Katholiken aufgefordert, missionarischer zu werden und sich nicht in Strukturdebatten zu verzetteln. Während die Reaktionen auf diesen Brief noch relativ verhalten ausfielen, ist das beim neuen Schreiben aus dem Vatikan ganz anders.

Am Montag hat die Kleruskongregation Instruktionen vorgestellt, die alle Pfarreien in der gesamten Weltkirche betreffen (und nicht nur die deutschen Diözesen). Ein Großteil der deutschen Bischöfe hat darauf mit scharfer Kritik reagiert.

Doch worum geht es eigentlich in dem Schreiben, das den Titel trägt: „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche”

Mein Kollege Anian Christoph Wimmer, Chefredakteur von CNA Deutsch, hat die wichtigsten Punkte einmal zusammengefasst. Seine Übersicht finden sie hier.

Wochenrückblick: Kirchenaustritt als Ausdruck der Religionsfreiheit

Was unterscheidet die Katholische Kirche eigentlich von einer Sekte? Nun, zum einen hat die Kirche durch ihren Gründer – Jesus Christus – die Gewissheit, dass sie niemals untergehen wird, egal, wie hart die Zeiten sind oder noch werden, weil sie der Wahrheit dient. 

Zum anderen kann jeder Mensch Teil der Kirche werden, ohne besondere Leistungen vollbringen zu müssen. Genauso gut kann man die amtliche Mitgliedschaft jederzeit beenden. Das nennt man Religionsfreiheit.

Diesen Punkt hat auch der ehemalige Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, noch einmal in Erinnerung gerufen. In einem Interview beklagte der Erzbischof von Wien die gestiegenen Austrittszahlen in Österreich. Dort nämlich ist die Zahl der Kirchenaustritte im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um 14,9 Prozent angestiegen. Insgesamt 67.583 Personen traten letztes Jahr aus der Katholischen Kirche aus.

Schönborn bedauert die hohen Zahlen, sagte jedoch auch:

“Das ist ein Teil der Religionsfreiheit. Wir sind keine Zwangsgemeinschaft. Das ist die Freiheit, die Gott uns gegeben hat.”

Keine Priesterweihe: Keine Katastrophe?

Die Krise zeigt sich im deutschsprachigen Raum jedoch nicht nur anhand der Kirchenaustritte. Auch die Zahl der Priesterweihen geht zurück. Der Bischof von Augsburg, Bertram Meier, hat kürzlich in einem Interview gesagt, dass er „natürlich sehr enttäuscht” sei, wenn es irgendwann mal ein Jahr lang mal keine Priesterweihe in seinem Bistum geben sollte, jedoch sei dies “keine Katastrophe”.

„Es gab in der Kirchengeschichte immer schon Phasen, in denen die Kirche angezählt wurde“, sagte er wörtlich. „Doch Totgesagte leben am längsten.”

Risikobehaftet sieht Meier jedoch die Umstrukturierungen, die derzeit in vielen Bistümern angedacht werden. Auch Augsburg ist davon betroffen. Die vielen kleinen Pfarreien sollen vermehrt zu XXL-Pfarreien zusammengeschlossen werden.

XXL-Pfarreien in Freiburg beschlossene Sache

Für Aufsehen hat über viele Monate hinweg der Vorstoß des Trierer Bischofs Stephan Ackermann gesorgt. Die insgesamt fast 900 Pfarreien der Diözese Trier sollten zu 35 Großraumpfarreien zusammengeschmolzen werden und Leitungsteams unterstellt werden, in denen der Priester nur eine nebengeordnete Rolle spielt.

Dies hat natürlich nicht nur innerhalb des Bistums Widerstand gesorgt. Rom selbst hat sich eingeschaltet und nach einer längeren Überprüfung schließlich festgestellt, dass die Pläne von Bischof Ackermann in der Form nicht umgesetzt werden dürfen.

Ein ähnliches Schicksal könnte auch den Reformplänen des Freiburger Erzbischofs Stephan Burger blühen. Auch er plant sein Bistum radikal umzustrukturieren. Gleich 1.000 Pfarreien möchte er auf lediglich 40 XXL-Pfarreien zusammenschrumpfen, die sich dann über das gesamte Bistumsgebiet verteilen (hier der ausführliche Bericht bei CNA Deutsch). 

Die Leitung dieser Pfarreien soll jedoch weiterhin von Priestern ausgeübt werden.

Auch wenn Laien künftig mehr in “pastorale Aufgabenfelder” eingebunden werden sollen, ist eine Übertragung der “Hirtensorge” auf Laien kirchenrechtlich nicht gegeben. Dazu hält das Erzbistum wörtlich fest:

“Aufgrund des Kirchenrechts kann eine Pfarrei nur durch einen Priester geleitet werden. Weitere Formen der Leitung, die das Kirchenrecht vorsieht, sind letztlich keine Formen der Gemeindeleitung, sondern pastorale Notstandsregelungen. In konsequenter Anwendung des Kirchenrechts bestimmt die Zahl der zur Verfügung stehenden Pfarrer die Zahl der Pfarreien, sofern man keine ‘Mitverwaltung’ möchte. Dies hat der Erzbischof ausgeschlossen.”

Die XXL-Pfarreien sind jedoch nach Aussage von Erzbischof Burger längst beschlossene Sache. “Am Faktum der Bildung von etwa 40 Pfarreien wird kein Weg vorbeiführen“, schreibt das Erzbistum wörtlich.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

Wochenrückblick: Die Zahlen der Krise

Die Katholische Kirche in Deutschland steckt in der Krise – nicht nur dem regelmäßigen Hörer unseres CNA-Deutsch-Podcasts dürfte dieser Umstand aufgefallen sein. Es ist nicht nur die hohe Zahl der Kirchenaustritte, die das belegen. Nein, auch die besonders niedrige Zahl der Priesteramtsanwärter gibt Anlass zur Besorgnis.

Deutschlandweit gab und gibt es im Jahr 2020 insgesamt gerade einmal 57 Priesterweihen – und das verteilt auf insgesamt 27 Bistümer. Immerhin: Dies ist lediglich der zweitniedrigste Wert in der Geschichte. Allerdings: Den niedrigsten Wert gab es 2019, da waren es nur 55 Weihen im Vorjahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 wurden in Deutschland noch 154 Männer zu Priestern geweiht. Insgesamt ist die Zahl der Weihen innerhalb von nur 20 Jahren um 60 Prozent gesunken!

Dafür steigen, wie Anfangs erwähnt, die Kirchenaustrittszahlen. Die katholische Wochenzeitung „Die Tagespost“ hatte deshalb eine Umfrage in Auftrag gegeben, und die kam zu einem erstaunlichen Ergebnis: Fast ein Drittel der Katholiken in Deutschland denkt ernsthaft darüber nach, aus der Kirche auszutreten. Lediglich 54 Prozent der Katholiken wollen auch in der Statistik Kirchenmitglied bleiben.

Um der Krise entgegenzutreten, versuchen sich verschiedene Gruppierungen und Gemeinschaften an unterschiedlichen Lösungskonzepten. Während das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und Teile des deutschen Episkopats große Hoffnungen auf den sogenannten „Synodalen Weg“ setzen, betonen andere – darunter Papst Franziskus – die dringende Notwendigkeit der Neuevangelisierung. Das Gebet, die Sakramente, die Katechese – all das wartet nur darauf, wiederentdeckt zu werden.

Die Nonnen-Rebellion

Wieder andere möchten gar zentrale Punkte der Kirchenlehre ändern. Dazu gehört auch eine Gruppe von zehn Nonnen, die unter dem Titel „Ordensfrauen für Menschenwürde“ einen Aufruf gestartet hat. Die Kirche müsse endlich Frauen zur Priesterweihe zulassen, so eine der Forderungen. Zudem hätten viele Ordensleute gerade während der Corona-Pandemie festgestellt, dass sie die tägliche Messfeier – wie sie in vielen Orden vorgeschrieben ist, nicht einmal mehr „vermissen“ würden.

Im Forderungskatalog der Ordensfrauen steht auch eine – so wörtlich – “Verheutigung der liturgischen Sprache”. Schwestern, die mit der Vorbereitung der liturgischen Feiern betraut waren, hätten Texte oft umformuliert, damit sie – so wörtlich – “selbst ehrlich beten” konnten. 

“Manche Orationen sind so formuliert, dass viele von uns diese Texte kaum ertragen können”, heißt es in dem Papier. Es sei daher nötig, eine “alltagstaugliche Begegnung mit Gott” zu ermöglichen, in dem die Texte überarbeitet werden.

Trotz der vielen Forderungen nach einer massiven Änderung der Kirchenlehre wollen die Ordensfrauen dennoch „römisch-katholisch“ bleiben – das zumindest diktierte ein Mitglied der Initiative einem Journalisten der KNA in den Notizblock. 

Neues im Fall Kentenich

Wie wir bereits letzte Woche berichtet haben, wird Pater Josef Kentenich, dem Gründer der Schönstatt-Bewegung, Missbrauch vorgeworfen. Nachdem Schönstatt diesen und weitere Vorwürfe zunächst kategorisch abgewiesen hatte, hat das Bistum Trier, das 1975 sogar einen Seligsprechungsprozess für Kentenich einleitete, eine Historiker-Kommission angekündigt, die die Vorwürfe untersuchen soll. Wer Mitglied dieser Kommission sein wird, ist noch unklar. Das Bistum teilte mit:

“Am Ende ihrer Arbeit wird die Kommission – unter Einbeziehung des Ergebnisses der vorausgegangenen Kommission – einen Bericht erstellen, in dem auch eine Aussage gemacht wird über die Persönlichkeit und die Spiritualität von P. Josef Kentenich, so wie sie sich in den gesammelten Dokumenten darstellen“.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

Der “Synodale Weg”: Eine Glaubensfrage? | Stoppschild aus Rom für Trierer “Bistumsreform”

In Deutschland gehen die Diskussionen um den „Synodalen Weg“ weiter. Nachdem der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp vor zwei Wochen seinen Rückzug aus einem der vier Synodalforen angekündigt hat, hat der Leiter dieses Synodalforums den Synodalen Weg nun zu einer Glaubensfrage erklärt.

Der Aachener Bischof Helmut Dieser ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Leben in gelingenden Beziehungen“. Dort hatte man festgelegt, dass die grundsätzliche Ausrichtung der Arbeit auf eine Veränderung der katholischen Sexualmoral abzielt – ein Schritt, den Schwaderlapp nicht mitgehen wollte.

Nun äußerte sich Bischof Helmut Dieser sehr deutlich während einer Online-Gesprächsveranstaltung des BDKJ.

„Wenn wir da keinen Erfolg im Synodalen Weg haben“, so Dieser wörltich, „dann fürchte ich, werden wir zunächst einmal zu einer Sekte.”

Beim “Synodalen Weg” gehe es um “dramatische Weichenstellungen“, die angeblich darüber entscheiden, ob die Kirche in die Zitat „vielschichtige, verweltlichte Gesellschaft hinein aufbrechen und mit den Menschen auf Augenhöhe sprechen” könne.

“Unser Forum und der ‘Synodale Weg’ müssen ein Erfolg werden”, betonte Dieser. Allerdings gebe es kaum Spielraum bei der Frage nach Segnungen für homosexuelle Partnerschaften. Er sei jedoch zufrieden, wenn zumindest die Beziehungen, die nicht in der Ehe münden, nicht mehr generell “als Sünde” gesehen würden.

Außerdem möchte Bischof Dieser erreichen, dass innerhalb der Kirche mehr über Sexualität gesprochen wird. Viele Seelsorger hätten da einen “inneren Loyalitätskonflikt”, dies sei ein – so wörtlich – “Zeichen für eine Störung”.

Der Passauer Bischof Stefan Oster, der in der Vergangenheit immer wieder ganz ähnliche Positionen wie Weihbischof Schwaderlapp aus Köln vertreten hat, möchte übrigens weiterhin im Synodalforum mitwirken.  Am vergangenen Montag berichtete Oster von einem Treffen mit Bischof Dieser. Das Gespräch sei “intensiv und sehr persönlich” gewesen. 

Oster schreibt dazu auf Facebook:

“Vieles verbindet uns in den Anliegen des Glaubens und der Kirche. In manchem unterscheiden wir uns – auch in manchen Punkten der herausfordernden Themen des Synodalforums”

Oster hatte nach eigenen Angaben einige “ausführliche interne schriftliche Stellungnahmen zu den besprochenen Themen” abgegeben, woraufhin Dieser zu einem persönlichen Gespräch eigens aus Aachen nach Passau gekommen sei.

Eine mögliche ganz konkrete Veränderung wurde unter der Woche im Bistum Trier gestoppt. Wie wir von CNA Deutsch bereits mehrfach berichtet hatten, möchte der dortige Bischof Stephan Ackermann seine Diözese radikal umgestalten. Aus insgesamt 900 Pfarreien sollen 35 Großraum-Pfarreien werden. Diese XXL-Pfarreien sollen von „Leitungsteams“ geführt werden, in denen der Priester nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Im Oktober letzten Jahres hatte Ackermann schließlich ein Gesetz auf den Weg gebrahct, dass seine Vorstellungen umsetzen sollte. Dieses Gesetz wurde bereits im November vom Vatikan einkassiert und der Priesterkongregation, sowie dem Päpstlichen Rat für Gesetzestexte zur Prüfung vorgelegt.

Am vergangenen Dienstag hat das Bistum Trier bekanntgegeben, dass die geplanten Änderungen in der vorliegenden Form nicht umgesetzt werden dürfen. Dies sei das Ergebnis eines Gesprächs mit den Vertretern der entscheidenden Dikasterien in Rom

Der Vatikan bestätigte damit die – wörtlich – “Bedenken” gegenüber den Plänen Ackermanns.

Um nun zu einer konstruktiven Lösung zu kommen, die den genannten Bedenken Rechnung trägt, will sich Ackermann mit seinen Mitarbeitern und den Mitgliedern der diözesanen Räte treffen und das vorliegende Gesetz „im Licht des gemeinsamen Gesprächs überarbeiten”.

Es bleibt also spannend. Und wir bleiben dran.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

“Synodaler Weg”: Paukenschlag aus Köln, Durchhalte-Parolen aus Limburg

Wie verbindlich ist eigentlich das Lehramt der Katholischen Kirche? Gerade in Hinblick auf die Sexualität wird diese Frage in Deutschland erneut diskutiert. Einmal mehr macht der sogenannte „Synodale Weg“ als möglicher Gegner der bisherigen Kirchenlehre auf sich aufmerksam. Und das, obwohl bereits von Anfang festgelegt war, dass zumindest der „Synodale Weg“ kirchenrechtlich unverbindlich bleibt.

Am gestrigen Donnerstag überraschte der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp mit einem Paukenschlag: In einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung „DIE TAGESPOST“ teilte er mit, dass er seine Arbeit im Synodalforum beenden wird. Dieses Forum, das unter dem Titel „Leben in gelingenden Beziehungen“ steht, beschäftigt sich vor allem mit der Sexualmoral der Kirche.

“Wenn das Fundament eines Hauses in Treibsand gesetzt ist, vermag ich nicht daran mitzubauen”, so begründete der Weihbischof gegenüber in der “TAGESPOST” seine Entscheidung.

Was war passiert?

Im Synodalforum sei ein Arbeitspapier verabschiedet worden, das ganz offen eine Änderung der bisherigen, verbindlichen Auffassung der Kirche forderte, unter dem Stichwort: „Weiterentwicklung der katholischen Sexuallehre“. Darin wurde unter anderem behauptet, dass die Sexualität des Menschen „polyvalent“ sei.

Unter diesen Voraussetzungen könnten schließlich empfängnisverhütende Maßnahmen ebenso gerechtfertigt werden wie Masturbation oder homosexueller Geschlechtsverkehr. Auch das “Nein” der Kirche zur Praxis der künstlichen Befruchtung sollte auf Grundlage des Arbeitspapiers “neu bewertet” werden – dies alles waren jedoch Schritte, die der Kölner Weihbischof nicht mitgehen wollte.

Im Gespräch mit CNA Deutsch wies Schwaderlapp noch einmal die Schätze und die Schönheit der kirchlichen Sexuallehre hin. Sexualität, so seine Überzeugung, ist in seiner ganzen Fülle ein „Gottesgeschenk“. Liebe und Fruchtbarkeit dürfen nicht getrennt werden.

Da allerdings im Synodalforum eine Grundsatzdebatte über das vorgelegte Arbeitspapier mit großer Mehrheit abgelehnt wurde, sah sich Schwaderlapp schließlich gezwungen, die Mitarbeit zu beenden. Gegenüber uns sagte der Kölner Weihbischof wörtlich:

“Die wachsende Distanz zwischen Lehre der Kirche und Leben der Gläubigen offenbart aber nach meiner Meinung auch: Gerade die Verkündigung der Sexualität als Gottesgeschenk, das herausfordert, haben wir – zumindest in Deutschland – in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt. Das muss sich dringend ändern.”

Dass sich etwas ändern muss, davon ist auch der aktuelle Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, überzeugt. Der Limburger Bischof hat sich einmal mehr dafür ausgesprochen, die Lehre der Kirche auch in grundlegenden Punkten „weiterzuentwickeln“, wie er es formuliert. Faktisch jedoch verfolgt er damit eine bestimmte Ausrichtung des „Synodalen Weges“, die dasselbe Ziel im Visier hat wie die Arbeitsgruppe, die Weihbischof Schwaderlapp nun unter Protest verlassen hat: Nämlich eine Außerkraftsetzung bisheriger verbindlicher Kirchendokumente.

Bischof Bätzing erklärte in einem Interview mit “Publik Forum”:

“Mehrere Päpste haben betont, die Frage der Zulassung von Frauen zum Priesteramt sei eine geschlossene Frage“.

Da mache auch Papst Franziskus keine Ausnahme. Dennoch müsse man weiter im Gespräch bleiben und die Situation „neu bewerten“. Auch bei der Möglichkeit, homosexuellen Paaren einen kirchlichen Segen zu erteilen, sieht der DBK-Vorsitzende Spielraum. 

Noch eindeutiger wird Bätzing allerdings bei der Frage zur Interkommunion. Wörtlich:

“Christinnen und Christen können mit guten Argumenten und nach eigenem Gewissen entscheiden, an der Eucharistie- oder Abendmahlsfeier der je anderen Konfession teilzunehmen, weil es im Sinngehalt dessen, was wir glauben und feiern, doch mittlerweile so viel Übereinstimmung gibt.”

Ausländische Beobachter hatten mehrfach die Befürchtung geäußert, dass die Initiatoren des „Synodalen Weges“ – inklusive eines Großteils der deutschen Bischofskonferenz – einen deutschen Sonderweg anstreben.

Nach jetzigem Stand scheinen sich diese Prognosen zu bestätigen. Dass Teile der Kirchenleitung aus Treue zur Lehre der Kirche und aus Gewissensgründen vorzeitig aussteigen wie im Fall des Kölner Weihbischofs Dominikus Schwaderlapp, bleibt bis jetzt noch eine Ausnahme. 

Inwieweit sich die Situation noch zuspitzt und ob oder wann ein päpstliches Machtwort aus Rom vorzeitig die Notbremse ziehen wird, dürfte noch unklar sein. Die Initiatoren selbst rechnen jedoch mit einem langen Atem: Am Freitag gaben sie bekannt, dass sie den „Synodalen Weg“ aufgrund der Corona-Krise nicht schon im Oktober 2021, sondern erst im Februar 2022 beenden werden.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

NEUER ARTIKEL: Rezension zu Bischof Stefan Osters “CREDO”

Wir schreiben das Jahr 2019, doch als sich die schwere Tür zur Krypta öffnet, weht dem geneigten Gast ein sanfter Hauch vergangener Glorie entgegen. Eines wird sofort deutlich: Offenbar hat es sich nicht bis nach Passau herumgesprochen, dass PowerPoint-Präsentationen ‘voll 2010’ sind. Doch der Mann, der vor der improvisierten Leinwand steht und engagiert mit dem Laserpointer über seine Vortragsfolien saust, macht schnell deutlich, dass er ‘nicht von gestern’ ist, auch wenn er uralte Wahrheiten verkündet. Der Mann, der die andere Hand nur zum Gestikulieren aus der Hosentasche nimmt und mit einer Intensität von Gott spricht, so, als ob es Ihn wirklich gäbe, trägt ein Kreuz um seinen Hals und ist der Hirte dieses Bistums: Bischof Stefan Oster.”

In der aktuellen Ausgabe der kath. Wochenzeitung “DIE TAGESPOST” habe ich das neue Buch des Passauer Bischofs Stefan Oster besprochen (“CREDO”) und dabei auch meinen Eindruck von seinen “Believe and Pray”-Abenden geschildert.

SPOILER: Es lohnt sich. Beides!

Hier kann man die Rezension online nachzulesen. Außerdem habe ich zuvor mit ihm ein Interview geführt, welches hier bei CNA Deutsch veröffentlicht wurde.

In eigener Sache: Neuer Job!

Seit dem 1. Oktober 2013 arbeite ich seit genau sechs Jahren für den katholischen Fernsehsender EWTN.TV in Köln. Am 1. Oktober 2019, genau sechs Jahre später, ist eine zweite große Aufgabe dazugekommen: Die katholische Nachrichtenagentur CNA Deutsch macht mich zum Chefkorrespondenten für das deutschsprachige Europa.

Als katholischer Journalist ist es eine Ehre für mich meinen Teil dazu beizutragen, dass vom “normalen” Gottesdienstbesucher bis zum glaubensfernen Kirchenkritiker die Menschen weiterhin von der Kirche hören werden. Ich werde vor allem aus dem deutschsprachigen Teil der Weltkirche berichten und gelegentlich die Geschehnisse mit katholischer Brille kommentieren.

Weiterhin werde ich für die EWTN-Familie als Redakteur, Moderator und Berichterstatter arbeiten. Einige neue Sendungen sind bereits in Planung, auch bei Live- oder Sondersendungen wird man hin und wieder (wohl oder übel) mein Gesicht auf der Mattscheibe sehen. Oft werden beide Aufgabenbereiche verschmelzen, wie demnächst, wenn ich Mitte Oktober für EWTN und CNA Deutsch aus Rom über die bevorstehende Amazonas-Synode berichten darf.

Ich freue mich darauf, für CNA Deutsch einen unverstellten, katholischen Blick auf die Kirche in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu werfen. Ich danke dem Chefredakteur Anian Christoph Wimmer für die Möglichkeit hierbei mein Wissen und meine Erfahrungen einzubringen.

Journalisten sind zwar oft in der Versuchung als “Welterklärer” oder “Besserwisser” aufzutreten. Ich für meinen Teil erinnere mich jedoch immer wieder gerne an eine Szene aus den Kult-Filmen von “Don Camillo”, in der der legendäre Priester sichtlich verzweifelt seine Augen zum gekreuzigten Herrn erhebt und fragt:

“Jesus, wer wird die Menschen jemals verstehen?”

Die Antwort kommt mit einer sanften Stimme: “Ich.”

Bischof Oster: “Haben wir genug Glauben?”

“Was muss man eigentlich alles tun? Zunächst einmal: Glauben. Es hilft ja auch nicht in Aktionismus zu verfallen und alle möglichen Dinge zu tun.“ Als ich den Passauer Bischof Stefan Oster Anfang des Jahres am Rande des Weltjugendtags in Panama für EWTN interviewt habe, war natürlich auch die aktuelle Glaubens- und Berufungskrise in Deutschland Thema unseres Gesprächs. Von übereilten “Reformen” hält der Passauer Oberhirte offensichtlich wenig.

Stattdessen gehe es um das “persönliche Ringen um Heiligkeit, auch die Dimension des Opfers, die Dimension des aufrichtigen persönlichen Gebetes und die Bereitschaft mit jungen Menschen zu gehen“. In Hinblick auf die immer häufig leer bleibenden Priesterseminare sei die entscheidende Frage:

“Haben wir genug Glauben, dass der Herr jeden Menschen beruft?“

Das Interview wurde Mitte Januar auf einer sonnigen Terrasse über den Dächern Panama Citys aufgezeichnet und ist hier abrufbar. Eine kurze Zusammenfassung gibt es hier bei CNA Deutsch.

Foto: EWTN.TV, Screenshot von der Serie “Rudolf will’s wissen – Wie erkenne ich Gottes Plan für mein Leben?”

Der Brief von Papst Franziskus: Traue niemals einer Zusammenfassung!

„In seinem 5700 Worte langen Brief betont der Papst wiederholt mit großer Deutlichkeit, dass die Kirche dazu da ist, den Glauben zu verkünden“, meldete CNA Deutsch am Samstagmittag des 29. Juni 2019. Wie bereits am Mittwoch bekannt wurde, hat Papst Franziskus einen Brief an die Gläubigen in Deutschland geschrieben. Zuerst wurde angenommen, der Text sei nur für die Bischöfe bestimmt. Dann wurden die Meldungen korrigiert mit dem Hinweis, der Brief sei an alle Katholiken in Deutschland gerichtet. Trotzdem wollte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) erst drei Tage später – am heutigen Samstag – das Schreiben dem übrigen Kirchenvolk vorstellen.

Dies ist nun geschehen. Obwohl der sehr umfangreiche Papst-Brief von der weltlichen Öffentlichkeit weitgehend nicht einmal mit einem Achselzucken bedacht wird, wird in einschlägigen katholischen Foren bereits heiß über den Inhalt diskutiert.

Bei “katholisch-de”, dem “Internetportal der Katholischen Kirche in Deutschland” (Selbstbezeichnung), liest es sich so: “Papst Franziskus unterstützt deutsche Katholiken beim ‘synodalen Weg’.” Unterstützung hat der Heilige Vater tatsächlich zugesagt, er schreibt: “Die Sachlagen und Fragestellungen, die ich mit Euren Hirten anlässlich des letzten Ad-Limina-Besuches besprechen konnte, finden sicherlich weiterhin Resonanz in Euren Gemeinden. Wie bei jener Gelegenheit möchte ich Euch meine Unterstützung anbieten, meine Nähe auf dem gemeinsamen Weg kundtun und zur Suche nach einer freimütigen Antwort auf die gegenwärtige Situation ermuntern.”

Die klaren Worte von Franziskus zu jener “gegenwärtigen Situation” der Kirche fanden auch beim Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki Beifall:

“Dass Papst Franziskus sogar von ‘Erosion und Verfall des Glaubens’ in Deutschland spricht, zeigt, dass er wirklich nichts beschönigt und auch uns ermuntert, die Augen vor der Realität nicht zu verschließen. Die Krise der Kirche, da hat der Papst, so schmerzlich es ist, doch recht, ist in erster Linie eine Glaubenskrise.”

Was den sogenannten “synodalen Weg” betrifft, für den die Deutsche Bischofskonferenz seit einiger Zeit wirbt, findet der Heilige Vater jedoch deutliche Worte der Warnung. Der Begriff “synodaler Weg” stammt von der letzten Frühjahrsvollversammlung, er soll einen Weg beschreiben, bei dem es um Machtfragen innerhalb der Kirche geht und eine eventuelle Neuausrichtung der bisherigen Kirchenlehre in Bezug auf die Sexualmoral und den Zugang zu den Weiheämtern.

Dazu schreibt Franziskus, dass “eine der ersten und größten Versuchungen im kirchlichen Bereich darin bestehe zu glauben, dass die Lösungen der derzeitigen und zukünftigen Probleme ausschließlich auf dem Wege der Reform von Strukturen, Organisationen und Verwaltung zu erreichen sei, dass diese aber schlussendlich in keiner Weise die vitalen Punkte berühren, die eigentlich der Aufmerksamkeit bedürfen.” Er erinnert an sein Schreiben Evangelii Gaudium, bei dem er bereits warnte: “Es handelt sich um eine Art neuen Pelagianismus, der dazu führt, unser Vertrauen auf die Verwaltung zu setzen, auf den perfekten Apparat. Eine übertriebene Zentralisierung kompliziert aber das Leben der Kirche und ihre missionarische Dynamik, anstatt ihr zu helfen”.

Viel Text, viel Kirchendeutsch

In den ersten Reaktionen auf den Brief kritisieren viele Leser den großen Umfang des Papst-Schreibens. Mehrfach wird außerdem angemerkt, dass die Wortwahl “zu kirchisch” sei und teilweise über die Köpfe und das Verstehen des gläubigen “Fußvolkes” hinweggehe. Möglicherweise lag in dieser pastoralen Rücksichtnahme die Motivation der Pressestelle der Bischofskonferenz, den wichtigen Brief des Oberhirten an seine deutschen Schäfchen erst nach einem dreitägigen Wirkungs- und Verstehensprozess zu veröffentlichen. Umso interessanter ist die Feststellung, dass der Vorsitzende der DBK, Reinhard Kardinal Marx, wie auch der Vorsitzende des “Zentralkomitees der deutschen Katholiken” (ZdK), Thomas Sternberg, nach drei Tagen der Meditation trotzdem zu dem Schluss kommen, der Brief lade sie ein, “den angestoßenen Prozess in diesem Sinn weiterzugehen”. Dabei erhebt Franziskus noch einmal mahnend den Zeigefinger:

“Die derzeitige Situation anzunehmen und sie zu ertragen impliziert nicht Passivität oder Resignation und noch weniger Fahrlässigkeit; sie ist im Gegenteil eine Einladung, sich dem zu stellen, was in uns und in unseren Gemeinden abgestorben ist, was der Evangelisieren und der Heimsuchung durch den Herrn bedarf. Das aber verlangt Mut, denn, wessen wir bedürfen, ist viel mehr als ein struktureller, organisatorischer oder funktionaler Wandel.”

Vielleicht sind es die vielen irreführenden Zusammenfassungen, die zu den unterschiedlichen Deutungen geführt haben. Ein derart langes Schreiben lädt sicherlich dazu ein Rosinenpickerjournalismus zu betreiben und jene Sätze herauszustreichen, die der eigenen kirchenpolitischen Einstellung widerstreben. Auch der Verfasser dieser Zeilen kann sich dieser Versuchung nicht komplett erwehren.

Aus diesem Grund mein persönlicher Sommer-Tipp für diesen warmen, bundesliga-freien Samstagnachmittag:

Nehmen Sie sich einen kühlen Drink, setzen Sie sich auf die Terrasse (Sonnencreme nicht vergessen) und meditieren Sie in Ruhe über den Text des Heiligen Vaters. Lassen Sie sich nicht davon abschrecken, dass einige dem Kirchenvolk die Fähigkeit absprechen wollen, den Original-Text zu verstehen und Ihnen deshalb Deutungen aufnötigen. Bei Rückfragen und Anmerkungen wird Ihnen Ihr Heimatpfarrer nach der morgigen Sonntagsmesse sicher zur Verfügung stehen.

Trauen Sie niemals einer Zusammenfassung! Lesen Sie hier das Original im Wortlaut.

Foto: Daniel Ibanez / Catholic News Agency

Ruhe in Frieden, Kardinal Meisner!

Am 5. Juli 2017 verstarb Joachim Kardinal Meisner. Der frühere Erzbischof von Köln hat sein Bistum geprägt wie nur wenige. Ich habe ihn – trotz aller Fehler und Schwächen – immer bewundert für seine Aufrichtigkeit. Er ist damit oft angeeckt und hat manche Menschen damit verletzt.

Hatte er sich erst mal in seinen “heiligen Zorn” hineingesteigert, war kaum jemand vor ihm sicher. Auch ich nicht.

Ein Jahr ist nun seit seinem Tod vergangen. Kurz vor dem Weltjugendtag 2016 in Krakau hatten wir von EWTN die Möglichkeit mit ihm zu sprechen. Es war ein denkwürdiges Interview, das er mit den Worten beendete:

“Gut, und jetzt hau ich ab!”

Kardinal Meisner wird uns auch weiterhin fehlen. Ruhe in Frieden!

Hier zum Beitrag: “Gut, und jetzt hau ich ab” – Meine letzte Begegnung mit Kardinal Meisner.

Alle Interviews mit den Trauergästen am Tag des Requiems von Kardinal Meisner gibt es hier.

 

Bischof Kohlgraf rätselt

Im Kommunionstreit hat sich Bischof Peter Kohlgraf erneut zu Wort gemeldet. Bereits in der Vergangenheit hatte er sich über das aktuelle Streitthema so geäußert:

“Denken wir eigentlich, wir müssten den lieben Gott beschützen, indem wir bestimmen, wer zur Kommunion gehen darf und wer nicht?”

Zu meinem Artikel bei CNA Deutsch geht’s hier lang.

Der Katholikentag 2018 in Münster 2018

Vom 9. bis zum 13. Mai 2018 bin ich mit EWTN.TV beim Katholikentag in Münster gewesen und habe dabei auch für CNA Deutsch berichtet.

Für EWTN habe ich an der Sendung “EWTN vor Ort – Der Katholikentag in Münster” mitgearbeitet. Alle Videos und Interviews finden Sie hier in der Playlist.

Eine kurze  Übersicht über den Katholikentag mit Weiterverlinkungen zu dem ein oder anderen Artikel gibt es hier unter “Die 7 größten Aufreger des Katholikentags”.