Der “Synodale Weg”: Eine Glaubensfrage? | Stoppschild aus Rom für Trierer “Bistumsreform”

In Deutschland gehen die Diskussionen um den „Synodalen Weg“ weiter. Nachdem der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp vor zwei Wochen seinen Rückzug aus einem der vier Synodalforen angekündigt hat, hat der Leiter dieses Synodalforums den Synodalen Weg nun zu einer Glaubensfrage erklärt.

Der Aachener Bischof Helmut Dieser ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Leben in gelingenden Beziehungen“. Dort hatte man festgelegt, dass die grundsätzliche Ausrichtung der Arbeit auf eine Veränderung der katholischen Sexualmoral abzielt – ein Schritt, den Schwaderlapp nicht mitgehen wollte.

Nun äußerte sich Bischof Helmut Dieser sehr deutlich während einer Online-Gesprächsveranstaltung des BDKJ.

„Wenn wir da keinen Erfolg im Synodalen Weg haben“, so Dieser wörltich, „dann fürchte ich, werden wir zunächst einmal zu einer Sekte.”

Beim “Synodalen Weg” gehe es um “dramatische Weichenstellungen“, die angeblich darüber entscheiden, ob die Kirche in die Zitat „vielschichtige, verweltlichte Gesellschaft hinein aufbrechen und mit den Menschen auf Augenhöhe sprechen” könne.

“Unser Forum und der ‘Synodale Weg’ müssen ein Erfolg werden”, betonte Dieser. Allerdings gebe es kaum Spielraum bei der Frage nach Segnungen für homosexuelle Partnerschaften. Er sei jedoch zufrieden, wenn zumindest die Beziehungen, die nicht in der Ehe münden, nicht mehr generell “als Sünde” gesehen würden.

Außerdem möchte Bischof Dieser erreichen, dass innerhalb der Kirche mehr über Sexualität gesprochen wird. Viele Seelsorger hätten da einen “inneren Loyalitätskonflikt”, dies sei ein – so wörtlich – “Zeichen für eine Störung”.

Der Passauer Bischof Stefan Oster, der in der Vergangenheit immer wieder ganz ähnliche Positionen wie Weihbischof Schwaderlapp aus Köln vertreten hat, möchte übrigens weiterhin im Synodalforum mitwirken.  Am vergangenen Montag berichtete Oster von einem Treffen mit Bischof Dieser. Das Gespräch sei “intensiv und sehr persönlich” gewesen. 

Oster schreibt dazu auf Facebook:

“Vieles verbindet uns in den Anliegen des Glaubens und der Kirche. In manchem unterscheiden wir uns – auch in manchen Punkten der herausfordernden Themen des Synodalforums”

Oster hatte nach eigenen Angaben einige “ausführliche interne schriftliche Stellungnahmen zu den besprochenen Themen” abgegeben, woraufhin Dieser zu einem persönlichen Gespräch eigens aus Aachen nach Passau gekommen sei.

Eine mögliche ganz konkrete Veränderung wurde unter der Woche im Bistum Trier gestoppt. Wie wir von CNA Deutsch bereits mehrfach berichtet hatten, möchte der dortige Bischof Stephan Ackermann seine Diözese radikal umgestalten. Aus insgesamt 900 Pfarreien sollen 35 Großraum-Pfarreien werden. Diese XXL-Pfarreien sollen von „Leitungsteams“ geführt werden, in denen der Priester nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Im Oktober letzten Jahres hatte Ackermann schließlich ein Gesetz auf den Weg gebrahct, dass seine Vorstellungen umsetzen sollte. Dieses Gesetz wurde bereits im November vom Vatikan einkassiert und der Priesterkongregation, sowie dem Päpstlichen Rat für Gesetzestexte zur Prüfung vorgelegt.

Am vergangenen Dienstag hat das Bistum Trier bekanntgegeben, dass die geplanten Änderungen in der vorliegenden Form nicht umgesetzt werden dürfen. Dies sei das Ergebnis eines Gesprächs mit den Vertretern der entscheidenden Dikasterien in Rom

Der Vatikan bestätigte damit die – wörtlich – “Bedenken” gegenüber den Plänen Ackermanns.

Um nun zu einer konstruktiven Lösung zu kommen, die den genannten Bedenken Rechnung trägt, will sich Ackermann mit seinen Mitarbeitern und den Mitgliedern der diözesanen Räte treffen und das vorliegende Gesetz „im Licht des gemeinsamen Gesprächs überarbeiten”.

Es bleibt also spannend. Und wir bleiben dran.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

“Synodaler Weg”: Paukenschlag aus Köln, Durchhalte-Parolen aus Limburg

Wie verbindlich ist eigentlich das Lehramt der Katholischen Kirche? Gerade in Hinblick auf die Sexualität wird diese Frage in Deutschland erneut diskutiert. Einmal mehr macht der sogenannte „Synodale Weg“ als möglicher Gegner der bisherigen Kirchenlehre auf sich aufmerksam. Und das, obwohl bereits von Anfang festgelegt war, dass zumindest der „Synodale Weg“ kirchenrechtlich unverbindlich bleibt.

Am gestrigen Donnerstag überraschte der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp mit einem Paukenschlag: In einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung „DIE TAGESPOST“ teilte er mit, dass er seine Arbeit im Synodalforum beenden wird. Dieses Forum, das unter dem Titel „Leben in gelingenden Beziehungen“ steht, beschäftigt sich vor allem mit der Sexualmoral der Kirche.

“Wenn das Fundament eines Hauses in Treibsand gesetzt ist, vermag ich nicht daran mitzubauen”, so begründete der Weihbischof gegenüber in der “TAGESPOST” seine Entscheidung.

Was war passiert?

Im Synodalforum sei ein Arbeitspapier verabschiedet worden, das ganz offen eine Änderung der bisherigen, verbindlichen Auffassung der Kirche forderte, unter dem Stichwort: „Weiterentwicklung der katholischen Sexuallehre“. Darin wurde unter anderem behauptet, dass die Sexualität des Menschen „polyvalent“ sei.

Unter diesen Voraussetzungen könnten schließlich empfängnisverhütende Maßnahmen ebenso gerechtfertigt werden wie Masturbation oder homosexueller Geschlechtsverkehr. Auch das “Nein” der Kirche zur Praxis der künstlichen Befruchtung sollte auf Grundlage des Arbeitspapiers “neu bewertet” werden – dies alles waren jedoch Schritte, die der Kölner Weihbischof nicht mitgehen wollte.

Im Gespräch mit CNA Deutsch wies Schwaderlapp noch einmal die Schätze und die Schönheit der kirchlichen Sexuallehre hin. Sexualität, so seine Überzeugung, ist in seiner ganzen Fülle ein „Gottesgeschenk“. Liebe und Fruchtbarkeit dürfen nicht getrennt werden.

Da allerdings im Synodalforum eine Grundsatzdebatte über das vorgelegte Arbeitspapier mit großer Mehrheit abgelehnt wurde, sah sich Schwaderlapp schließlich gezwungen, die Mitarbeit zu beenden. Gegenüber uns sagte der Kölner Weihbischof wörtlich:

“Die wachsende Distanz zwischen Lehre der Kirche und Leben der Gläubigen offenbart aber nach meiner Meinung auch: Gerade die Verkündigung der Sexualität als Gottesgeschenk, das herausfordert, haben wir – zumindest in Deutschland – in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt. Das muss sich dringend ändern.”

Dass sich etwas ändern muss, davon ist auch der aktuelle Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, überzeugt. Der Limburger Bischof hat sich einmal mehr dafür ausgesprochen, die Lehre der Kirche auch in grundlegenden Punkten „weiterzuentwickeln“, wie er es formuliert. Faktisch jedoch verfolgt er damit eine bestimmte Ausrichtung des „Synodalen Weges“, die dasselbe Ziel im Visier hat wie die Arbeitsgruppe, die Weihbischof Schwaderlapp nun unter Protest verlassen hat: Nämlich eine Außerkraftsetzung bisheriger verbindlicher Kirchendokumente.

Bischof Bätzing erklärte in einem Interview mit “Publik Forum”:

“Mehrere Päpste haben betont, die Frage der Zulassung von Frauen zum Priesteramt sei eine geschlossene Frage“.

Da mache auch Papst Franziskus keine Ausnahme. Dennoch müsse man weiter im Gespräch bleiben und die Situation „neu bewerten“. Auch bei der Möglichkeit, homosexuellen Paaren einen kirchlichen Segen zu erteilen, sieht der DBK-Vorsitzende Spielraum. 

Noch eindeutiger wird Bätzing allerdings bei der Frage zur Interkommunion. Wörtlich:

“Christinnen und Christen können mit guten Argumenten und nach eigenem Gewissen entscheiden, an der Eucharistie- oder Abendmahlsfeier der je anderen Konfession teilzunehmen, weil es im Sinngehalt dessen, was wir glauben und feiern, doch mittlerweile so viel Übereinstimmung gibt.”

Ausländische Beobachter hatten mehrfach die Befürchtung geäußert, dass die Initiatoren des „Synodalen Weges“ – inklusive eines Großteils der deutschen Bischofskonferenz – einen deutschen Sonderweg anstreben.

Nach jetzigem Stand scheinen sich diese Prognosen zu bestätigen. Dass Teile der Kirchenleitung aus Treue zur Lehre der Kirche und aus Gewissensgründen vorzeitig aussteigen wie im Fall des Kölner Weihbischofs Dominikus Schwaderlapp, bleibt bis jetzt noch eine Ausnahme. 

Inwieweit sich die Situation noch zuspitzt und ob oder wann ein päpstliches Machtwort aus Rom vorzeitig die Notbremse ziehen wird, dürfte noch unklar sein. Die Initiatoren selbst rechnen jedoch mit einem langen Atem: Am Freitag gaben sie bekannt, dass sie den „Synodalen Weg“ aufgrund der Corona-Krise nicht schon im Oktober 2021, sondern erst im Februar 2022 beenden werden.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

NEUER ARTIKEL: Rezension zu Bischof Stefan Osters “CREDO”

Wir schreiben das Jahr 2019, doch als sich die schwere Tür zur Krypta öffnet, weht dem geneigten Gast ein sanfter Hauch vergangener Glorie entgegen. Eines wird sofort deutlich: Offenbar hat es sich nicht bis nach Passau herumgesprochen, dass PowerPoint-Präsentationen ‘voll 2010’ sind. Doch der Mann, der vor der improvisierten Leinwand steht und engagiert mit dem Laserpointer über seine Vortragsfolien saust, macht schnell deutlich, dass er ‘nicht von gestern’ ist, auch wenn er uralte Wahrheiten verkündet. Der Mann, der die andere Hand nur zum Gestikulieren aus der Hosentasche nimmt und mit einer Intensität von Gott spricht, so, als ob es Ihn wirklich gäbe, trägt ein Kreuz um seinen Hals und ist der Hirte dieses Bistums: Bischof Stefan Oster.”

In der aktuellen Ausgabe der kath. Wochenzeitung “DIE TAGESPOST” habe ich das neue Buch des Passauer Bischofs Stefan Oster besprochen (“CREDO”) und dabei auch meinen Eindruck von seinen “Believe and Pray”-Abenden geschildert.

SPOILER: Es lohnt sich. Beides!

Hier kann man die Rezension online nachzulesen. Außerdem habe ich zuvor mit ihm ein Interview geführt, welches hier bei CNA Deutsch veröffentlicht wurde.

In eigener Sache: Neuer Job!

Seit dem 1. Oktober 2013 arbeite ich seit genau sechs Jahren für den katholischen Fernsehsender EWTN.TV in Köln. Am 1. Oktober 2019, genau sechs Jahre später, ist eine zweite große Aufgabe dazugekommen: Die katholische Nachrichtenagentur CNA Deutsch macht mich zum Chefkorrespondenten für das deutschsprachige Europa.

Als katholischer Journalist ist es eine Ehre für mich meinen Teil dazu beizutragen, dass vom “normalen” Gottesdienstbesucher bis zum glaubensfernen Kirchenkritiker die Menschen weiterhin von der Kirche hören werden. Ich werde vor allem aus dem deutschsprachigen Teil der Weltkirche berichten und gelegentlich die Geschehnisse mit katholischer Brille kommentieren.

Weiterhin werde ich für die EWTN-Familie als Redakteur, Moderator und Berichterstatter arbeiten. Einige neue Sendungen sind bereits in Planung, auch bei Live- oder Sondersendungen wird man hin und wieder (wohl oder übel) mein Gesicht auf der Mattscheibe sehen. Oft werden beide Aufgabenbereiche verschmelzen, wie demnächst, wenn ich Mitte Oktober für EWTN und CNA Deutsch aus Rom über die bevorstehende Amazonas-Synode berichten darf.

Ich freue mich darauf, für CNA Deutsch einen unverstellten, katholischen Blick auf die Kirche in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu werfen. Ich danke dem Chefredakteur Anian Christoph Wimmer für die Möglichkeit hierbei mein Wissen und meine Erfahrungen einzubringen.

Journalisten sind zwar oft in der Versuchung als “Welterklärer” oder “Besserwisser” aufzutreten. Ich für meinen Teil erinnere mich jedoch immer wieder gerne an eine Szene aus den Kult-Filmen von “Don Camillo”, in der der legendäre Priester sichtlich verzweifelt seine Augen zum gekreuzigten Herrn erhebt und fragt:

“Jesus, wer wird die Menschen jemals verstehen?”

Die Antwort kommt mit einer sanften Stimme: “Ich.”

Bischof Oster: “Haben wir genug Glauben?”

“Was muss man eigentlich alles tun? Zunächst einmal: Glauben. Es hilft ja auch nicht in Aktionismus zu verfallen und alle möglichen Dinge zu tun.“ Als ich den Passauer Bischof Stefan Oster Anfang des Jahres am Rande des Weltjugendtags in Panama für EWTN interviewt habe, war natürlich auch die aktuelle Glaubens- und Berufungskrise in Deutschland Thema unseres Gesprächs. Von übereilten “Reformen” hält der Passauer Oberhirte offensichtlich wenig.

Stattdessen gehe es um das “persönliche Ringen um Heiligkeit, auch die Dimension des Opfers, die Dimension des aufrichtigen persönlichen Gebetes und die Bereitschaft mit jungen Menschen zu gehen“. In Hinblick auf die immer häufig leer bleibenden Priesterseminare sei die entscheidende Frage:

“Haben wir genug Glauben, dass der Herr jeden Menschen beruft?“

Das Interview wurde Mitte Januar auf einer sonnigen Terrasse über den Dächern Panama Citys aufgezeichnet und ist hier abrufbar. Eine kurze Zusammenfassung gibt es hier bei CNA Deutsch.

Foto: EWTN.TV, Screenshot von der Serie “Rudolf will’s wissen – Wie erkenne ich Gottes Plan für mein Leben?”

Der Brief von Papst Franziskus: Traue niemals einer Zusammenfassung!

„In seinem 5700 Worte langen Brief betont der Papst wiederholt mit großer Deutlichkeit, dass die Kirche dazu da ist, den Glauben zu verkünden“, meldete CNA Deutsch am Samstagmittag des 29. Juni 2019. Wie bereits am Mittwoch bekannt wurde, hat Papst Franziskus einen Brief an die Gläubigen in Deutschland geschrieben. Zuerst wurde angenommen, der Text sei nur für die Bischöfe bestimmt. Dann wurden die Meldungen korrigiert mit dem Hinweis, der Brief sei an alle Katholiken in Deutschland gerichtet. Trotzdem wollte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) erst drei Tage später – am heutigen Samstag – das Schreiben dem übrigen Kirchenvolk vorstellen.

Dies ist nun geschehen. Obwohl der sehr umfangreiche Papst-Brief von der weltlichen Öffentlichkeit weitgehend nicht einmal mit einem Achselzucken bedacht wird, wird in einschlägigen katholischen Foren bereits heiß über den Inhalt diskutiert.

Bei “katholisch-de”, dem “Internetportal der Katholischen Kirche in Deutschland” (Selbstbezeichnung), liest es sich so: “Papst Franziskus unterstützt deutsche Katholiken beim ‘synodalen Weg’.” Unterstützung hat der Heilige Vater tatsächlich zugesagt, er schreibt: “Die Sachlagen und Fragestellungen, die ich mit Euren Hirten anlässlich des letzten Ad-Limina-Besuches besprechen konnte, finden sicherlich weiterhin Resonanz in Euren Gemeinden. Wie bei jener Gelegenheit möchte ich Euch meine Unterstützung anbieten, meine Nähe auf dem gemeinsamen Weg kundtun und zur Suche nach einer freimütigen Antwort auf die gegenwärtige Situation ermuntern.”

Die klaren Worte von Franziskus zu jener “gegenwärtigen Situation” der Kirche fanden auch beim Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki Beifall:

“Dass Papst Franziskus sogar von ‘Erosion und Verfall des Glaubens’ in Deutschland spricht, zeigt, dass er wirklich nichts beschönigt und auch uns ermuntert, die Augen vor der Realität nicht zu verschließen. Die Krise der Kirche, da hat der Papst, so schmerzlich es ist, doch recht, ist in erster Linie eine Glaubenskrise.”

Was den sogenannten “synodalen Weg” betrifft, für den die Deutsche Bischofskonferenz seit einiger Zeit wirbt, findet der Heilige Vater jedoch deutliche Worte der Warnung. Der Begriff “synodaler Weg” stammt von der letzten Frühjahrsvollversammlung, er soll einen Weg beschreiben, bei dem es um Machtfragen innerhalb der Kirche geht und eine eventuelle Neuausrichtung der bisherigen Kirchenlehre in Bezug auf die Sexualmoral und den Zugang zu den Weiheämtern.

Dazu schreibt Franziskus, dass “eine der ersten und größten Versuchungen im kirchlichen Bereich darin bestehe zu glauben, dass die Lösungen der derzeitigen und zukünftigen Probleme ausschließlich auf dem Wege der Reform von Strukturen, Organisationen und Verwaltung zu erreichen sei, dass diese aber schlussendlich in keiner Weise die vitalen Punkte berühren, die eigentlich der Aufmerksamkeit bedürfen.” Er erinnert an sein Schreiben Evangelii Gaudium, bei dem er bereits warnte: “Es handelt sich um eine Art neuen Pelagianismus, der dazu führt, unser Vertrauen auf die Verwaltung zu setzen, auf den perfekten Apparat. Eine übertriebene Zentralisierung kompliziert aber das Leben der Kirche und ihre missionarische Dynamik, anstatt ihr zu helfen”.

Viel Text, viel Kirchendeutsch

In den ersten Reaktionen auf den Brief kritisieren viele Leser den großen Umfang des Papst-Schreibens. Mehrfach wird außerdem angemerkt, dass die Wortwahl “zu kirchisch” sei und teilweise über die Köpfe und das Verstehen des gläubigen “Fußvolkes” hinweggehe. Möglicherweise lag in dieser pastoralen Rücksichtnahme die Motivation der Pressestelle der Bischofskonferenz, den wichtigen Brief des Oberhirten an seine deutschen Schäfchen erst nach einem dreitägigen Wirkungs- und Verstehensprozess zu veröffentlichen. Umso interessanter ist die Feststellung, dass der Vorsitzende der DBK, Reinhard Kardinal Marx, wie auch der Vorsitzende des “Zentralkomitees der deutschen Katholiken” (ZdK), Thomas Sternberg, nach drei Tagen der Meditation trotzdem zu dem Schluss kommen, der Brief lade sie ein, “den angestoßenen Prozess in diesem Sinn weiterzugehen”. Dabei erhebt Franziskus noch einmal mahnend den Zeigefinger:

“Die derzeitige Situation anzunehmen und sie zu ertragen impliziert nicht Passivität oder Resignation und noch weniger Fahrlässigkeit; sie ist im Gegenteil eine Einladung, sich dem zu stellen, was in uns und in unseren Gemeinden abgestorben ist, was der Evangelisieren und der Heimsuchung durch den Herrn bedarf. Das aber verlangt Mut, denn, wessen wir bedürfen, ist viel mehr als ein struktureller, organisatorischer oder funktionaler Wandel.”

Vielleicht sind es die vielen irreführenden Zusammenfassungen, die zu den unterschiedlichen Deutungen geführt haben. Ein derart langes Schreiben lädt sicherlich dazu ein Rosinenpickerjournalismus zu betreiben und jene Sätze herauszustreichen, die der eigenen kirchenpolitischen Einstellung widerstreben. Auch der Verfasser dieser Zeilen kann sich dieser Versuchung nicht komplett erwehren.

Aus diesem Grund mein persönlicher Sommer-Tipp für diesen warmen, bundesliga-freien Samstagnachmittag:

Nehmen Sie sich einen kühlen Drink, setzen Sie sich auf die Terrasse (Sonnencreme nicht vergessen) und meditieren Sie in Ruhe über den Text des Heiligen Vaters. Lassen Sie sich nicht davon abschrecken, dass einige dem Kirchenvolk die Fähigkeit absprechen wollen, den Original-Text zu verstehen und Ihnen deshalb Deutungen aufnötigen. Bei Rückfragen und Anmerkungen wird Ihnen Ihr Heimatpfarrer nach der morgigen Sonntagsmesse sicher zur Verfügung stehen.

Trauen Sie niemals einer Zusammenfassung! Lesen Sie hier das Original im Wortlaut.

Foto: Daniel Ibanez / Catholic News Agency

Ruhe in Frieden, Kardinal Meisner!

Am 5. Juli 2017 verstarb Joachim Kardinal Meisner. Der frühere Erzbischof von Köln hat sein Bistum geprägt wie nur wenige. Ich habe ihn – trotz aller Fehler und Schwächen – immer bewundert für seine Aufrichtigkeit. Er ist damit oft angeeckt und hat manche Menschen damit verletzt.

Hatte er sich erst mal in seinen “heiligen Zorn” hineingesteigert, war kaum jemand vor ihm sicher. Auch ich nicht.

Ein Jahr ist nun seit seinem Tod vergangen. Kurz vor dem Weltjugendtag 2016 in Krakau hatten wir von EWTN die Möglichkeit mit ihm zu sprechen. Es war ein denkwürdiges Interview, das er mit den Worten beendete:

“Gut, und jetzt hau ich ab!”

Kardinal Meisner wird uns auch weiterhin fehlen. Ruhe in Frieden!

Hier zum Beitrag: “Gut, und jetzt hau ich ab” – Meine letzte Begegnung mit Kardinal Meisner.

Alle Interviews mit den Trauergästen am Tag des Requiems von Kardinal Meisner gibt es hier.

 

Bischof Kohlgraf rätselt

Im Kommunionstreit hat sich Bischof Peter Kohlgraf erneut zu Wort gemeldet. Bereits in der Vergangenheit hatte er sich über das aktuelle Streitthema so geäußert:

“Denken wir eigentlich, wir müssten den lieben Gott beschützen, indem wir bestimmen, wer zur Kommunion gehen darf und wer nicht?”

Zu meinem Artikel bei CNA Deutsch geht’s hier lang.

Der Katholikentag 2018 in Münster 2018

Vom 9. bis zum 13. Mai 2018 bin ich mit EWTN.TV beim Katholikentag in Münster gewesen und habe dabei auch für CNA Deutsch berichtet.

Für EWTN habe ich an der Sendung “EWTN vor Ort – Der Katholikentag in Münster” mitgearbeitet. Alle Videos und Interviews finden Sie hier in der Playlist.

Eine kurze  Übersicht über den Katholikentag mit Weiterverlinkungen zu dem ein oder anderen Artikel gibt es hier unter “Die 7 größten Aufreger des Katholikentags”.