Mein neues Buch mit Bischof Stefan Oster

Ich war seit fast vier Jahren beim katholischen Fernsehsender EWTN, als ich zum ersten Mal dem Passauer Bischof Stefan Oster begegnete – also so richtig, live und in Farbe. Und dann wurde es direkt ernst. Es war der 28. Juli 2017, ein warmer Sommermorgen, und ich hatte vor lauter Aufregung gerade eine Tasse Kaffee abgelehnt, welche mir die höfliche Sekretärin aus dem Büro des Bischofs angeboten hatte. Zwei Minuten später entschied ich mich um und stand mit gesenktem Blick wieder vor ihr. “Könnte ich nicht doch einen Kaffee haben”, fragte ich leise. Weitere Minuten später saß ich mit der Kaffeetasse in diesem riesigen Zimmer und rührte unentschlossen in diesem Himmelsgetränk herum. Als ob ich jetzt noch etwas runterbringen würde.

Es war bereits alles angerichtet. Die Kameras waren aufgebaut, die Lichter gesetzt. “Der Raum hier ist noch ganz frisch”, hatte Thomas Weggartner, der Referent des Bischofs gesagt. Er nannte mich schon damals “Rudi”, obwohl ich diese Abkürzung hasse, aber wer kann dem immer freundlichen Thomas schon wirklich böse sein?

Das Zimmer liegt direkt neben dem Sekretariat des Bischofs und ist wohl als Empfangs- und Konferenzraum gedacht. Durch die hohen Fenster hat man einen tollen Blick auf den Dom und der riesige, rote Tisch machte direkt klar: Hier sitzen normalerweise wichtige Menschen.

Jetzt saß ich da, das Lampenfieber zwickte im Magen und erneut tat ich so, als würde ich am Kaffee nippen, um die nette Sekretärin nicht zu beleidigen.

Dann kam Bischof Oster herein. Dynamisch schritt er die Reihe der Kameraleute ab, gab jedem die Hand, dann stand er vor mir, lächelte und sagte: “So, kömmer direkt anfang?”

Es war ausgemacht, dass wir bis zum Mittag Zeit haben, um die komplette Serie im Kasten zu haben, denn dann hatte der Bischof schon seinen nächsten Termin. Deshalb legten wir los. Ich hatte bereits mit dem Kölner Weihbischof Klaus Dick eine Serie über das Thema “Beichte” gedreht und mit dem Churer Weihbischof Marian Eleganti ebenfalls eine ganze Staffel zum Thema “Geistiger Kampf”. Mit Bischof Oster wollte ich über das Thema “Berufung” sprechen.

Mich selbst hat dieses Thema spätestens seit der Oberstufe des Gymnasiums schwer beschäftigt. Wenn ich mich umblickte, war ich so ziemlich der Einzige, der noch wirklich jeden Sonntag in die Messe ging und für den der Glaube auch privat eine wichtige Rolle spielte. Wollte Gott vielleicht, dass ich Priester werde?

Ich habe mich sehr, sehr lange mit dieser Frage herumgeschlagen und konnte dank vieler guter Menschen, die mir auf diesem Weg geholfen haben, die richtige Entscheidung treffen. Ich musste lernen, dass Berufung mehr ist als die Entscheidung zwischen Priestertum und Ehe. Ich durfte auch lernen, dass Gott kein grausamer Puppenspieler ist, der nur darauf wartet, dass ich mich “falsch” entscheide und Er dann dafür sorgt, dass mein gesamtes Leben den Bach runtergeht. Diese Erfahrung, dass Gott einerseits einen großen Plan mit einem jeden von uns vor hat, uns aber andererseits auch die völlige Freiheit lässt, uns dafür oder dagegen zu entscheiden, all diese Lektionen waren in den vergangenen Jahren bis zu dieser Begegnung mit Bischof Stefan Oster äußerst lehrreich.

Insgesamt drehten wir fünf Einzelsendungen mit je 25 Minuten. Die Zeit verflog wie nix, es war spannend zu sehen, dass auch der Bischof früher durch einen ähnlichen Lernprozess laufen musste. Teilweise erzählte er sehr persönlich von den Höhepunkten und Niederlagen auf dem Weg seiner Gottsuche und als die Zeit abgelaufen war, bedauerte ich es sehr, dass wir uns nicht weiter darüber unterhalten konnten.

Im Spätherbst des Jahres 2017 lief die Serie unter dem Titel “Rudolf will’s wissen – Wie erkenne ich Gottes Plan für mein Leben?” bei EWTN.TV an. Bald kamen die ersten Nachfragen von Zuschauern, ob es die Sendung nicht auch in Schriftform geben könnte. Ich war erstaunt. Hatten meine Brüder nun also doch recht, als sie mir damals attestierten, ich hätte “ein Gesicht fürs Radio”? Wollten sich die Leute wenigstens unseren Anblick ersparen?

Wie auch immer, irgendwann, als ich mal wieder länger wach im Bett lag und einfach nicht schlafen konnte, begann ich, die Sendungen Wort für Wort abzutippen. Dies war noch einmal eine ganz eigene Erfahrung. Erstens habe ich mittlerweile einen wahnsinnigen Respekt vor all den Sekretären dieser Welt, die tagtäglich lange Textpassagen transkribieren müssen. Zweitens war ich teilweise entsetzt, dass ich bei manchen Antworten des Bischofs nicht weiter nachgefragt habe. Und drittens musste ich auch feststellen, dass automatische Texterkennungsmaschinen mir nicht weiterhelfen, weil im Laufe des Gesprächs sowohl der Bischof als auch ich immer mehr in unseren Dialekt zurückgefallen sind.

Irgendwann während des Abtippens kam dann die Idee, den Bischof zu fragen, ob wir nicht ein Buch aus der Serie machen sollten. Der Vorteil wäre, dass wir alles noch einmal überarbeiten und sogar neue Fragen ergänzen könnten. Er war einverstanden und als auch der Programmdirektor von EWTN Deutschland, Martin Rothweiler, sein grünes Licht gegeben hatte, begann die eigentliche Arbeit erst.

Zwischen jener schlaflosen Nacht, in der ich angefangen habe, die Sendungen zu transkribieren, und dem Moment, als der Herder-Verlag sein Okay gegeben hat, sind etwa dreieinhalb Jahre vergangen. Wir haben nicht nur an der Sprache geschliffen, sondern auch neue Punkte ergänzt. Dem Bischof war es ein Anliegen, auch die aktuell so brennende Thematik des Missbrauchs mit ins Buch zu nehmen. Herausgekommen ist nun dieses Buch, das hoffentlich nicht nur Freude macht, sondern auch Ihnen persönlich ganz konkret bei der Frage hilft, was Gott eigentlich mit Ihnen vorhat. Gott lässt uns nicht im Stich, es ist Ihm nicht egal, ob wir glücklich sind oder nicht. Davon bin ich überzeugt.

Welche Rolle spielt dabei aber die Kirche? Wie kommt es, dass sie entscheiden kann, wer beispielsweise eine Priesterberufung hat und wer nicht? Kann sie nicht auch krass danebenliegen, wenn sie keine Frauen zu Priestern weiht? Und was ist, wenn jemand keinen Partner findet und auch keine geistliche Berufung verspürt? Ist so ein Leben “vergeudet”? Warum ist denn Jesus Christus für uns am Kreuz gestorben? Was kümmert ihn unser Leben? Und überhaupt, was ist eigentlich mit “Erlösung” gemeint? – All diese Fragen haben mich auf meinem Weg immer wieder beschäftigt. Bischof Stefan Oster ist keiner einzigen Frage ausgewichen und ich bin ihm wahnsinnig dankbar, dass er sich damals sowohl auf die TV-Serie, als auch nun auf das Buchprojekt eingelassen hat.

Übrigens, als wir die letzte Sendung endlich im Kasten hatten, unterhielt mich noch kurz mit ihm. Das ist natürlich ein ganz alter Trick, damit man den Kollegen nicht beim Abbau helfen zu muss. Plötzlich fragte mich der Bischof ganz unvermittelt:

„Und Sie? Werden Sie auch Priester?“

Vor einiger Zeit wäre ich bei dieser Frage wahrscheinlich in kaltem Angstschweiß ausgebrochen. Ich hätte mich gefragt: Ist das vielleicht gerade Gott, der durch diesen Menschen spricht? Bin ich auf dem richtigen Weg? Muss ich Priester werden, um Gottes Plan zu erfüllen? Es gab ja eine Zeit, da bin ich dieser Frage panisch ausgewichen, weil ich Angst vor der Antwort hatte. Ich bin froh, dass das endlich vorbei ist.

Ich lächelte den Bischof an und sagte mit der größtmöglichen Gelassenheit, dass ich mich tatsächlich lange mit dieser Frage herumgeschlagen habe, ich aber glaube, dass meine Berufung eher in der Medienarbeit liegt.

Oster lächelte verschmitzt zurück: „Na ja, das dachte ich damals auch.“

Wie auch immer – nun ist es an der Zeit, dass Sie Ihren Terminkalender hervorkramen und den Hammer für das Sparschwein aus der Werkzeugkiste holen.

Am 17. August 2021 ist es soweit, dann erscheint unser gemeinsames Buch unter dem Titel “Den ersten Schritt macht Gott” im Herder-Verlag. Greifen Sie zu – es ist nicht umsonst! (Fun Fact: Es ist tatsächlich nicht umsonst, sondern kostet sogar 16,- Euro. Also umgerechnet 64 Plastikpfandflaschen).

Die Bestellmöglichkeiten sind unten aufgelistet.

“Den ersten Schritt macht Gott” vorbestellen:

Als Weihbischof Schwaderlapp die Klappe hielt

Kennen Sie ‘Papa Ante Portas’? Nicht? Wie, nur vom Namen her? Das geht ja gar nicht! Sie müssen den Film unbedingt mal sehen!” – Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp war ob meiner kulturellen Wissenslücke einigermaßen entsetzt. Meine Kollegen waren gerade dabei, sein Wohnzimmer in ein kleines Fernsehstudio umzuwandeln. Drei Tage lang sollten wir für den katholischen Fernsehsender EWTN.TV dort eine neue Serie aufnehmen. Und jetzt kannte dieser Typ, der ihn interviewen sollte, nicht einmal diesen Film-Klassiker von Loriot?

Schwaderlapp war Wochen zuvor von sich aus auf uns zugekommen. Eine Art “Grundkurs des Glaubens” wolle er auf die Beine stellen, eine Serie, die die grundsätzlichen Fragen des katholischen Glaubens behandle. Es war für uns die Gelegenheit, drei Jahre nach der letzten Staffel mit dem Passauer Bischof Stefan Oster eine neue Staffel von “Rudolf will’s wissen” zu drehen.

Sieht aus wie “Der Pate”, war aber ausgesprochen liebenswürdig, offenherzig und humorvoll: Weihbischof Dominikus Schwaderlapp hat sich für uns viel Zeit genommen und als Drehort sogar drei Tage lang sein Wohnzimmer zur Verfügung gestellt.

Der Weihbischof und ich hatten beschlossen, uns am Glaubensbekenntnis zu orientieren. Schließlich ist darin ja alles enthalten, was die Katholische Kirche glaubt. Satz für Satz wollten wir das Credo besprechen.

“Ich glaube an Gott, den Vater…” – so beginnt das Glaubensbekenntnis. Woher will man eigentlich wissen, dass es nur einen Gott gibt? Dass unser Gott der richtige ist? Warum ist Gott “Vater”? Warum “Vater” und nicht “Mutter”?

Diese und weitere Fragen haben wir besprochen und im Nu war die erste Folge schon im Kasten.

Am Ende haben wir vom 6. bis zum 8. Juli innerhalb von drei Tagen 14 Folgen mit jeweils 25 Minuten gedreht. Ich selbst habe die Gespräche mit Weihbischof Schwaderlapp als sehr kurzweilig, aufschlussreich und spannend empfunden. Ich bin als Kind wie selbstverständlich mit dem Glauben aufgewachsen und doch gab es noch Fragen, die ich immer mal stellen wollte. Viele Fragen, mit denen ich außerdem von Freunden und Bekannten im Alltag konfrontiert werde, sind ebenfalls in unsere Serie mit eingeflossen. Es war erstaunlich, wie gut vorbereitet und verständlich Schwaderlapp auf jede einzelne eingegangen ist. Letztlich war diese TV-Produktion für mich wie ein Crashkurs der Theologie und eine Art von geistlichen Exerzitien.

Jetzt steht jedoch erst einmal die Postproduktion an. Ich beneide meinen Kollegen nicht, der die ganzen Folgen nun schneiden und “fernsehfertig” machen darf. Anfang November 2020 soll die komplette Staffel dann bei EWTN.TV anlaufen – sowohl im regulären TV-Programm, als auch über den Internet-Livestream. Ich bin mir sicher, dass die einzelnen Folgen dann auch in der Mediathek abrufbar sein werden. All das wird EWTN noch rechtzeitig über die verschiedenen Kanäle bekanntgeben.

Bis dahin steht bei mir noch Loriot auf dem Programm. “Sie müssen sich unbedingt noch ‘Papa Ante Portas’ ansehen”, hatte Weihbischof Schwaderlapp nach dem Ende des Drehs noch einmal eindringlich gesagt. Auch dort sei die Wohnung mit Kamera-Equipment vollgestellt worden, er habe sofort diese Assoziation gehabt, als er gesehen hatte, wie wir sein Wohnzimmer zu einem improvisierten Studio gemacht haben.

Doch nachdem die letzte Klappe gefallen war, haben auch wir schließlich die Klappe gehalten. Aber sehen Sie selbst:

In eigener Sache: Neuer Job!

Seit dem 1. Oktober 2013 arbeite ich seit genau sechs Jahren für den katholischen Fernsehsender EWTN.TV in Köln. Am 1. Oktober 2019, genau sechs Jahre später, ist eine zweite große Aufgabe dazugekommen: Die katholische Nachrichtenagentur CNA Deutsch macht mich zum Chefkorrespondenten für das deutschsprachige Europa.

Als katholischer Journalist ist es eine Ehre für mich meinen Teil dazu beizutragen, dass vom “normalen” Gottesdienstbesucher bis zum glaubensfernen Kirchenkritiker die Menschen weiterhin von der Kirche hören werden. Ich werde vor allem aus dem deutschsprachigen Teil der Weltkirche berichten und gelegentlich die Geschehnisse mit katholischer Brille kommentieren.

Weiterhin werde ich für die EWTN-Familie als Redakteur, Moderator und Berichterstatter arbeiten. Einige neue Sendungen sind bereits in Planung, auch bei Live- oder Sondersendungen wird man hin und wieder (wohl oder übel) mein Gesicht auf der Mattscheibe sehen. Oft werden beide Aufgabenbereiche verschmelzen, wie demnächst, wenn ich Mitte Oktober für EWTN und CNA Deutsch aus Rom über die bevorstehende Amazonas-Synode berichten darf.

Ich freue mich darauf, für CNA Deutsch einen unverstellten, katholischen Blick auf die Kirche in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu werfen. Ich danke dem Chefredakteur Anian Christoph Wimmer für die Möglichkeit hierbei mein Wissen und meine Erfahrungen einzubringen.

Journalisten sind zwar oft in der Versuchung als “Welterklärer” oder “Besserwisser” aufzutreten. Ich für meinen Teil erinnere mich jedoch immer wieder gerne an eine Szene aus den Kult-Filmen von “Don Camillo”, in der der legendäre Priester sichtlich verzweifelt seine Augen zum gekreuzigten Herrn erhebt und fragt:

“Jesus, wer wird die Menschen jemals verstehen?”

Die Antwort kommt mit einer sanften Stimme: “Ich.”

Rudolf will’s wissen: Geistiger Kampf

Noch bis November läuft im regulären Programm von EWTN Deutschland meine Serie “Rudolf will’s wissen – Geistiger Kampf”. Darin spreche ich mit dem Schweizer Weihbischof Marian Eleganti (Bistum Chur) über Schwierigkeiten im Gebet und in der Gottesbeziehung. Wie kann ich Gottes Willen von meinen eigenen Hirngespinsten unterscheiden? Wie gehe ich mit meiner inneren Unruhe um? Was ist, wenn ich nicht mehr beten kann/will?

Mit Weihbischof Marian Eleganti im Gespräch. Foto: EWTN

Gedreht haben wir die Serie im Herbst 2016. Der Drehort war traumhaft, wir nutzen dabei die Räumlichkeiten des Bistums in Chur. Für die verschiedenen Intros der Serienteile haben wir nicht nur in der wunderschönen Innenstadt von Chur gedreht, sondern auch im bekannten Ski-Gebiet Arosa. Über kurvige Abenteuerstraßen sind wir bis zum Berggipfel gefahren, damit ich nachdenklich durch den Schnee stapfen kann.

Eine weitere Besonderheit war außerdem die Mitwirkung von Bernarda. Die junge Katholikin ist eine Bekannte von Weihbischof Eleganti und mit einem Gesangstalent ausgestattet worden, das Gott mir selbst vorenthalten hat. Gemeinsam mit dem Weihbischof hat sie vor jeder Sendung ein neues Lied eingesungen.

Die gesamte Serie läuft noch bis Ende November bei EWTN (zum Wochenprogramm geht’s hier). Doch Menschen mit Internetzugang haben bereits jetzt die Möglichkeit, diese und weitere Serien in der EWTN-Mediathek abzurufen. Zur Serie “Rudolf will’s wissen – Geistiger Kampf” geht’s hier lang!

Viel Freude damit!

Auf dem Gipfel. Foto: EWTN

Warum glaube ich?

Viele Menschen sagen mir, dass sie glauben möchten. Was sie aber wirklich wollen, ist eine schnelle Hilfe gegen alles, was sie plagt.“ Dieser Satz stammt von Mutter Angelica, der Gründerin des weltweit größten katholischen Mediennetzwerkes EWTN. Als ich vor drei Wochen wegen meiner Weisheitszähne darniederlag und mich beim Herrn bitterlich über mein schweres Kreuz beklagte, stellte ich fest, das an diesem Satz mehr dran ist, als ich mir eingestehen wollte.

Sobald der Glaube nur zweckorientiert bleibt, verliert er viel von der Wertigkeit dessen, was er eigentlich sein will: Liebe. Sicher, Glaube heißt auch Vertrauen, Hoffen, Gehorsam, Disziplin. Doch in seiner vollendeten, perfekten Form ist er nichts als reine Liebe. Aber: Auch wenn Sie sich erst dann an Gott wenden, weil es wirklich nicht mehr anders geht und Sie Gott aber wieder vergessen haben, sobald Ihre Probleme erledigt sind und es Ihnen wieder gut geht, dann ist auch das Glaube. Es ist zwar ein Glaube, der momentan noch vom Defizit der Zweckmäßigkeit geprägt ist, aber es ist Glaube.

Die Sehnsucht nach Gott und der heimliche Neid auf gläubige Menschen rührt manchmal genau daher, dass der Eindruck entsteht, dass diese Gläubigen einen “Joker” in der Hinterhand haben, wenn es mal nicht läuft. Gott wird als eine Art Heinzelmännchen betrachtet, der nachts den Müll aufräumt, sich dann aber wieder still und heimlich verzieht. Gott ist der Butler, der weitestgehend unsichtbar seinen Dienst am Kunden verrichtet, sich aber nicht weiter einmischt und stattdessen zu jedem Scheiß ein “Gute Wahl, Sir!” von sich gibt. Klar: Gott ist viel mehr als das. Doch bei manchen ist vielleicht genau diese Vorstellung der zarte Anfang einer echten Gottesbeziehung.

Natürlich muss der Glaube über die Vorstellung eines sich im Hintergrund haltenden Erfüllungsgehilfen, eines Deus ex machina hinaus wachsen. Doch vielleicht machen wir es uns manchmal zu einfach, wenn wir Leute verurteilen, die Gott noch aus diesem Blickwinkel betrachten. Auch unser eigener Glaube ist nicht aus dem Nichts gewachsen. Jedem sollte die Chance zugestanden werden, im Glauben zu wachsen.

Als der Zahnarzt sich neulich über mich beugte und wie wild mit seinen Instrumenten in meinem Rachen herumfräste und verzweifelt versuchte meine vier Weisheitszähne herauszubrechen, habe ich so intensiv zu Gott gebetet wie lange nicht mehr und Ihn darum angefleht meine Qualen abzukürzen. Hinterher musste ich dann doch auch ein wenig über mich selbst lachen und ich mich ernsthaft fragen, warum ich erst dann wieder ein so tiefes Verhältnis zu Gott bekomme, wenn ich von (scheinbar) unerträglichen Schmerzen gepeinigt werde. Die Aufforderung im Glauben zu wachsen und die Gottesbeziehung in wirklich jeder Lebenslage frisch zu halten, geht deshalb auch an mich, um nicht selbst dauerhaft auf der Entwicklungsstufe hängen zu bleiben, die laut Mutter Angelica den Glauben lediglich als “eine schnelle Hilfe gegen alles, was sie plagt“ betrachtet.

Übrigens: Falls Ihnen bei Zahnarzt-Terminen ebenfalls ganz bange ist, lege ich Ihnen gerne einen anderen Spruch der bekannten EWTN-Gründerin ans Herz:

“Gott liebt Sie so sehr, dass Er jede Träne kennt, die Sie jemals geweint haben.”

In diesem Sinne: Machen Sie sich nicht so viele Sorgen und fühlen Sie Ihrer eigenen Gottesbeziehung ruhig mal wieder auf den Zahn!

Bischof Oster: “Haben wir genug Glauben?”

“Was muss man eigentlich alles tun? Zunächst einmal: Glauben. Es hilft ja auch nicht in Aktionismus zu verfallen und alle möglichen Dinge zu tun.“ Als ich den Passauer Bischof Stefan Oster Anfang des Jahres am Rande des Weltjugendtags in Panama für EWTN interviewt habe, war natürlich auch die aktuelle Glaubens- und Berufungskrise in Deutschland Thema unseres Gesprächs. Von übereilten “Reformen” hält der Passauer Oberhirte offensichtlich wenig.

Stattdessen gehe es um das “persönliche Ringen um Heiligkeit, auch die Dimension des Opfers, die Dimension des aufrichtigen persönlichen Gebetes und die Bereitschaft mit jungen Menschen zu gehen“. In Hinblick auf die immer häufig leer bleibenden Priesterseminare sei die entscheidende Frage:

“Haben wir genug Glauben, dass der Herr jeden Menschen beruft?“

Das Interview wurde Mitte Januar auf einer sonnigen Terrasse über den Dächern Panama Citys aufgezeichnet und ist hier abrufbar. Eine kurze Zusammenfassung gibt es hier bei CNA Deutsch.

Foto: EWTN.TV, Screenshot von der Serie “Rudolf will’s wissen – Wie erkenne ich Gottes Plan für mein Leben?”

“Selig, die nicht sehen und doch glauben”

Die Kirche feiert heute den Gedenktag des “ungläubigen Thomas”. Dabei war Thomas gar nicht ungläubig – er wollte es nur genau wissen. Während die übrigen Apostel dem auferstandenem Herrn bereits begegnet sind und voller Begeisterung davon schwärmten, war Thomas noch skeptisch:

“Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.”

Gesagt, getan. Als ihm acht Tage später Jesus wahrhaftig gegenüberstand, durfte sich Thomas selbst überzeugen. Erschüttert und voller Ehrfurcht entfuhr ihm ein: “Mein Herr und mein Gott!”

Jesus: “Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.”

Kleiner Insider-Tipp am Rande: Wer glauben UND sehen will, dem sei der katholische Fernsehsender EWTN.TV ans Herz gelegt. Grins.

Nachzulesen: Johannes 20,24-29.

Heute vor sechs Jahren: Mein erster “YOUCAT – Update! Beichten!”

Vor sechs Jahren, es war der 28. Juni 2013, wurde ich morgens in das Pfarrbüro der Gemeinde “St. Josef der Arbeiter” in Senden/Iller gerufen. Die Post hatte soeben ein großes Paket angeliefert und es stand mein Name drauf. Als ich den Absender las, schlug mein Herz gleich ein paar Takte schneller, doch erst, als ich das Paket aufriss hatte ich die Gewissheit: Ich hatte zum allerersten Mal ein Buch in der Hand, bei dessen Entstehung ich maßgeblich beteiligt gewesen bin. Ein kleines, lila (oder sagt man da: “violett”?) Büchlein mit dem Titel: “YOUCAT – Update! Beichten!”

Der YOUCAT war zu diesem Zeitpunkt bereits der heißeste Scheiß unter der Sonne der Neuevangelisierung. Das berühmte gelbe Buch, den Ur-YOUCAT, einen leicht lesbaren und sehr tiefgründigen Jugendkatechismus, hatte ich auch bei mir zuhause stehen. Er sollte die Jugendlichen wieder dabei helfen den Glauben zu verstehen, ohne fromme Floskeln und Klischees. Ein weiteres Buch aus der Reihe ist dort ebenfalls schon erschienen, ein Buch zur Firmvorbereitung. Doch dann, es war im Herbst 2012, wollten die YOUCAT-Macher eines zum Thema “Beichte”.

Dass ich zu der Ehre kam bei diesem Projekt mitzuwirken, habe ich zum Großteil Pfarrer Stephan Spiegel aus Senden zu verdanken, bei dem ich damals ein Jahr lang in der Pfarrei mitarbeitete (eine Art “Orientierungsjahr auf katholisch”). Er hatte den YOUCAT-Gründer Bernhard Meuser zu einem Einkehrtag eingeladen, den er für den Pfarrgemeinderat veranstaltete. Dort erzählte Meuser von den neuen Aufbrüchen in der Evangelisierung und wie der YOUCAT dabei helfen kann, diesen Glauben auch den jungen Leuten wieder verständlich zu machen. Es klingt jetzt etwas klischeehaft, aber ich weiß noch, wie mitreißend Bernhard Meuser über seine Vision gesprochen hat, sodass ich ganz aufgeregt seinen Worten lauschte und diese bestimmte, innere Unruhe verspürte, die einem anzeigt: “Boah, ich hätte so Bock, da mitzumachen!”

Aus dem ersten Interview mit Weihbischof Dick wurde eine lange Freundschaft: Seit 2013 gehe ich regelmäßig bei ihm beichten und noch heute berät er mich bei wichtigen Lebensentscheidungen.

Nach dem Einkehrtag sprachen wir persönlich miteinander. “Wir wollen ein Buch über die Beichte machen und möchten, dass du dabei bist.” Ich war überrascht. Ich ging damals schon regelmäßig beichten, etwa einmal im Monat. Aber macht mich das schon zu einem Experten für das Bußsakrament?

“Du musst kein Experte sein”, beruhigte mich Meuser. Der Gründer der Nightfever-Initiative, Andreas Süß, werde ein Vorwort schreiben und außerdem sei da noch immer Weihbischof Klaus Dick. Der Name sagte mir gar nichts. “Das ist ein emeritierter Weihbischof in Köln, du wirst dich mit ihm treffen und ein Interview führen, das wir dann mit ins Buch packen werden.”

Und so nahm die Sache ihren Lauf.

Zum ersten Mal einen Bischof umarmt

Bewaffnet mit einem elektronischen Diktiergerät, Ersatzbatterien und zur Sicherheit auch noch mit einem Kassetten-Rekorder mit Aufnahmefunktion (ich hatte wirklich Angst, dass etwas schief gehen könnte und ich direkt meinen ersten Buchauftrag in den Sand setze), kam ich mit einer frommen fränkischen Freundin in Köln an und wurde herzlich vom Weihbischof begrüßt. Ich war nervös und wusste nicht, wie ich dem hohen Herrn begegnen sollte. Er empfing uns mit offenen Armen und umarmte uns sehr herzlich. Die nächsten zwei Stunden waren spannend und aufschlussreich, ich war fasziniert davon, dass Weihbischof Dick jede Frage meines dicken Fragenkatalogs beantwortete, sogar die fiesen…

Ist die Beichte nicht ein Unterdrückungsinstrument der Kirche? Wenn ein Mörder bei Ihnen beichtet, warum gehen Sie dann nicht zur Polizei? Glauben Sie, dass Hitler in der Hölle sitzt?

So glücklich ich im ersten Moment auch damit war, dass der Weihbischof aus ausführlich und unterhaltsam antwortete, desto mehr jammerte ich, als ich noch Wochen später damit beschäftigt war, seine Antworten für das Buch mühselig abzutippen. Noch heute stehe ich tief in der Schuld der Ministrantin Anna aus Senden, die irgendwann Erbarmen zeigte und mir dabei half.

Dann nahm das Buch langsam Gestalt an. Ich schrieb eine Einleitung, diskutierte mit Bernhard Meuser einen Beichtspiegel, wir sammelten Fotos, besprachen uns mit dem Lektor Peter Bornhausen, telefonierten Andreas Süß wegen des Vorwortes hinterher und hörten uns die kritischen, aber hilfreichen Kommentare von Nils Baer an (der übrigens das Firmbuch der YOUCAT-Reihe verfasst hat). Dazu machte Alexander von Lengerke seine mittlerweile berühmt gewordenen Strichmännchen. Fast ein dreiviertel Jahr später war es endlich so weit: Das Buch ging in den Druck.

Blick auf den kleinen Tisch bei Weihbischof Dr. Klaus Dick. Hier nimmt er mir seit 2013 regelmäßig die Beichte ab.

Der große Tag

Mein aufregendes Jahr in Senden/Iller ging langsam zu Ende. Ein Jahr lang habe ich bei Pfarrer Stephan Spiegel im Pfarrhaus gewohnt, habe in der Gemeinde mitgearbeitet, im Kinderzentrum, bei den Ministranten und Firmlingen und quasi nebenbei versucht herauszufinden, was denn nun meine eigentliche Berufung ist. Erwartet Gott von mir, dass ich Priester werde? Soll ich einem Orden beitreten? Oder kann ich eine eigene Familie gründen? Und was ist mit der Schreiberei: Wird das für mich immer nur ein Hobby bleiben müssen oder kann ich das in irgendeiner Form beruflich machen?

Wie ich diese für mich quälenden Berufungsfragen beantwortet habe oder teilweise noch beantworten muss, ist eine andere Geschichte. Jedenfalls weiß ich nicht mehr genau, ob ich schon vor dem Zeitpunkt, als der YOUCAT Beichte erschien, bereits die Einladung zum Vorstellungsgespräch bei EWTN hatte. Es war klar, dass mein Jahr bei Pfarrer Spiegel bald zu Ende gehen wird und ich wusste noch nicht, wie es weitergehen sollte. Doch als die Pfarrsekretärin meinen Namen in das Pfarrhaus rief, um das große Paket entgegen zu nehmen, war das alles erst einmal egal. Ich hatte mein erstes, eigenes Werk in der Hand. Natürlich, es war nicht “mein” Werk, aber dennoch war es eine der sichtbarsten Früchte, die aus diesem Jahr hervorgegangen sind, indem ich mich fragte, wie es mit mir weitergehen soll.

Ich musste meine Freude irgendwie rauslassen. Voller Stolz nahm ich die Bücher, ging damit zurück in mein Zimmer, platzierte meine Kamera mit Selbstauslöser auf dem Schreibtisch und machte dieses Foto für Facebook:

Die Freude ist unübersehbar, ebenso die jugendliche Unbedarftheit in Bezug auf Kleidungsstil und Frisur.

Ein paar Monate später war schließlich klar, dass ich nach Köln ziehen werde, um für EWTN zu arbeiten. Dort bin ich in diesem Jahr seit sechs Jahren. Die Mitarbeit an diesem Buch hat dazu geführt, dass mein Chef die Idee hatte, eine ganze Sendung zum Thema Beichte zu machen – gemeinsam mit Weihbischof Klaus Dick.

Ausschnitt aus der Serie “Rudolf will’s wissen – Warum beichten?”

Mit diesem wiederum verbindet mich mittlerweile fast schon eine Vater-Sohn-Beziehung. Alle drei bis vier Wochen gehe ich bei ihm beichten, erzähle ihm aus meinem Leben, bitte ihn um Rat. Er ist für mich zu einem wichtigen Begleiter geworden.

Dass sich das alles mal aus der Arbeit an einem so kleinen Büchlein entwickeln würde, konnte ich damals nicht ahnen. Dass meine Frisur nur unwesentlich besser werden würde, auch nicht.

Bestellen kann man das Ding übrigens immer noch für schlanke fünf Euro hier.

Ruhe in Frieden, Kardinal Meisner!

Am 5. Juli 2017 verstarb Joachim Kardinal Meisner. Der frühere Erzbischof von Köln hat sein Bistum geprägt wie nur wenige. Ich habe ihn – trotz aller Fehler und Schwächen – immer bewundert für seine Aufrichtigkeit. Er ist damit oft angeeckt und hat manche Menschen damit verletzt.

Hatte er sich erst mal in seinen “heiligen Zorn” hineingesteigert, war kaum jemand vor ihm sicher. Auch ich nicht.

Ein Jahr ist nun seit seinem Tod vergangen. Kurz vor dem Weltjugendtag 2016 in Krakau hatten wir von EWTN die Möglichkeit mit ihm zu sprechen. Es war ein denkwürdiges Interview, das er mit den Worten beendete:

“Gut, und jetzt hau ich ab!”

Kardinal Meisner wird uns auch weiterhin fehlen. Ruhe in Frieden!

Hier zum Beitrag: “Gut, und jetzt hau ich ab” – Meine letzte Begegnung mit Kardinal Meisner.

Alle Interviews mit den Trauergästen am Tag des Requiems von Kardinal Meisner gibt es hier.

 

Markus Hofmann über die Ökumene

Auf dem Katholikentag in Münster gab es viele Aufreger. Das Thema der Kommunion für konfessionsverschiedene Ehepaare wurde dabei besonders heiß diskutiert. Kardinal Marx hat sich mehrfach dafür ausgesprochen, aus der bisherigen Ausnahmeregelung die Regel zu machen, auch das ZdK und andere kirchensteuerfinanzierten Verbände blasen in dieses Horn. Echte Ökumene, so der Tenor, könne es nur dann geben, wenn die lästige Unterscheidung zwischen “Abendmahl” und “Eucharistie” aufgehoben ist.

Wohltuend ruhig und unaufgeregt hat sich am Rande des Katholikentags der neue Generalvikar Markus Hofmann zu den Fortschritten in der Ökumene geäußert und dabei auch noch Tipps gegeben, wie ein Leben nach dem Katholikentagsmotto “Suche Frieden!” gelingen kann.

Das Interview, das wir in der Medienmeile am Stand von EWTN gedreht haben, gibt es hier:

Photobomber und Mitarbeiter des Monats!

Beim “Fest der Jugend” am Pfingstwochenende konnte ich erneut meine Reife und den eigenen Anspruch, als erwachsener Mensch ernstgenommen zu werden, zum Ausdruck bringen.

Gott sei Dank wurde der perfekt durchchoreografierte Auftritt im Bewegtbild festgehalten (ab 5h 20min 20 sec):

Hiermit bewerbe ich mich als “Mitarbeiter des Monats”.

Der Katholikentag 2018 in Münster 2018

Vom 9. bis zum 13. Mai 2018 bin ich mit EWTN.TV beim Katholikentag in Münster gewesen und habe dabei auch für CNA Deutsch berichtet.

Für EWTN habe ich an der Sendung “EWTN vor Ort – Der Katholikentag in Münster” mitgearbeitet. Alle Videos und Interviews finden Sie hier in der Playlist.

Eine kurze  Übersicht über den Katholikentag mit Weiterverlinkungen zu dem ein oder anderen Artikel gibt es hier unter “Die 7 größten Aufreger des Katholikentags”.