Kilian, der Frankenapostel

Auch – oder gerade besonders – als Exilfranke bleibe ich meiner Heimat sehr verbunden. Wann immer ich ein fränkisches Kennzeichen auf der Straße sehe, irgendwo ein verdächtig rrrrrollendes “R” oder weiches “D” wie “Dürstobber” höre oder im Getränkeladen einen Bocksbeutel entdecke, erlebe ich einen Gefühlscocktail aus Freude, Überraschung, Wehmut und auch ein kleines bisschen Heimweh. Klar, Köln ist sehr nett, ich lebe gerne hier, auf der anderen Seite: Hach, Franken!

Deshalb ist der 8. Juli immer ein besonderer Tag für mich. Es ist der Gedenktag des heiligen Kilian. Er ist nicht nur der Pfarrpatron meiner Heimatkirche in Seubrigshausen. Er ist gleichzeitig auch der Bistumspatron der Diözese Würzburg und “Apostel der Franken”. Um das Jahr 686 kam er mit seinen Gefährten Kolonat und Totnan aus Irland nach Würzburg und machte aus den heidnischen Franken gläubige Christen. Sicher keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass die Franken zwar sehr höfliche und gemütliche Menschen sind, sie sich aber aus diesem Grund ungern aus ihren alten Gepflogenheiten herausreißen lassen. Kann sein, dass die Leute damals noch anders drauf waren, ich kann mir aber gut vorstellen, dass es auch damals schon hieß:

“Ach, dangge, hast es fei guud gemeent, aber des brauch mer wallich net, kannst dei Gelumbb widder mitnemm.”

Heute, knapp 1.300 Jahre später, ist die Region vor allem in Mittel- und Oberfranken zwar größtenteils protestantisch. In meiner Heimat Unterfranken ist man dagegen noch größtenteils “gut katholisch”. Vor sieben Jahren waren hier von 1,3 Millionen Einwohner knapp zwei Drittel katholisch und 18 Prozent protestantisch (sorry, eine aktuellere Statistik habe ich leider nicht gefunden). Der heilige Kilian wird bei uns sehr verehrt, vor allem in Würzburg, wo in diesen Tagen auch wieder die “Kiliani”-Festwoche stattfindet. Seine Gebeine sind in der Neumünster-Kirche ausgestellt.

Interessant ist auch, dass der heilige Kilian und seine Gefährten der Legende nach ermordet wurden, weil sie den herrschenden Fürsten an die Heiligkeit des Ehesakramentes erinnern mussten. Damit wären die “Franken-Apostel” ähnlich wie der heilige Thomas Morus und Johannes der Täufer für die Bewahrung eines Sakramentes gestorben, das auch heute nach wie vor verschiedenen Angriffen ausgesetzt ist. Angriffen, die aber nicht mehr nur von außerhalb der Kirche kommen.

In diesem Sinne lohnt es sich den Heiligen Kilian und seine Gefährten nicht nur heute als Fürsprecher anzurufen. Da ich heute aber leider in Köln sitze, kann ich mir nur ausmalen, wie bei der Abendmesse in Seubrigshausen unsere Organistin wieder alles Herzblut in die Tasten haut und die versammelte Gemeinde das Kilianslied schmettert:

Wir rufen an den teuern Mann, Sankt Kilian!

Sankt Kolonat  und Sankt Totnan!

Dich loben, dir danken deine Kinder in Franken, Sankt Kilian! 

So viel Pathos muss sein. In diesem Sinne werde ich mich heute Abend auf den Weg in den nächsten Getränkeladen und höflich nachfragen: “Ham´Se vielleicht grood noch enn Boggsbeudl da?”

Und dann trinke ich auf den Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan. Und auf Franken.

“Selig, die nicht sehen und doch glauben”

Die Kirche feiert heute den Gedenktag des “ungläubigen Thomas”. Dabei war Thomas gar nicht ungläubig – er wollte es nur genau wissen. Während die übrigen Apostel dem auferstandenem Herrn bereits begegnet sind und voller Begeisterung davon schwärmten, war Thomas noch skeptisch:

“Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.”

Gesagt, getan. Als ihm acht Tage später Jesus wahrhaftig gegenüberstand, durfte sich Thomas selbst überzeugen. Erschüttert und voller Ehrfurcht entfuhr ihm ein: “Mein Herr und mein Gott!”

Jesus: “Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.”

Kleiner Insider-Tipp am Rande: Wer glauben UND sehen will, dem sei der katholische Fernsehsender EWTN.TV ans Herz gelegt. Grins.

Nachzulesen: Johannes 20,24-29.

Als Papst Franziskus gleich zweimal unsere Live-Übertragung crashte

Vor etwa fünf Monaten war ich schon einmal ganz ähnlich warmen Temperaturen ausgesetzt. Ende Januar fand am anderen Ende der Welt in Panama der Weltjugendtag statt und ich bin mit dem katholischen Fernsehsender EWTN vor Ort gewesen. Dabei haben sich immer wieder unvorhergesehene Dinge ereignet. Ein Beispiel war unsere Live-Übertragung am 24. Januar 2019. Es war die Willkommenszeremonie für Papst Franziskus an der Cinta Costera. Wir sind eine halbe Stunde eher auf Sendung gegangen, um die bisherigen Ereignisse des Weltjugendtags zusammenzufassen. Dafür haben wir zwei Studiogäste eingeladen, den Augsburger Jugendseelsorger Johannes Prestele sowie den Weltjugendtagspilger Mathias Blum. Doch wie so oft: Es kam ganz anders.

Fast eine halbe Stunde früher (!) als geplant traf Papst Franziskus ein. Wir hatten uns gerade die Stöpsel ins Ohr gesteckt, als hinter uns die ersten Wagen mit Blaulicht eintrafen und kurz darauf das Papamobil angerauscht kam. Verwirrt versuchte ich gegen den ohrenbetäubenden Applaus meinen ersten Gast noch anständig zu begrüßen, bevor ich ihn schon wieder aus der Sendung schmeißen musste, weil der Papst die Altarinsel erreichte und von da an unsere Kommentatoren Martin Rothweiler und Robert Rauhut übernehmen sollten.

Es folgte eine sehr stimmungsvolle Willkommenszeremonie für den Heiligen Vater, bei der wieder viel getanzt und gesungen wurde. Auch unsere Studiogäste waren beeindruckt, da sie direkt bei uns auf der Pressetribüne geblieben sind und so einen unvergleichlich schöne Aussicht auf die gesamte Szenerie hatten.

Letztlich kamen Johannes und Mathias doch noch zum Zug: Da der Papst früher ankam als gedacht, war die Willkommenszeremonie auch früher wieder zu Ende. So konnte Kaplan Johannes Prestele noch von seinen Eindrücken bei den Tagen der Begegnung sprechen, an denen er mit seiner Pilgergruppe teilgenommen hatte. Er berichtete davon, wie er beispielsweise von den Gastgebern gebeten wurde, die Heilige Messe im Dorf zu feiern – und zwar auf Spanisch. Und das, obwohl sein Spanisch gar nicht so gut sei, erzählte Johannes. Doch offenbar reichten seine Kenntnisse aus, um die Predigt des Papstes bei der Willkommenszeremonie zu verstehen:

„Mich hat es persönlich sehr beeindruckt, dass er gesagt hat, es muss konkret weitergehen und dass das Gebet ganz entscheidend ist.“

Anschließend kam noch Mathias Blum in die Sendung. Er stammt aus der beschaulichen Ortschaft Oberried im bayerischen Schwabenland und berichtete von seinem Alltag als Katholik, der versucht, möglichst jeden Tag eine Heilige Messe zu besuchen. Ich kenne ihn schon länger, doch dass der Papst seinem verstorbenen Opa ähnlich sähe, erfuhr ich an diesem Abend auch zum ersten Mal…

Mathias erzählte auch, dass er ursprünglich gar nicht vorhatte, zum Weltjugendtag nach Panama zu fahren. Am Ende hatte er sich dann doch umentschieden und seine euphorischen Schilderungen des bisher Erlebten zeigten, dass er diese Entscheidung auf keinen Fall bereut. Zumal er neben der Stärkung im Glauben und der Gemeinschaft ein weiteres Argument für den Weltjugendtag parat hat:

„Hier sollen die Mädels ja auch ganz nett sein“

Die komplette Sendung gibt es hier:

Hinweis: Dies ist die leicht überarbeitete Version eines Beitrags, der zuerst auf dem EWTN-Weltjugendtagsblog unter Panama19.de erschien.

NEUE ARTIKEL: “Maria braucht kein Update”

Was wurde die letzte Woche nicht alles geschrieben: Eine Privatinitiative von Frauen aus dem Bistum Münster lehnen sich gegen die schier übermächtige, böse Katholische Kirche auf, die das weibliche Geschlecht seit jeher unterdrücken, in dem sie ihm die Priesterweihe verweigern. Nicht genug, dass das Priesteramt kein Machtinstrument darstellt, sondern eine Weihe, die sich ganz bewusst in den Dienst der Menschen stellt. Auch nicht genug, dass hauptsächlich Frauen das Gesicht von Mutter Kirche repräsentieren und Maria, die Mutter Jesu, nach wie vor den höchsten Rang unter allen Heiligen hat.

Nein, nicht einmal Maria reicht noch aus. Es musste ein Update geben, eine “Maria 2.0”. Offenbar war die Mutter des Herrn in der Gedankenwelt dieser zum “Kirchenstreik” aufrufenden Frauen nicht mehr die “mächtige Kirchenfürstin”, die “der Schlange den Kopf zertritt”, sondern lediglich eine einfache, aber stumme Magd, die sich brav und gottergeben von den Mannsbildern dieser Welt unterdrücken lässt.

Dieses seltsame Marienbild gepaart mit der Vorstellung, feststehende Kirchenlehre durch als “Streik” deklariertes Fernbleiben von den Sakramenten ändern zu können, brachte viele Katholiken in Deutschland auf die Palme.

Eine von ihnen ist Johanna Stöhr. Die Mathematiklehrerin aus dem bayerischen Schongau hat deshalb die Initiative “Maria 1.0 – Maria braucht kein Update” ins Leben gerufen.

Die junge Mathematik-Lehrerin Johanna Stöhr aus Schongau ist der Kopf hinter “Maria 1.0 – Maria braucht kein Update!”. (Foto: privat)

Ich habe sie am 13. Mai 2019 – der Fatimatag, übrigens – für die katholische Wochenzeitung “DIE TAGESPOST” interviewt. Das Gespräch erschien einen Tag später in der Onlineausgabe und ist hier nachzulesen.

Eine kurze Zusammenfassung des Interviews gibt es hier bei CNA Deutsch.

Markus Hofmann über die Ökumene

Auf dem Katholikentag in Münster gab es viele Aufreger. Das Thema der Kommunion für konfessionsverschiedene Ehepaare wurde dabei besonders heiß diskutiert. Kardinal Marx hat sich mehrfach dafür ausgesprochen, aus der bisherigen Ausnahmeregelung die Regel zu machen, auch das ZdK und andere kirchensteuerfinanzierten Verbände blasen in dieses Horn. Echte Ökumene, so der Tenor, könne es nur dann geben, wenn die lästige Unterscheidung zwischen “Abendmahl” und “Eucharistie” aufgehoben ist.

Wohltuend ruhig und unaufgeregt hat sich am Rande des Katholikentags der neue Generalvikar Markus Hofmann zu den Fortschritten in der Ökumene geäußert und dabei auch noch Tipps gegeben, wie ein Leben nach dem Katholikentagsmotto “Suche Frieden!” gelingen kann.

Das Interview, das wir in der Medienmeile am Stand von EWTN gedreht haben, gibt es hier: