In eigener Sache: Neuer Job!

Seit dem 1. Oktober 2013 arbeite ich seit genau sechs Jahren für den katholischen Fernsehsender EWTN.TV in Köln. Am 1. Oktober 2019, genau sechs Jahre später, ist eine zweite große Aufgabe dazugekommen: Die katholische Nachrichtenagentur CNA Deutsch macht mich zum Chefkorrespondenten für das deutschsprachige Europa.

Als katholischer Journalist ist es eine Ehre für mich meinen Teil dazu beizutragen, dass vom “normalen” Gottesdienstbesucher bis zum glaubensfernen Kirchenkritiker die Menschen weiterhin von der Kirche hören werden. Ich werde vor allem aus dem deutschsprachigen Teil der Weltkirche berichten und gelegentlich die Geschehnisse mit katholischer Brille kommentieren.

Weiterhin werde ich für die EWTN-Familie als Redakteur, Moderator und Berichterstatter arbeiten. Einige neue Sendungen sind bereits in Planung, auch bei Live- oder Sondersendungen wird man hin und wieder (wohl oder übel) mein Gesicht auf der Mattscheibe sehen. Oft werden beide Aufgabenbereiche verschmelzen, wie demnächst, wenn ich Mitte Oktober für EWTN und CNA Deutsch aus Rom über die bevorstehende Amazonas-Synode berichten darf.

Ich freue mich darauf, für CNA Deutsch einen unverstellten, katholischen Blick auf die Kirche in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu werfen. Ich danke dem Chefredakteur Anian Christoph Wimmer für die Möglichkeit hierbei mein Wissen und meine Erfahrungen einzubringen.

Journalisten sind zwar oft in der Versuchung als “Welterklärer” oder “Besserwisser” aufzutreten. Ich für meinen Teil erinnere mich jedoch immer wieder gerne an eine Szene aus den Kult-Filmen von “Don Camillo”, in der der legendäre Priester sichtlich verzweifelt seine Augen zum gekreuzigten Herrn erhebt und fragt:

“Jesus, wer wird die Menschen jemals verstehen?”

Die Antwort kommt mit einer sanften Stimme: “Ich.”

NEUER ARTIKEL: Streitet euch!

“Ich bin immer wieder fasziniert davon, wenn ich Zeuge werde, wie sich beim gemütlichen Plausch nach der Messe zwei Leute plötzlich gegenseitig an den Kragen gehen, nachdem sie sich vor wenigen Minuten noch die Hand zum Friedensgruß reichten. Ja, Streit kann manchmal sehr kleingeistig sein. Dass das Christentum nach all den Jahrhunderten des Streits noch immer existiert und nach wie vor die größte Glaubensgemeinschaft bildet, ist ein Wunder. Auf der anderen Seite ist gerade der Streit einer der Grundsteine für die erfolgreichste Weltreligion der Menschheitsgeschichte.

Lauscht man am Sonntag dem Evangelium, wird man feststellen, dass sich Jesus erstaunlich oft mit seinem Umfeld in die Wolle bekam. Und auch, dass dieser Umstand erstaunlich selten Erwähnung in der Predigt findet. Stattdessen wird Christus heutzutage häufig zum Posterboy der konfliktscheuen Weicheier karikiert.”

Dass ausgerechnet Christen “Friede, Freude, Eierkuchen” am lautesten zu trällern haben, ist eines der größten Missverständnisse in der jüngeren Zeitgeschichte. Warum das in Wirklichkeit jedoch ganz anders ist, darüber habe ich in meinem letzten Beitrag für die katholische Wochenzeitung “Die Tagespost” geschrieben.

Letzten Donnerstag erschien der Artikel “Streitet euch!” in der Printausgabe. Jetzt gibt es ihn hier auch online.

Rudolf will’s wissen: Geistiger Kampf

Noch bis November läuft im regulären Programm von EWTN Deutschland meine Serie “Rudolf will’s wissen – Geistiger Kampf”. Darin spreche ich mit dem Schweizer Weihbischof Marian Eleganti (Bistum Chur) über Schwierigkeiten im Gebet und in der Gottesbeziehung. Wie kann ich Gottes Willen von meinen eigenen Hirngespinsten unterscheiden? Wie gehe ich mit meiner inneren Unruhe um? Was ist, wenn ich nicht mehr beten kann/will?

Mit Weihbischof Marian Eleganti im Gespräch. Foto: EWTN

Gedreht haben wir die Serie im Herbst 2016. Der Drehort war traumhaft, wir nutzen dabei die Räumlichkeiten des Bistums in Chur. Für die verschiedenen Intros der Serienteile haben wir nicht nur in der wunderschönen Innenstadt von Chur gedreht, sondern auch im bekannten Ski-Gebiet Arosa. Über kurvige Abenteuerstraßen sind wir bis zum Berggipfel gefahren, damit ich nachdenklich durch den Schnee stapfen kann.

Eine weitere Besonderheit war außerdem die Mitwirkung von Bernarda. Die junge Katholikin ist eine Bekannte von Weihbischof Eleganti und mit einem Gesangstalent ausgestattet worden, das Gott mir selbst vorenthalten hat. Gemeinsam mit dem Weihbischof hat sie vor jeder Sendung ein neues Lied eingesungen.

Die gesamte Serie läuft noch bis Ende November bei EWTN (zum Wochenprogramm geht’s hier). Doch Menschen mit Internetzugang haben bereits jetzt die Möglichkeit, diese und weitere Serien in der EWTN-Mediathek abzurufen. Zur Serie “Rudolf will’s wissen – Geistiger Kampf” geht’s hier lang!

Viel Freude damit!

Auf dem Gipfel. Foto: EWTN

Das Sex-Interview

“Moin! Ich checks nicht: Hast du jetzt Sex oder nicht?”

Diese Frage erreichte mich am letzten Freitag per Facebook. Ich hatte gerade meinen jüngsten Artikel für die Tagespost gepostet und darin unter anderem meine Faszination für die Theologie des Leibes nach Johannes Paul II. geschildert. Die Frage bezüglich meiner sexuellen Aktivitäten kam von Susanne Will aus Münnerstadt. Ihr Job: Leitende Redakteurin im Lokalen beim Medienriesen infranken.de.

Sie kam schnell zur Sache. Wir hätten gerade das 50-jährige Jubiläum von Woodstock und freier Liebe Jahre Woodstock, ob ich nicht Lust hätte der Zeitung mal meine Sicht der Dinge zu schildern, gewissermaßen als strammer Spießer-Katholik, der bewusst der lustvollen Lenden-Labsal entsagt. Wir haben erst ein bisschen herumgeblödelt, doch dann kamen die Interview-Fragen.

Vorneweg: Ich war überrascht, wie direkt und treffsicher die Fragen waren. Als Katholik ist man eigentlich blöde Sprüche und Vorurteile gewohnt. Doch Susanne Will hat sich nicht damit aufgehalten alte Kamellen nochmal aufzuwärmen, sondern tatsächlich die Dinge zu fragen, die den Kern der Sache betreffen:

“Wenn Gott uns doch mit all unseren Sehnsüchten, Gefühlen und Verlangen erschaffen hat, wie kann es dann schlecht sein, auch vor der Ehe dem nachzugehen?”

Oder:

“Warum ist Sex vor der Ehe eine Sünde und danach keine mehr? Es wird weder vor noch nach der Ehe etwas anderes sein als der Akt, im Idealfall mit Liebe gemacht.

Außerdem ging es noch um Selbstbefriedigung, Penisvergleiche im Fußballverein oder Probefahrten im Bett.

Das ganze Interview finden Sie hier unter diesem Link.

Berufskrankheit: Eitelkeit

Journalisten, so hat mir einmal ein alter Zeitungshase mal verraten, leiden unter einer Berufskrankheit: Es ist die Eitelkeit. Journalisten möchten gerne gehätschelt und bewundert werden, von den einen gefürchtet, von den anderen für ihre Furchtlosigkeit geliebt werden. Einen ehrfurchtsvoller Blick und die Bestätigung, dass sie einen wichtigen Job machen. Sie wollen anders sein, etwas Besonderes.

Da jeder Mensch etwas Besonderes ist, ist das an und für sich kein Problem. Doch warum ist das so? Haben Journalisten, Redakteure, Reporter, Fernsehleute, Radiosprecher und sonstige Medienmacher ein höheres Geltungsbedürfnis als andere Berufsgruppen? In unserer EWTN-Serie „Rudolf will’s wissen – Wie erkenne ich Gottes Plan für mein Leben“ habe ich den Passauer Bischof Stefan Oster SDB gefragt, was ihn eigentlich dazu gebracht hat, in seinem früheren Leben als Radiomoderator jeden Morgen so früh aufzustehen – nur für eine Radiosendung? Ein bisschen, das gab er zu, hatte das durchaus mit Eitelkeit zu tun. Aber: Sind alle Journalisten so?

Da bei mir selbst „Redakteur“ auf meinem Visitenkärtchen steht (oh ja, ich habe ein Visitenkärtchen, seht her, wie wichtig ich bin!), muss ich diese Frage natürlich erst einmal verneinen. Gerade in der katholischen Medienarbeit ist die Demut ein wichtiges Gut. Sich immer wieder klar zu machen, dass ich nur ein kleines Zahnrad im Weinbergstraktor des Herrn bin, der für das Reich Gottes arbeiten soll und nicht für das eigene Ego, gehört unbedingt dazu! Trotzdem: Oft genug gelingt mir das nicht. Haben Sie beispielsweise mal gezählt, wie oft in diesen drei Absätzen schon das kleine Wörtchen „ich“ vorkam?

Wie weit es mit der Demut her ist, habe ich gemerkt, als wir im Januar beim Weltjugendtag in Panama unsere Presseakkreditierungen für die kommenden Tage im Pressezentrum von Panama City abholen sollten. Mit einer solchen Akkreditierung bekommt man als Journalist besondere Zugänge und Privilegien, manchmal sogar kostenlose Verpflegung. Außerdem hat man dann ein cooles Presse-Schild mit dem eigenen Namen und einem Foto um den Hals hängen und die Security muss dich bei eigentlich geschlossenen Veranstaltungen durchlassen. Oder du kommst wie beim Weltjugendtag in Krakau bis ganz vorne an die VIP-Plätze ran und kannst Fotos vom Papst aus nächster Nähe schießen.

Dass sich Eitelkeit nicht mit dem Berufsbild eines katholischen Journalisten verträgt, ist klar. Ganz davor gefeit ist man jedoch nicht immer.

Doch dieses Mal sah es so aus, als müsste ich dem Papst – wenn überhaupt – vom Fernseher aus zusehen, denn: Mein Presseausweis war noch nicht da. Meinen Kollegen ging es genauso. Lediglich zwei Kollegen erhielten ihren Ausweis. Der Rest guckte in die Röhre. Wir sollten am nächsten Tag noch einmal kommen, doch da waren sie – Überraschung! – immer noch nicht da. Das nagte natürlich am Ego. Wir hatten am ersten Tag ausnahmsweise mal ohne Ausweis hinter die Absperrung in das Pressezentrum hineingedurft, konnten schon einmal den süßen Duft der Wichtigkeit kosten und die Fressmeile begutachten. Doch jetzt standen wir draußen und drückten uns an der Fensterscheibe die Nasen platt.

Schließlich wurde mein Name aufgerufen. Da war das Ding. Einlaminiert. Erhaben. Ehrfurchtgebietend. Und: Leider fehlerhaft. Zwei zusätzliche Ziffern an der Stelle, wo meine ansonsten korrekte Passnummer steht, sorgten dafür, dass mein Presseausweis in der Hand der freundlichen Dame blieb. Ich hatte ihn noch nicht einmal berühren dürfen.

Die Dame fragte eine andere Dame. Hielt meinen Reisepass an mein rechtes Ohr, meinen fehlerhaften Presseausweis an mein anderes, zeigte auf mein Gesicht in der Mitte und signalisierte, dass sie persönlich der Überzeugung sei, dass ich mit der Person identisch bin, die auf dem Presseausweis zu sehen ist. Die andere Dame holte eine weitere Dame dazu. Diese ging zu einem Polizisten. Der wiederum rief einen anderen Polizisten herbei. Dieser hatte ein Funkgerät, sodass ich wenige Minuten später von noch mehr Polizisten umringt war.

Dann kam der große Auftritt des Polizeichefs. Auch er wurde angefunkt. Sein Blick war grimmig, in seinem Gesicht konnte man die Warnung lesen: „Hoffentlich ist es wichtig!“ Wieder der direkte Gesichtsvergleich. Kurze Diskussion. Dann ein paar Worte auf Spanisch von ihm. Ein erlösendes Nicken. Bevor er wieder ging, gab er mir noch kurz die Hand und knurrte ein kurzes „God bless you and welcome to Panama!“

Die ältere Dame, die mich während meines Marsches durch die Institutionen begleitet hatte, jubelte und überreichte mir nun fast schon feierlich meinen Ausweis. Ich hatte es geschafft. Ich war erleichtert und erschöpft. Nun würde ich also alle Sperren und Mauern überwinden können, wichtigen Leuten wichtige Fragen stellen und an der Fressmeile das ein oder andere Sandwich abstauben.

Auf der anderen Seite bedeutet dies auch: Ich „muss“ nun doch arbeiten. Das war es also mit: „Sorry, Chef, mein Ausweis ist nicht korrekt. Ich werde mich in den kommenden Tagen leider an den Strand legen müssen, aber wir sehen uns dann wieder auf dem Rückflug.“

Jedoch: Ein paar Tage später kam die Nachricht, dass wir eventuell erneut zum Pressezentrum müssen, um uns neue Ausweise zu holen. Es gab wohl einen Systemfehler – eventuell durch den zwischenzeitlichen landesweiten (!) Stromausfall. Unsere Ausweise waren also wieder ungültig. Und dies alles einen Tag vor unserer ersten Live-Übertragung. Ist noch jemand der Meinung, katholisches Fernsehen sei langweilig?

Doch letztlich ging alles gut. Wir bekamen neue Ausweise, fanden meist einen Weg zu unserem Kameraset und hatten trotz der ganzen Schwierigkeiten eine eindrucksvolle Zeit in Panama mit vielen Live-Sendungen. Es war eine wichtige Erfahrung, dass nicht alles von uns abhängt. Besonders dann, als einem unserer Kameramänner der Rucksack mit seiner kompletten Ausrüstung gestohlen wurde. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hinweis: Dies ist die leicht überarbeitete Version eines Beitrags, der zuerst auf dem EWTN-Weltjugendtagsblog unter Panama19.de erschien.

NEUER ARTIKEL: Dogma 1508 – Warum feiern wir eigentlich Mariä Himmelfahrt?

Haben Sie sich eigentlich schon einmal gefragt, warum wir Katholiken eigentlich immer so peinliche Feste feiern müssen? Mariä Himmelfahrt ist so ein Fest, das zwar – wenn man in Bayern oder im Saarland wohnt und deshalb einen freien Tag geschenkt bekommt – gerne genutzt wird, bei genauerem Nachdenken aber doch auch sehr seltsam wirken kann.

In der heutigen Ausgabe der “Tagespost” sind zwei Artikel von mir abgedruckt. Einmal auf Seite 11 ein Kommentar zur Umstrukturierung des Instituts von Johannes Paul II. in Rom und Verteidigung der “Theologie des Leibes”. Der andere Artikel auf Seite 18 beschäftigt sich mit dem Hochfest Mariä Himmelfahrt.

Warum hat die Kirche dieses Fest eingeführt, obwohl es eigentlich ganz “unbiblisch” ist? Hat es für uns heute überhaupt noch eine Bedeutung? Und generell: Warum feiern wir Katholiken immer so peinliche Feste? Ich frage mich:

Warum aber fällt es uns oft so schwer, zu unserem Glaubensgut zu stehen? Es gibt Menschen, die erzählen ganz selbstbewusst, dass sie daran glauben, dass die Erde eine Scheibe ist, die Pyramiden von Aliens errichtet wurden und dass die GEZ-Gebühren in ihrer Höhe und Art der Verwendung sinnvoll sind. Warum haben nicht wir dieses Selbst- und Sendungsbewusstsein, wo wir doch wissen, dass sich „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ uns offenbart hat?

Den ganzen Artikel finden Sie auch hier online auf der Homepage der “Tagespost”.

NEUER ARTIKEL: Die Nonne im Biergarten

Neulich habe ich auf diesem Blog bereits von meiner Wette erzählt, bei der ich fünf Euro an eine Ordensfrau verloren habe.

Archivfoto mit Schwester Sina-Marie Hartert aus dem Jahr 2015.

Bereits Ende Juli hat auch die katholische Wochenzeitung “Die Tagespost” diese Geschichte gedruckt.

Natürlich ist der Text auch online bei den Kollegen zu finden. Und zwar hier.

Falls es Sie interessiert und Sie die erwähnte Nonne besser kennenlernen möchten, lege ich Ihnen unser Interview von 2015 ans Herz (lassen Sie sich vom Intro nicht abschrecken).

Teil 1/2:

Teil 2/2:

Bischof Oster: “Haben wir genug Glauben?”

“Was muss man eigentlich alles tun? Zunächst einmal: Glauben. Es hilft ja auch nicht in Aktionismus zu verfallen und alle möglichen Dinge zu tun.“ Als ich den Passauer Bischof Stefan Oster Anfang des Jahres am Rande des Weltjugendtags in Panama für EWTN interviewt habe, war natürlich auch die aktuelle Glaubens- und Berufungskrise in Deutschland Thema unseres Gesprächs. Von übereilten “Reformen” hält der Passauer Oberhirte offensichtlich wenig.

Stattdessen gehe es um das “persönliche Ringen um Heiligkeit, auch die Dimension des Opfers, die Dimension des aufrichtigen persönlichen Gebetes und die Bereitschaft mit jungen Menschen zu gehen“. In Hinblick auf die immer häufig leer bleibenden Priesterseminare sei die entscheidende Frage:

“Haben wir genug Glauben, dass der Herr jeden Menschen beruft?“

Das Interview wurde Mitte Januar auf einer sonnigen Terrasse über den Dächern Panama Citys aufgezeichnet und ist hier abrufbar. Eine kurze Zusammenfassung gibt es hier bei CNA Deutsch.

Foto: EWTN.TV, Screenshot von der Serie “Rudolf will’s wissen – Wie erkenne ich Gottes Plan für mein Leben?”

Kilian, der Frankenapostel

Auch – oder gerade besonders – als Exilfranke bleibe ich meiner Heimat sehr verbunden. Wann immer ich ein fränkisches Kennzeichen auf der Straße sehe, irgendwo ein verdächtig rrrrrollendes “R” oder weiches “D” wie “Dürstobber” höre oder im Getränkeladen einen Bocksbeutel entdecke, erlebe ich einen Gefühlscocktail aus Freude, Überraschung, Wehmut und auch ein kleines bisschen Heimweh. Klar, Köln ist sehr nett, ich lebe gerne hier, auf der anderen Seite: Hach, Franken!

Deshalb ist der 8. Juli immer ein besonderer Tag für mich. Es ist der Gedenktag des heiligen Kilian. Er ist nicht nur der Pfarrpatron meiner Heimatkirche in Seubrigshausen. Er ist gleichzeitig auch der Bistumspatron der Diözese Würzburg und “Apostel der Franken”. Um das Jahr 686 kam er mit seinen Gefährten Kolonat und Totnan aus Irland nach Würzburg und machte aus den heidnischen Franken gläubige Christen. Sicher keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass die Franken zwar sehr höfliche und gemütliche Menschen sind, sie sich aber aus diesem Grund ungern aus ihren alten Gepflogenheiten herausreißen lassen. Kann sein, dass die Leute damals noch anders drauf waren, ich kann mir aber gut vorstellen, dass es auch damals schon hieß:

“Ach, dangge, hast es fei guud gemeent, aber des brauch mer wallich net, kannst dei Gelumbb widder mitnemm.”

Heute, knapp 1.300 Jahre später, ist die Region vor allem in Mittel- und Oberfranken zwar größtenteils protestantisch. In meiner Heimat Unterfranken ist man dagegen noch größtenteils “gut katholisch”. Vor sieben Jahren waren hier von 1,3 Millionen Einwohner knapp zwei Drittel katholisch und 18 Prozent protestantisch (sorry, eine aktuellere Statistik habe ich leider nicht gefunden). Der heilige Kilian wird bei uns sehr verehrt, vor allem in Würzburg, wo in diesen Tagen auch wieder die “Kiliani”-Festwoche stattfindet. Seine Gebeine sind in der Neumünster-Kirche ausgestellt.

Interessant ist auch, dass der heilige Kilian und seine Gefährten der Legende nach ermordet wurden, weil sie den herrschenden Fürsten an die Heiligkeit des Ehesakramentes erinnern mussten. Damit wären die “Franken-Apostel” ähnlich wie der heilige Thomas Morus und Johannes der Täufer für die Bewahrung eines Sakramentes gestorben, das auch heute nach wie vor verschiedenen Angriffen ausgesetzt ist. Angriffen, die aber nicht mehr nur von außerhalb der Kirche kommen.

In diesem Sinne lohnt es sich den Heiligen Kilian und seine Gefährten nicht nur heute als Fürsprecher anzurufen. Da ich heute aber leider in Köln sitze, kann ich mir nur ausmalen, wie bei der Abendmesse in Seubrigshausen unsere Organistin wieder alles Herzblut in die Tasten haut und die versammelte Gemeinde das Kilianslied schmettert:

Wir rufen an den teuern Mann, Sankt Kilian!

Sankt Kolonat  und Sankt Totnan!

Dich loben, dir danken deine Kinder in Franken, Sankt Kilian! 

So viel Pathos muss sein. In diesem Sinne werde ich mich heute Abend auf den Weg in den nächsten Getränkeladen und höflich nachfragen: “Ham´Se vielleicht grood noch enn Boggsbeudl da?”

Und dann trinke ich auf den Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan. Und auf Franken.

“Selig, die nicht sehen und doch glauben”

Die Kirche feiert heute den Gedenktag des “ungläubigen Thomas”. Dabei war Thomas gar nicht ungläubig – er wollte es nur genau wissen. Während die übrigen Apostel dem auferstandenem Herrn bereits begegnet sind und voller Begeisterung davon schwärmten, war Thomas noch skeptisch:

“Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.”

Gesagt, getan. Als ihm acht Tage später Jesus wahrhaftig gegenüberstand, durfte sich Thomas selbst überzeugen. Erschüttert und voller Ehrfurcht entfuhr ihm ein: “Mein Herr und mein Gott!”

Jesus: “Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.”

Kleiner Insider-Tipp am Rande: Wer glauben UND sehen will, dem sei der katholische Fernsehsender EWTN.TV ans Herz gelegt. Grins.

Nachzulesen: Johannes 20,24-29.

Als Papst Franziskus gleich zweimal unsere Live-Übertragung crashte

Vor etwa fünf Monaten war ich schon einmal ganz ähnlich warmen Temperaturen ausgesetzt. Ende Januar fand am anderen Ende der Welt in Panama der Weltjugendtag statt und ich bin mit dem katholischen Fernsehsender EWTN vor Ort gewesen. Dabei haben sich immer wieder unvorhergesehene Dinge ereignet. Ein Beispiel war unsere Live-Übertragung am 24. Januar 2019. Es war die Willkommenszeremonie für Papst Franziskus an der Cinta Costera. Wir sind eine halbe Stunde eher auf Sendung gegangen, um die bisherigen Ereignisse des Weltjugendtags zusammenzufassen. Dafür haben wir zwei Studiogäste eingeladen, den Augsburger Jugendseelsorger Johannes Prestele sowie den Weltjugendtagspilger Mathias Blum. Doch wie so oft: Es kam ganz anders.

Fast eine halbe Stunde früher (!) als geplant traf Papst Franziskus ein. Wir hatten uns gerade die Stöpsel ins Ohr gesteckt, als hinter uns die ersten Wagen mit Blaulicht eintrafen und kurz darauf das Papamobil angerauscht kam. Verwirrt versuchte ich gegen den ohrenbetäubenden Applaus meinen ersten Gast noch anständig zu begrüßen, bevor ich ihn schon wieder aus der Sendung schmeißen musste, weil der Papst die Altarinsel erreichte und von da an unsere Kommentatoren Martin Rothweiler und Robert Rauhut übernehmen sollten.

Es folgte eine sehr stimmungsvolle Willkommenszeremonie für den Heiligen Vater, bei der wieder viel getanzt und gesungen wurde. Auch unsere Studiogäste waren beeindruckt, da sie direkt bei uns auf der Pressetribüne geblieben sind und so einen unvergleichlich schöne Aussicht auf die gesamte Szenerie hatten.

Letztlich kamen Johannes und Mathias doch noch zum Zug: Da der Papst früher ankam als gedacht, war die Willkommenszeremonie auch früher wieder zu Ende. So konnte Kaplan Johannes Prestele noch von seinen Eindrücken bei den Tagen der Begegnung sprechen, an denen er mit seiner Pilgergruppe teilgenommen hatte. Er berichtete davon, wie er beispielsweise von den Gastgebern gebeten wurde, die Heilige Messe im Dorf zu feiern – und zwar auf Spanisch. Und das, obwohl sein Spanisch gar nicht so gut sei, erzählte Johannes. Doch offenbar reichten seine Kenntnisse aus, um die Predigt des Papstes bei der Willkommenszeremonie zu verstehen:

„Mich hat es persönlich sehr beeindruckt, dass er gesagt hat, es muss konkret weitergehen und dass das Gebet ganz entscheidend ist.“

Anschließend kam noch Mathias Blum in die Sendung. Er stammt aus der beschaulichen Ortschaft Oberried im bayerischen Schwabenland und berichtete von seinem Alltag als Katholik, der versucht, möglichst jeden Tag eine Heilige Messe zu besuchen. Ich kenne ihn schon länger, doch dass der Papst seinem verstorbenen Opa ähnlich sähe, erfuhr ich an diesem Abend auch zum ersten Mal…

Mathias erzählte auch, dass er ursprünglich gar nicht vorhatte, zum Weltjugendtag nach Panama zu fahren. Am Ende hatte er sich dann doch umentschieden und seine euphorischen Schilderungen des bisher Erlebten zeigten, dass er diese Entscheidung auf keinen Fall bereut. Zumal er neben der Stärkung im Glauben und der Gemeinschaft ein weiteres Argument für den Weltjugendtag parat hat:

„Hier sollen die Mädels ja auch ganz nett sein“

Die komplette Sendung gibt es hier:

Hinweis: Dies ist die leicht überarbeitete Version eines Beitrags, der zuerst auf dem EWTN-Weltjugendtagsblog unter Panama19.de erschien.

NEUE ARTIKEL: “Maria braucht kein Update”

Was wurde die letzte Woche nicht alles geschrieben: Eine Privatinitiative von Frauen aus dem Bistum Münster lehnen sich gegen die schier übermächtige, böse Katholische Kirche auf, die das weibliche Geschlecht seit jeher unterdrücken, in dem sie ihm die Priesterweihe verweigern. Nicht genug, dass das Priesteramt kein Machtinstrument darstellt, sondern eine Weihe, die sich ganz bewusst in den Dienst der Menschen stellt. Auch nicht genug, dass hauptsächlich Frauen das Gesicht von Mutter Kirche repräsentieren und Maria, die Mutter Jesu, nach wie vor den höchsten Rang unter allen Heiligen hat.

Nein, nicht einmal Maria reicht noch aus. Es musste ein Update geben, eine “Maria 2.0”. Offenbar war die Mutter des Herrn in der Gedankenwelt dieser zum “Kirchenstreik” aufrufenden Frauen nicht mehr die “mächtige Kirchenfürstin”, die “der Schlange den Kopf zertritt”, sondern lediglich eine einfache, aber stumme Magd, die sich brav und gottergeben von den Mannsbildern dieser Welt unterdrücken lässt.

Dieses seltsame Marienbild gepaart mit der Vorstellung, feststehende Kirchenlehre durch als “Streik” deklariertes Fernbleiben von den Sakramenten ändern zu können, brachte viele Katholiken in Deutschland auf die Palme.

Eine von ihnen ist Johanna Stöhr. Die Mathematiklehrerin aus dem bayerischen Schongau hat deshalb die Initiative “Maria 1.0 – Maria braucht kein Update” ins Leben gerufen.

Die junge Mathematik-Lehrerin Johanna Stöhr aus Schongau ist der Kopf hinter “Maria 1.0 – Maria braucht kein Update!”. (Foto: privat)

Ich habe sie am 13. Mai 2019 – der Fatimatag, übrigens – für die katholische Wochenzeitung “DIE TAGESPOST” interviewt. Das Gespräch erschien einen Tag später in der Onlineausgabe und ist hier nachzulesen.

Eine kurze Zusammenfassung des Interviews gibt es hier bei CNA Deutsch.

Markus Hofmann über die Ökumene

Auf dem Katholikentag in Münster gab es viele Aufreger. Das Thema der Kommunion für konfessionsverschiedene Ehepaare wurde dabei besonders heiß diskutiert. Kardinal Marx hat sich mehrfach dafür ausgesprochen, aus der bisherigen Ausnahmeregelung die Regel zu machen, auch das ZdK und andere kirchensteuerfinanzierten Verbände blasen in dieses Horn. Echte Ökumene, so der Tenor, könne es nur dann geben, wenn die lästige Unterscheidung zwischen “Abendmahl” und “Eucharistie” aufgehoben ist.

Wohltuend ruhig und unaufgeregt hat sich am Rande des Katholikentags der neue Generalvikar Markus Hofmann zu den Fortschritten in der Ökumene geäußert und dabei auch noch Tipps gegeben, wie ein Leben nach dem Katholikentagsmotto “Suche Frieden!” gelingen kann.

Das Interview, das wir in der Medienmeile am Stand von EWTN gedreht haben, gibt es hier: