Was soll die neue “Pfarrei-Instruktion” eigentlich?

In der jüngeren Vergangenheit hat der Papst seinen Blick immer wieder nach Deutschland gerichtet. Erst im letzten Jahr hat Papst Franziskus mit seinem Brief „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ die deutschen Katholiken aufgefordert, missionarischer zu werden und sich nicht in Strukturdebatten zu verzetteln. Während die Reaktionen auf diesen Brief noch relativ verhalten ausfielen, ist das beim neuen Schreiben aus dem Vatikan ganz anders.

Am Montag hat die Kleruskongregation Instruktionen vorgestellt, die alle Pfarreien in der gesamten Weltkirche betreffen (und nicht nur die deutschen Diözesen). Ein Großteil der deutschen Bischöfe hat darauf mit scharfer Kritik reagiert.

Doch worum geht es eigentlich in dem Schreiben, das den Titel trägt: „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche”

Mein Kollege Anian Christoph Wimmer, Chefredakteur von CNA Deutsch, hat die wichtigsten Punkte einmal zusammengefasst. Seine Übersicht finden sie hier.

Wochenrückblick: Die Zahlen der Krise

Die Katholische Kirche in Deutschland steckt in der Krise – nicht nur dem regelmäßigen Hörer unseres CNA-Deutsch-Podcasts dürfte dieser Umstand aufgefallen sein. Es ist nicht nur die hohe Zahl der Kirchenaustritte, die das belegen. Nein, auch die besonders niedrige Zahl der Priesteramtsanwärter gibt Anlass zur Besorgnis.

Deutschlandweit gab und gibt es im Jahr 2020 insgesamt gerade einmal 57 Priesterweihen – und das verteilt auf insgesamt 27 Bistümer. Immerhin: Dies ist lediglich der zweitniedrigste Wert in der Geschichte. Allerdings: Den niedrigsten Wert gab es 2019, da waren es nur 55 Weihen im Vorjahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 wurden in Deutschland noch 154 Männer zu Priestern geweiht. Insgesamt ist die Zahl der Weihen innerhalb von nur 20 Jahren um 60 Prozent gesunken!

Dafür steigen, wie Anfangs erwähnt, die Kirchenaustrittszahlen. Die katholische Wochenzeitung „Die Tagespost“ hatte deshalb eine Umfrage in Auftrag gegeben, und die kam zu einem erstaunlichen Ergebnis: Fast ein Drittel der Katholiken in Deutschland denkt ernsthaft darüber nach, aus der Kirche auszutreten. Lediglich 54 Prozent der Katholiken wollen auch in der Statistik Kirchenmitglied bleiben.

Um der Krise entgegenzutreten, versuchen sich verschiedene Gruppierungen und Gemeinschaften an unterschiedlichen Lösungskonzepten. Während das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und Teile des deutschen Episkopats große Hoffnungen auf den sogenannten „Synodalen Weg“ setzen, betonen andere – darunter Papst Franziskus – die dringende Notwendigkeit der Neuevangelisierung. Das Gebet, die Sakramente, die Katechese – all das wartet nur darauf, wiederentdeckt zu werden.

Die Nonnen-Rebellion

Wieder andere möchten gar zentrale Punkte der Kirchenlehre ändern. Dazu gehört auch eine Gruppe von zehn Nonnen, die unter dem Titel „Ordensfrauen für Menschenwürde“ einen Aufruf gestartet hat. Die Kirche müsse endlich Frauen zur Priesterweihe zulassen, so eine der Forderungen. Zudem hätten viele Ordensleute gerade während der Corona-Pandemie festgestellt, dass sie die tägliche Messfeier – wie sie in vielen Orden vorgeschrieben ist, nicht einmal mehr „vermissen“ würden.

Im Forderungskatalog der Ordensfrauen steht auch eine – so wörtlich – “Verheutigung der liturgischen Sprache”. Schwestern, die mit der Vorbereitung der liturgischen Feiern betraut waren, hätten Texte oft umformuliert, damit sie – so wörtlich – “selbst ehrlich beten” konnten. 

“Manche Orationen sind so formuliert, dass viele von uns diese Texte kaum ertragen können”, heißt es in dem Papier. Es sei daher nötig, eine “alltagstaugliche Begegnung mit Gott” zu ermöglichen, in dem die Texte überarbeitet werden.

Trotz der vielen Forderungen nach einer massiven Änderung der Kirchenlehre wollen die Ordensfrauen dennoch „römisch-katholisch“ bleiben – das zumindest diktierte ein Mitglied der Initiative einem Journalisten der KNA in den Notizblock. 

Neues im Fall Kentenich

Wie wir bereits letzte Woche berichtet haben, wird Pater Josef Kentenich, dem Gründer der Schönstatt-Bewegung, Missbrauch vorgeworfen. Nachdem Schönstatt diesen und weitere Vorwürfe zunächst kategorisch abgewiesen hatte, hat das Bistum Trier, das 1975 sogar einen Seligsprechungsprozess für Kentenich einleitete, eine Historiker-Kommission angekündigt, die die Vorwürfe untersuchen soll. Wer Mitglied dieser Kommission sein wird, ist noch unklar. Das Bistum teilte mit:

“Am Ende ihrer Arbeit wird die Kommission – unter Einbeziehung des Ergebnisses der vorausgegangenen Kommission – einen Bericht erstellen, in dem auch eine Aussage gemacht wird über die Persönlichkeit und die Spiritualität von P. Josef Kentenich, so wie sie sich in den gesammelten Dokumenten darstellen“.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

“Schauen Sie gefälligst etwas erlöster aus der Wäsche!”

Wie kommt die Kirche wieder aus der Krise? Was ist mit dem Zölibat? Wie wird Kirche wieder glaubwürdig? Und warum haben Katholiken Probleme mit der Organspende?

Im Gespräch mit Tobias Lehner bei der “Katholischen Presseschau” in München.

Diese und weitere Fragen hat der Moderator Tobias Lehner Ende Januar mit mir in der “Katholischen Presseschau” besprochen. Diese wird einmal im Monat beim Hilfswerk “Kirche in Not” in München aufgezeichnet.

Das komplette Interview gibt es hier auf Youtube:

Synodal Process in Germany: My Personal Review of the First Synodal Assembly

This is the English version of my article “Synodaler Weg: Mein persönlicher erster Eindruck”. As chief correspondent for German-speaking Europe, I observe the so-called “synodal process” in Germany for CNA Deutsch. This are my personal (!) impressions of the first synodal assembly from 30 January to 1 February in Frankfurt.

I hope that my English is reasonably understandable (in English classes we mostly used to watch movies, besides I was very lazy back then, sorry!)

1) From the initiators from the spectrum of committee Catholicism a “democratization” of the church is demanded. Thomas Sternberg’s “basta!” policy and the partly autocratic discussion style is surprising and contradicts the self-conception of the “Zentralkomitee der deutschen Katholiken” (ZdK). (Thomas Sternberg is the president of the ZdK)

2) Scientificity vs. emotionality. Critical questions about the MHG study (a study about sexual abuse of minors by Catholic priests, deacons and male members of religious orders in the area of the German Bishops’ Conference. This study is considered the basis for the “Synodal Process”) and the desire for a scientific second opinion are rejected with emotional outrage and without factual arguments.

3) The initiators’ sense of mission is at least as great as the scepticism of the secular press present (which they obviously want to impress)

4) I consider the bishops’ concern about the abuse scandal to be authentic. Also their helplessness and the struggle to deal with it properly and to find the right conclusions. 

5) The suspicion that the abuse scandal is instrumentalized in order to whip through the “reform plans” that have long been cherished under the alleged motive of “prevention” could not yet be refuted.

The danger of splitting off or founding a “German National Church” is “complete nonsense”, says Thomas Sternberg, president of the ZdK.

6) Many associations openly demand the ordination of women. However, the voices of the Internet survey are not so clear. The impression that the ordination of women is not dealt with theologically but is reduced to a purely power-political question remains an annoyance.

7) Culture of discussion: More or less open polemics against “conservative” positions. Platitudes and insinuations against “the official church” are repeated.

8) A crisis of faith is not or hardly ever considered as a possible cause for the whole mess. However, obvious catechetical deficits, even among many of the participants in the discussion, substantiate this suspicion.

9) For the first time after many decades it has become chic again to quote an incumbent pope at a ZdK event – even if many quotations have to be taken out of context to underpin one’s own position (papal letter). 

10) The justified reproach that the church would put itself too much in the centre and rule high-handedly is led ad absurdum by the fact that mainly “the church” is talked about but hardly about Jesus Christ.

Kann ich die Kirchensteuer verweigern?

Um die Aktionen des sogenannten Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und des Bund der katholischen Jugend (BDKJ) nicht mitfinanzieren zu müssen, erwägen viele gläubige Katholiken die Kirchensteuer zu boykottieren.

Ist das möglich? Welchen Spielraum gibt das Kirchenrecht? Kann ich dafür aus Gewissensgründen zwar offiziell aus der Kirche austreten, aber weiterhin die Sakramente empfangen?

Diese und weitere Fragen habe ich mit dem Kirchenrechtler und Theologen Gero Weishaupt besprochen. Er behauptet unter anderem, dass die aktuelle Regelung der deutschen Bischofskonferenz (DBK) “rechtswidrig und anfechtbar” sei.

Das komplette Interview gibt es hier bei CNA Deutsch.