Wochenrückblick: Kirchenaustritt als Ausdruck der Religionsfreiheit

Was unterscheidet die Katholische Kirche eigentlich von einer Sekte? Nun, zum einen hat die Kirche durch ihren Gründer – Jesus Christus – die Gewissheit, dass sie niemals untergehen wird, egal, wie hart die Zeiten sind oder noch werden, weil sie der Wahrheit dient. 

Zum anderen kann jeder Mensch Teil der Kirche werden, ohne besondere Leistungen vollbringen zu müssen. Genauso gut kann man die amtliche Mitgliedschaft jederzeit beenden. Das nennt man Religionsfreiheit.

Diesen Punkt hat auch der ehemalige Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, noch einmal in Erinnerung gerufen. In einem Interview beklagte der Erzbischof von Wien die gestiegenen Austrittszahlen in Österreich. Dort nämlich ist die Zahl der Kirchenaustritte im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um 14,9 Prozent angestiegen. Insgesamt 67.583 Personen traten letztes Jahr aus der Katholischen Kirche aus.

Schönborn bedauert die hohen Zahlen, sagte jedoch auch:

“Das ist ein Teil der Religionsfreiheit. Wir sind keine Zwangsgemeinschaft. Das ist die Freiheit, die Gott uns gegeben hat.”

Keine Priesterweihe: Keine Katastrophe?

Die Krise zeigt sich im deutschsprachigen Raum jedoch nicht nur anhand der Kirchenaustritte. Auch die Zahl der Priesterweihen geht zurück. Der Bischof von Augsburg, Bertram Meier, hat kürzlich in einem Interview gesagt, dass er „natürlich sehr enttäuscht” sei, wenn es irgendwann mal ein Jahr lang mal keine Priesterweihe in seinem Bistum geben sollte, jedoch sei dies “keine Katastrophe”.

„Es gab in der Kirchengeschichte immer schon Phasen, in denen die Kirche angezählt wurde“, sagte er wörtlich. „Doch Totgesagte leben am längsten.”

Risikobehaftet sieht Meier jedoch die Umstrukturierungen, die derzeit in vielen Bistümern angedacht werden. Auch Augsburg ist davon betroffen. Die vielen kleinen Pfarreien sollen vermehrt zu XXL-Pfarreien zusammengeschlossen werden.

XXL-Pfarreien in Freiburg beschlossene Sache

Für Aufsehen hat über viele Monate hinweg der Vorstoß des Trierer Bischofs Stephan Ackermann gesorgt. Die insgesamt fast 900 Pfarreien der Diözese Trier sollten zu 35 Großraumpfarreien zusammengeschmolzen werden und Leitungsteams unterstellt werden, in denen der Priester nur eine nebengeordnete Rolle spielt.

Dies hat natürlich nicht nur innerhalb des Bistums Widerstand gesorgt. Rom selbst hat sich eingeschaltet und nach einer längeren Überprüfung schließlich festgestellt, dass die Pläne von Bischof Ackermann in der Form nicht umgesetzt werden dürfen.

Ein ähnliches Schicksal könnte auch den Reformplänen des Freiburger Erzbischofs Stephan Burger blühen. Auch er plant sein Bistum radikal umzustrukturieren. Gleich 1.000 Pfarreien möchte er auf lediglich 40 XXL-Pfarreien zusammenschrumpfen, die sich dann über das gesamte Bistumsgebiet verteilen (hier der ausführliche Bericht bei CNA Deutsch). 

Die Leitung dieser Pfarreien soll jedoch weiterhin von Priestern ausgeübt werden.

Auch wenn Laien künftig mehr in “pastorale Aufgabenfelder” eingebunden werden sollen, ist eine Übertragung der “Hirtensorge” auf Laien kirchenrechtlich nicht gegeben. Dazu hält das Erzbistum wörtlich fest:

“Aufgrund des Kirchenrechts kann eine Pfarrei nur durch einen Priester geleitet werden. Weitere Formen der Leitung, die das Kirchenrecht vorsieht, sind letztlich keine Formen der Gemeindeleitung, sondern pastorale Notstandsregelungen. In konsequenter Anwendung des Kirchenrechts bestimmt die Zahl der zur Verfügung stehenden Pfarrer die Zahl der Pfarreien, sofern man keine ‘Mitverwaltung’ möchte. Dies hat der Erzbischof ausgeschlossen.”

Die XXL-Pfarreien sind jedoch nach Aussage von Erzbischof Burger längst beschlossene Sache. “Am Faktum der Bildung von etwa 40 Pfarreien wird kein Weg vorbeiführen“, schreibt das Erzbistum wörtlich.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

Kann ich die Kirchensteuer verweigern?

Um die Aktionen des sogenannten Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und des Bund der katholischen Jugend (BDKJ) nicht mitfinanzieren zu müssen, erwägen viele gläubige Katholiken die Kirchensteuer zu boykottieren.

Ist das möglich? Welchen Spielraum gibt das Kirchenrecht? Kann ich dafür aus Gewissensgründen zwar offiziell aus der Kirche austreten, aber weiterhin die Sakramente empfangen?

Diese und weitere Fragen habe ich mit dem Kirchenrechtler und Theologen Gero Weishaupt besprochen. Er behauptet unter anderem, dass die aktuelle Regelung der deutschen Bischofskonferenz (DBK) “rechtswidrig und anfechtbar” sei.

Das komplette Interview gibt es hier bei CNA Deutsch.

Markus Hofmann über die Ökumene

Auf dem Katholikentag in Münster gab es viele Aufreger. Das Thema der Kommunion für konfessionsverschiedene Ehepaare wurde dabei besonders heiß diskutiert. Kardinal Marx hat sich mehrfach dafür ausgesprochen, aus der bisherigen Ausnahmeregelung die Regel zu machen, auch das ZdK und andere kirchensteuerfinanzierten Verbände blasen in dieses Horn. Echte Ökumene, so der Tenor, könne es nur dann geben, wenn die lästige Unterscheidung zwischen “Abendmahl” und “Eucharistie” aufgehoben ist.

Wohltuend ruhig und unaufgeregt hat sich am Rande des Katholikentags der neue Generalvikar Markus Hofmann zu den Fortschritten in der Ökumene geäußert und dabei auch noch Tipps gegeben, wie ein Leben nach dem Katholikentagsmotto “Suche Frieden!” gelingen kann.

Das Interview, das wir in der Medienmeile am Stand von EWTN gedreht haben, gibt es hier: