Mein neues Buch mit Bischof Stefan Oster

Ich war seit fast vier Jahren beim katholischen Fernsehsender EWTN, als ich zum ersten Mal dem Passauer Bischof Stefan Oster begegnete – also so richtig, live und in Farbe. Und dann wurde es direkt ernst. Es war der 28. Juli 2017, ein warmer Sommermorgen, und ich hatte vor lauter Aufregung gerade eine Tasse Kaffee abgelehnt, welche mir die höfliche Sekretärin aus dem Büro des Bischofs angeboten hatte. Zwei Minuten später entschied ich mich um und stand mit gesenktem Blick wieder vor ihr. “Könnte ich nicht doch einen Kaffee haben”, fragte ich leise. Weitere Minuten später saß ich mit der Kaffeetasse in diesem riesigen Zimmer und rührte unentschlossen in diesem Himmelsgetränk herum. Als ob ich jetzt noch etwas runterbringen würde.

Es war bereits alles angerichtet. Die Kameras waren aufgebaut, die Lichter gesetzt. “Der Raum hier ist noch ganz frisch”, hatte Thomas Weggartner, der Referent des Bischofs gesagt. Er nannte mich schon damals “Rudi”, obwohl ich diese Abkürzung hasse, aber wer kann dem immer freundlichen Thomas schon wirklich böse sein?

Das Zimmer liegt direkt neben dem Sekretariat des Bischofs und ist wohl als Empfangs- und Konferenzraum gedacht. Durch die hohen Fenster hat man einen tollen Blick auf den Dom und der riesige, rote Tisch machte direkt klar: Hier sitzen normalerweise wichtige Menschen.

Jetzt saß ich da, das Lampenfieber zwickte im Magen und erneut tat ich so, als würde ich am Kaffee nippen, um die nette Sekretärin nicht zu beleidigen.

Dann kam Bischof Oster herein. Dynamisch schritt er die Reihe der Kameraleute ab, gab jedem die Hand, dann stand er vor mir, lächelte und sagte: “So, kömmer direkt anfang?”

Es war ausgemacht, dass wir bis zum Mittag Zeit haben, um die komplette Serie im Kasten zu haben, denn dann hatte der Bischof schon seinen nächsten Termin. Deshalb legten wir los. Ich hatte bereits mit dem Kölner Weihbischof Klaus Dick eine Serie über das Thema “Beichte” gedreht und mit dem Churer Weihbischof Marian Eleganti ebenfalls eine ganze Staffel zum Thema “Geistiger Kampf”. Mit Bischof Oster wollte ich über das Thema “Berufung” sprechen.

Mich selbst hat dieses Thema spätestens seit der Oberstufe des Gymnasiums schwer beschäftigt. Wenn ich mich umblickte, war ich so ziemlich der Einzige, der noch wirklich jeden Sonntag in die Messe ging und für den der Glaube auch privat eine wichtige Rolle spielte. Wollte Gott vielleicht, dass ich Priester werde?

Ich habe mich sehr, sehr lange mit dieser Frage herumgeschlagen und konnte dank vieler guter Menschen, die mir auf diesem Weg geholfen haben, die richtige Entscheidung treffen. Ich musste lernen, dass Berufung mehr ist als die Entscheidung zwischen Priestertum und Ehe. Ich durfte auch lernen, dass Gott kein grausamer Puppenspieler ist, der nur darauf wartet, dass ich mich “falsch” entscheide und Er dann dafür sorgt, dass mein gesamtes Leben den Bach runtergeht. Diese Erfahrung, dass Gott einerseits einen großen Plan mit einem jeden von uns vor hat, uns aber andererseits auch die völlige Freiheit lässt, uns dafür oder dagegen zu entscheiden, all diese Lektionen waren in den vergangenen Jahren bis zu dieser Begegnung mit Bischof Stefan Oster äußerst lehrreich.

Insgesamt drehten wir fünf Einzelsendungen mit je 25 Minuten. Die Zeit verflog wie nix, es war spannend zu sehen, dass auch der Bischof früher durch einen ähnlichen Lernprozess laufen musste. Teilweise erzählte er sehr persönlich von den Höhepunkten und Niederlagen auf dem Weg seiner Gottsuche und als die Zeit abgelaufen war, bedauerte ich es sehr, dass wir uns nicht weiter darüber unterhalten konnten.

Im Spätherbst des Jahres 2017 lief die Serie unter dem Titel “Rudolf will’s wissen – Wie erkenne ich Gottes Plan für mein Leben?” bei EWTN.TV an. Bald kamen die ersten Nachfragen von Zuschauern, ob es die Sendung nicht auch in Schriftform geben könnte. Ich war erstaunt. Hatten meine Brüder nun also doch recht, als sie mir damals attestierten, ich hätte “ein Gesicht fürs Radio”? Wollten sich die Leute wenigstens unseren Anblick ersparen?

Wie auch immer, irgendwann, als ich mal wieder länger wach im Bett lag und einfach nicht schlafen konnte, begann ich, die Sendungen Wort für Wort abzutippen. Dies war noch einmal eine ganz eigene Erfahrung. Erstens habe ich mittlerweile einen wahnsinnigen Respekt vor all den Sekretären dieser Welt, die tagtäglich lange Textpassagen transkribieren müssen. Zweitens war ich teilweise entsetzt, dass ich bei manchen Antworten des Bischofs nicht weiter nachgefragt habe. Und drittens musste ich auch feststellen, dass automatische Texterkennungsmaschinen mir nicht weiterhelfen, weil im Laufe des Gesprächs sowohl der Bischof als auch ich immer mehr in unseren Dialekt zurückgefallen sind.

Irgendwann während des Abtippens kam dann die Idee, den Bischof zu fragen, ob wir nicht ein Buch aus der Serie machen sollten. Der Vorteil wäre, dass wir alles noch einmal überarbeiten und sogar neue Fragen ergänzen könnten. Er war einverstanden und als auch der Programmdirektor von EWTN Deutschland, Martin Rothweiler, sein grünes Licht gegeben hatte, begann die eigentliche Arbeit erst.

Zwischen jener schlaflosen Nacht, in der ich angefangen habe, die Sendungen zu transkribieren, und dem Moment, als der Herder-Verlag sein Okay gegeben hat, sind etwa dreieinhalb Jahre vergangen. Wir haben nicht nur an der Sprache geschliffen, sondern auch neue Punkte ergänzt. Dem Bischof war es ein Anliegen, auch die aktuell so brennende Thematik des Missbrauchs mit ins Buch zu nehmen. Herausgekommen ist nun dieses Buch, das hoffentlich nicht nur Freude macht, sondern auch Ihnen persönlich ganz konkret bei der Frage hilft, was Gott eigentlich mit Ihnen vorhat. Gott lässt uns nicht im Stich, es ist Ihm nicht egal, ob wir glücklich sind oder nicht. Davon bin ich überzeugt.

Welche Rolle spielt dabei aber die Kirche? Wie kommt es, dass sie entscheiden kann, wer beispielsweise eine Priesterberufung hat und wer nicht? Kann sie nicht auch krass danebenliegen, wenn sie keine Frauen zu Priestern weiht? Und was ist, wenn jemand keinen Partner findet und auch keine geistliche Berufung verspürt? Ist so ein Leben “vergeudet”? Warum ist denn Jesus Christus für uns am Kreuz gestorben? Was kümmert ihn unser Leben? Und überhaupt, was ist eigentlich mit “Erlösung” gemeint? – All diese Fragen haben mich auf meinem Weg immer wieder beschäftigt. Bischof Stefan Oster ist keiner einzigen Frage ausgewichen und ich bin ihm wahnsinnig dankbar, dass er sich damals sowohl auf die TV-Serie, als auch nun auf das Buchprojekt eingelassen hat.

Übrigens, als wir die letzte Sendung endlich im Kasten hatten, unterhielt mich noch kurz mit ihm. Das ist natürlich ein ganz alter Trick, damit man den Kollegen nicht beim Abbau helfen zu muss. Plötzlich fragte mich der Bischof ganz unvermittelt:

„Und Sie? Werden Sie auch Priester?“

Vor einiger Zeit wäre ich bei dieser Frage wahrscheinlich in kaltem Angstschweiß ausgebrochen. Ich hätte mich gefragt: Ist das vielleicht gerade Gott, der durch diesen Menschen spricht? Bin ich auf dem richtigen Weg? Muss ich Priester werden, um Gottes Plan zu erfüllen? Es gab ja eine Zeit, da bin ich dieser Frage panisch ausgewichen, weil ich Angst vor der Antwort hatte. Ich bin froh, dass das endlich vorbei ist.

Ich lächelte den Bischof an und sagte mit der größtmöglichen Gelassenheit, dass ich mich tatsächlich lange mit dieser Frage herumgeschlagen habe, ich aber glaube, dass meine Berufung eher in der Medienarbeit liegt.

Oster lächelte verschmitzt zurück: „Na ja, das dachte ich damals auch.“

Wie auch immer – nun ist es an der Zeit, dass Sie Ihren Terminkalender hervorkramen und den Hammer für das Sparschwein aus der Werkzeugkiste holen.

Am 17. August 2021 ist es soweit, dann erscheint unser gemeinsames Buch unter dem Titel “Den ersten Schritt macht Gott” im Herder-Verlag. Greifen Sie zu – es ist nicht umsonst! (Fun Fact: Es ist tatsächlich nicht umsonst, sondern kostet sogar 16,- Euro. Also umgerechnet 64 Plastikpfandflaschen).

Die Bestellmöglichkeiten sind unten aufgelistet.

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