Der Papst ist tot. Als die Nachricht auf meinem Handybildschirm auftauchte, schien die Welt für einen kurzen Augenblick stillzustehen. Und dann musste alles ganz schnell gehen. Ich rannte los, nicht ahnend, dass ich etwas Wichtiges vergessen hatte.
Um ehrlich zu sein: Wenn unsere Tochter stillsitzen könnte, hätte ich vermutlich erst viel später vom Papsttod erfahren. Es war ein schöner Ostermontag, ich bin mit meiner Frau und unserer Tochter etwas aus Rom hinausgefahren, um im idyllischen Kloster von Tre Fontane die Heilige Messe zu besuchen. Natürlich hatte ich mein Handy stummgeschaltet.
Nicht stumm bleiben konnte dagegen unsere Tochter. Mit Enthusiasmus kletterte sie schon zu Beginn der Messe auf der Kniebank herum, winkte den anderen Gläubigen zu und gab lautstarke Kommentare ab. Nach etwa einer Viertelstunde beschloss ich, mit ihr kurz vor die Tür zu gehen. Dort schaute ich kurz aufs Handy und sah die traurige Nachricht.
Ich hetzte zurück in die Kirche und wollte meine Frau herauswinken. Dann, auf halber Strecke, fiel mir ein, dass ich in der Hektik unsere Tochter einfach habe draußen stehen lassen. „Auch der heilige Thomas Morus hat damals wegen des Papstes seine Familie zurückgelassen“, versuchte ich mich später etwas zu hochnäsig bei meiner entsetzten Frau zu rechtfertigen.
Dann ging alles ganz schnell. Rein ins Auto, schnell nachhause, den schwarzen Anzug aus dem Schrank geholt, nebenbei rasiert, ab aufs Fahrrad und über zahlreiche roten Ampeln runter zum Petersplatz. Bisschen später musste ich dann schon vor die Kamera.
Es war ein so seltsamer Morgen. Die Sonne schien mit voller Kraft, Vögel zwitscherten, auf den Straßen waren fröhliche Menschen unterwegs und ließen es sich gutgehen. Wir Journalisten waren da schon längst in unserem Tunnel.
Grundsätzlich kam die Todesnachricht nicht komplett überraschend. Es gab Notfallpläne, die Nachrufe waren schon vorbereitet, und seit Papst Franziskus sich noch im Februar und März wegen seiner schweren Atemwegserkrankung in der Klinik behandeln musste, waren wir ohnehin in ständiger Alarmbereitschaft. Ich hatte mein Handy in den letzten Wochen auch über Nacht angelassen, bei Essenseinladungen von Freunden hatte ich für den Fall der Fälle sicherheitshalber meine Ausrüstung und meinen schwarzen Anzug im Kofferraum dabei. Nur nicht an jenem Ostermontag.
Ich lief wie auf Autopilot und machte auf dem Petersplatz routiniert meine Arbeit. Doch dann, als um 12:00 Uhr die große Totenglocke minutenlang zu läuten begann, lief es mir plötzlich eiskalt den Rücken hinunter und mir wurde mit einem Schlag bewusst: Der Papst – mein Papst, unser Papst – ist tot.
Es tauchten wieder die Bilder auf, wie ich vor mehr als 12 Jahren auf dem Sofa zusah, wie Papst Franziskus zum ersten Mal den Balkon des Petersdoms betrat und uns allen einen „guten Abend“ wünschte. Für mich unvergesslich bleibt natürlich der Moment, als ich ihm bei einer der „fliegenden Pressekonferenzen“ im Papstflieger eine Frage zur Situation der Kirche in Deutschland stellen durfte. Ich weiß noch, wie Franziskus nur zwei Meter entfernt von mir saß, mich mit seinen großen Augen durchdrang und mit wahnsinnig lebendiger Mimik auf meine Frage antwortete. Nur: Ich verstand fast kein Wort, weil der Flieger so laut war und an meinem Platz kein Lautsprecher war.
Mir ging es dabei so wie vielen Menschen: Oft haben wir ihn nicht verstanden. Und das, obwohl kaum ein Papst in den letzten Jahrzehnten so redefreudig war wie er. Aber, er war unser Papst! Und von all den vielen Dingen, die Franziskus im Laufe seines zwölfjährigen Pontifikats gesagt hat, sollten wir uns jetzt vor allem an den einen Satz erinnern, den er vermutlich am häufigsten gesagt hat:
„Bitte betet für mich!“
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