Wissen Sie, was Sie vor genau einem Jahr getan haben? Ich weiß es nicht mehr, aber ich weiß, was der amerikanische Kardinal Robert Prevost gestern vor genau einem Jahr getan hat.
Wie Sie wissen, gibt es offiziell keinen Kardinal Robert Prevost mehr. Seit er am 8. Mai 2025 zum Papst gewählt worden ist, hat er nicht nur die Arbeitsklamotten gewechselt, sondern auch seinen Namen. Er ist jetzt unser Papst Leo XIV. und als solcher hat er gestern die Karfreitagsprozession in Rom angeführt.
Mit dem Kreuz in der Hand ist er die Kreuzwegstationen im Kolosseum abgeschritten und hat mit hunderten von Gläubigen in Rom und Millionen Katholiken vor den Bildschirmen an das Leiden und Sterben Jesu Christi erinnert.
Beeindruckende Bilder, ich selbst bin persönlich vor Ort im Kolosseum gewesen und durfte die unglaubliche Gebetsatmosphäre miterleben.
Und dann habe ich kurz überlegt: Hat Papst Leo gestern einmal daran gedacht, was er vor einem Jahr getan hat?
Gestern vor genau einem Jahr, am 2. April 2025, hat der damalige Kardinal Robert Prevost ebenfalls das Gebet der Gläubigen angeführt, während Millionen an den Bildschirmen zuhause mitbeteten. Vor einem Jahr stand er aber nicht am Kolosseum, sondern auf dem Petersplatz. Papst Franziskus lag zu diesem Zeitpunkt schwer erkrankt im Krankenhaus.
In dieser Zeit haben sich abends die Menschen zum Gebet auf dem Petersplatz versammelt, abwechselnd haben die zu diesem Zeitpunkt in Rom lebenden Kardinäle den Rosenkranz vorgebetet. Und am 2. April 2025 war Kardinal Prevost dran. Dies war übrigens auch der 20. Todestag von Johannes Paul II.
Seitdem ist viel passiert. 18 Tage später feierte die Kirche den Ostersonntag. 19 Tage später starb Papst Franziskus. 38 Tage später wurde Kardinal Prevost zum Papst gewählt.
Während die Karwoche 2025 die letzte war, die Papst Franziskus gefeiert hat, ist dies die erste Karwoche von Papst Leo.
Die Fußwaschung – wie früher
Am Gründonnerstag, wenn die Kirche traditionell an das Letzte Abendmahl und die Einsetzung der Eucharistie gedenkt, hat der neue Papst bei der Feier in der Lateranbasilika stellvertretend für die Apostel 12 Priestern die Füße gewachsen, so, wie es schon in der Vergangenheit Tradition gewesen ist, bis Papst Franziskus diese Tradition änderte und während seines Pontifikats den Gründonnerstag an unterschiedlichen Orten begannen hat.
Im Lateran wies Papst Leo auf die ursprüngliche Bedeutung dieses Aktes hin. Er sagte wörtlich: „Mit seiner Geste der Fußwaschung reinigt Jesus nicht nur unser Gottesbild von den Götzenbildern und Lästerungen, die es verunreinigt haben, sondern er reinigt auch unser Menschenbild, das sich mächtig wähnt und sich groß fühlt, wenn es gefürchtet wird.“
Am Karfreitag stand Papst Leo am Nachmittag der Karfreitagsliturgie im Petersdom vor, bevor er am späten Abend den Kreuzweg am Kolosseum anführte.

Heute Abend wird er ab 21:00 Uhr im Petersdom die Ostervigil feiern. Wie in jeder Pfarrgemeinde weltweit beginnt auch die Ostervigil des Papstes ganz traditionell am Osterfeuer. Die Feuerstelle befindet sich draußen vor dem Eingangsportal des Petersdoms. Dort wird Papst Leo die Osterkerze entzünden und dann unter den dreimaligen Ausruf des „Lumen Christi“ („Licht Christi“) den Petersdom betreten. Das Feuer der Osterkerze wird an die Kerzen der Gläubigen weitergegeben, bis sich das Lichtermeer im ganzen Dom ausgebreitet hat.
Am Ostersonntag wird der Heilige Vater um 10:15 Uhr die Ostermesse auf dem Petersplatz feiern. Um 12:00 Uhr spendet er den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“, „der Stadt und dem Landkreis“. Selbstverständlich können Sie, liebe Hörer, diesen Segen auch über das Radio und das Fernsehen empfangen.
Schaffen Sie es rechtzeitig zum Mittagessen?
Noch bleibt die Frage offen, ob Sie es danach rechtzeitig zum Mittagessen schaffen oder sich noch ein wenig gedulden müssen. Denn noch ist nicht klar : Wird Papst Leo seine Ostergrüße wieder in verschiedenen Sprachen aussenden? Und wenn ja, in wie vielen Sprachen?
2012 hatte Papst Benedikt XVI. bei seinem allerletzten „Urbi et Orbi“ noch Ostergrüße in insgesamt 65 Sprachen gesendet. Sein Nachfolger, Papst Franziskus, hatte darauf verzichtet. Im letzten Jahr brachte er, immer noch schwerkrank, mit Mühe und Not ein „Buona Pasqua“ hervor. Keiner konnte damals ahnen, dass dies sein letzter öffentlicher Auftritt sein würde und er am Morgen des Ostermontag versterben würde.
Papst Leo hat bei seinem Urbi-et-Orbi an Weihnachten seine Grüße wieder in mehreren Sprachen gesendet, in insgesamt zehn Sprachen: Italienisch, Spanisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Portugiesisch, Polnisch, Arabisch, Chinesisch und Latein.
Am Ostermontag wird Papst Leo zwar keine öffentliche Messe feiern, aber sich noch einmal den Gläubigen zeigen. Am Mittag betet er das „Regina Coeli“, das traditionelle Gebet, das die Kirche während der Osterzeit immer anstelle des Angelus-Gebetes betet.
Allzu viel von der Osterruhe hat Papst Leo dann allerdings nicht. Genau eine Woche nach Ostermontag, am 13. April, wird er aufbrechen zu seiner ersten Afrikareise. Diese führt ihn zunächst nach Algerien, dann über Kamerun und Angola nach Äquatorialguinea, bevor er zehn Tage später am 23. April wieder nach Rom zurückkehren wird.
Vorbei ist Ostern dann noch nicht. Das wichtigste Fest der Christenheit endet in diesem Jahr erst am 24. Mai, an Pfingstsonntag. Dann feiert die Kirche nämlich ihren eigenen Geburtstag.
Dieser Beitrag erschien – so ähnlich – auch als Kommentar bei Radio Horeb am 4. April 2026.
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