Mein neuer Job

Mein neuer Job

Ein altes Sprichwort* sagt: „Wenn das Leben dir eine Katze gibt, lass sie aus dem Sack.“ In diesem Sinne ist für mich nun die Zeit gekommen, die Katze aus dem Sack zu lassen.

Nach 13 Jahren als TV-Journalist und Produzent beim katholischen Mediennetzwerk EWTN fange ich bald ein neues Kapitel an – und zwar wortwörtlich: im Verlagswesen. Zum 1. November 2026 werde ich neuer Chefredakteur des VATICAN magazins. Gleichzeitig trete ich auch die Position des Stellvertretenden Geschäftsführers der fe-medienverlags GmbH an.

Das VATICAN magazin wurde vor 20 Jahren von den beiden Publizisten Paul Badde und Guido Horst gegründet und erscheint seit 2007 beim fe-Verlag. 

2019 war Paul Badde auf mich zugekommen und hatte mir eine eigene Kolumne im Magazin angeboten, die unter dem Titel „Die Kirche ist jung“ laufen sollte. Paul Badde, der Gründungsherausgeber, und Guido Horst, der Gründungschefredakteur, ließen mir freie Hand. Über die nächsten Jahre schrieb ich jeden Monat meine Kolumne für das VATICAN magazin. Am Ende wurden es genau 59 Stücke.

Meine erste Kolumne für das VATICAN magazin. Am Ende wurden es 59 Stücke.

Doch bevor ich meine 60. Kolumne schreiben konnte, musste ich aufhören. Im Mai 2025 schrieb ich meinen (bislang) letzten Text für das VATICAN magazin.

Ein halbes Jahr später, am 10. November 2025, starb Paul Badde. Mit Guido Horst stand ich vor seinem Sarg und erwies ihm die letzte Ehre, als er in Manopello zu Grabe getragen wurde. Was mir Paul Badde bedeutet, hatte ich noch am Morgen der Beisetzung hier kurz aufgeschrieben.

Was Bernhard Müller noch nicht weiß…

In der Zwischenzeit hatte Bernhard Müller die Chefredaktion des VATICAN magazins übernommen. Bernhard kannte ich lange nur aus der Ferne. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder hatte er einst den christlichen Verlag fe-Medien gegründet. 2019 hatte ich ganz kurz mit ihm gesprochen, als er in Frankfurt mit Erzbischof Georg Gänswein dessen neues Buch vorstellte, das bei fe erschienen war.

Bei dieser Gelegenheit schoss ich mit meinem Handy ein ziemlich schlechtes Foto von den beiden (siehe unten).

Falls es auf dem schlechten Foto nicht zu erkennen ist: Das ist Erzbischof Georg Gänswein (links) neben Bernhard Müller.

Über die Jahre hat sich eine tiefe Freundschaft mit Bernhard Müller entwickelt. Dass er mir zutraut, gemeinsam mit ihm und seinem hervorragenden Team den fe-Medienverlag weiterzuentwickeln, beschämt und motiviert mich im gleichen Maße. 

Was Bernhard allerdings bis jetzt noch gar nicht wusste: Ich habe mich in der Vergangenheit schon einmal als Autor, Verleger und Buchverkäufer versucht – und bin dabei kläglich gescheitert.

Mein erster Buchverkauf

Seit ich ein Kind war, wollte ich Bücher veröffentlichen. In einem kleinen Kalenderbuch schrieb ich Geschichten auf, die ich mir ausgedacht hatte. Sobald sich eine Gelegenheit ergab, nötigte ich meine Klassenkameraden dazu, sich die stümperhaften Abenteuergeschichten von mir vorlesen zu lassen. 

Bis mich irgendwann ein Schulfreund auf eine Idee brachte, bei einem Schulfest meine Geschichten zu verkaufen. Es war in der sechsten oder siebten Klasse. Mittlerweile besaß ich eine alte Schreibmaschine, die mein Vater von einem Sperrmüllhaufen gerettet und der ich den Namen „Susanne“ geben hatte. 

Ich erfand eine wilde Polizeigeschichte mit Verfolgungsjagd und Explosionen, die ich wie besessen mithilfe von „Susanne“ aufs Papier hämmerte. Zum Schluss malte ich ein hässliches Polizeiauto auf das Titelblatt, direkt unter dem Titel meines „Buches“. Am nächsten Tag legte ich die vollgeschriebenen Seiten auf den Schulkopierer und war dann den Rest des Tages damit beschäftigt, das Papier zuzuschneiden und die einzelnen Seiten zur Buchform zu tackern.

Voller Elan ging ich mit meiner kleinen Kiste voller Mini-„Bücher“ zum Schulfest. Ich glaube, ich verlangte einen Euro pro Buch. Niemand kam. Erst gegen Ende kam Lisa aus meiner Klasse ganz verstohlen zu mir. Sie hatte Mitleid und kaufte mir zwei „Bücher“ ab. Eines wolle sie ihrer Mutter mitbringen, log sie.

Endlich ein richtiges Buch

Nach der Schule wurde mir schnell klar, dass das erstmal nichts wird mit der großen Schriftsteller-Karriere. Also tat ich das, was jede gekränkte „Edelfeder“ tut: Ich wurde Journalist.

Wie Sie wissen, bin ich durch Zufall (andere sagen: durch Fügung) beim Fernsehen gelandet. Ich wurde ein Großmeister im Schreiben von Pressemitteilungen und konnte weiter hier und da mal einen Artikel veröffentlichen. 

Regina Einig von der „Tagespost“ hatte mich schon früh unter ihre Fittiche genommen. Mit viel Geduld und unendlicher Herzensgüte hat sie meine ersten literarischen Gehversuche im katholischen Milieu begleitet und gefördert. Ich war noch ein Teenager, als die „Tagespost“ im Vorfeld des Weltjugendtags in Madrid (2011) junge Katholiken einlud, regelmäßig Glaubenszeugnisse für das ehrwürdige Blatt zu schreiben. Die „Jungen Federn“ waren geboren – und ich gehörte zur Gründungsgeneration. 

Regina Einig und den „Jungen Federn“ habe ich es zu verdanken, dass Bernhard Meuser, der Ur-Vater des weltberühmten „YOUCAT“, auf mich zukam, als ich gerade 19 Jahre alt war und mich fragte, ob ich am neuen Buchprojekt des „YOUCAT“ zum Thema Beichte mitschreiben will. Knapp ein halbes Jahr später hielt ich das kleine lila Buch in meinen Händen. Mein Name stand sogar vorne drauf.

2013 erschien der „YOUCAT Update! Beichte!“. Wie man sieht, war meine Freude größer als meine Sorge über eine anständige Frisur.

Erst 2021 folgte die nächste Buchveröffentlichung. Gemeinsam mit dem Passauer Bischof Stefan Oster hatte ich unsere Fernsehinterviews für die EWTN-Serie „Rudolf will’s wissen: Wie erkenne ich Gottes Plan für mein Leben?“ überarbeitet und verschriftlicht.

Unser Buch „Den ersten Schritt macht Gott“ erschien beim Herder-Verlag.

Mein zweites Buch. Und meine Schreibmaschine „Susanne“.

„Print ist tot“ – na und?!

„Print ist tot“, heißt es immer wieder, und doch freue ich mich sehr auf die neue Aufgabe. Als Katholik ist man es ohnehin gewohnt, für einen lange totgesagten Chef zu arbeiten. Und mit Bernhard werde ich einen Kollegen an meiner Seite haben, von dessen Erfahrung und Weitsicht der Verlag schon so lange profitiert.

Für mich ist es eine große Ehre, dass er beim VATICAN magazin freiwillig ins zweite Glied zurücktritt und mir die Chefredaktion überträgt. Ich werde ab dem 1. November 2026 der dritte Chefredakteur in der 20-jährigen Geschichte dieses Magazins sein. Es ist eine gewaltige Aufgabe, in die Fußstapfen meiner beiden Vorgänger Guido Horst und Bernhard Müller zu treten. Doch ich spüre ihr Vertrauen und weiß, dass ich weiterhin auf ihre Unterstützung zählen kann.

Natürlich machen wir uns alle nichts vor. Die Zeiten sind nicht gerade rosig. Wir werden als fe-Medienverlag auf die sich verändernde Medienlandschaft reagieren und bestimmt auch neue Wege gehen müssen. Aber weder der Verlag, noch das Magazin dürfen dabei ihre Identität verlieren.

Gesellschaftlich, politisch, aber auch kirchlich werden die Gräben in unserem Sprachraum immer tiefer. Die digitalisierte Welt ist voller Hektik und Lärm, aber Jesus Christus klopft weiterhin geduldig an die Tür der Menschen. Ich jedenfalls will mit dem VATICAN magazin und dem fe-Medienverlag die Türen weit öffnen für die Frohe Botschaft.

Mein bisheriger Weg als gescheiterter Buchverkäufer auf dem Schulfest, als Kolumnist, als EWTN-Reporter, TV-Produzent und Vatikan-Korrespondent führt mich nun ins Allgäu. 

Ich freue mich, dass ich wieder Bücher produzieren darf (diesmal aber zusammen mit Profis). Ich werde hart dafür arbeiten, dass noch mehr Menschen das VATICAN magazin entdecken und darin spannende Geschichten aus Rom und der Weltkirche lesen werden, ohne im Fremdwörterbuch nachschlagen zu müssen.

Ach so. Das gilt natürlich auch für Sie. 

Wenn Sie neugierig geworden sind (oder auch einfach nur Mitleid haben wie damals Lisa aus der Schule), dann abonnieren Sie hier doch schon jetzt unser VATICAN magazin. Und folgen Sie uns auf Facebook, Instagram und Twitter (X). 

Und dann werden wir mal sehen, was die Zukunft bringt. Ich werde mich weiter an das alte Sprichwort** halten, das mich schon so lange durch mein Leben begleitet hat:

„Wenn du nicht den Mut hast, etwas Lächerliches zu tun, wird Gott auch nichts Wunderbares daraus machen.“

* Das „alte Sprichwort“ war natürlich nur erfunden. 

** Dieses Sprichwort habe ich nicht erfunden. Es stammt von Mother Angelica, der Gründerin von EWTN.

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2 Kommentare zu „Mein neuer Job“

  1. Avatar von Herbert köhler
    Herbert köhler

    Lieber Herr gehrig, es freut mich das dies Ihre neue Berufung wird. Ganz baff bin ich das sie meinen hochverehrten Freund Paul badde so gut kannten. Ich bin jetzt so verdattert das ich mich erst einmal fangen muss. Ich bete für Ihren erfolgreichen Werdegang. Und bedanke mich bei paul badde in manopello, das er ihnen von da oben so wunderbar unter die Arme greift
    Lieber Herr gehrig, bleiben Sie nehütet

  2. Avatar von Bernhard Meuser
    Bernhard Meuser

    Kühnheiten, Rudolf, belohnt Gott. Geh weiter den geraden Weg. Gottes Segen! Das ist alles, was Du brauchst. Da sind gute Freunde, neugierige Leser, dankbare Bischöfe und glückliche Engel im Himmel inklusive.

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