Gemeinsame Autorenlesung mit Bischof Stefan Oster in Passau am 26. Oktober 2021

Am Dienstag, dem 26. Oktober 2021, werde ich mit Bischof Stefan Oster in Passau aus unserem gemeinsamen Buch “Den ersten Schritt macht Gott” vorlesen und darüber diskutieren. Die Autorenlesung, zu der Sie sich hier gerne anmelden können, beginnt um 19.00 Uhr.

Anschließend gibt es noch die Möglichkeit, das Buch zu kaufen und signieren zu lassen.

Worauf kommt es an, wenn man auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist?

Letzte Woche hat mich die katholische Theologin Magarete Strauss für ihren YouTube-Kanal interviewt. Es ging nicht nur um mein neues Buch mit Bischof Stefan Oster SDB, das im August beim Herder-Verlag erschienen ist, sondern auch um unsere Fernsehserie bei EWTN.TV, um meinen ganz persönlichen Berufungsweg und darum, dass Brüder (ich sage nicht welcher!) manchmal ganz schön empfindlich reagieren, wenn man mit Straßenschuhen ihr Zimmer betritt.

Margarete hat bereits vor einem Monat eine kurze Rezension zu unserem Buch gemacht, als sie in diesem Video ihre “Septemberfavoriten” vorstellte.

Nun hatten wir uns also zum Interview verabredet. Da ich schon berufsbedingt eine echte Laberbacke bin, ist das Interview natürlich entsprechend lang geworden. Hier ist es in voller Länge:

P.S.: Ach so, und hört auf Margarete: Folgt mir auf Twitter und auf allen anderen Kanälen!

Vielen Dank für die Glückwünsche – wirklich!

Am gestrigen Dienstag bin ich 28 Jahre alt geworden. Viele Menschen haben mir gratuliert, was sicherlich auch daran lag, dass meine Facebook-Freunde automatisch informiert wurden, dass der 28. September nun mal mein Geburtstag ist. Früher habe ich deshalb mal ein falsches Geburtsdatum bei Facebook angegeben, einfach nur, weil ich die Leute blamieren wollte, wenn sie mir am falschen Tag gratulieren. Ich fand es zunächst affig, jemandem “Alles Gute” an die Facebook-Pinnwand zu schreiben, nur, weil das große Rechenzentrum einen halt daran erinnert. Daher hatte ich diese Falle gebaut. Letztlich hatte ich zwar eine Zeit lang Spaß damit, aber mit der Zeit auch weniger Freunde…

Jetzt muss ich sagen, dass ich mich über die Geburtstagsglückwünsche wirklich sehr gefreut habe. Sogar über jene, die ein Liedchen für mich gesungen haben. Vielleicht liegt es am Alter, aber ich war tatsächlich sehr gerührt über die vielen Nachrichten. Vielen Dank dafür!

Darunter waren auch Nachrichten von Personen, die ich noch nie gesehen habe, die mir aber schrieben, dass meine Arbeit sie in irgendeiner Form erreicht und berührt hat. Auch dafür möchte ich danken.

Ich werde wegen meiner Arbeit und meines Glaubens gelegentlich verspottet, manchmal gemieden und oft in eine schmuddelige Spießer-Ecke gesteckt. Gott weiß, nicht immer ist die Kritik an meiner Person komplett falsch. Doch es gibt auch Momente, in denen ich mich frage, ob meine Arbeit überhaupt etwas bringt. In denen ich das Gefühl habe, dass es den Menschen da draußen komplett am Arsch vorbeigeht, wofür ich mich einsetze. 

Es ist okay und ihr gutes Recht, doch es wäre eine Lüge zu behaupten, dieses „der-letzte-Mohikaner-Feeling“ wäre überhaupt kein Problem für mich.

Ich will nicht rumheulen. Ich habe mir den Beruf des katholischen Journalisten in dieser speziellen Nische selbst ausgesucht. Ich will nicht darüber jammern, dass manche Menschen – auch Leute aus dem eigenen Lager – hin und wieder ihren Mist über mich auskippen und sich an dem abzuarbeiten glauben, was sie für „die Kirche“ halten. Ich nehme es ernst, dass viele Menschen total beschissene Erfahrungen mit der Kirche gemacht haben.

Aber: Ich liebe meinen Job! Hätte ich nicht das Gefühl das Richtige zu tun – und wäre ich nicht so eitel (ich gebe es ja zu)-, hätte ich vermutlich schon hingeschmissen. Manchmal sind es eben diese einfachen Worte – von langjährigen Freunden und von wildfremden Menschen – die einem die Seele streicheln und Kraft geben. Deshalb von Herzen vielen Dank für Eure Nachrichten!

Und damit dieser ichbezogene Text nicht zu eitel endet, noch ein paar kluge Worte zum Schluss, die ich aus einem Computerspiel geklaut habe:

„There is nothing to be afraid of, Mr. Morgan. Take a gamble that love exists, and do a loving act.“ (Zitat von Mutter Oberin Calderón aus: Red Dead Redemption 2)

P.S.: Im August ist übrigens ein Buch von mir erschienen, das ich gemeinsam mit Bischof Stefan Oster geschrieben habe. Dabei geht es (am Rande) auch um meine persönliche Berufung zum Journalisten. Wenn Interesse besteht, hier gibt es mehr Informationen und auch die Bestellmöglichkeiten.

Foto: Zuzana Jakabová, 2021

Mein neues Buch mit Bischof Stefan Oster

Ich war seit fast vier Jahren beim katholischen Fernsehsender EWTN, als ich zum ersten Mal dem Passauer Bischof Stefan Oster begegnete – also so richtig, live und in Farbe. Und dann wurde es direkt ernst. Es war der 28. Juli 2017, ein warmer Sommermorgen, und ich hatte vor lauter Aufregung gerade eine Tasse Kaffee abgelehnt, welche mir die höfliche Sekretärin aus dem Büro des Bischofs angeboten hatte. Zwei Minuten später entschied ich mich um und stand mit gesenktem Blick wieder vor ihr. “Könnte ich nicht doch einen Kaffee haben”, fragte ich leise. Weitere Minuten später saß ich mit der Kaffeetasse in diesem riesigen Zimmer und rührte unentschlossen in diesem Himmelsgetränk herum. Als ob ich jetzt noch etwas runterbringen würde.

Es war bereits alles angerichtet. Die Kameras waren aufgebaut, die Lichter gesetzt. “Der Raum hier ist noch ganz frisch”, hatte Thomas Weggartner, der Referent des Bischofs gesagt. Er nannte mich schon damals “Rudi”, obwohl ich diese Abkürzung hasse, aber wer kann dem immer freundlichen Thomas schon wirklich böse sein?

Das Zimmer liegt direkt neben dem Sekretariat des Bischofs und ist wohl als Empfangs- und Konferenzraum gedacht. Durch die hohen Fenster hat man einen tollen Blick auf den Dom und der riesige, rote Tisch machte direkt klar: Hier sitzen normalerweise wichtige Menschen.

Jetzt saß ich da, das Lampenfieber zwickte im Magen und erneut tat ich so, als würde ich am Kaffee nippen, um die nette Sekretärin nicht zu beleidigen.

Dann kam Bischof Oster herein. Dynamisch schritt er die Reihe der Kameraleute ab, gab jedem die Hand, dann stand er vor mir, lächelte und sagte: “So, kömmer direkt anfang?”

Es war ausgemacht, dass wir bis zum Mittag Zeit haben, um die komplette Serie im Kasten zu haben, denn dann hatte der Bischof schon seinen nächsten Termin. Deshalb legten wir los. Ich hatte bereits mit dem Kölner Weihbischof Klaus Dick eine Serie über das Thema “Beichte” gedreht und mit dem Churer Weihbischof Marian Eleganti ebenfalls eine ganze Staffel zum Thema “Geistiger Kampf”. Mit Bischof Oster wollte ich über das Thema “Berufung” sprechen.

Mich selbst hat dieses Thema spätestens seit der Oberstufe des Gymnasiums schwer beschäftigt. Wenn ich mich umblickte, war ich so ziemlich der Einzige, der noch wirklich jeden Sonntag in die Messe ging und für den der Glaube auch privat eine wichtige Rolle spielte. Wollte Gott vielleicht, dass ich Priester werde?

Ich habe mich sehr, sehr lange mit dieser Frage herumgeschlagen und konnte dank vieler guter Menschen, die mir auf diesem Weg geholfen haben, die richtige Entscheidung treffen. Ich musste lernen, dass Berufung mehr ist als die Entscheidung zwischen Priestertum und Ehe. Ich durfte auch lernen, dass Gott kein grausamer Puppenspieler ist, der nur darauf wartet, dass ich mich “falsch” entscheide und Er dann dafür sorgt, dass mein gesamtes Leben den Bach runtergeht. Diese Erfahrung, dass Gott einerseits einen großen Plan mit einem jeden von uns vor hat, uns aber andererseits auch die völlige Freiheit lässt, uns dafür oder dagegen zu entscheiden, all diese Lektionen waren in den vergangenen Jahren bis zu dieser Begegnung mit Bischof Stefan Oster äußerst lehrreich.

Insgesamt drehten wir fünf Einzelsendungen mit je 25 Minuten. Die Zeit verflog wie nix, es war spannend zu sehen, dass auch der Bischof früher durch einen ähnlichen Lernprozess laufen musste. Teilweise erzählte er sehr persönlich von den Höhepunkten und Niederlagen auf dem Weg seiner Gottsuche und als die Zeit abgelaufen war, bedauerte ich es sehr, dass wir uns nicht weiter darüber unterhalten konnten.

Im Spätherbst des Jahres 2017 lief die Serie unter dem Titel “Rudolf will’s wissen – Wie erkenne ich Gottes Plan für mein Leben?” bei EWTN.TV an. Bald kamen die ersten Nachfragen von Zuschauern, ob es die Sendung nicht auch in Schriftform geben könnte. Ich war erstaunt. Hatten meine Brüder nun also doch recht, als sie mir damals attestierten, ich hätte “ein Gesicht fürs Radio”? Wollten sich die Leute wenigstens unseren Anblick ersparen?

Wie auch immer, irgendwann, als ich mal wieder länger wach im Bett lag und einfach nicht schlafen konnte, begann ich, die Sendungen Wort für Wort abzutippen. Dies war noch einmal eine ganz eigene Erfahrung. Erstens habe ich mittlerweile einen wahnsinnigen Respekt vor all den Sekretären dieser Welt, die tagtäglich lange Textpassagen transkribieren müssen. Zweitens war ich teilweise entsetzt, dass ich bei manchen Antworten des Bischofs nicht weiter nachgefragt habe. Und drittens musste ich auch feststellen, dass automatische Texterkennungsmaschinen mir nicht weiterhelfen, weil im Laufe des Gesprächs sowohl der Bischof als auch ich immer mehr in unseren Dialekt zurückgefallen sind.

Irgendwann während des Abtippens kam dann die Idee, den Bischof zu fragen, ob wir nicht ein Buch aus der Serie machen sollten. Der Vorteil wäre, dass wir alles noch einmal überarbeiten und sogar neue Fragen ergänzen könnten. Er war einverstanden und als auch der Programmdirektor von EWTN Deutschland, Martin Rothweiler, sein grünes Licht gegeben hatte, begann die eigentliche Arbeit erst.

Zwischen jener schlaflosen Nacht, in der ich angefangen habe, die Sendungen zu transkribieren, und dem Moment, als der Herder-Verlag sein Okay gegeben hat, sind etwa dreieinhalb Jahre vergangen. Wir haben nicht nur an der Sprache geschliffen, sondern auch neue Punkte ergänzt. Dem Bischof war es ein Anliegen, auch die aktuell so brennende Thematik des Missbrauchs mit ins Buch zu nehmen. Herausgekommen ist nun dieses Buch, das hoffentlich nicht nur Freude macht, sondern auch Ihnen persönlich ganz konkret bei der Frage hilft, was Gott eigentlich mit Ihnen vorhat. Gott lässt uns nicht im Stich, es ist Ihm nicht egal, ob wir glücklich sind oder nicht. Davon bin ich überzeugt.

Welche Rolle spielt dabei aber die Kirche? Wie kommt es, dass sie entscheiden kann, wer beispielsweise eine Priesterberufung hat und wer nicht? Kann sie nicht auch krass danebenliegen, wenn sie keine Frauen zu Priestern weiht? Und was ist, wenn jemand keinen Partner findet und auch keine geistliche Berufung verspürt? Ist so ein Leben “vergeudet”? Warum ist denn Jesus Christus für uns am Kreuz gestorben? Was kümmert ihn unser Leben? Und überhaupt, was ist eigentlich mit “Erlösung” gemeint? – All diese Fragen haben mich auf meinem Weg immer wieder beschäftigt. Bischof Stefan Oster ist keiner einzigen Frage ausgewichen und ich bin ihm wahnsinnig dankbar, dass er sich damals sowohl auf die TV-Serie, als auch nun auf das Buchprojekt eingelassen hat.

Übrigens, als wir die letzte Sendung endlich im Kasten hatten, unterhielt mich noch kurz mit ihm. Das ist natürlich ein ganz alter Trick, damit man den Kollegen nicht beim Abbau helfen zu muss. Plötzlich fragte mich der Bischof ganz unvermittelt:

„Und Sie? Werden Sie auch Priester?“

Vor einiger Zeit wäre ich bei dieser Frage wahrscheinlich in kaltem Angstschweiß ausgebrochen. Ich hätte mich gefragt: Ist das vielleicht gerade Gott, der durch diesen Menschen spricht? Bin ich auf dem richtigen Weg? Muss ich Priester werden, um Gottes Plan zu erfüllen? Es gab ja eine Zeit, da bin ich dieser Frage panisch ausgewichen, weil ich Angst vor der Antwort hatte. Ich bin froh, dass das endlich vorbei ist.

Ich lächelte den Bischof an und sagte mit der größtmöglichen Gelassenheit, dass ich mich tatsächlich lange mit dieser Frage herumgeschlagen habe, ich aber glaube, dass meine Berufung eher in der Medienarbeit liegt.

Oster lächelte verschmitzt zurück: „Na ja, das dachte ich damals auch.“

Wie auch immer – nun ist es an der Zeit, dass Sie Ihren Terminkalender hervorkramen und den Hammer für das Sparschwein aus der Werkzeugkiste holen.

Am 17. August 2021 ist es soweit, dann erscheint unser gemeinsames Buch unter dem Titel “Den ersten Schritt macht Gott” im Herder-Verlag. Greifen Sie zu – es ist nicht umsonst! (Fun Fact: Es ist tatsächlich nicht umsonst, sondern kostet sogar 16,- Euro. Also umgerechnet 64 Plastikpfandflaschen).

Die Bestellmöglichkeiten sind unten aufgelistet.

“Den ersten Schritt macht Gott” vorbestellen:

Neue Kirchenstatistik für 2020: Zweithöchste Austrittswelle

Die deutsche Bischofskonferenz hat diese Woche die Kirchenstatistik für das Jahr 2020 veröffentlicht. Die Übersicht zeigt, dass der momentane Abwärtstrend der Katholischen Kirche in Deutschland nicht gestoppt ist. Gerade bei der Sakramentenspendung hat sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr sogar noch verschärft.

Immerhin ist jedoch die Zahl der Kirchenaustritte leicht zurückgegangen. Im Vergleich zur Kirchenstatistik 2019, bei der die Austrittswelle mit 272.771 Austritten ein Rekordhoch erreichte, kehrten 2020 immerhin noch 221.390 Katholiken der Kirche den Rücken. Dies sind allerdings weiterhin noch mehr als im Jahr 2018, als insgesamt 216.078 Katholiken austraten.

Für CNA Deutsch habe ich die Kirchenstatistik 2020 hier in einem Artikel zusammengefasst.

Gestern war ich dann zum ersten Mal zu Gast in der Nachrichtensendung “EWTN News Nightly”, um über die neuesten Austrittszahlen aus der Kirche in Deutschland zu sprechen. Und, um festzustellen, dass ich früher mal besser nicht so oft im Englisch-Unterricht hätte fehlen dürfen…

(Zu meiner Schulzeit bin ich zwei Mal fast durchgefallen, weil ich zum Halbjahreszeugnis jeweils in Mathe und in Englisch auf einer Fünf stand. Mit äußerster Anstrengung habe ich mich zum Jahreszeugnis noch auf eine Vier gerettet.)

Wie auch immer, hier ist das Interview in voller Länge:

Kleiner Fun Fact am Rande: Der Twitter-Account “Room Rater” hat hinterher sogar meine Inneneinrichtung bewertet. Ergebnis: 8/10.

“Die Kirche ist relevant – ob es die Leute wissen oder nicht” – Interview bei der “Katholischen Presseschau”

Ist die Katholische Kirche für die Menschen in Deutschland eigentlich noch relevant? Wie kommt die Ökumene voran, wenn nicht einmal der “Ökumenische Kirchentag” so richtig in den Medien rezipiert wird? Und wie ist es eigentlich um die Religionsfreiheit in Deutschland bestellt, wenn wieder antisemitische Parolen durch die Straßen gebrüllt werden?

Am 21. Mai 2021 war ich wieder bei “Kirche in Not” in München zu Gast. Bereits im Januar 2020 bin ich schon einmal dort bei der “Katholischen Presseschau” gewesen (hier das Video vom letzten Jahr). Auch diesmal sprach ich mit dem Moderator Tobias Lehner über die aktuelle Berichterstattung in und über die Katholische Kirche. Vor allem die eingangs erwähnten Fragen kamen dabei zur Sprache.

Eines meiner Lieblingsthemen ist der – auch von vielen Bischöfen – lautstark beklagte “Relevanzverlust” der Kirche in Deutschland. In vielen Hirtenbriefen, vor allem aber auch beim umstrittenen “Synodalen Weg” wird dieses Narrativ mit großer Selbstverständlichkeit wiederholt.

Im Gespräch bei “Kirche in Not” meinte ich zu diesem Thema: “Ich halte es für einen ganz großen Fehler, die Relevanz einer Sache davon abhängig zu machen, ob anderen Menschen bewusst ist, dass sie relevant ist.”

Meiner Meinung nach gilt das auch für die Kirche; sie ist und sie bleibt relevant, ganz unabhängig davon, ob es den Menschen (und auch ihren eigenen Angestellten) bewusst ist oder nicht. Die Herausforderung ist es nun, der Welt diese Relevanz wieder ins Bewusstsein zu rufen.

Das ganze Gespräch mit Tobias Lehner von “Kirche in Not” bei der “Katholischen Presseschau” finden Sie hier.

Ist es uns wirklich so egal, dass Gott uns liebt?

Am Ende wollen wir doch alle nur geliebt werden. Es war ein kirchlicher Mitarbeiter, der diesen Satz sagte, während wir gemütlich beim Bier saßen. Wir sprachen über die Kirche in Deutschland, die feindselige Stimmung in den Medien, die Hexenjagd auf den ein oder anderen Kirchenvertreter. Die Zeiten sind hart und wir alle wollen nur geliebt werden, sagte mein Bekannter. „Aber wir sind doch schon geliebt“, begann ich meine Entgegnung, doch ich sprach den Satz nicht zu Ende. Zu billig wäre diese Pointe. Und überhaupt: Viel zu fromm! Oder sollte ich es doch sagen?

„Jaja“, nahm mir der bezahlte Kirchenmann schließlich die Worte aus dem Mund und lachte etwas bitter, „Jesus liebt uns alle.“ Dann schwiegen wir uns eine Weile an und schauten weiter stumm ins Glas.

Doch irgendwie war mir der Ton seiner Antwort auf den Magen geschlagen. Es fühlte sich nicht gut an, wie er das gesagt hatte. Das Gott selbst uns liebt ist eine Überzeugung, die mich schon seit langer Zeit durchs Leben trägt. Doch so, wie mein Trinkkumpane an jenem Abend diesen Satz aussprach, klang er wie eine leere Vertröstungsphrase, eine Formel, die man nur für offizielle Verlautbarungen und Hirtenbriefe verwendet, damit die frommen Schafe in den Kirchenbänken mit einem wohligen Gefühl der Glücksseligkeit hinwegdösen und weiter von der Volkskirche träumen können. Als würde er sagen: „Aber jetzt sind wir doch unter uns und sei doch mal ehrlich, hilft dir das wirklich weiter?“

Ich bin an jenem Abend nicht weiter darauf eingegangen und als ich später längst im Bett lag, ärgerte ich mich immer noch darüber. Jesus liebt uns – warum ist es so schwer geworden, einen solchen Satz auszusprechen, ohne direkt das Bedürfnis zu haben sich entschuldigen zu müssen, weil man der Welt eine solche „Lappalie“ zumutet? Wer denkt beim Satz „Jesus liebt dich“ nicht direkt an Akustik-Gitarren, Rollkragen-Pullover, Sandalen, Vanille-Duftkerzen, Spuren im Sand, geblümte Motto-Schals und „gestaltete Mitten“? Das ist zwar nur ein Cliché, aber haben wir Katholiken uns das nicht selbst eingebrockt?

Noch trauriger sind die Presseveranstaltungen der Kirche in Deutschland. Es brennt an allen Ecken, die Leute laufen davon, während Bischofsversammlungen und Zentralkomitees unverdrossen weiterverkünden:  “Von Deutschland aus werden weiter wichtige Impulse für die Weltkirche ausgehen”.

Es ist vom “Aufbruch” die Rede, den man nun endlich einmal “wagen” wolle, von einer “Weiterentwicklung der Lehre”, die, wenn man hinter die glänzende Fassade guckt, letztlich nur bedeutet, dass die Gruppierungen, die diese Formulierung wählen, schon längst kapituliert haben und selbst nicht mehr daran glauben, dass das, was Christus seiner Kirche mit auf dem Weg gab, heute überhaupt noch von Bedeutung ist. Es macht mich immer wieder fassungslos welche Arroganz und Verzweiflung darin zum Vorschein kommt, wenn Menschen die Lehre Christi für überholt halten (“heute wissen wir es besser”), und dennoch nicht ins Gewissensnöte kommen, dabei weiterhin auf der Gehaltsliste der Kirche zu stehen.

Es wird schnell zu einer Glaubensfrage. Glaube ich, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist? Glaube ich, dass er mit göttlicher Vollmacht gelebt und gepredigt hat? Glaube ich wirklich (!), dass er auferstanden ist und uns erlösen will?

Wenn ich all dies glaube: Warum sollte Gott, der die Liebe ist, uns also belügen?

Stattdessen erlebe ich kirchliche Mitarbeiter und auch Kleriker, die sich im Voraus dafür entschuldigen, überhaupt katholisch zu sein. Für sie gleicht jeder Kontakt mit den säkularen Mitmenschen einem Gang nach Canossa, einem Schrei nach (weltlicher) Liebe. Ich bin Priestern begegnet, die mich anfangs für einen coolen Jugendlichen hielten (weil ich eine Jogginghose trug) und mir direkt klar machten:

“Hey, klar bin ich katholisch, aber nicht so einer, wie du vielleicht denkst. Es gibt viele böse Menschen bei der Kirche, die in der Vergangenheit viel Böses getan haben und auch viel von dem, was die Kirche jetzt so von sich gibt, finde ich ziemlich scheiße, aber hey, sieh mich an, ich bin keiner von denen! Ich bin wie du! Lass mich doch auch cool sein!”

Bis diese Priester dann enttäuscht bemerkten, dass ich doch kein so cooler Jugendlicher bin, sondern nur selbst ein Katholik (und einfach sehr gerne Jogginghosen trage).

Und dann begann die Fastenzeit. Bischöfliche Hirtenbrief fluteten das Journalisten-Postfach mit dem Vermerk: „Mit der Bitte um Beachtung“. In salbungsvollen, weltschmerzdurchtränkten Worten wird dann ein „Klima-Fasten“ angeregt, das Abstandhalten in Corona-Zeiten als die wohl höchste Form der christlichen Nächstenliebe angepriesen oder sinngemäß versichert: „Wir sind zwar katholisch, aber trotzdem (!) gut drauf!“

Sicher – all das mag auch seine Berechtigung haben. Doch ich verstehe nicht, dass dieselben Köpfe, die diese Fasten-Hirtenbriefe ersinnen, immer noch dieselben sind, die in der Karwoche die grausame Passion Christi für die Liturgie verlesen, in der der Sohn Gottes bestialisch zu Tode gemartert wird – und das alles nur aus Liebe zu uns. Ist uns das vielleicht irgendwie peinlich?

“Selig, wer an mir keinen Anstoß nimmt.” (Matthäus 11,6)

Mich persönlich packt jedes Mal die Erschütterung, wenn die Stelle kommt, an der der aufschneiderische Petrus am Wachfeuer einknickt und behauptet, er kenne „diesen Mann“ nicht und im selben Augenblick der Hahn zu krähen beginnt. Wie oft hat sich Petrus schon in die Nesseln gesetzt! Er war einer der ersten Jünger, ist Jesus überall nachgefolgt, sogar beim Gang auf das Wasser und hat dem Sohn Gottes sogar seine Schwiegermutter vorgestellt.

Ich liebe es, mit welchem manchmal unsensiblen, aber immer aufrichtigen Talent Petrus es schafft, die großen, majestätischen Momente kaputt zu machen. “Jesus läuft über den stürmischen See? Cool, ich gehe ihm auf dem Wasser entgegen, weil ich ja sein Jünger bin und versinke dann aber, sodass der Chef mich erst einmal retten muss! Jesus wird auf dem Berg Tabor verklärt und die ganz Großen des Alten Testaments (Mose und Elija) sind dabei? Super, da muss ich doch direkt mal dazwischenrufen und den Vorschlag machen, ob wir für die hohen Herren hier oben nicht direkt einmal ein paar Immobilien hinstellen sollen!” (So läuft Petrus’ Gedankenwelt zumindest in meiner Gedankenwelt ab.)

Der Höhepunkt kommt aber erst kurz vor der schicksalshaften Nacht in Jerusalem, als der designierte Stellvertreter Christi auf Erden groß ankündigt, er wolle es nicht zulassen, dass dem Herrn ein Haar gekrümmt werde und dass er notfalls für ihn in den Tod gehen würde. Und dann das. Als es darauf ankommt, endlich einmal Farbe zu bekennen, knickt Petrus jämmerlich ein und behauptet wiederholt, er kenne Jesus nicht.

Als Petrus den Herrn zum dritten Mal verleugnete, krähte der Hahn.

Allerdings: Nicht das Großmaul wurde letztendlich zum ersten Papst und Felsen der Kirche, sondern jener Mann, der zunächst weinend davonrannte, weil er erkannt hatte, wie beschämend es ist, aus Menschenfurcht die Liebe Christi zu vergessen. Erst dann konnte Petrus dem Herrn wieder fest in die Augen sehen und aufrichtig sagen:

„Herr, du weißt, dass ich dich liebe.“

Gleich dreimal sagte er dies, fast so, als wolle er sichergehen, dass er dies niemals wieder vergisst.

Ob als Bistumsangestellter, ob als Mesner, Lektorin, als Ministrant, Bischof oder einfacher Gläubiger: Wir alle sind vergessliche Menschen. Wie ein Kind in seiner Angst oder Wut einmal vergessen kann, dass es von seinen Eltern geliebt wird, so sei es auch uns unbenommen, für einen Augenblick zu vergessen, dass es da „jemanden“ gibt, der uns bedingungslos liebt und sich dafür sogar hinrichten ließ. 

Eine aufrichtige Beichte kann in dieser Karwoche unserem Erinnerungsvermögen vielleicht wieder in die Spur helfen.

(Dieser Text erschien in leicht abgeänderter Form in der vorletzten Ausgabe des VATICAN-Magazin. Hier abonnieren!)

Kölner Missbrauchsgutachten: Kardinal Woelki entlastet, zwei weitere Bischöfe lassen Amt ruhen

Am heutigen Donnerstag wurde in Köln das lange erwartete Missbrauchsgutachten vorgestellt. Dem unabhängigen Untersuchungsbericht zufolge hat sich Kardinal Rainer Woelki selbst – der seit 2014 Erzbischof von Köln ist – keiner Pflichtverletzung schuldig gemacht. 

In einem ersten Schritt hat Woelki jedoch den Kölner Weihbischof und ehemaligen Generalvikar Dominikus Schwaderlapp sowie Günter Assenmacher von ihren Pflichten entbunden.

Am Donnerstagabend verkündete schließlich auch der Erzbischof von Hamburg, Stefan Heße, dass er dem Papst nun seinen Rücktritt anbieten wird. Heße werden insgesamt elf Pflichtverletzungen in neun Aktenvorgängen zur Last gelegt. Der ehemaligen Personalchef und Generalvikar in Köln hat laut Untersuchung insgesamt sechs Mal bei der Aufklärung und zwei Mal bei der Opferfürsorge sowie drei Mal bei der Meldung nicht korrekt gehandelt. Keine der Pflichtverletzungen habe zu einer Strafvereitelung geführt, so Professor Björn Gercke.

Die Pressekonferenz: Vorstellung des Gutachtens, erste Konsequenzen

Die Pressekonferenz begann um 10.00 Uhr im Maternushaus. Der katholische Fernsehsender EWTN.TV übertrug die Pressekonferenz in Kooperation mit dem Kölner “Domradio” komplett und hat mich eingeladen, gemeinsam mit dem Berliner Rechtsanwalt und Krisenkommunikationsberater Richard Schütze in der anschließenden Gesprächsrunde eine erste Einordnung der Geschehnisse zu versuchen.

Die Aufzeichnung der Sendung finden Sie hier.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Pressekonferenz selbst habe ich mit meinem Kollegen Anian Christoph Wimmer in diesem Artikel für CNA Deutsch zusammengefasst.

Weihbischof Schwaderlapp bietet Amtsverzicht an

Noch gegen Ende der Pressekonferenz hat Kardinal Rainer Maria Woelki bereits zwei wichtige Personal-Entscheidungen verkündet. Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und Offizial Günter Assenmacher werden mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres von ihren Aufgaben entbunden.

Offizial Günter Assenmacher ist dabei besonders in den Fokus geraten. Assenmacher sah “seine Rolle als eher reaktiv an”, heißt es in der Begründung. In 24 Aktenvorgängen sei “mindestens ein eindeutiger Pflichtverstoß festzustellen”. Es sei jedoch nicht immer eindeutig gewesen, ob das Fehlverhalten aufgrund eines Irrtums zustande gekommen sei, oder bewusst.

Wie Schwaderlapp in seiner Stellungnahme schreibt, habe er in seiner Zeit als Generalvikar des Erzbistums von 2004 bis 2012 auch Fehler gemacht. Schwaderlapp wörtlich:

“Das betrifft zum einen meine Pflicht, zu kontrollieren und Aufsicht auszuüben. So fiel es auch in meine Verantwortung zu überprüfen, ob Missbrauchsfälle der Ordnung entsprechend nach Rom gemeldet wurden. Tiefer noch beschämt mich, zu wenig beachtet zu haben, wie verletzte Menschen empfinden, was sie brauchen und wie ihnen die Kirche begegnen muss. Das ist ein Versagen als Seelsorger und als Mensch.”

Gleichzeit räumt das Gutachten auf den Seiten 716 und 717 dem damaligen Generalvikar auch entlastende Momente ein. Dort heißt es:

“Zugute zu halten ist Generalvikar Dr. Schwaderlapp, dass die Rechtslage, insbesondere hinsichtlich der Meldepflicht an die Glaubenskongregation in Rom, teilweise unklar war und eine Stelle, die verlässlich Rechtsauskunft in den einschlägigen kirchenrechtlichen Fragen erteilt oder sonst auf die sich aus den kanonischen Vorschriften ergebenden Pflichten hingewiesen hätte, nicht existierte. In diesem Zusammenhang ist positiv zu erwähnen, dass Herr Dr. Schwaderlapp um eine korrekte Fallbehandlung bemüht war und aus diesem Grunde ein „informelles Gremium“ ins Leben rief, um dort verschiedene Beteiligte zur bestmöglichen Fallbearbeitung an einen Tisch zu bringen. Hier verließ er sich auf den teilweise unzureichenden Rechtsrat des Offizials Dr. Assenmacher und der Justitiarin. Darüber hinaus war er zwar als Generalvikar wie auch der Diözesanbischof Ordinarius, hatte jedoch innerhalb des Verhältnisses zum Erzbischof eine klar untergeordnete Position inne und hätte Dekrete nur im Einvernehmen mit dem Erzbischof hätte erlassen können.Schließlich ist als entlastendes Moment zu berücksichtigen, dass in die Amtszeit von Herrn Dr. Schwaderlapp jenes Jahr 2010 fiel, als schlagartig eine regelrechte „Flut“ an Missbrauchsmeldungen über das Erzbistum Köln hereinbrach und die Verantwortungsträger mit einer neuen Dimension des Problems konfrontierte.”

Die genauen Hintergründe und auch die Verlinkung zum Original-Statement von Weihbischof Schwaderlapp finden Sie hier.

Kardinal Woelki im Interview mit CNA Deutsch

“Wir hatten leider keine Alternative zu der Entscheidung, ein zweites Gutachten in Auftrag zu geben, denn wir benötigen eine methodisch saubere und tragfähige Grundlage” – dies sagte heute Kardinal Woelki in einem Exklusiv-Interview, das er unserer Nachrichtenagentur CNA Deutsch gegeben hat.

Das komplette Interview finden Sie hier.

Hamburgs Erzbischof Stefan Heße bietet seinen Amtsverzicht an

Den vorerst letzten Paukenschlag gab es schließlich am Abend dieses denkwürdigen Donnerstags. Um 17.15 Uhr trat der Hamburger Erzbischof Stefan Heße vor die Kameras und kündigte an, sein Amt zur Verfügung zu stellen.

“Ich habe mich nie an Vertuschung beteiligt”, so Heße. “Ich bin dennoch bereit, meinen Teil der Verantwortung für das Versagen des Systems zu tragen.”

Und weiter:

“Um Schaden vom Amt des Erzbischofs sowie vom Erzbistum Hamburg abzuwenden biete ich Papst Franziskus meinen Amtsverzicht an und bitte ihn um die sofortige Entbindung von meinen Aufgaben.”

Den vollständigen Bericht dazu finden Sie hier.

Die weiteren Entwicklungen werden wir von CNA Deutsch selbstverständlich im Blick behalten. Vielleicht lohnt es sich daher auch für Sie, regelmäßige unsere Nachrichtenseite www.CNAdeutsch.de im Auge zu behalten…

Der “synodale Weg” – Mein Zwischenfazit

Seit einem Jahr beschäftigt der sogenannte “synodale Weg” die Berichterstatter – zumindest hauptsächlich jene, die für katholische Medien arbeiten. Vieles wurde geschrieben (auch von mir für CNA Deutsch), viele Erwartungen wurden geweckt und enttäuscht. Wie hat sich dieses fast schon einzigartige Projekt entwickelt? Welche Streitpunkte stehen noch immer im Raum? Was ist das Ziel des “synodalen Weges”?

Mit Silvio, der den Blog “CatholicaGermanica” betreibt, habe ich ein Zwischenfazit gezogen. Den Podcast-Beitrag finden Sie hier auf Spotify.

Eine Windschutzscheibe für die Apokalypse

Als ich in der Silvesternacht des Jahres 2019 in Köln am Rheinufer stand und Schwarzpulverrauch einatmete, dachte ich an alles Mögliche, doch keineswegs daran, dass eine chinesische Fledermaus im kommenden Jahr den halben Erdball lahmlegen sollte. Zu diesem Zeitpunkt war meine größte Sorge, dass es mit dem Klassenerhalt für Werder Bremen noch einmal richtig eng werden könnte (was sich ja auch bewahrheitet hat). Ansonsten schien 2020 ein gutes Jahr zu werden, schließlich hatte ich große Pläne.

Zwei wichtige Lebensentscheidungen standen an. Zum einen war da die Sache mit meinem Auto. Ich fahre immer noch mein erstes, eigenes Auto, einen alten Opel Astra. Die Roststellen haben im Lauf der Jahre zugenommen, kleinere und größere Macken haben sich dazugesellt. Die Klimaanlage geht schon seit drei Jahren nicht mehr, mein Bruder, der im Hauptberuf Kfz-Mechaniker ist, meinte damals, eine Reparatur würde sich nicht lohnen, weil die Kiste eh nicht mehr lange durchhalten würde. Dann bekam meine Windschutzscheibe einige Steinschläge ab und schließlich zeigte sich auch ein erster, größerer Riss. Wochenlang fuhr ich damit weiter durch die Gegend, bei jedem Schlagloch, bei jeder Gehsteigkante hatte ich Angst, die Scheibe würde endgültig reißen. Lange würde das nicht gutgehen, eine neue Scheibe musste her.

Aber lohnte sich das überhaupt?

Währenddessen breitete sich das Corona-Virus weiter aus und schränkte mein Leben mehr ein, als ich zuerst erwartet hatte. Ich erlebte, wie sich um mich herum das Gefühl breitmachte, das Ende aller Zeiten stünde unmittelbar bevor.

Auch der Glaube, der Dreh- und Angelpunkt meines Lebens, veränderte sich. Ich konnte nicht mehr so ohne Weiteres in die Kirche gehen, teilweise hatten diese Orte des Rückzugs, der Einkehr und der Gottesbegegnung komplett geschlossen. Wenn ich durch die Straßen ging, sah ich verrammelte Ladentüren, kahle Bäume im Nebelkleid, Menschen, die ihre Gesichter hinter Masken verbargen und aus Angst den Kontakt zu ihren Artgenossen mieden. In den Medien häuften sich die Katastrophenmeldungen, und die Kirche, das einst so mächtige Schlachtschiff in den Stürmen dieser Zeit, hatte durch die verheerenden Missbrauchsenthüllungen schwere Schlagseite bekommen.

All das konnte nur eines bedeuten: Die Apokalypse kommt. Das Ende aller Zeiten, der Beginn der Ewigkeit. Warum nicht, dachte ich, wird höchste Zeit für die Wiederkunft Christi. Bei allem Respekt, aber hat Gott sich diesen Schlamassel nicht schon lange genug angesehen? Jetzt nur noch irgendwie durchhalten, bis es vorbei ist. Doch das Ende kam nicht.

Und so traf ich in diesem Jahr gleich zwei wichtige Entscheidungen. Zuerst überredete ich meinen Bruder, mir eine neue Frontscheibe zu besorgen. Mein alter Opel wird es wohl noch eine Weile tun müssen. Falls übermorgen dann doch die apokalyptischen Reiter über diesen Erdball hinwegfegen und es Feuer und Schwefel regnen wird, so hätte ich vom Fahrersitz aus wenigstens eine klare Sicht.

Meine zweite Lebensentscheidung im Jahr 2020 war noch gravierender. Anfang Mai, mitten im ersten Höhepunkt der Pandemie, stand ich vor dem Traualtar und gab der Liebe meines Lebens das Ja-Wort.

Die Umstände hatten all unsere detaillieren Planungen über den Haufen geworfen, die große Feier musste ausfallen und die Flitterwochen fanden nur auf dem heimischen Balkon statt. Doch als wir uns vor Gottes Angesicht die Ringe ansteckten und uns gegenseitig versprachen, gemeinsam bis ans Ende unserer Tage füreinander da zu sein, war das alles egal. Ich musste auch an die mahnenden Worte von Paulus denken, der den Korinthern einst den Rat gab:

„Jeder soll vor Gott in dem Stand bleiben, in dem ihn der Ruf Gottes getroffen hat.“ Wer unverheiratet ist, soll besser unverheiratet bleiben „wegen der bevorstehenden Not“. Wer dennoch heiratet, der sündige zwar nicht, wird jedoch auch „Bedrängnis erfahren“ in seinem irdischen Dasein (1. Korinther 7,24 ff.).

Der Ehering an meinem Finger und auch die nagelneue Windschutzscheibe in meinem Opel Astra erinnern mich allerdings jeden Morgen daran, dass das Ende noch nicht gekommen ist. Für das kommende Jahr überlege ich sogar, nun auch die Klimaanlage in meinem Auto reparieren zu lassen.

Selbst für den Fall, dass bis dahin doch noch die Apokalypse kommt. Dann könnte es ganz schön heiß werden. Besser, man ist darauf vorbereitet.

(Dieser Text erschien so oder in ähnlicher Form in der Weihnachtsausgabe des VATICAN-Magazin. Hier abonnieren!)

Wie man sich Weihnachten ordentlich versauen kann

Wie jedes Jahr kommt das Weihnachtsfest immer total überraschend um die Ecke. Durch das Corona-Virus (ja, ich kann es auch nicht mehr hören) wird in diesem Jahr vermutlich Vieles anders ablaufen als sonst. Trotzdem bleiben einige Abläufe und Rituale unverändert.

Wie Sie sich das Weihnachtsfest ordentlich versauen können, habe ich vor zwei Jahren mal für die katholische Wochenzeitung “Die Tagespost” aufgeschrieben. Sie können es hier gerne nachlesen.

Und frohe Festtage, übrigens!

“Jesus hätte…”

Weihnachten ist die Zeit, in der viele Menschen, die sich das ganze Jahr über kaum um Jesus Christus kümmern, auf einmal mit krassen “Jesus hätte…”-Hypothesen um die Ecke kommen.

Hier eine Auswahl an Behauptungen, die ich dieser Tage gehört habe:

Jesus hätte… 

  • …seine Oma nicht besucht
  • …die Grünen gewählt
  • …die Grünen nicht *mehr* gewählt
  • …eine Maske getragen
  • …niemals eine Maske getragen
  • …sich sein Geschlecht ausgesucht, wenn es *damals* möglich gewesen wäre
  • …sich impfen lassen.

Wirklich sicher wissen wir nur:

Jesus hat…

  • …Sünden vergeben
  • …Kranke geheilt
  • …Pharisäern die Leviten gelesen
  • …die Armen und Schwachen nicht im Stich gelassen
  • …Heuchlern Konsequenzen angedroht
  • …sich für uns hingegeben, damit auch du erlöst wirst.

Alles andere ist im Zweifelsfall Bullshit.

Der “Marsch für das Leben” 2020: Ein Zeichen für den Lebensschutz unter Corona-Bedingungen

In diesem Jahr war alles anders. Das kleine Corona-Virus hat Großveranstaltungen aller Art durcheinander gewirbelt und so auch den jährlich stattfindenden “Marsch für das Leben” erwischt. Waren es im letzten Jahr noch 8.000 Teilnehmer, konnten 2020 aufgrund der Hygienebestimmungen deutlich weniger daran teilnehmen. Etwa 3.500 Lebensschützer aus dem deutschsprachigen Raum fanden sich schließlich in Berlin ein.

Doch immerhin: Weil der Veranstalter – der Bundesverband Lebensrecht – und seine Ordner darauf achteten, dass die Maßnahmen eingehalten wurden, konnte der Marsch für das Leben trotzdem stattfinden.

Gemeinsam mit Angelika Doose, die bereits im letzten Jahr als Co-Moderatorin dabei war, berichteten wir für den katholischen Fernsehsender EWTN.TV direkt von der Veranstaltung vor dem Brandenburger Tor. Wir waren bereits eine halbe Stunde lang vor der Kundgebung live auf Sendung und besprachen dabei unter anderem den Film “Unplanned”, der bereits vor seiner Deutschlandpremiere für Furore gesorgt hat.

Besonders schön: Weihbischof Florian Wörner aus Augsburg war ebenfalls nach Berlin gereist und erreichte unser Set etwa zehn Minuten vor Beginn der Kundgebung, während wir gerade noch unseren Vorbericht machten. Wir holten ihn in die Sendung dazu und der engagierte Weihbischof erzählte uns von seinem Traum, dass beim Marsch für das Leben irgendwann einmal die komplette Bischofskonferenz präsent ist.

Nach der Kundgebung begann der Marsch durch die Innenstadt Berlins. Gegen 15.00 Uhr sendeten wir noch einmal eine halbe Stunde lang live aus Berlin. Mit Angelika sprach ich dabei über die aktuelle Abtreibungsstatistik und den Herausforderungen in der Schwangerschaftskonfliktberatung. Zu guter Letzt hielt auch der Programmdirektor von EWTN Deutschland, Martin Rothweiler, ein flammendes Statement für den Lebensschutz.

Meinen Bericht über den Marsch für das Leben finden Sie hier.

Die Aufzeichnung unserer Live-Übertragung gibt es hier.

Der Live-Mitschnitt von EWTN.TV vom diesjährigen Marsch für das Leben in Berlin.

NEUER ARTIKEL: Kein Personenkult

Vor zwei Wochen hat Mama mir dieses Foto geschickt: Die aktuelle Ausgabe der katholischen Wochenzeitung, aufgeschlagen auf Seite 19, wo mein jüngster Artikel abgedruckt ist. Ich bin sehr stolz auf Mama, immerhin hat sie das Foto a) eigenhändig geschossen und b) selbstständig per Email verschicken können. Zwar war das Foto ursprünglich auf dem Kopf, aber immerhin hat sie geniale Instagram-Influencer-Skills bewiesen, indem sie geschickt ihre Kaffeetasse und im Anschnitt die Kaffeekanne am Rand des Bildes platziert hat. Respekt!

Das Thema meines neuen Artikels ist allerdings ziemlich ernst. Ich habe mich mit dem ungesunden Personenkult innerhalb der Kirche beschäftigt. Gerade im Zuge der Missbrauchskrise wurde noch einmal deutlich, dass viele Verbrechen erst dann möglich waren, weil um manche Führungspersönlichkeiten ein geradezu aberwitziger Kult entstanden ist, der letztlich zu einer folgenschweren Betriebsblindheit führte.

Ich selbst habe gewisse Ausprägungen dieses Mechanismus kennengelernt, als ich in meiner Teenie-Zeit Teil einer Jugendgruppe der Legionäre Christi gewesen bin. Diese Priesterkongregation, aus der auch die Laienbewegung des Regnum Christi entstanden ist, steckt in einer schweren Krise, seit bekannt geworden ist, dass ihr Gründer ein mehrfacher Missbrauchstäter gewesen ist.

In meinem Artikel habe ich über diese Erfahrungen geschrieben und über die Lehren, die ich persönlich daraus gezogen habe. Den Text gibt es mittlerweile auch hier online.

Wochenrückblick: Pater Kentenich doch nicht rehabilitiert | Krise der Theologie in Deutschland

Es gibt eine neue Wende im Fall um den unter Missbrauchsverdacht stehenden Gründer der Schönstatt-Bewegung, Pater Josef Kentenich. Wie am letzten Montag bekannt wurde, wurde der frühere Pallottiner-Priester nicht wie bisher behauptet nach seinem Exil in den USA vom Vatikan rehabilitiert. Im Gegenteil: Ein  nun aufgetauchter Brief aus dem Jahr 1982 belegt, dass “keine der früheren Entscheidungen des Heiligen Offiziums, die die Lehre, Tätigkeit und Person P. Kentenichs betreffen, annulliert” worden seien.

Der Autor dieses Dokuments ist kein Geringerer als der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI. 

Ratzinger schreibt, dass Kentenich “ohne Erlaubnis der Kongregation, sondern auf Grund eines fehlinterpretierten Telegrammes” sein Exil unterbrochen habe und nach Rom gekommen sei. Weiter sei man “nicht der Meinung” (…), dass die Beanstandungen, die der Apostolische Visitator seinerzeit an Lehre und Tätigkeit P. Kentenichs machte, ein bedauerlicher Irrtum gewesen seien und auf falschen Informationen beruhten”.

Im Schreiben heißt es auch, dass die Glaubenskongregation zwar ihre Zustimmung gab, dass der Schönstatt-Gründer als Priester im Bistum Münster inkardiniert wird, nachdem er den Pallottiner-Orden verlassen hatte. Gleichzeitig sei jedoch die Bedingung gewesen, „dass P. Kentenich nicht in das Säkularinstitut der Schönstattpriester eintreten und nicht die Leitung des Schönstattwerkes übernehmen dürfe.”

Theologen-Mangel in Deutschland?

Neben dem Priestermangel herrscht in Deutschland auch ein Theologen-Mangel. Das zumindest behauptet ein Artikel der KNA, der Anfang dieser Woche erschienen ist. Demnach studierten 2018/19 insgesamt 18.251 Studenten Theologie. Gerade mal ein Zehntel davon im Vollstudium, bei den Übrigen ist die theologische Ausbildung lediglich Teil eines Lehramtsstudiums.

Dass sich die Theologie in Deutschland in einer Krise befindet, diese These vertritt der deutsche Universitätsprofessor Ulrich Lehner, der in den USA an der Universität von Notre Dame im Bundesstaat Indiana lehrt.

“Ich habe viele Berufungen in Deutschland verfolgt und kann nur sagen: Akademisches Mittelmaß wird immer Mittelmaß berufen”, so Lehner. Eine “Handvoll Professoren” platziere seiner Ansicht nach ihre Schüler in den entsprechenden Posten, “gleich welche Schwächen sie haben”. Dabei falle auf, dass “vor allem diejenigen, die kirchentreu sind, nie zum Zuge kommen, weil man sie vorher aussortiert”.

Die deutsche Theologie sei nicht mehr das, was sie vor 25 Jahren war, beklagt Lehner. Anders als damals habe sie heute keine weltweite Ausstrahlung mehr.

Als Beleg dafür führt der Professor an, dass es kaum noch Übersetzungen von deutschsprachigen theologischen Arbeiten ins Englische, Französische oder Spanische gebe. Umgekehrt werde die weltweite Forschung in Deutschland “erstaunlich wenig wahrgenommen”. Dadurch sei man von der internationalen Forschung weitgehend abgeschnitten, so der Wissenschaftler. Innerhalb der deutschen Forschung zitiere man hingegen überwiegend deutschsprachige Veröffentlichungen. 

Unabhängig der verhältnismäßig geringen Anzahl an “Volltheologen” gibt es in Deutschland immer noch viele Orte, an denen Theologie gelehrt wird. Insgesamt 19 Katholisch-Theologische Fakultäten und Hochschulen, mehr als 30 Institute und Lehrstühle für Katholische Theologie/Religion, verschiedene Forschungs- und Studieneinrichtungen, drei Hochschulen mit dem Fachhochschulstudiengang “Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit” sowie die Kirchliche Arbeitsstelle für Fernstudien “Theologie im Fernkurs” zählt das Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz auf.

Allerdings: Der “Output” bleibt gering. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wurden 2019 gerade einmal acht Personen in katholischer Theologie habilitiert. Ulrich Lehner sagte gegenüber CNA Deutsch wörtlich:

“Die inzwischen leider festzustellende wissenschaftliche Mittelmäßigkeit deutscher Theologie – mit Ausnahmen – rechtfertigt ebensowenig die Anzahl der Fakultäten wie die geringe Anzahl von Diplomstudenten. Sie aufrecht zu erhalten, gleicht einer Verharrung auf anno dazumal erkämpften Privilegien.”

Heute erschien bei CNA Deutsch auch mein Interview mit dem Pastoraltheologen Andreas Wollbold aus München, der für uns die Lage der Theologie in Deutschland analysierte. Das komplette Interview finden Sie hier.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

Wochenrückblick: Noch immer Beschwerden über “Pfarrei-Instruktion”, Warnung vor Instrumentalisierung des Missbrauchs beim “Synodalen Weg”

Es ist nun über eine Woche her, als der Vatikan seine Pfarrei-Instruktion veröffentlicht hat. Zur Erinnerung: Sie richtet sich an alle Pfarreien der Weltkirche und ruft dazu auf, die Missionierung, die Neuevangelisierung zur obersten Priorität der Pfarreienarbeit zu machen. Doch nicht nur das: Die Instruktion erinnert auch daran, dass die Leitung einer Pfarrei immer einem geweihten Priester vorbehalten sein muss. Dies ist bereits im Kirchenrecht so festgelegt.

Doch gerade dieser Punkt sorgt vor allem im deutschsprachigen Raum für Protest. Bereits vergangene Woche trudelten fast täglich neue bischöfliche Verlautbarungen ein, in denen beispielsweise die Bischöfe aus Trier, Mainz, Osnabrück oder Würzburg ihre Verägerung über die Anweisung aus Rom zum Ausdruck brachten, während unter anderem aus Köln und Eichstätt Zustimmung zu hören war.

Wie CNA Deutsch nun berichtet hat, soll der Vatikan nun aber Gespräche angeboten haben. Wenn die deutschen Bischöfe es wünschten, könnten sie „zu gegebener Zeit“ nach Rom kommen, um dort in einem Gesprach die – so wörtlich – “Zweifel und Verblüffung zu beseitigen”.

Als erster Schweizer Bischof hat sich nun auch der Baseler Bischof Felix Gmür zur Instruktion geäußert.  “Dass die Pfarrei so sehr auf den Pfarrer zentriert gesehen wird, entspricht nicht unserer Wirklichkeit”, schreibt der Bischof in einem Brief an alle Mitarbeiter, das sei vielmehr “theologisch defizitär und klerikalistisch verengt”. Er deutet in seinem Schreiben bereits an, die Vorgaben nicht umsetzen zu wollen. “Für uns”, so Gmür, seien stattdessen “diözesane Normen sowie staatliche und staatskirchenrechtliche Vorgaben wichtig”.

Instrumentalisierung des Missbrauchs bei “Synodalem Weg”?

Intensiv auseinandergesetzt hat sich jetzt auch die Theologin Katharina Westerhorstmann mit der Grundausrichtung des sogenannten „Synodalen Wegs“ in Deutschland. Wie Sie wahrscheinlich wissen, wurde von Anfang an betont, dass dieser sogenannte „Reformprozess“ als Reaktion auf den Missbrauchsskandal der Kirche in Deutschland ins Leben gerufen wurde.

In einem Beitrag für die “Herder-Korrespondenz” hat die Theologin nun kritisiert, dass die Missbrauchsfälle teilweise instrumentalisiert würden, um eine Aufweichung der katholischen Sexualmoral zu erreichen. Dies sei, wie Westerhorstmann darlegt, jedoch unredlich.

In der Diskussion werde “immer wieder (…) zu allgemein auf ‘wissenschaftliche Erkenntnisse’ oder die Humanwissenschaften” verwiesen, so die Theologin.

Dass auch die Sexualwissenschaft und die Sexualmedizin häufig als Referenzquelle herangezogen werden, sieht sie äußerst kritisch, da diese – Zitat – “wegen ihrer ambivalenten Geschichte gerade nicht zu den verlässlichen Partnern im Einsatz gegen Pädokriminalität und Missbrauch” gehörten.

Katharina Westerhorstmann nimmt übrigens selbst am “Synodalen Weg” teil. Dort ist sie unter anderem Teil des Synodalforums zur Sexualmoral, das den Titel trägt “Leben in gelingenden Beziehungen” .

In ihrem Beitrag mahnt sie an, dass der innerkirchliche Diskurs beim “Synodalen Weg” an Aufrichtigkeit gewinnen würde, wenn die Missbrauchsfälle nicht zum Vorwand der Liberalisierung instrumentalisiert würden. Westerhorstmann dazu wörtlich:

“Anstatt sich auf die Anerkennung von außerehelichen Geschlechtsbeziehungen, Selbstbefriedigung, homosexuellen Handlungen, künstlicher Empfängnisverhütung und die Kommunionszulassung zivil verheirateter Geschiedener zu konzentrieren, sollte man verstärkt Missbrauchsfälle mit Missbrauchsfällen vergleichen, wie es etwa die Unabhängige Kommission der Bundesregierung tut.“

Insgesamt sei bei der Beurteilung der Sexualmoral der Kirche “ein Ansatz der Kontinuität und nicht des Bruchs” gefragt. Eine gesund gelebte Sexualität nach kirchlichen Vorgaben oder der Verzicht auf “das Ausleben derselben” sei daher keineswegs “toxisch, sondern möglich”, so Westerhorstmann. 

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

Was soll die neue “Pfarrei-Instruktion” eigentlich?

In der jüngeren Vergangenheit hat der Papst seinen Blick immer wieder nach Deutschland gerichtet. Erst im letzten Jahr hat Papst Franziskus mit seinem Brief „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ die deutschen Katholiken aufgefordert, missionarischer zu werden und sich nicht in Strukturdebatten zu verzetteln. Während die Reaktionen auf diesen Brief noch relativ verhalten ausfielen, ist das beim neuen Schreiben aus dem Vatikan ganz anders.

Am Montag hat die Kleruskongregation Instruktionen vorgestellt, die alle Pfarreien in der gesamten Weltkirche betreffen (und nicht nur die deutschen Diözesen). Ein Großteil der deutschen Bischöfe hat darauf mit scharfer Kritik reagiert.

Doch worum geht es eigentlich in dem Schreiben, das den Titel trägt: „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche”

Mein Kollege Anian Christoph Wimmer, Chefredakteur von CNA Deutsch, hat die wichtigsten Punkte einmal zusammengefasst. Seine Übersicht finden sie hier.

Wochenrückblick: Kirchenaustritt als Ausdruck der Religionsfreiheit

Was unterscheidet die Katholische Kirche eigentlich von einer Sekte? Nun, zum einen hat die Kirche durch ihren Gründer – Jesus Christus – die Gewissheit, dass sie niemals untergehen wird, egal, wie hart die Zeiten sind oder noch werden, weil sie der Wahrheit dient. 

Zum anderen kann jeder Mensch Teil der Kirche werden, ohne besondere Leistungen vollbringen zu müssen. Genauso gut kann man die amtliche Mitgliedschaft jederzeit beenden. Das nennt man Religionsfreiheit.

Diesen Punkt hat auch der ehemalige Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, noch einmal in Erinnerung gerufen. In einem Interview beklagte der Erzbischof von Wien die gestiegenen Austrittszahlen in Österreich. Dort nämlich ist die Zahl der Kirchenaustritte im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um 14,9 Prozent angestiegen. Insgesamt 67.583 Personen traten letztes Jahr aus der Katholischen Kirche aus.

Schönborn bedauert die hohen Zahlen, sagte jedoch auch:

“Das ist ein Teil der Religionsfreiheit. Wir sind keine Zwangsgemeinschaft. Das ist die Freiheit, die Gott uns gegeben hat.”

Keine Priesterweihe: Keine Katastrophe?

Die Krise zeigt sich im deutschsprachigen Raum jedoch nicht nur anhand der Kirchenaustritte. Auch die Zahl der Priesterweihen geht zurück. Der Bischof von Augsburg, Bertram Meier, hat kürzlich in einem Interview gesagt, dass er „natürlich sehr enttäuscht” sei, wenn es irgendwann mal ein Jahr lang mal keine Priesterweihe in seinem Bistum geben sollte, jedoch sei dies “keine Katastrophe”.

„Es gab in der Kirchengeschichte immer schon Phasen, in denen die Kirche angezählt wurde“, sagte er wörtlich. „Doch Totgesagte leben am längsten.”

Risikobehaftet sieht Meier jedoch die Umstrukturierungen, die derzeit in vielen Bistümern angedacht werden. Auch Augsburg ist davon betroffen. Die vielen kleinen Pfarreien sollen vermehrt zu XXL-Pfarreien zusammengeschlossen werden.

XXL-Pfarreien in Freiburg beschlossene Sache

Für Aufsehen hat über viele Monate hinweg der Vorstoß des Trierer Bischofs Stephan Ackermann gesorgt. Die insgesamt fast 900 Pfarreien der Diözese Trier sollten zu 35 Großraumpfarreien zusammengeschmolzen werden und Leitungsteams unterstellt werden, in denen der Priester nur eine nebengeordnete Rolle spielt.

Dies hat natürlich nicht nur innerhalb des Bistums Widerstand gesorgt. Rom selbst hat sich eingeschaltet und nach einer längeren Überprüfung schließlich festgestellt, dass die Pläne von Bischof Ackermann in der Form nicht umgesetzt werden dürfen.

Ein ähnliches Schicksal könnte auch den Reformplänen des Freiburger Erzbischofs Stephan Burger blühen. Auch er plant sein Bistum radikal umzustrukturieren. Gleich 1.000 Pfarreien möchte er auf lediglich 40 XXL-Pfarreien zusammenschrumpfen, die sich dann über das gesamte Bistumsgebiet verteilen (hier der ausführliche Bericht bei CNA Deutsch). 

Die Leitung dieser Pfarreien soll jedoch weiterhin von Priestern ausgeübt werden.

Auch wenn Laien künftig mehr in “pastorale Aufgabenfelder” eingebunden werden sollen, ist eine Übertragung der “Hirtensorge” auf Laien kirchenrechtlich nicht gegeben. Dazu hält das Erzbistum wörtlich fest:

“Aufgrund des Kirchenrechts kann eine Pfarrei nur durch einen Priester geleitet werden. Weitere Formen der Leitung, die das Kirchenrecht vorsieht, sind letztlich keine Formen der Gemeindeleitung, sondern pastorale Notstandsregelungen. In konsequenter Anwendung des Kirchenrechts bestimmt die Zahl der zur Verfügung stehenden Pfarrer die Zahl der Pfarreien, sofern man keine ‘Mitverwaltung’ möchte. Dies hat der Erzbischof ausgeschlossen.”

Die XXL-Pfarreien sind jedoch nach Aussage von Erzbischof Burger längst beschlossene Sache. “Am Faktum der Bildung von etwa 40 Pfarreien wird kein Weg vorbeiführen“, schreibt das Erzbistum wörtlich.

Dieser Text erschien (fast) inhaltsgleich zunächst im letzten Podcast-Beitrag von CNA Deutsch.

NEUER ARTIKEL: Der Standhafte

Joachim Kardinal Meisner war bekannt für seine Frömmigkeit, seine Geradlinigkeit und für seine kernigen Sprüche. All dies kommt noch einmal zusammen, wenn man die kürzlich erschienenen Memoiren des verstorbenen Kardinals liest. “Wer sich anpasst, kann gleich einpacken”, so lautet der Titel seiner Lebenserinnerungen und kaum ein Satz hätte die Lebenseinstellung des geborenen Schlesiers wohl besser auf den Punkt gebracht.

Für die katholische Wochenzeitung “DIE TAGESPOST” habe ich eine Rezension verfasst, die in der letzten Ausgabe erschienen ist und nun hier auch online veröffentlicht wurde.

Die Journalistin Gudrun Schmidt hat sich vor dem Tod Meisners mehrfach mit dem Kardinal getroffen, um dessen Erinnerungen aufzuschreiben. Er habe anschließend noch einmal drüber gelesen und seine Anmerkungen gemacht, bis er den finalen Text für gut befunden habe, so Schmidt. Nach seinem Tod sollte das Buch dann erst erscheinen, nicht zu früh, aber auch nicht zu spät – so hatte es der Kardinal verfügt.

Auch wenn seine Zeit als Erzbischof von Köln im Vergleich zur Jugend Meisners oder seine Amtszeit als Bischof von Berlin eher kurz abgehandelt wird, lässt sich das Buch gut lesen. Auch der Ton des Kardinals ist erstaunlich gut getroffen. Bei so mancher Anekdote sieht man ihn direkt vor sich, ob es die Begegnung mit Angela Merkel in Köln oder mit Erich Honecker in Berlin ist.

In einem Interview, das ich kürzlich für EWTN.TV mit dem Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp führte, sprach dieser immer wieder vom Humor Meisners. Auch dieser Charakterzug kommt bei aller Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit – teils ohne Rücksicht auf Verluste – bei den Memoiren immer wieder durch.

Letztendlich kann ich das Buch trotz kleiner Schwächen empfehlen. Wer mehr wissen will, lese jedoch zunächst mal meine Rezension bei der “TAGSPOST”

Als Weihbischof Schwaderlapp die Klappe hielt

Kennen Sie ‘Papa Ante Portas’? Nicht? Wie, nur vom Namen her? Das geht ja gar nicht! Sie müssen den Film unbedingt mal sehen!” – Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp war ob meiner kulturellen Wissenslücke einigermaßen entsetzt. Meine Kollegen waren gerade dabei, sein Wohnzimmer in ein kleines Fernsehstudio umzuwandeln. Drei Tage lang sollten wir für den katholischen Fernsehsender EWTN.TV dort eine neue Serie aufnehmen. Und jetzt kannte dieser Typ, der ihn interviewen sollte, nicht einmal diesen Film-Klassiker von Loriot?

Schwaderlapp war Wochen zuvor von sich aus auf uns zugekommen. Eine Art “Grundkurs des Glaubens” wolle er auf die Beine stellen, eine Serie, die die grundsätzlichen Fragen des katholischen Glaubens behandle. Es war für uns die Gelegenheit, drei Jahre nach der letzten Staffel mit dem Passauer Bischof Stefan Oster eine neue Staffel von “Rudolf will’s wissen” zu drehen.

Sieht aus wie “Der Pate”, war aber ausgesprochen liebenswürdig, offenherzig und humorvoll: Weihbischof Dominikus Schwaderlapp hat sich für uns viel Zeit genommen und als Drehort sogar drei Tage lang sein Wohnzimmer zur Verfügung gestellt.

Der Weihbischof und ich hatten beschlossen, uns am Glaubensbekenntnis zu orientieren. Schließlich ist darin ja alles enthalten, was die Katholische Kirche glaubt. Satz für Satz wollten wir das Credo besprechen.

“Ich glaube an Gott, den Vater…” – so beginnt das Glaubensbekenntnis. Woher will man eigentlich wissen, dass es nur einen Gott gibt? Dass unser Gott der richtige ist? Warum ist Gott “Vater”? Warum “Vater” und nicht “Mutter”?

Diese und weitere Fragen haben wir besprochen und im Nu war die erste Folge schon im Kasten.

Am Ende haben wir vom 6. bis zum 8. Juli innerhalb von drei Tagen 14 Folgen mit jeweils 25 Minuten gedreht. Ich selbst habe die Gespräche mit Weihbischof Schwaderlapp als sehr kurzweilig, aufschlussreich und spannend empfunden. Ich bin als Kind wie selbstverständlich mit dem Glauben aufgewachsen und doch gab es noch Fragen, die ich immer mal stellen wollte. Viele Fragen, mit denen ich außerdem von Freunden und Bekannten im Alltag konfrontiert werde, sind ebenfalls in unsere Serie mit eingeflossen. Es war erstaunlich, wie gut vorbereitet und verständlich Schwaderlapp auf jede einzelne eingegangen ist. Letztlich war diese TV-Produktion für mich wie ein Crashkurs der Theologie und eine Art von geistlichen Exerzitien.

Jetzt steht jedoch erst einmal die Postproduktion an. Ich beneide meinen Kollegen nicht, der die ganzen Folgen nun schneiden und “fernsehfertig” machen darf. Anfang November 2020 soll die komplette Staffel dann bei EWTN.TV anlaufen – sowohl im regulären TV-Programm, als auch über den Internet-Livestream. Ich bin mir sicher, dass die einzelnen Folgen dann auch in der Mediathek abrufbar sein werden. All das wird EWTN noch rechtzeitig über die verschiedenen Kanäle bekanntgeben.

Bis dahin steht bei mir noch Loriot auf dem Programm. “Sie müssen sich unbedingt noch ‘Papa Ante Portas’ ansehen”, hatte Weihbischof Schwaderlapp nach dem Ende des Drehs noch einmal eindringlich gesagt. Auch dort sei die Wohnung mit Kamera-Equipment vollgestellt worden, er habe sofort diese Assoziation gehabt, als er gesehen hatte, wie wir sein Wohnzimmer zu einem improvisierten Studio gemacht haben.

Doch nachdem die letzte Klappe gefallen war, haben auch wir schließlich die Klappe gehalten. Aber sehen Sie selbst: